Gemeinsam, gleichberechtigt und selbstbestimmt

Wie sich Bonn auf den Weg gemacht hat, eine Stadt für alle zu werden

Übersicht

Bonnerinnen und Bonner mit Behinderung sollen in jeder Lebenssituation in das gesamte Stadtleben einbezogen sein, so wie alle anderen auch: Das ist das Ziel der Bundesstadt Bonn. Sie hat dazu den „Behindertenpolitischen Teilhabeplan für die Bundesstadt Bonn“ entwickelt – partizipativ und inklusiv.

Hintergrund

Mehr als ein Fünftel der Menschen in Bonn werden in ihren Teilhaberechten behindert, weil strukturelle Gegebenheiten oft ihren besonderen Bedürfnissen entgegenstehen. Bonn will diese Schranken aufbrechen und hat deshalb seinen behindertenpolitischen Teilhabeplan „Bonn Inklusiv“ auf den Prinzipien von Partizipation und Selbstbestimmung gegründet. 2009, ein halbes Jahr nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland, hat Bonn begonnen, seine neue Vision für inklusives Stadtleben unter maßgeblicher Beteiligung von Selbsthilfeorganisationen, Wohlfahrtsverbänden, Lokalpolitik, Verwaltung und Bürgerschaft in einem engagierten Prozess zu entwickeln und schreibt seitdem sein dynamisches Leitbild weiter fort.

Ziele

Plan und Leitbild sollen helfen, Inklusion überall im städtischen Handeln zu verankern. Der Plan verwurzelt die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen der kommunalen Verwaltung. Gemeinsam entwickelte Handlungsempfehlungen sollen zu substanziellen Verbesserungen bei Teilhabe und Selbstbestimmung führen. Um dies zu gewährleisten, wurden Menschen mit Behinderung und ihre Interessenvertretungen federführend in den Prozess eingebunden.

Aktivitäten

Es wurde eine paritätisch besetzte Lenkungsgruppe gegründet, die sich aus Delegierten aller Ratsfraktionen auf der einen und auf der anderen Seite aus Vertreterinnen und Vertretern von Organisationen von und für Menschen mit Behinderung zusammensetzte. Dieses Gremium identifizierte sieben Themenfelder und richtete dazu Arbeitsgruppen ein. Es entschied es über die Aufnahme von Handlungsempfehlungen und darüber, wie der Austausch mit der Bürgerschaft gestaltet wurde. Die Geschäftsstelle, die zur Abteilung »Besondere Betreuungsmaßnahmen« des Amtes für Soziales und Wohnen der Bundesstadt Bonn gehört, unterstützte hier organisatorisch. 120 Beteiligte engagierten sich kontinuierlich.

Wirkungen

Der gemeinsame Austausch– und Lernprozess, die kluge Bündelung der Kompetenzen und das konstruktive Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte führten schließlich zu einer mutigen Vision sowie zu konkreten Leitlinien und Empfehlungen, um Bonn zu einer wahrhaft inklusiven Stadt zu machen. Dazu gehört auch, dass alle Bonner Satzungen, Richtlinien und Dienstanweisungen dahingehend überprüft werden, ob sie mit der UN-Menschenrechtskonvention in Einklang stehen.

Handlungsfelder für konkrete Veränderungen und Verbesserungen wurden erkannt und benannt. Eine Bestandsaufnahme von Lebenssituationen und Bedürfnissen konnte mit vorhandenen Angeboten und Hilfsstrukturen abgestimmt werden, eine verlässliche Grundlage zur Entwicklung neuer inklusiver Angebote der Stadt.

Fazit

Mit ihrem Behindertenpolitischen Teilhabeplan ist die Bundesstadt Bonn angetreten, ihren kommunalen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu leisten.

Der partizipative Prozess und die konkreten Ergebnisse haben ein Umdenken in der Stadt gefördert und gefordert. Das hat einen langfristigen Transformationsprozess hin zu mehr Inklusion in der gesamten Stadtgesellschaft angestoßen; die größten Barrieren auf dem Weg zur inklusiven Gesellschaft sind bekanntlich in den Köpfen zu finden. Bonn hat einen Weg aufgezeigt, wie die Vision von der Inklusion durch mehr Bewusstsein in Lokalpolitik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichem Miteinander in einer Stadt Wurzeln schlagen und gedeihen kann, im Sinn der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

 

Text: Sabine Hammer

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Regionen: Deutschland Bonn

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