Integriertes Finanzmanagement bei der Abwasserentsorgung

Bei Hamburg Wasser fließen die Geldströme optimal - dank eines maßgeschneiderten IT-Treasury-Systems

Übersicht

Es ist das älteste öffentliche Wasserversorgungsunternehmen auf dem europäischen Kontinent: die heutige Hamburg Wasser. Die lange Tradition fußt auf einem hervorragenden Finanzmanagement. Heute wird es zukunftsweisend mit einem IT-Treasury-System durchgeführt. Bei der Wasserwirtschaft ist Hamburg seit jeher mit innovativen Ideen vorangeschritten. 1842 entwarf der Brite William Lindley hier das erste Abwasserkanalnetz auf dem europäischen Festland. Die Investition hat sich ausgezahlt: 250 km der alten gemauerten Kanäle werden bis heute genutzt.

© Hamburg Wasser

Hintergrund

Damals wie heute sind Abwasserkanälen kostenintensive Investitionen mit langer Nutzungs- und Abschreibungsdauer, in der Regel 70 bis 80 Jahre. Das bedeutet eine Herausforderung, schließlich haben die längsten Bankkredite Laufzeiten von 20 oder bestenfalls 30 Jahren. Dadurch sind Prolongationen oder Anschlussfinanzierungen notwendig – bei einem beständig schrumpfenden Bankmarkt. Das bringt Finanzierungsrisiken mit sich. Darüber hinaus müssen die Kosten für das benötigte Kapital möglichst gering gehalten werden. Seit März 2006 sind die Hamburger Stadtentwässerung und die Hamburger Wasserwerke in einem Gleichordnungskonzern gebündelt; zum Konzern gehören insgesamt sechs Unternehmen einschließlich der Töchter. So wird das gesamte Spektrum möglicher Wasserver- und Abwasserentsorgungsdienstleistungen abgedeckt. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in städtischer Hand.

Ziele

Die Kommune hat die Pflicht, die Daseinsvorsorge zuverlässig sicherzustellen. Deshalb und um das Interesse der Allgemeinheit an möglichst kostengünstigen Gebühren und Abgaben zu garantieren, hat sich die Finanzierungsstrategie von Hamburg Wasser zum Ziel gesetzt, kurz- und langfristige Finanzierungen in einem integrierten System zusammenzuführen. So können die sich daraus ergebenden Möglichkeiten optimal für die strategische und operative Liquidität genutzt werden. Zudem ist so die Zahlungsfähigkeit im Tagesgeschäft jederzeit gewährleistet.

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Aktivitäten

Obwohl die Hamburger Stadtentwässerung und die Hamburger Wasserwerke unter dem Dach von Hamburg Wasser eigenständige Unternehmensbestandteile sind, wurde die Verwaltung im Dezember 2011 zusammengelegt – nicht zuletzt, um die integrierte Finanzplanung zu ermöglichen, die vier Jahre später eingeführt wurde. Das Unternehmen hat eine detaillierte Echtzeitanalyse der Finanzströme sämtlicher Unternehmenssparten und -töchter zur Grundlage aller Entscheidungen gemacht, insbesondere wenn es um Investitionen geht. Um die sich aus dem Mix an Finanzierungsinstrumenten ergebenden Möglichkeiten auszuschöpfen, werden die Kapitalflüsse, Forderungen und Verbindlichkeiten aller größeren Unternehmen unter dem Dach der Hamburg Wasser tagesgenau analysiert und für die globale Unternehmensliquiditätsplanung nutzbar gemacht. Dazu werden täglich zwanzig unterschiedliche Bankkonten zu einem konsolidierten Konto zusammengefasst. Dies geschieht mit Hilfe einer modular strukturierten Treasury-Suite.

Wirkungen

Die Liquiditätssteuerung konnte so erheblich verbessert werden. Kapitalmittel sind nun jederzeit verlässlich verfügbar – und das zu geringstmöglichen Finanzierungskosten. Das bedeutet, dass die Abwasserentsorgungskosten für die Bewohner Hamburgs, aber auch für Handel, Industrie und Gewerbe, zu günstigen Konditionen angeboten werden können. Außerdem garantiert dieses System Prozess-Stabilität. Die Treasury-Suite ermöglicht es, genau vorherzusagen, wie viel Kapital extern gegen Zinsen aufgenommen werden muss. Die Geldflüsse werden zudem beschleunigt und Fehler vermieden. Alle Informationen stehen auf Tastendruck bereit und werden visualisiert. So ist es nunmehr einfacher, die Mittelbeschaffungsstrategie an die Geldmarktentwicklung und die sich zum Teil schnell verändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Außerdem wissen mögliche Investoren die neu gewonnene Transparenz der Geldflüsse zu schätzen.

© Hamburg Wasser

Fazit

Das Treasury-System wurde auf Grundlage der Anforderungen und einer genauen Prozessanalyse bei Hamburg Wasser eigens von Grund auf neu entwickelt. Eine besondere Herausforderung war dabei die Anpassung an den Massenzahlungsverkehr einer Großstadt mit mehr als einer Million Haushalten, deren Abschlagszahlungen und Schlussrechnungen genauso wie Rückstände erfasst werden müssen. Das ausgefeilte Treasury-System hilft dem Unternehmen der öffentlichen Hand nun, die bestmöglichen Zinsen am Markt nutzen zu können.

weitere Information

https://www.hamburgwasser.de/

https://unhabitat.org/books/guide-to-municipal-finance/

www.dertreasurer.de  

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Werdenich (2008), Modernes Cash-Management. Instrumente und Maßnahmen zur Sicherung und Optimierung der Liquidität, aktualisierte Auflage.

Stand: 09.04.2018

Kontakt

jan.brinkmann(at)hamburgwasser.de

Jan Brinkmann

Finanzmanagement

Billhorner Deich 2

20539 Hamburg  

 

Text: Sabine Hammer

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