Revitalisierung eines Stahlstandortes

Das Mega-Projekt Phoenix der Stadt Dortmund

Übersicht

Den Herausforderungen des industriellen Strukturwandels begegnet die Stadt Dortmund im Ruhrgebiet mit aktiven Entwicklungsstrategien, die soziale und wirtschaftliche Folgen abmildern und Ziele der Wirtschaftsförderung und des Klimaschutzes miteinander verbinden. Im Stadtteil Hörde entstanden auf dem ehemaligen Gebiet der Hüttenwerke Phoenix ein Technologiepark und ein künstlicher See sowie Wohn- und Erholungsräume. Die Schaffung des Sees wurde mit der Renaturierung des Emscher-Flußlaufes verbunden, wodurch weitere Gebiete für die Naherholung entstanden und der Hochwasserschutz entscheidend verbessert wurde.

Hintergrund

Die Stadt Dortmund ist die bevölkerungsreichste Stadt im Ruhrgebiet, dem ehemaligen Zentrum der Kohle- und Stahlindustrie im Westen Deutschlands. Seit den 70er Jahren kämpft sie mit den Folgen des industriellen Strukturwandels. So verringerte sich durch die Krise der Schwerindustrie die Zahl der Industriebeschäftigten zwischen 1960 bis 1994 um 90.000 Personen. Aus der Arbeitslosigkeit erwuchsen soziale und wirtschaftliche Probleme, die das Leben in vielen Stadtteilen belasteten.

Dortmund begegnete diesen Herausforderungen mit unterschiedlichen Strategien, die den Wandel zu einem modernen Technologie- und Dienstleistungsstandort förderten. Dazu zählten auch vielfältige Projekte der Stadtentwicklung. Seit mehr als fünfzehn Jahren nimmt auch der Klimaschutz einen wichtigen Stellenwert ein.

Die Revitalisierung der ehemaligen Phoenix-Hüttenwerke im Stadtteil Hörde vereint in beispielhafter Weise diese unterschiedlichen Aspekte der städtischen Entwicklung. Um die Jahrtausendwende wurden Hochöfen und Stahlwerk des traditionsreichen Industriestandortes in Folge der Fusion der Konzerne Thyssen und Krupp im Abstand weniger Jahre stillgelegt. Damit standen zwei nahe beieinanderliegende Industrieflächen von insgesamt 210 ha für eine Neuentwicklung zur Verfügung.

Ziele

Mit der Flächenrevitalisierung waren verschiedene Zielsetzungen verbunden: Zum einen sollte durch die Neuentwicklung des Industriegeländes eine innovative Standortförderung betrieben werden, um neue Technologieunternehmen anzusiedeln und Arbeitsplätze zu schaffen.

Gleichzeitig sollte durch die Umgestaltung der Industriebrache der Stadtteil Hörde stabilisiert werden durch die Schaffung eines attraktiven Wohnungsbaugebiets, das ergänzt wurde mit Angeboten für Dienstleistung, Freizeit, Gastronomie und Kultur sowie Erholungsräume für die Bewohnerinnen und Bewohner.

Zudem sollten durch die Renaturierung der Flusslandschaft der Emscher weitere Räume für Naherholung und Naturschutz geschaffen und Vorkehrungen zum Hochwasserschutz getroffen werden.

Schließlich verband sich mit der Aufwertung und Neubelebung eines für die Identität der Stadt zentralen Industriestandortes das Ziel, ein positives Symbol für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel zu schaffen und die historische Vergangenheit der Montanindustrie sichtbar und erlebbar mit zukünftigen Entwicklungsperspektiven zu verbinden.

Aktivitäten

Bereits Anfang 2000 wurde eine umfassende Entwicklungswerkstatt durchgeführt, zu der Planungs- und Architekturbüros eingeladen wurden, um Nutzungsperspektiven für das Gelände der Hochöfen mit einer Fläche von ca. 115 Hektar zu entwickeln.

Basierend auf diesen und weiteren Planungsprozessen entstand im Verlauf von ungefähr zehn Jahren auf dem Gelände Phoenix West ein neuer Standort für Existenzgründer und etablierte Unternehmen in den Bereichen der Mikro- und Nanotechnologie sowie der Produktions- und Informationstechnologie. Auf dem Gewerbestandort wurden die notwendigen Infrastruktureinrichtungen für die Firmen geschaffen. Für Werksgebäude, Büroflächen und Labore gab es ausreichend Flächenangebote in einem vorzeigbaren industriehistorischen Umfeld.

Teile der denkmalgeschützten Hochofenanlage und ebenso der ca. 100 m hohe Gasometer blieben als Industriedenkmäler erhalten und wurden in die neue Nutzung eingefügt. Ein ehemaliges Reserveteillager wird als Ausstellungs- und Veranstaltungshalle genutzt. Ebenso wurden die Kühltürme in Fragmenten erhalten. Sie stellen nicht nur ein Designelement dar, sondern sind mit ihren darunter liegenden Zisternen eine hervorragende Klimaanpassungsmaßnahme: Das Regenwasser des Geländes wird dort gesammelt und verzögert in ein Kaskadensystem, das der Emscher vorgeschaltet ist, abgeleitet.

Für das Gelände des ehemaligen Stahlwerks beschloss der Rat der Stadt Dortmund die Anlage eines künstlichen Sees als Kernstück der zukünftigen Nutzung. Hier wurde ein 1,2 Kilometer langer und 320 Meter breiter See geschaffen, dessen Uferbereiche in unterschiedlicher Weise genutzt werden: Es entstanden Baugrundstücke für verschiedene Wohnungsbedarfe und ein Hafenbereich mit Büroimmobilien, Gastronomie und Kulturprojekten. Eine Uferpromenade, Wassersportangebote und landschaftsarchitektonisch gestaltete Naturräume dienen der Naherholung am See. Mit der Realisierung des Projekts wurde eine neugegründete städtische Entwicklungsgesellschaft beauftragt, die auch die mit der Planung und Umsetzung verbundenen Beteiligungsprozesse der Bevölkerung organisierte. Eine Herausforderung stellte die Sanierung des kontaminierten Bodens der Industriefläche dar.

Zusätzlich wurde auf einem Teil der Industriebrache in Phoenix West ein Park geschaffen, bei dessen Gestaltung die durch die Industrie geprägte Vergangenheit des Geländes aufgegriffen wurde. Es entstanden Naturschutzräume, aber auch Erholungs- und Freizeitangebote bei Erhalt denkmalgeschützter Industrieanlagen. Der Park verbindet die beiden Entwicklungsgebiete ebenso wie verschiedene Brückenkonstruktionen, die im Zuge der Entwicklung konstruiert wurden.

Schließlich wurde das Großprojekt durch eine Renaturierung des Flusses Emscher ergänzt. Der Fluss existierte vorher nur noch als Abwasserlauf in einem engen Betonbett, das zum Teil unterirdisch verlief. Durch die Offenlegung parallel zum See und durch die naturnahe Gestaltung wurde ein neues Biotop geschaffen. Der Phoenixsee ist inzwischen das bedeutendste Naherholungsgebiet im innerstädtischen Bereich von Dortmund. Außerdem dient er zur Überflutungsvorsorge eines großen städtischen Bereiches innerhalb des Stadtteils Hörde. Im Notfall kann er zu seinen 600.000 m3 Wasser zusätzlich 300.000 m3 für die Regenrückhaltung aufnehmen.  

Eine Herausforderung bei der Projektumsetzung bestand darin, die Zusammenarbeit der involvierten Akteure zu koordinieren, die planungsrechtlichen Vorgaben zu entwickeln und aufeinander abzustimmen. Es galt, einen Interessenausgleich zwischen der Politik, den verschiedenen zuständigen Ämtern der Stadtverwaltung, der Entwicklungsgesellschaft sowie den Bewohnern, den Bürgerinitiativen und privaten Investoren herzustellen. Auch die Belange der Stadtplanung, des Umwelt- und Klimaschutzes, des Wohnungsbaus und viele weitere Aspekte mussten in Einklang gebracht werden. Dies gelang u.a. durch Vernetzung aller Interessengruppen an einem Runden Tisch und eine regelmäßige Öffentlichkeitsbeteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner.

Für die Umsetzung des komplexen Projekts, das insgesamt ca. 400 Millionen Euro kostete, erhielt die Stadt Dortmund finanzielle Unterstützung durch das Land Nordrhein-Westfalen und die Europäische Union. Außerdem wurden Einnahmen durch den Verkauf von Bauland entlang des Ufers des neugeschaffenen Sees erzielt.

Wirkungen

Das Projekt ist ein wichtiger Baustein des seit den 1990er Jahren aktiv betriebenen Strukturwandels in Dortmund und hat einen wichtigen Beitrag für die Ansiedlung neuer Wohnstandorte, Technologieunternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen geleistet.

Mit dem Park, dem neugeschaffenen See und dem renaturierten Fluss Emscher wurden neue Grünflächen, Naturschutzflächen und eine Gewässerlandschaft geschaffen, die einen attraktiven Natur- und Naherholungsraum für die Bewohner der angrenzenden Stadtteile bilden. Gleichzeitig wurden durch das Projekt Maßnahmen zum Schutz vor den Folgen des Klimawandels umgesetzt.

Durch ein Zusammenwirken von Wasser-, Landschafts- und Städtebau wurden unterschiedliche Nutzungen der Fläche möglich und Synergieeffekte erzielt, die insgesamt das Wohnungsangebot erweiterten sowie die Wohnqualität, den Erholungswert und den Naturschutz im Stadtquartier verbesserten.

Fazit

Für die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts dieser Größenordnung waren verschiedene Faktoren verantwortlich: Es gab einen ausführlichen Ideenaustausch, um geeignete Nutzungsoptionen zu entwickeln. Diese wurden durch politische Beschlüsse des Kommunalparlaments abgesichert.

Die Planungsoptionen wurden aus den Gegebenheiten der Situation vor Ort und in Abstimmung mit den betroffenen Akteuren entwickelt. Von Anfang an wurden dabei die relevanten Akteure vernetzt und die Planungen auf eine strategische Grundlage gestellt.

Das Projektmanagement lag in den Händen einer stadteigenen, aber privatrechtlich organisierten Entwicklungsgesellschaft. Dadurch wurden gleichzeitig Flexibilität bei der Projektimplementierung und Rückbindung an die Entscheider in Politik und Verwaltung sichergestellt.

Schließlich war der Erfolg auch in persönlichen Eigenschaften der Projektverantwortlichen und Entscheider begründet, die mutig und engagiert agierten und Raum schufen für die Entwicklung kreativer Ideen und unkonventioneller Lösungen.

weitere Information

 Phoenix-Projekt der Stadt Dortmund

Internet-Plattform Werkstatt-Stadt – Innovative Projekte im Städtebau, finanziert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Beispiel Dortmund „Phoenix See“

Dortmund, Germany – A greener tomorrow: Water management in urban redevelopment, ICLEI Case Studies 193, October 2016, Veröffentlichung von ICLEI – Local Governments for Sustainability, einem weltweiten Städte- und Regionennetzwerk für an Nachhaltigkeitsfragen interessierte Kommunalverwaltungen

Institute for Industrial Productivity / Robert P. Raylor: Case Study – A Review of Industrial Restructuring in the Ruhr Valley and Relevant Points for China, Juli 2015.

Stand: 10.01.2018

Kontakt

Michael Leischner

Stadt Dortmund Koordinierungsstelle Klimaschutz/ Klimafolgenanpassung im Umweltamt

Brückstraße 45

44122 Dortmund

Tel: 0231 / 50 26 904

Fax: 0231 / 50 254 28

E-Mail: michael.leischner@stadtdo.de

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