Connective Cities lädt zwei Expert*innen aus Ihrer Kommune ein, sich am internationalen Fachaustausch in Bremen und dem anschließenden Lernprozess zu beteiligen.
Unterstützen Sie die Gründerszene in Ihrer Kommune? Welche Perspektiven bieten Sie jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit? Die Stadt Bremen ist zu dem Thema bereits sehr gut vernetzt – auch international. Nun lädt die Stadt Sie in Kooperation mit Connective Cities dazu ein, gemeinsam mit fünf weiteren deutschen und sechs internationalen Kommunen in Bremen zusammenzukommen und sich zu Gründungsinitiativen und Gründungszentren sowie kommunalen Anreizen und Unterstützungsangeboten für Gründungen und Start-ups auszutauschen.
Das Eröffnen von Perspektiven und die Förderung von Qualifikation sind für junge Menschen in Deutschland und im Globalen Süden gleichbedeutend wichtig; möglichst allen jungen Menschen muss ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. In Bremen und Bremerhaven ist die Zahl der Start-Ups im nationalen Vergleich hoch. Die Gründungsszene ist lebendig, innovativ und gut vernetzt. Auch international hat die Senatskanzlei Bremen bereits wertvolle Kontakte: Ihre Partnerstädte Windhoek (Namibia) und Durban (Südafrika) bringen Erfahrungen mit eigenen Gründungszentren und Instrumenten zur Start-Up-Förderung ein.
Ziele der Dialogveranstaltung sind das gemeinsame Lernen durch das Kennenlernen von kommunalen Guten Praktiken, der Austausch zu Herausforderungen im Rahmen von kollegialen Beratungen und die Entwicklung von Lösungsansätzen zu herausgestellten Herausforderungen, sowie die Vernetzung der Teilnehmenden untereinander.
Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils zwei Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Arbeit und Soziales oder Jugendarbeit.
Das zweite Africa Urban Forum (AUF), organisiert von der Afrikanischen Union mit der Unterstützung von UN-Habitat und UNECA, fand vom 8. bis zum 10. April 2026 im Kenyatta International Conference Centre in Nairobi, Kenia, statt. Das AUF brachte politische Entscheidungsträger*innen, den Privatsektor, Zivilgesellschaft und Entwicklungspartner aus ganz Afrika zusammen, um über das Thema „Angemessener Wohnraum für alle: Förderung des sozioökonomischen und ökologischen Wandels zur Umsetzung der Agenda 2063“ zu diskutieren.
Im Rahmen der Konferenz organisierte Connective Cities gemeinsam mit den GIZ-Partnerprojekten CoMSSA und RIA am 9. April ein Side-Event, welches internationale Experten, Finanzierungsinstitutionen und Planungsdepartments zusammenbrachte. Die Teilnehmenden gewannen Einblicke aus den Diskussionen mit Vertreter*innen der lokalen Behörden aus Embu (Kenia) und eThekwini (Südafrika) darüber, wie kooperative Regierungsführung mit technischem Fachwissen für eine klimaresiliente Infrastruktur verbunden werden kann. In diesem Zusammenhang verdeutlichte die Vorstellung der technischen Pre-Feasibility Studie von Embu zur Infrastruktur für die Abfallwirtschaft die Notwendigkeit einer umfassenden Datenerhebung vor der Projektumsetzung.
Neben den Fallstudien diskutierten die Fachleute auf dem Podium institutionelle Regelungen und politische Ansätze im Zusammenhang mit der Finanzierung nachhaltiger städtischer Infrastruktur. So betonte etwa ein Vertreter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, dass Städte die Digitalisierung der Einnahmenerhebung nutzen müssen, um den stetig steigenden finanziellen Anforderungen gerecht zu werden und potenziellen Geldgebern zu zeigen, dass sie über die notwendigen Kapazitäten verfügen, um finanzielle Mittel effektiv einzusetzen.
Darüber hinaus betonte eine Vertreterin der Europäischen Investitionsbank, dass für eine effiziente Umsetzung von Entwicklungsprojekten die nationale und subnationale Regierungsebene kooperative Governance-Modelle eingehen müssen, bei denen diese sich gegenseitig bei der Beschaffung von Mitteln von potenziellen Geldgebern unterstützen. Die Programmmanagerin sprach sich so gegen institutionell-fragmentierte Ansätze bei der Infrastrukturentwicklung aus, um Verschwendung sowie Doppelarbeit und Ressourcenverschwendung vorzubeugen.
Im Ergebnis lieferte die von der GIZ organisierte AUF-Nebenveranstaltung durch die Zusammenführung von Finanzinstituten und Führungskräften lokaler Verwaltungen wertvolle Einblicke in die Frage, wie nachhaltige Stadtentwicklung ganzheitlich als Grundlage für den erfolgreichen Aufbau klimaresilienter Infrastruktur in afrikanischen Städten und darüber hinaus gedacht werden kann.
Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.
Neben einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland bildeten Praxisbeispiele aus dem Kreis Pinneberg, Mersin (Türkei) und Oberhausen, München und Gharb Irbid (Jordanien) die Grundlage für eine tiefergehende Diskussion in Arbeitsgruppen. Dadurch zeigte sich eindrucksvoll, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.
Kommunen und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland sind eingeladen, am regionalen Lernprozess „Planung für kommunale Resilienz“ teilzunehmen und gemeinsam Ansätze zum Schutz kritischer Infrastrukturen weiterzuentwickeln.
Kommunen stehen zunehmend vor komplexen Risiken: klimabedingte Extremereignisse, technische Störungen, wachsende Abhängigkeiten zwischen Infrastruktursystemen sowie neue sicherheitspolitische Herausforderungen gefährden die Funktionsfähigkeit urbaner Räume. Der Schutz kritischer Infrastrukturen – Energie, Wasser, Verkehr, Kommunikation und Gesundheit – ist damit zu einer zentralen Aufgabe moderner kommunaler Governance geworden.
Der Lernprozess bringt Kommunen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland zusammen, um praxisnahes Wissen auszutauschen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und lokale Kapazitäten für risikoinformierte Entwicklung zu stärken. Im Fokus stehen integrierte Planung, Multi-Risiko-Governance und die Entwicklung umsetzbarer Projektansätze zum Schutz und zur Stärkung kritischer Infrastrukturen.
An wen richtet sich der Teilnahmeaufruf?
Fach- und Führungskräfte aus Kommunalverwaltungen, kommunalen Unternehmen und regionalen Behörden
Mitarbeitende aus Planung, Infrastruktur, Katastrophenvorsorge und kommunalem Management
Städte, Gemeinden, Landkreise und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland
Zeitplan und Format
Virtuelles Kick-off-Meeting: Ende April 2026
Erster Präsensworkshop (3 Tage): Anfang Juni
Dauer: ca. 1 Jahr
Formate: Präsenzworkshops, digitale Austauschmodule und kurze Expert*innenmissionen („Peer Visits“)
Der Lernprozess ist in drei Phasen gegliedert:
Risiko- und Vulnerabilitätsanalyse,
integrierte Planung und Lösungsentwicklung sowie
Umsetzungsreife und Finanzierung.
Thematische Schwerpunkte liegen u. a. auf urbanen Systemen und Infrastrukturresilienz, integrierter Risikogovernance sowie Daten-, Frühwarn- und Kontinuitätsmanagement. Der strukturierte Prozess fördert kollegiale Beratung und technische Zusammenarbeit zwischen Kommunen in Europa und den Partnerregionen.
Teilnahme und Kontakt
Die Teilnahmekosten (Unterbringung und Verpflegung) werden übernommen. Die Konferenzsprache ist Englisch.
Connective Cities – Internationale Städteplattform für nachhaltige Entwicklung lädt kommunale und regionale Gebietskörperschaften aus Subsahara-Afrika und Deutschland ein, an einem neuen internationalen Lernprozess zum Thema naturbasierte Lösungen (NbS) teilzunehmen.
Lokale und regionale Behörden stehen zunehmend an vorderster Front bei der Bewältigung von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltdegradation. Zunehmende Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen sowie Flächenversiegelung setzen urbane Infrastrukturen und Governance-Systeme unter wachsenden Druck. Vor diesem Hintergrund bieten naturbasierte Lösungen einen kosteneffizienten Ansatz mit vielfältigem Mehrwert, um die Klimaanpassung zu stärken und zugleich Minderungsko-Benefits wie Kohlenstoffbindung, Regenwassermanagement sowie urbane Kühl- und Heizregulierung zu erzielen.
Über den Lernprozess
Der einjährige Lernprozess bringt kommunale Praktikerinnen, technische Expertinnen und politische Entscheidungsträger*innen in drei Präsenzworkshops sowie über eine kontinuierliche virtuelle Zusammenarbeit zusammen. Die Teilnehmenden durchlaufen dabei alle Phasen von der Problemidentifikation über die gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen bis hin zur Umsetzungs- und Finanzierungsreife. Der Prozess wird durch Peer-Learning, fachlichen Austausch und gezieltes Coaching begleitet.
Ziele des Lernprozesses sind:
Stärkung kommunaler und regionaler Kapazitäten zur Planung und Umsetzung naturbasierter Lösungen
Förderung strukturierter Peer-to-Peer-Lernprozesse zwischen Kommunen aus Subsahara-Afrika und Deutschland
Gemeinsame Entwicklung umsetzungsnaher NbS-Projektkonzepte, die für Pilotierung, Finanzierung oder Integration in Planungsprozesse geeignet sind
Erarbeitung und Verbreitung von Wissensprodukten zur Replikation und Skalierung
Thematische Schwerpunkte
Die Zusammenarbeit erfolgt in nachfrageorientierten thematischen Arbeitsgruppen, darunter:
Wasser & Schwammstadt-Ansätze – Hochwassermanagement, Fluss- und Feuchtgebietsrenaturierung, Regenwassermanagement
Begrünung kommunaler Infrastruktur – Integration grüner und grauer Infrastruktur, ökologische Korridore, klimaangepasste Mobilitäts- und Energiesysteme
Zeitplan
März 2026: Virtueller Kick-off und Insight-Session zu naturbasierten Lösungen
vom 21. bis 23. April 2026: Erster Präsenzworkshop
Oktober 2026: Zweiter Präsenzworkshop
Januar 2027: Abschließender Präsenzworkshop
Teilnahmeberechtigung
Der Aufruf richtet sich an:
Kommunale und regionale Gebietskörperschaften aus Subsahara-Afrika
Deutsche Kommunen und Landkreise
Es wird empfohlen, mit zwei Fachpersonen pro Kommune teilzunehmen. Eine Einbindung von Partnern aus Ministerien, Zivilgesellschaft oder Privatwirtschaft ist möglich.
Bewerbung
Interessierte Gebietskörperschaften werden gebeten, eine Interessenbekundung (Expression of Interest) über die Connective Cities Community-Plattform einzureichen:
Internationale Plattform für nachhaltige Kommunalentwicklung
NEWSLETTER – AUSGABE NR. 93, April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
„Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“, schrieb Antoine de Saint-Exupéry 1951 in seinem Buch Die Stadt in der Wüste.
Auch 75 Jahre später hat diese Aussage nichts an Aktualität verloren. Zukunftsfähigkeit ist ein zentrales Ziel unserer Lernprozesse und Fachaustausche in den vergangenen Wochen.
So haben wir intensiv diskutiert, wie sich Daten effizient erheben und managen lassen, um die Transformation urbaner Mobilität fundiert zu gestalten.
Angesichts zunehmender Überschwemmungen und Dürren haben wir zudem einen zweijährigen Deep Dive zum Thema „wasserresiliente Kommunen“ gestartet. Parallel dazu setzen wir in der MENA-Region in einem weiteren Lernprozess verstärkt auf urbanen Klimaschutz und mehr Lebensqualität durch die Entwicklung grüner Korridore. Dabei wurden im Auftaktworkshop erste gemeinsame Prioritäten definiert und mithilfe innovativer Methoden – wie KI-gestützter Visualisierung – konkrete Zukunftsszenarien für klimaresiliente und lebenswertere kommunale Räume entwickelt.
Nachhaltige lokale Wirtschaftsförderung rückt die ökonomische Zukunftsfähigkeit von Kommunen in den Fokus. Das Potenzial migrierter Fachkräfte ist dabei groß – dies zeigte sich in der regen Beteiligung und den lebhaften Diskussionen unserer Insight Session. Zugleich wurde deutlich: Dieses Potenzial lässt sich nur erschließen, wenn migrierte Menschen als Ganzes und mit all ihren Bedürfnissen ernst genommen werden.
Die ganzheitliche Wahrnehmung persönlicher Potentiale wird auch ein Aspekt unserer nächsten Dialogveranstaltung vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Bremen sein. Unter dem Titel „Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für junge Menschen“ sind insbesondere kommunale Fachleute aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Arbeit und Soziales sowie Jugendarbeit herzlich eingeladen.
Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre.
Ihr Connective Cities Team
RÜCKBLICK
Mobilität fundiert gestalten: Entscheidungen auf Basis valider Informationen
Inspirationen aus dem Fachaustausch zu Mobilitätsdatenmanagement
Was braucht es, um Mobilität in unseren Kommunen nachhaltiger zu gestalten? Neue Technologien? Mehr Mittel? Den Willen der Bürger*innen? Eine Antwort: Es braucht verlässliche Informationen für fundierte Entscheidungen, die gezielte Veränderungen bewirken können. Ende März nutzten Teilnehmende des Lernprozesses “Nachhaltige Mobilität – Zusammenspiel zukunftsfähiger Mobilitätsformen“ die Gelegenheit, sich zu Datenmanagement und -nutzung als einen zentralen Aspekt der Verkehrswende auszutauschen. In dem Online-Austausch stellten 5 Kommunen Aspekte ihres Mobilitätsdatenmanagement als Grundlage für verkehrsplanerische Entscheidungen vor.
Start unseres zweijährigen internationalen Lernprozesses „Deep Dive“
Für Länder des Globalen Südens ist Wasserknappheit längst ein Entwicklungshemmnis – doch künftig müssen sich alle Regionen weltweit an schwankende Verfügbarkeiten und wachsende Nutzungskonflikte anpassen. Wasser wird zur strategischen Ressource des 21. Jahrhunderts. Deshalb bringen wir im Deep Dive zum Thema „Wasserresiliente Kommunen“ Fachleute aus acht ausgewählten Kommunen aus Benin, Deutschland, Kenia, Indien, Serbien und Sri Lanka zusammen, um innovative Ansätze zu diskutieren und über zwei Jahre lokalangepasste Lösungen zu jeweiligen Herausforderungen zu entwickeln und zu implementieren.
Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region
Auftakt des Lernprozesses „Grüne Korridore in der City und auf dem Land“
Der Auftakt diente als technische und methodische Einführung in den Lernprozess. Ziel war es, erste thematische Prioritäten festzulegen, kommunale Herausforderungen sichtbar zu machen und eine gemeinsame Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu schaffen.
Ein zentrales Element des Workshops war eine KI-Visualisierungsübung zu grünen Korridoren. Basierend auf Bildern aus urbanen Kontexten der teilnehmenden Städte wurden Zukunftsszenarien für klimaresistente, grünere und nutzbarere urbane Räume entwickelt – auch als methodisches Instrument, um Diskussionen über die Umsetzbarkeit grüner Korridore anzuregen. Angereichert wurde die Diskussionen durch Praxisbeispiele deutscher und ägyptischer Städte.
Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum für kommunale Wirtschaftsentwicklung
Connective Cities Insight Session über die Rolle von Kommunen an der Schnittstelle von Migration und kommunaler Wirtschaftsförderung
Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ihr Erfolg und Misserfolg entscheidet sich jedoch auch auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Das Potenzial von Fachkräftemigration ist für alle Seiten groß – faire Bedingungen vorausgesetzt. Interessant sind dabei auch Unternehmensgründungen von Migrant*innen, aus denen sich wiederum Arbeitsplätze generieren. Praxisbeispiele und die lebhafte Diskussion der Insight Session zeigten eindrucksvoll, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.
Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektive für junge Menschen
Teilnahmeaufruf für kommunale Fachleute zur Dialogveranstaltung vom 30. Juni bis 02. Juli 2026 in Bremen
Unterstützen Sie die Gründerszene in Ihrer Kommune? Welche Perspektiven bieten Sie jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit? Die Stadt Bremen ist zu dem Thema bereits sehr gut vernetzt und lädt in Kooperation mit Connective Cities dazu ein, gemeinsam mit fünf weiteren deutschen und sechs internationalen Kommunen, sich zu Gründungsinitiativen und Gründungszentren sowie kommunalen Anreizen und Unterstützungsangeboten für Gründungen und Start-ups auszutauschen.
Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils zwei Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Arbeit und Soziales oder Jugendarbeit. Bewerbungsfrist: 10. Mai 2026
Engagement Global gGmbH Servicestelle Kommunen in der Einen Welt Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Sibylle Loyeau Email: sibylle.loyeau@engagement-global.de
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Friedrich-Ebert-Allee 32 + 36, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Ricarda Meissner Email: ricarda.meissner@giz.de
Herausgeber: Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Sprache: Englisch
Frauen und geschlechtliche Minderheiten stellen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, doch Verkehrssysteme wurden in der Vergangenheit stets für einen männlichen Standardnutzer konzipiert. Untersuchungen zeigen, dass Frauen und geschlechtliche Minderheiten Mobilitätsnetze anders nutzen. Ihre Mobilitätsmuster und Bedürfnisse werden von herkömmlichen Planungsmodellen jedoch nach wie vor vernachlässigt. Wenn Planer*innen den Bedürfnissen von Frauen und geschlechtlichen Minderheiten Vorrang einräumen, können sie sicherere und barrierefreiere Verkehrssysteme entwerfen, von denen alle Nutzer*innen profitieren. Dieses Toolkit bietet Designer*innen, Verkehrsplaner*innen und politischen Entscheidungsträger*innen praktische Ressourcen und Anleitungen, um geschlechtergerechte Praktiken in die Mobilitäts- und Verkehrsplanung zu integrieren. In Anlehnung an die wichtigsten Phasen des Stadtplanungsprozesses enthält das Toolkit Kapitel zu Themen wie Datenerhebung und Bürgerbeteiligung, die jeweils anhand einer Fallstudie aus Projekten lokaler Behörden veranschaulicht werden. Zusätzlich umfasst das Toolkit einen Leitfaden für Praktiker:innen, der wichtige Punkte und Empfehlungen hervorhebt. Leser*innen können so die wesentlichen Leitlinien schnell erfassen und anwenden, ohne das gesamte Toolkit lesen zu müssen. Das Toolkit ist zwar nicht umfassend, bietet jedoch einen Ausgangspunkt für die Überprüfung und Verbesserung von Verkehrs- und Mobilitätssystemen auf lokaler Ebene.
Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.
In der Verwaltung die Schnittstelle von internationaler Zusammenarbeit und Wirtschaftsförderung erschließen. Abbildung: Slido-Abfrage während der Online-Veranstaltung
Die Situation im Groben: Regionen und Länder mit Fachkräftemangel, zumeist einkommensstarke Länder, stehen Regionen und Ländern mit einem Überschuss an (qualifizierten) Arbeitskräften, zumeist einkommensschwächere Länder, gegenüber. In Deutschland zeichnet sich bis 2028 eine Lücke von 768.000 Fachkräften ab.
Das Potenzial von Fachkräftemigration ist für alle Seiten groß – faire Bedingungen vorausgesetzt. Interessant sind dabei auch Unternehmensgründungen von Migrant*innen, aus denen sich wiederum Arbeitsplätze generieren. In zwei Dritteln der OECD-Länder zeigen Migrant*innen hierfür eine größere Bereitschaft als die nicht migrierte Bevölkerung.
Ermutigend ist eine Online-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland aus dem Jahr 2024, die während der Insight Session vorgestellt wurde. Danach haben rund dreiviertel (73,3 Prozent) der befragten Migrant*innen in den vergangenen 12 Monaten nicht über Abwanderung nachgedacht und auch keine derartigen Pläne für die nächsten 12 Monaten. Wenn Fachkräfte planen abzuwandern, begründen sie dies zuvorderst mit den komplexen bürokratischen Prozessen, der Steuerlast und der allgemeinen ökonomischen Situation in Deutschland. 47 Prozent würden dann in ihr Herkunftsland zurückziehen, 53 Prozent in ein anderes Land weiterwandern, darunter vor allem die Schweiz, andere europäische Länder und die USA.
„Deutschland als Zwischenstation?“ Dr. Lukas Olbrich vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtete aus einer Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten. Abbildung: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Die Verantwortung für migrationspolitische Weichenstellungen – auch in Bezug auf Fachkräfteeinwanderung – liegt in erster Linie bei den einzelnen Staaten. Auf internationaler Ebene bildet auch der „Global Compact for Migration“ der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018 den politischen Rahmen für die Einwanderung von Fachkräften Die Mitgliedstaaten beteuern hier ihr Interesse, Bedingungen für Migrant*innen zu verbessern – wenn auch nicht rechtlich bindend. In Deutschland gilt zudem das 2019 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten regelt und erleichtern soll. Ganz frisch zum Thema gibt es seit März 2026 die Fachkräfteallianz „WE-Fair – Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In dieser arbeiten Wirtschafts- und entwicklungspolitische Akteure gemeinsam daran, faire Rekrutierung und qualifizierte Einwanderung voranzubringen.
Vier Kommunen präsentierten bei der Insight Session, wie sie Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum bei sich koordinieren.
Annika Abellán aus der KreisverwaltungPinneberg zeigte zunächst die Vielfalt der Akteure auf, die in den Prozess der Fachkräfteeinwanderung eingebunden sind und machte damit die Komplexität deutlich. Im Zentrum stehen immer die einwandernde Fachkraft und das arbeitgebende Unternehmen. Noch im Herkunftsland sind zudem die deutsche Botschaft, die Bundesagentur für Arbeit sowie die örtlichen Ausländerbehörden eingebunden. Für die weitere Vorbereitung (und später auch in Deutschland) kommen Anbieter von Sprachkursen und interkulturellen Trainings sowie Institutionen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen ins Spiel. Für den Aufbau eines Lebens in Deutschland schließlich sind Akteure wie Wohnungsanbieter, Meldebehörden, Krankenversicherungen, Steuerbehörden sowie – je nach Einzelfall – Bezugseinrichtungen für Familienangehörige wie Kindertagesstätten und Schulen relevant.
Mit jeder dieser Stellen geht eine Fülle an Informationsbedarf einher, weswegen der Kreis Pinneberg als zentrale Dienstleistung Orientierung anbietet. „Unser Ziel ist einfach, aber ehrgeizig: Informationen dort zu teilen, wo sie gebraucht werden und die richtigen Leute zusammenzubringen“, erläuterte Annika Abellán. Wichtiges Instrument ist die auch für andere Kommunen verfügbare App „Integreat“, in der das fünfköpfige Team – zusammengesetzt aus verschiedenen Abteilungen der Kreisverwaltung – alle Informationen für Fachkräfte gebündelt zugänglich macht. Zudem werden Informationen über einen speziellen Newsletter, gezielte Mailings, das Online-Portal des Kreises sowie Social Media und die lokale Presse geteilt. Darüber hinaus leistet der Kreis regionale und überregionale Netzwerkarbeit und bringt die Akteure auch zu verschiedenen Fokusthemen zusammen, so etwa zum Thema Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Um Fachkräfteeinwanderung zu stimulieren, werden außerdem gezielte Projekte umgesetzt: Die „Fachkräfteallianz Pflege“ bezieht sich auf Fachkräfte im Gesundheitsbereich. Als Teil des bundesweiten Projekts „THAMM Plus“ könnte der Kreis zudem künftig die Zuwanderung von Fachkräften aus Nordafrika für die Arbeit in lokalen Kindergärten fördern.
„Es geht nicht nur um Arbeit, sondern auch darum, sich in Deutschland zuhause zu fühlen.“ (Annika Abellán, Kreisverwaltung Pinneberg)
Ähnlich geht die Stadt München die Herausforderung an: Auch sie adressiert alle Phasen von Fachkräfteeinwanderung und bündelt dies in der Fachkräftestrategie des „Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ)“. „Was wir anbieten möchten, ist eine ganzheitliche Betreuung: Von der Vorbereitungsphase im Ausland über die Ankunft in München bis hin zu einer hoffentlich langfristigen Perspektive“, so Dr. Magdalena Ziolek-Skrzypczak aus dem Referat für Arbeit und Wirtschaft. Die Website „Make it in Munich“ macht Fachkräften bereits im Ausland Informationen und Beratung sowie – in Kooperation mit Partnern wie dem Goethe Institut – kostenlose Sprachkurse und IT-Fortbildungen zugänglich. Neu ist dabei die Stellenplattform „Münchner Jobbörse“, die die Sichtbarkeit von Münchner Unternehmen auf dem internationalen Arbeitsmarkt erhöht. In München angekommene Fachkräfte finden im „MBQ Munich Onboarding Hub“ einen zentralen One-Stop-Service zu allen arbeits- und lebensbezogenen Fragen. Angeboten wird unter anderem ein wöchentliches After-Work Open House, ein Unterstützungsprogramm für die Jobsuche und Bewerbungsphase und spezifische Unterstützung für migrantische Communities durch das Munich Global Village. Um Unternehmertum von Migrant*innen in München auch nachhaltig zu stärken, lobt die Stadt seit 2024 zudem den sogenannten „PhönixPreis“ aus. Dieser zeichnet erfolgreiche Unternehmensentwicklung, die Einrichtung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie Vielfalt in von Migrant*innen geführten Unternehmen aus.
Lokale Wirtschaftsentwicklung im Zusammenhang mit Migration ist auch ein Thema in kommunalen Partnerschaften. Beispielhaft stellten die Partnerstädte Mersin im Süden der Türkei und Oberhausen im Ruhrgebiet eine gemeinsam umgesetzte Studie aus dem Jahr 2024 vor. In beiden Kommunen bzw. ihren Ländern tragen Unternehmen von Menschen mit Migrationsgeschichte erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Besonders in der Türkei habe sich diese Entwicklung mit den Fluchtbewegungen der jüngeren Vergangenheit weiter verstärkt, so Elif Tanburoğlu aus Mersin. Ziel der Studie war es nun, die spezifischen Herausforderungen und Bedarfe migrantischer Unternehmer*innen genau zu skizzieren – gefolgt der Beobachtung, dass diese besonders in der Gründungsphase zu kämpfen haben und über schlechtere Zugänge zu Angeboten der Wirtschaftsförderung und Netzwerken verfügen.
Ausgewählte Ergebnisse der Studie sind: Die Präsenz anderer migrantischer Communities und die Haltung der Aufnahmegesellschaft nehmen starken Einfluss auf die Entwicklung migrantischer Unternehmen. Migrantische Unternehmen in Oberhausen haben über die Jahrzehnte an Stabilität gewonnen. In Mersin beschleunigen vergleichsweise liberale Rahmenbedingungen die Gründung von Unternehmen.
Ein zweites Beispiel ist die Projektpartnerschaft zwischen Gharb Irbid in Jordanien und München. Gemeinsam arbeiten sie daran, kommunale Kapazitäten zur Stärkung von Frauen, jungen Menschen und Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt aufzubauen. Hierzu wurde in Gharb Irbid ein kommunales Unternehmen für die Produktion von Müllcontainern gegründet. Ein kommunales Existenzgründungszentrum für Frauen bietet Fortbildungen und Vermarktungsmöglichkeiten für handwerkliche Produkte an und bezieht dabei auch Migrantinnen ein. Besonders günstig erweist sich in München dabei die Tatsache, dass sowohl das Internationale Büro als auch der Bereich Kommunale Beschäftigungspolitik und Qualifizierung im Referat für Arbeit und Wirtschaft angesiedelt sind und damit grenzübergreifendes Denken und Wirtschaftsförderung leicht ineinanderfließen.
Abschließenden Arbeitsgruppen brachten die zentralen Erkenntnisse der Veranstaltung noch einmal auf den Punkt:
Kommunen, die sich neu des Themas Fachkräftemigration widmen, sollten klein anfangen: „Think big – start small!“, so die Empfehlung aus der Insight Session. Netzwerkarbeit ist ein Schlüssel. Ebenso durchdachte Informationsarbeit in Form von One-Stop-Lösungen. Angebote zur sozialen Integration sind essenziell: „Menschen bleiben nur, wenn sie mit ihrem gesamten Leben ankommen“, so eine Stimme aus der Veranstaltung. Zielführend ist eine enge Zusammenarbeit zwischen internationalen Büros und den Abteilungen für Wirtschaft. Und: internationaler Vergleich stimuliert. In Mersin etwa brauchen Migrant*innen nur rund drei Jahre, um ein Unternehmen aufzubauen, in Oberhausen sind es sieben.
Unternehmen sollten proaktiv auf die Anwerbung von ausländischen Fachkräften angesprochen und im Prozess begleitet werden, um Sorge vor bürokratischen Hürden zu nehmen.
Migrantisches Unternehmertum braucht Unterstützung. Die größten Herausforderungen liegen in Bürokratie, aufenthaltsrechtlichen Fragen und darin, langfristig zu bestehen. Migrantische Communities sind eine wichtige Ressource und sollten in die Angebote von Kommunalverwaltungen einbezogen werden. Dabei gilt: Integration in den Arbeitsmarkt ist ein wesentlicher Faktor für gesamtgesellschaftliche Integration – und auch umgekehrt.
Die Praxisbeispiele und die lebhafte Diskussion der Insight Session haben eindrucksvoll gezeigt, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.
Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB): https://iab.de/publikationen/publikation/?id=14840245 Das „International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa)“ ist eine neue längsschnittliche Online-Befragung, die ab 2024 belastbare Erkenntnisse zu Ursachen, Mustern und Auswirkungen der Mobilität von Migrant*innen erheben soll. In der ersten Befragung 2024 wurden ca. 50.000 Migrant*innen befragt.
App INTEGREAT INTEGREAT ist eine digitale Lösung für Kommunen und Bundesländer, um Migrant*innen und Geflüchteten Informationen niedrigschwellig und in mehreren Sprachen zugänglich zu machen. Für Nutzer*innen ist sie als mobile App verfügbar. Das Einpflegen von Informationen von Seiten der Kommunen ist ohne IT-Abteilung unkompliziert möglich. https://integreat.app/landing/de
Global Compact for Migration (GCM) / Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration Mit dem GCM hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2018 erstmals auf einen umfassenden Rahmen für eine verbesserte internationale Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Migration verständigt. https://www.iom.int/global-compact-migration
Deutsches Fachkräfteeinwanderungsgesetz Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz – in Kraft getreten am 1. März 2020 – schafft den Rahmen für eine gezielte und gesteigerte Zuwanderung qualifizierter oder auszubildender Fachkräfte oder Hochschulabsolvent*innen aus Drittstaaten (Nicht-EU-Länder). Es definiert den Fachkräftebegriff, soll formale und bürokratische Hürden reduzieren und Fachkräftemobilität insgesamt erleichtern. https://www.make-it-in-germany.com/de/visum-aufenthalt/fachkraefteeinwanderungsgesetz
David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern. Die Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auf, wie faire Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten auf nationaler, bilateraler und internationaler Ebene gestärkt werden kann. https://collections.fes.de/publikationen/download/pdf/1970256
Projekt THAMM Plus Das Projekt „Unterstützung regulärer Arbeitsmigration und -mobilität zwischen Nordafrika und Europa“ (THAMM Plus) fördert Fachkräftemigration aus den Ländern Ägypten, Marokko und Tunesien. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit in enger Kooperation mit den zuständigen staatlichen Institutionen in den Herkunftsländern umgesetzt. https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/projects-programs/crafts-technology-construction/thamm-plus/technik
Am 7. April 2026 wurde der neue Connective Cities-Lernprozess zum Thema „Grüne Korridore in der City und auf dem Land“ per Online-Kickoff-Workshop offiziell gestartet. Die Veranstaltung wurde von Connective Cities in Zusammenarbeit mit dem GIZ-Projekt Capacity Building through Urban Infrastructure Development (CBUID II) organisiert und simultan auf Arabisch, Französisch und Englisch angeboten.
Am Workshop nahmen etwa 70 Vertreter*innen aus acht Ländern teil: Algerien, Ägypten, Deutschland, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina und Tunesien. Gemeinden und Partnerinstitutionen aus der MENA-Region sowie die deutsche Stadt Erlangen waren vertreten. Neben den offiziellen Teilnehmenden des Lernprozesses war ein erweiterter Kreis kommunaler Vertreter*innen zusätzlich in den virtuellen Austausch eingebunden.
Der Auftakt diente als technische und methodische Einführung in den Lernprozess. Ziel war es, erste thematische Prioritäten festzulegen, kommunale Herausforderungen sichtbar zu machen und eine gemeinsame Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Gleichzeitig diente die Veranstaltung dazu, die nächsten Schritte im Prozess vorzubereiten, wie etwa eine für Herbst 2026 geplante live-Konferenz in Ägypten.
KI-gestützte Visualisierung als innovatives Werkzeug nachhaltiger Stadtplanung
Ein zentrales Element des Workshops war eine KI-Visualisierungsübung zu grünen Korridoren, die über die CoPlan-KI-Plattform umgesetzt wurde. Basierend auf Bildern aus urbanen Kontexten der teilnehmenden Städte wurden Zukunftsszenarien für klimaresistente, grünere und nutzbarere urbane Räume entwickelt.
Im Rahmen der Übung wurden etwa 550 Bilder erstellt. Die Visualisierung diente nicht nur dazu, räumliche Veränderungen zu veranschaulichen, sondern auch als methodisches Instrument, um Diskussionen über die Umsetzbarkeit grüner Korridore anzuregen. In diesem Sinne erwies sich die Übung als passende Einführung, um Perspektiven aus Verwaltung, Planung und kommunaler Praxis zusammenzubringen.
Wichtige Workshop-Ergebnisse
Die Auftaktveranstaltung zeigte, dass die teilnehmenden Städte sich grüne Korridore und grüne Viertel überwiegend in städtischen Bezirken und weniger in suburbanen Räumen vorstellen. Somit liegt der Fokus zunächst nicht auf der Planung in kaum erschlossenen Flächen, sondern auf der Weiterentwicklung bestehender urbaner Räume, in denen Wohnraum, Mobilität, öffentliche Nutzung und soziale Funktionen bereits eng miteinander verflochten sind.
So wurde im Laufe der Veranstaltung auch deutlich, dass grüne Korridore mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen. Sie tragen zur Klimaanpassung bei, zum Beispiel durch das Spenden von Schatten, Kühlung, Verbesserung der Luftzirkulation und Steigerung der Bodenwasseraufnahme. Aber sie tragen ebenso zur Aufwertung öffentlicher Räume bei, indem sie die Lebensqualität verbessern und Begegnungen in der Stadt fördern. Gerade in dicht besiedelten Vierteln müssen grüne Korridore daher stets als soziale Räume der Mobilität und Verbindung betrachtet werden.
Ein weiterer zentraler Aspekt war die Bedeutung von Beteiligung und lokaler Akzeptanz. Da identifizierte Räume in der Regel bereits intensiv genutzt werden, ist die Beteiligung der Bevölkerung eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Dies gilt sowohl für die Nutzbarkeit für unterschiedliche Gruppen wie Kinder, Familien und Bewohner*innen als auch für die Frage, wie grüne Maßnahmen in das städtische Alltag integriert werden können.
Beitrag aus dem Urban Development Fund (UDF)
Der ägyptische Urban Development Fund (UDF), angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Staat und Kommunen, unterstrich die Bedeutung institutioneller Ansätze für eine integrierte und klimaresiliente Stadtentwicklung. Die vorgestellten Beispiele zeigten, wie strategische Stadtentwicklung, Aufwertung bestehender Bezirke, Wärmereduzierung und öffentlicher Raum enger miteinander verknüpft werden können. Die UDF trug somit nicht nur konkrete Erfahrungen aus der ägyptischen Praxis bei, sondern auch eine wichtige Perspektive auf Skalierung, institutionelle Verankerung und langfristige Implementierungsfähigkeit.
Beitrag der Stadt Erlangen
Der Beitrag der Stadt Erlangen zeigte, dass die Umsetzung grüner Korridore nicht isoliert verstanden werden darf, sondern im Hinblick auf Verkehr, Zugänglichkeit und Konflikte bei der Nutzung städtischer Räume geplant werden muss. Im lokalen Projekt „Von zwei Vierteln zu einem Campus“ zeigten Vertreter*innen der Stadt, wie ein grüner Boulevard, die Verbindung von Straßenbahn, Fahrrad-, Fußgänger- und motorisiertem Verkehr sowie eine bestehende Fußgängerbrücke zu einer kohärenten Planungsaufgabe zusammengeführt werden können. Der Beitrag von Erlangen lieferte somit einen wichtigen Anstoß für einen integrierten Planungsansatz für grüne Korridore.
Beispielstädte und bewährte Praktiken
Während des Auftakts wurden mehrere kommunale und institutionelle Beispiele vorgestellt, die besonders relevant für den weiteren Lernprozess sind:
Erlangen (Deutschland): Integrierter Planungsansatz für grüne Korridore im bestehenden urbanen Raum, mit Schwerpunkt auf Grüner Boulevard, multimodaler Mobilität, Flächennutzung und Nutzungskonflikten.
Assuan (Ägypten): Entwicklung des Heat Action Plan für El-Sail Elgadid, einschließlich Kühlstationen, schattiger Erholungsbereiche und spezieller Bereiche für Kinder und Frauen.
Port Said (Ägypten): Ansätze zur klimaangepassten Stadtentwicklung und zur Aufwertung urbaner Räume unter den spezifischen klimatischen Bedingungen einer Mittelmeerstadt.
Telal Al-Fustat Park, Kairo (Ägypten): großflächiger Grünbauansatz im historischen Kairo mit positiven Auswirkungen auf Kühlung, Luftqualität und Biodiversität.
Reviving Historical Cairo (Ägypten): Aufwertung historischer städtischer Gebiete als Kombination aus Stadterneuerung, öffentlichem Raum und historischer Identität.
Al-Asmarat (Ägypten): Partizipative Aufwertung öffentlicher Räume im Wohnumfeld als Beispiel für die Verbindung von grünen und sozialen Funktionen in bestehenden Vierteln.
Ausblick
Einige der Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung
Der digitale Kickoff hat eine technische Grundlage für die nächsten Schritte des MENA-Lernprozesses geschaffen. Es wurde deutlich, dass der Mehrwert des Formats insbesondere in Synergieeffekten zwischen konkreten kommunalen Beispielen, institutionellen Perspektiven, interkommunalem Austausch und visuellen Methoden liegt. In den kommenden Phasen werden die identifizierten Themen vertieft, die Ansätze zwischen den Städten weiterentwickelt und gemeinsam sowohl im digitalen- als auch im persönlichen Austausch konkretisiert.
Am 24. März 2026 war es soweit! Der vertiefte Lernprozess „Wasserresilienz: Kommunen stärken sich gegen Trockenheit und Starkregenereignisse“ ist kurz nach dem Weltwassertag gestartet. Dürren, Hitzewellen, Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu und belasten Infrastruktur, Gesundheit und kommunale Budgets. Gleichzeitig verschärft die Urbanisierung den Wettbewerb um Wasser. Bereits heute stehen viele Großstädte unter hohem Wasserstress, und der weltweite Bedarf könnte bis 2030 die verfügbaren Ressourcen deutlich übersteigen.
Für Länder des Globalen Südens ist Wasserknappheit längst ein Entwicklungshemmnis – doch künftig müssen sich alle Regionen weltweit an schwankende Verfügbarkeiten und wachsende Nutzungskonflikte anpassen. Wasser wird zur strategischen Ressource des 21. Jahrhunderts.
Die entscheidenden Lösungen entstehen lokal. Auch wenn die Rahmenbedingungen sich stark unterscheiden, stehen Kommunen vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen, was Austausch und gemeinsames Lernen besonders wertvoll macht.
Deshalb bringen wir im sogenannten Deep Dive zum Thema „Wasserresiliente Kommunen“ Fachleute aus acht ausgewählten Kommunen aus Benin, Deutschland, Kenia, Indien, Serbien und Sri Lanka zusammen, um innovative Ansätze wie Schwammstadt‑Konzepte, blaue Korridore und integrierte blau‑grün‑rote Infrastrukturen gemeinsam zu diskutieren und über zwei Jahre lokalangepasste Lösungen zu jeweiligen Herausforderungen zu entwickeln und zu implementieren.
Im ersten virtuellen Treffen haben die Kommunen ihre lokalen Herausforderungen präsentiert, erste Ähnlichkeiten identifiziert und das erste Arbeitstreffen in Präsenz in Wuppertal Anfang Mai vorbereitet. Weitere Neuigkeiten aus unserem Deep Dive folgen ab Mai 2026.
Die teilnehmenden Städte: Natitingou (Benin), Dresden, Wunstorf, Wuppertal (Deutschland),Homa Bay (Kenia), Hyderabad (Indien), Niš (Serbien), Akkaraipattu (Sri Lanka)