Undifferenzierte Strategien sind kein Mittel gegen die Corona-Pandemie

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat kürzlich analysiert, wie die Städte der Welt auf die Corona-Pandemie reagiert haben. Soo-Jin Kim, Leiterin der Urban Policies and Reviews Unit der OECD, plädiert für lokal angepasste Lösungen – jetzt und für die Zeit nach dem Ende der Pandemie.

Seit März 2020 waren die lokalen Gesundheitsbehörden immer wieder in den Schlagzeilen. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Kommunalpolitik ist deutlich gestiegen. Welche Rolle haben die Kommunen bisher bei den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie gespielt?

Soo-Jin Kim: Von Anfang an haben die Kommunen keineswegs nur darauf gewartet, dass die nationalen Regierungen ihnen sagen, was zu tun ist – vielmehr haben sie sofort selbst auf die Pandemie reagiert. Sie haben die Öffentlichkeit auf verschiedenen Wegen über die notwendigen Maßnahmen informiert, dafür gesorgt, dass die Bürgerinnen und Bürger die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Außerdem haben sie den Übergang zur Telearbeit unterstützt und sich um die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen gekümmert, wozu insbesondere ältere Menschen und arme Bevölkerungsteile zählen. Ferner haben die Kommunen die öffentliche Grundversorgung, insbesondere das Gesundheitssystem, am Laufen gehalten und dazu beigetragen, dass die lokale Wirtschaft die Gesundheitskrise übersteht. Daher würde ich den Beitrag der Kommunen als „unverzichtbar“ bezeichnen.

Ganz unabhängig von der Krise ist festzustellen, dass die Kommunen zu jeder Zeit wichtige öffentliche Akteure sind. So entfallen in den OECD-Ländern durchschnittlich 40 Prozent aller öffentlichen Ausgaben auf subnationale Akteure. In Bundesstaaten wie Deutschland oder der Schweiz sind es sogar 50 bis 60 Prozent!

Kommunen befähigen, stärken und in den Mittelpunkt rücken!

Das Impulspapier empfiehlt:

1. Kommunen stärker befähigen durch strukturelle Weiterentwicklungen
Ein stärkerer Beitrag der Kommunen zu nachhaltiger Entwicklung erfordert strukturelle Weitentwicklungen. Das Gemeindefinanzsystem und der Rechtsrahmen kommunalen Handelns müssen zu diesem Zweck weiterentwickelt werden. Kommunen bedürfen finanzieller und rechtlicher Spielräume, um nachhaltigkeitsorientiert investieren zu können. Es gilt, Kommunen systematisch in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie einzubinden…

Im Kontext der „Globale Dimension nachhaltiger Kommunalentwicklung“ gehöre auch „der Ausbau der europäischen und globalen Zusammenarbeit zu nachhaltiger Kommunalentwicklung. Die dazu bereits heute vorhandenen Netzwerke gilt es weiter zu unterstützen (z. B. C40, Connective Cities, Metropolis).“

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2. Kommunen für die Umsetzung von Maßnahmen stärken
Neben diesen strukturellen Weiterentwicklungen gilt es, konkrete kommunale Nachhaltigkeitsaktivitäten zu stärken, etwa in Form von beispielgebenden und standardsetzenden Gemeinschaftsprojekten. Notwendig ist die Förderung eines „Berichtsrahmens Nachhaltige Kommunen“, um das kommunale Nachhaltigkeitsmonitoring zu unterstützen. Eine stärkere Ausrichtungder kommunalen Haushaltsführung an Nachhaltigkeitszielen erfordert die Weiterentwicklungvon Nachhaltigkeitshaushalten für investive und konsumtive Ausgaben…

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3. Potenziale der Wissenschaft für nachhaltige Kommunalentwicklung nutzen
Es bestehen große Potenziale der Einbindung der Wissenschaft in kommunale Nachhaltigkeitsaktivitäten mittels einer Stärkung der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik/Verwaltung. Empfehlenswert ist es, Kommunen innerhalb der Nachhaltigkeits-Forschungsförderprogrammatik zu stärken, insbesondere in einer systemischen Perspektive…

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The New Leipzig Charter

„The Leipzig Charter of 2007 has inspired urban policy in Europe and beyond. Its core message to promote integrated and sustainable urban development is as valid today as in 2007. Nowadays though, urgent global challenges such as climate change, the loss of biodiversity, resource scarcity, migration movements, demographic change, pandemics and rapidly changing economies have a direct and local impact on towns and cities throughout Europe. They may also intensify disparities in our societies. In addition, digital technologies are drastically transforming society, creating potential political, social, ecological and economic benefits. However, these technologies also trigger profound new challenges such as the digital divide, lack of privacy, security issues and market dependencies. In response to these challenges the original Leipzig Charter has to be refocussed.

The need for sustainable transformation is underlined by the 2030 Agenda for Sustain- able Development, in particular Sustainable Development Goal 11 which is dedicated to making cities inclusive, safe, resilient and sustainable, the New Urban Agenda, the Paris Agreement and the European Commission’s Green Deal. The Green Deal aims to make Europe the first climate-neutral continent in the world and Europe as a whole has a strong responsibility as well as the collective ability to achieve this goal. The New Leipzig Charter provides a policy framework to envision and realise these European and global agreements at the urban scale.“

The Value of Sustainable Urbanization

„The world we live in has been transformed in a manner not witnessed in recent times. In a rapidly urbanizing and globalized world, cities have been the epicentres of COVID-19. The virus has spread to virtually all parts of the world; first, among globally connected cities, and now, through community transmission and from the city to the countryside.
The World Cities Report 2020 shows that the intrinsic value of sustainable urbanization can and should be harnessed for the wellbeing of all. The report provides evidence and policy analysis of the value of urbanization from an economic, social and environmental perspective, including the unquantifiable value that gives cities their unique character; and also explores the role of innovation and technology, local governments, targeted investments and the effective implementation of the New Urban Agenda in fostering the value of sustainable urbanization.“

A Mayors Dialogue on Growth and Solidarity: reimagining human mobility in Africa and Europe

Cities are at the forefront of human mobility, reducing carbon emissions and fostering social cohesion within diverse urban communities. The world is looking to city leaders to provide ideas and solutions that can be adequately resourced and that work on the ground.

Cities participating in the Mayors Dialogue on Growth and Solidarity highlighted several current and future policy priorities, with two overarching goals.

  • First, encouraging inclusive and sustainable urban growth, both in the more immediate recovery from Covid-19 and in the longer term.
  • Second, enabling social inclusion and access to services for all residents regardless of status, with a particular focus on vulnerable populations.

Inter-city cooperation takes different forms, such as long-term bilateral partnerships and city-level networks. The Dialogue will act as a broker for international partnerships, helping pairs and clusters of cities test innovative approaches to finding solutions for pressing urban challenges and catalyse new ideas, elevating mayors and cities as regional and global leaders.

Die Rolle der Städteverbände in der Lokalisierung der Nachhaltigkeitsziele

Mehrere Städteverbände haben in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsstädten erfolgreiche Projekte zur Lokalisierung der Nachhaltigkeitsziele durchgeführt, einige stehen erst am Anfang, und einige andere haben ein gutes Verständnis der Agenda 2030, haben aber noch keine formalen Vorstellungen, wie ihre Umsetzung als Projekt in ihrem Verband aussehen könnte.

Im Rahmen der Connective Cities virtuellen Dialogveranstaltung zum Thema „Die Rolle der Städteverbände in der Lokalisierung der Nachhaltigkeitsziele“ trafen 31 Expertinnen und Experten aus 16 Städteverbänden am 1., 2. und 4. September 2020 zusammen, um ihr Praxiswissen über die Verbandsarbeit auszutauschen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Albanien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Indonesien, Nepal, den Niederlanden, Nordmazedonien, Mosambik, palästinensischen Gebieten, Serbien, Tansania und der Türkei sowie die Veranstaltungspartner UCLG and PLATFORMA stellten ihre Praxisbeispiele zur Lokalisierung der SDGs vor. Außerdem konnten die internationalen Verbandsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sich im Rahmen der kollegialen Beratung über ihre lokalen Herausforderungen austauschen und damit sich gegenseitig unterstützen. Schließlich wurden Projektideen für die weitere Zusammenarbeit formuliert und entwickelt.

Decalogue for the post COVID-19 era

The COVID-19 pandemic is working as magnifying glass that highlights the aspects in which we were already behind, at a global scale. In a context of unprecedented and universal challenges local and regional governments around the world are at the forefront of the efforts to overcome these proving times as allies of other spheres of government, of the scientific community, and as global actors with important transformational and convening power. The Decalogue for the COVID-19 era is a political charter for the aftermath. It is the document that will guide international advocacy, and shape our thinking for the future of humanity, focusing on the commitment of local and regional governments to build a world of solidarity.

Deutsch-Türkische Städtepartnerschaftskonferenz

Die deutschen Auslandsvertretungen in der Türkei planen in Kooperation mit dem Deutschen Städtetag (DST) und dem Verband Türkischer Kommunen (Türkiye Belediyeler Birliği, TBB) und mit Unterstützung der Stadt Istanbul (Istanbul Büyükşehir Belediyesi, IBB) eine zweitägige Deutsch-Türkische Städtepartnerschaftskonferenz in Istanbul im 2. Halbjahr 2020. Die Städtepartnerschaftskonferenz soll Städtekooperationen entlang gemeinsamer Interessen und Herausforderungen befördern sowie erfolgreiche Ansätze und zusätzliche Unterstützungsangebote für die konkrete Projektzusammenar-beit zwischen den Kommunen aufzeigen. Damit leistet sie einen Beitrag um die deutsch-türkischen Beziehungen nachhaltig zu vertiefen und zu verbreitern.

Als Auftakt der Deutsch-Türkischen Städtepartnerschaftskonferenz wird vom 15. bis 18. Juni 2020 eine virtuelle Vorkonferenz stattfinden. Diese besteht u.a. aus vier Fachworkshops zu folgenden Themen:  

  1. Digitale Stadt
  2. Nachhaltige Stadtentwicklung
  3. Schutzfunktion der Kommunen für marginalisierte Gruppen und Geflüchtete in der COVID-19-Krise
  4. Jugendaustausch in partizipativ orientierten Städtepartnerschaften

Die Fachworkshops richten sich vorrangig an kommunale Expertinnen und Experten und dienen dem Austausch von Herausforderungen und „best practices“ sowie der Vorstellung erfolgreicher Städte-kooperationen in den jeweiligen Themenbereichen. Die Inhalte und Zielsetzungen der einzelnen Fachworkshops werden auf den nachfolgenden Seiten beschrieben. Die Ergebnisse des Austauschs werden bei der Informationsveranstaltung am 18. Juni vor einem breiteren Publikum von bis zu 200 Personen vorgestellt und auch im darauffolgenden Oberbürgermeister/innen-Roundtable diskutiert.

Weitere Informationen zur Anmeldung, zum Programm und den technischen Voraussetzungen entnehmen Sie bitte der Konferenzankündigung

Klimaanpassung und Stadtentwicklung

Kommunen rund um den Globus bekommen die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu spüren. Dabei sind Städte als Wirtschafts- und Mobilitätszentren auf der einen Seite große Mitverursacher von klimaschädlichen Treibhausgasen, gleichzeitig werden die wichtigsten Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimafolgenanpassung auf kommunaler Ebene entwickelt und umgesetzt. Da extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Perioden extremer Trockenheit immer häufiger werden, sind Stadtentwicklungsprozesse ohne Berücksichtigung von Klimamaßnahmen nicht mehr denkbar. Kommunen weltweit können hier voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Das in Kooperation mit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global entstandene aktuelle Welt-Sichten-Dossier widmet sich den Themen Klimaanpassung und Stadtentwicklung mit Beiträgen aus Deutschland, Lateinamerika und Südafrika. Best Practices unter anderem aus unserem Netzwerk Connective Cities zeigen, mit welchen Strategien sich Kommunen gemeinsam für resiliente und lebenswerte Städte engagieren.

Climate Resilience and Urban Development

Viele lateinamerikanische sind Vorreiter bei der Umsetzung von Umweltmaßnahmen und bei Anpassungen an die Auswirkungen des Klimawandels. Diese Peer-Learning-Note fasst gute Praktiken lateinamerikanischer Städte zusammen und legt den Schwerpunkt auf die Themenbereiche Risikobewertung, umfassende Planung, Finanzen und bürgerschaftliches Engagement.

Die guten Praktiken wurden diskutiert im Rahmen unserer Connective Cities Peer-Learning-Veranstaltung, die vom 26. bis 28. November 2019 in Niteroi, Brasilien stattfand. 

Die Publikation liegt in englischer, spanischer und portugiesischer Sprache vor. 

Weitere Information

Kurzdokumentation mit allen Präsentationen und bildern der Veranstaltungen