Wie können Kommunen die Hitze meistern?

Hitze betrifft uns alle. Sie ist eines der weltweit am schnellsten zunehmenden und tödlichsten Klimarisiken.
Doch wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Kommunen auf der ganzen Welt entwickeln umfassende Strategien und und tauschen sich aus. Diese reichen von Hitzeschutzplänen über die Planung grüner und blauer Infrastruktur bis hin zu intelligentem Regenwassermanagement, dem Einsatz von KI und der Erstellung digitaler Zwillinge für ein risikobasiertes Krisenmanagement.

Natürlich haben sich die Kommunen auch im Rahmen von „Connective Cities“ mit diesem entscheidenden Thema auseinandergesetzt. Wir haben für Sie eine Auswahl an Beispielen aus dem „Connective Cities“-Kontext sowie zusätzliche Ressourcen zusammengestellt.

Heat in the City – Der „Connective Cities Deep Dive“-Lernprozess
Von 2023 bis 2025 haben sich sechs Kommunen zusammengeschlossen, um die Auswirkungen von Hitzewellen und Wärmeinseln zu analysieren und auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnittene Lösungen zu entwickeln.
Ausführlicher Zwischenbericht: https://www.connective-cities.net/media-center/heat-in-the-city/

Cities Leading by Example
Dieses Handbuch (in Englisch) zur risiko-informierten Planung und zur Hitzebekämpfung, der im Rahmen des „Deep Dive“-Projekts von Connective Cities entwickelt wurde, dient als praktischer Leitfaden für kommunale Akteure, Stadtplaner*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Führungskräfte in den Kommunen, die einen risiko-informierten Ansatz verfolgen und Maßnahmen zur Anpassung an die Hitze in ihre Planungsprozesse integrieren möchten. https://www.connective-cities.net/wp-content/uploads/2025/10/cities-leading_guidebook.pdf

Das „Walkable Triangle“ in Kisumu, Kenia
Das fußgängerfreundlich umgestaltete Geschäftsviertel ist heute ein herrlicher Ort zum Verweilen, an dem altgewachsene Bäume für angenehme Kühle und frische Luft sorgen. Eine gute Praktik zum Nachlesen:
https://www.connective-cities.net/media-center/das-walkable-triangle-in-kisumu-kenia/


Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region,
um die Umgebungstemperaturen in Städten und deren Umgebung zu senken.
Eine KI-basierte Visualisierung mit Schwerpunkt auf grünen Korridoren und grünen Stadtvierteln, die darauf abzielt, verschiedene Perspektiven zur Stadtplanung aus den Bereichen Verwaltung, Politik und Wissenschaft zusammenzuführen. Hier gibt es Einblicke in den laufenden Lernprozess: https://www.connective-cities.net/en/media-center/greater-climate-protection-and-quality-of-life-green-corridors-in-the-mena-region/

Die Digital-Twin-Plattform von Bağcılar, Türkei
Wie eine Gemeinde in Istanbul Bürgerdienste mit datengestütztem städtischem Risikomanagement verbindet, auch im Hinblick auf Hitzebewertungen, können Sie hier nachlesen:
https://www.connective-cities.net/media-center/die-digitale-zwillingsplattform-von-bagcilar-tuerkei/

 

Literaturempfehlungen:

Ibero-American Urban Climate Atlas
Dieses Projekt umfasst 11 Städte in Spanien und Südamerika. Die Forschung zielt darauf ab, den lokalen Kontext jeder Stadt im Hinblick auf die Auswirkungen von Wärmeinseln zu analysieren. Ziel ist es, Veränderungen der Temperaturverläufe und deren räumliche Auswirkungen innerhalb der Städte zu bewerten. (in Englisch)
Union of Ibero-American Capital Cities (UCCI) and ICLEI South America
https://e-library.iclei.org/uploads/IBER_ATLAS_EN_2.pdf

Financing heat resilience
Wie Regierungen Hitzeresilienz durch risikobewusste Investitionen, innovative Finanzierungsmechanismen und resiliente Infrastruktur finanzieren können. (in Englisch)
United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR), Centre for Disaster Protection, National Disaster Management Authority (India)
https://www.undrr.org/publication/documents-and-publications/financing-heat-resilience

Hitzeaktionspläne in der kommunalen Praxis
Anwendung der Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen in der kommunalen Praxis (Plan°C)
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
https://repository.difu.de/items/c805c6fb-c3c1-4288-b1c9-eff356fb04bd

Smarte Schwammstadt und modernes Starkregenmanagement
Ideen, wie Städte ihre Klima- und Risikoresilienz weiter stärken und sich sowohl vor Starkregenereignissen als auch vor Dürren schützen können.
Deutscher Städtetag
https://www.staedtetag.de/positionen/positionspapiere/2026/diskussionspapier-smarte-schwammstadt-modernes-starkregenmanagement

Die Digitale Zwillingsplattform von Bağcilar, Türkei

Bağcılar ist einer der am dichtesten besiedelten Stadtbezirke Istanbuls mit rund 710.000 Einwohnern, gelegen an der Küste des Marmara-Meeres auf einer Fläche von rund 22 Quadratkilometern. Als Gemeinde in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko steht Bağcılar vor der dringlichen Aufgabe, für den Krisenfall Vorkehrungen zu treffen, die seine Bevölkerung und urbane Systeme schützen. Dafür hat die Stadtverwaltung seit den 2000er Jahren die digitale Transformation vorangetrieben und eine umfassende Bestandaufnahme der bestehenden Gebäudestrukturen durchgeführt – Informationen die als Daten in ein digitales 3D Abbild der Gemeinde eingeflossen sind.

Mithilfe dieser ‚Digital Urban Twin Platform‘ zielt die Kommunalverwaltung auf die Befähigung, Lagen in Not- und Katastrophenfällen schneller einzuschätzen. So können über die digitale Simulation von Risikoszenarien – wie etwa Sturmfluten in Folge von Erdbeben – Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes verbessert-, sowie notwendige Anpassungen urbaner Systeme vorgenommen werden. Darüber hinaus ermöglicht das fortwährende digitale Monitoring des Zustands des Gebäudebestands zielgerichtete Vor-Ort-Kontrollen hinsichtlich der Bauvorschriften und steigert so die Verwaltungseffizienz. Bürger*innen können in einer App über die Buchung einer Reihe von Serviceleistungen von der Plattform Gebrauch machen.

Zentrales Kriterium für die Anwendbarkeit der Plattform ist laut Cüneyt Yilmaz, Leiter des IT Departments von Bağcılar, dabei die Schaffung einer nachhaltigen Datengrundlage.

Die Dokumentation beschreibt detailliert den Entstehungsprozess, Aktivitäten und zukünftige Anwendungsfelder der sich fortwährend entwickelnden digitalen Zwillingsplattform.

Autor: Lennart Kreuzfeld

Copyright: Connective Cities

Auftakt in Tirana: Kommunale Resilienz gemeinsam stärken

Mit einer Dialogveranstaltung in Tirana (16.–18. Juni 2026) startet der neue regionale Lernprozess für Südosteuropa und den Südkaukasus. Im Mittelpunkt steht das Thema: „Planung für kommunale Resilienz – Schutz kritischer Infrastruktur durch risikoinformierte Entwicklung“

Die Veranstaltung bringt Fachleute aus Kommunen sowie aus kommunalen Unternehmen aus neun Ländern zusammen: Albanien, Armenien, Georgien, Deutschland, Kosovo, Montenegro, Serbien, Türkei und Ukraine. Bereits im Vorfeld stieß der Lernprozess auf großes Interesse seitens kommunaler Verwaltungen und Betriebe, was den hohen Handlungsdruck und die Relevanz des Themas in der Region unterstreicht.

Vertreten sind Kommunen unterschiedlicher Größe und Struktur sowie verschiedene Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge. Dazu zählen unter anderem Kommunen wie Gjirokastër, Roskovec und Mat in Albanien, Gavar und Noyemberyan in Armenien, Poti und Gori in Georgien, Drenas im Kosovo, Cetinje in Montenegro, Priboj und Kraljevo in Serbien, İznik in der Türkei sowie Dnipro, Drohobytsch und in der Ukraine. Aus Deutschland beteiligen sich unter anderem kommunale Akteure aus der Stadt Leipzig sowie aus den Stadtentwässerungsbetrieben Köln.

Diese Vielfalt ermöglicht einen besonders praxisnahen Austausch zu unterschiedlichen Rahmenbedingungen, institutionellen Strukturen und Herausforderungen der Kommunalentwicklung.

Ausgangspunkt: Wachsende Risiken für kritische Infrastrukturen

Kommunen stehen zunehmend vor komplexen Herausforderungen: Klimabedingte Extremereignisse, Urbanisierungsdruck sowie technologische und hybride Bedrohungen erhöhen die Verwundbarkeit kritischer Infrastrukturen wie Energie-, Wasser-, Verkehrs- oder IT-Systeme.

Gleichzeitig fehlt es häufig an strukturierten Möglichkeiten, vorhandene Erfahrungen und Lösungsansätze systematisch auszutauschen und weiterzuentwickeln. Der Lernprozess setzt genau hier an und verbindet kommunale Praxis mit einem strukturierten, anwendungsorientierten Austausch.

Dialogveranstaltung in Tirana: Vom Austausch zur gemeinsamen Priorisierung

Die Auftaktveranstaltung bildet den Einstieg in den mehrstufigen Lernprozess und legt die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Ziel ist es, bestehende Analysen zu Risiken und Verwundbarkeiten zu vertiefen und vergleichbar zu machen sowie erste gemeinsame Handlungsschwerpunkte zu definieren.

Im Fokus stehen dabei:

  • der Austausch zu bestehenden Risiko- und Vulnerabilitätsanalysen in den Kommunen
  • der Vergleich unterschiedlicher Ansätze im Peer-to-Peer-Format
  • die Identifikation zentraler Schwachstellen in kritischen Infrastrukturen
  • die Festlegung prioritärer Handlungsfelder und erster konkreter Schritte

 

Darüber hinaus werden verbleibende Datenlücken sichtbar gemacht und Ansätze entwickelt, wie diese im weiteren Verlauf des Lernprozesses geschlossen werden können.

Ein strukturierter Lernprozess mit Umsetzungsfokus

Die Dialogveranstaltung ist der erste Baustein eines insgesamt einjährigen Lernprozesses. Dieser kombiniert Präsenzformate mit virtuellen Austauschformaten und verfolgt das Ziel, von der Analyse zur konkreten Umsetzung zu kommen.

Der methodische Rahmen basiert auf einem integrierten Ansatz der risiko-informierten Kommunalentwicklung, bei dem Risikoanalysen systematisch in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Mit Tirana wurde bewusst ein Standort gewählt, der exemplarisch für dynamische Transformationsprozesse in der Region steht. Die Stadt bietet einen geeigneten Rahmen, um Herausforderungen und Lösungsansätze im Bereich Resilienz und kritische Infrastrukturen praxisnah zu diskutieren und voneinander zu lernen.

Bei Fragen oder Interesse an einer Mitwirkung im Lernprozess wenden Sie sich bitte an Paulina Koschmieder paulina.koschmieder@giz.de oder Jimmy Yoedsel jimmy.yoedsel@giz.de

 

Insight Session – Digitale Zwillinge für risikoinformierte kommunale Entwicklung

Datum: Dienstag, 9. Juni 2026
Uhrzeit: 14:00 – 15:00 Uhr (MESZ)
Sprache: Englisch (mit türkischer Simultanübersetzung)

Wie können digitale und KI-basierte Anwendungen Kommunen dabei unterstützen, resilienter zu werden und sich besser auf zukünftige Risiken vorzubereiten?

Angesichts zunehmender klima- und infrastrukturbezogener Herausforderungen benötigen Kommunen digitale Werkzeuge, die sowohl schnelle Reaktionen in Krisensituationen als auch langfristige, risikoinformierte Planung und resiliente Governance ermöglichen. In dieser Insight Session wird das Konzept der „Digitalen Zwillinge für risikoinformierte Stadtentwicklung“ anhand praktischer Anwendungen und internationaler Good Practices vorgestellt.

Urban Digital Twinning (UDT) bezeichnet digitale Abbildungen urbaner Systeme, die mit Echtzeitdaten und prädiktiven Modellen verknüpft sind. Diese Anwendungen werden zunehmend in Bereichen wie Mobilitätsmanagement, Energiemonitoring, Katastrophenvorsorge, Infrastrukturplanung und Bürgerbeteiligung eingesetzt. Erfolgreiche Beispiele finden sich bereits u. a. in Japan, Singapur, den Niederlanden, der Türkei und Deutschland.

Als Praxisbeispiel wird die Arbeit der IT-Abteilung der Gemeinde Bağcılar (Türkei) vorgestellt, die derzeit eine KI-gestützte Plattform für einen digitalen urbanen Zwilling entwickelt. Der Fokus liegt auf Katastrophenresilienz und datenbasierter Entscheidungsfindung auf kommunaler Ebene. Das Projekt integriert u. a. LiDAR-basierte 3D-Stadtmodelle, IoT-Sensorik, GIS-/MIS-Systeme, panoramische Stadtaufnahmen sowie KI-gestützte Analysen in ein integriertes kommunales Datensystem.

Im Anschluss an die Präsentationen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich dazu auszutauschen, wie digitale Zwillinge in kommunale Planungsprozesse integriert und KI-Anwendungen für eine nachhaltige und risikoinformierte Entwicklung weiter genutzt werden können.

Registrieren Sie sich hier für die Veranstaltung: Insight Session – Digital Twins for Risk-Informed Municipal Development | Connective Cities Network

Bei Fragen oder Unterstützungsbedarf wenden Sie sich gerne an:
lennart.kreuzfeld@giz.de oder paulina.koschmieder@giz.de

Wir freuen uns auf den Austausch!

Schutz kritischer Infrastruktur durch risikoinformierte Entwicklung

Kommunen und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland sind eingeladen, am regionalen Lernprozess „Planung für kommunale Resilienz“ teilzunehmen und gemeinsam Ansätze zum Schutz kritischer Infrastrukturen weiterzuentwickeln.

Kommunen stehen zunehmend vor komplexen Risiken: klimabedingte Extremereignisse, technische Störungen, wachsende Abhängigkeiten zwischen Infrastruktursystemen sowie neue sicherheitspolitische Herausforderungen gefährden die Funktionsfähigkeit urbaner Räume. Der Schutz kritischer Infrastrukturen – Energie, Wasser, Verkehr, Kommunikation und Gesundheit – ist damit zu einer zentralen Aufgabe moderner kommunaler Governance geworden.

Der Lernprozess bringt Kommunen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland zusammen, um praxisnahes Wissen auszutauschen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und lokale Kapazitäten für risikoinformierte Entwicklung zu stärken. Im Fokus stehen integrierte Planung, Multi-Risiko-Governance und die Entwicklung umsetzbarer Projektansätze zum Schutz und zur Stärkung kritischer Infrastrukturen.

An wen richtet sich der Teilnahmeaufruf?

  • Fach- und Führungskräfte aus Kommunalverwaltungen, kommunalen Unternehmen und regionalen Behörden
  • Mitarbeitende aus Planung, Infrastruktur, Katastrophenvorsorge und kommunalem Management
  • Städte, Gemeinden, Landkreise und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland

 

Zeitplan und Format

  • Virtuelles Kick-off-Meeting: Ende April 2026
  • Erster Präsensworkshop (3 Tage): Anfang Juni
  • Dauer: ca. 1 Jahr
  • Formate: Präsenzworkshops, digitale Austauschmodule und kurze Expert*innenmissionen („Peer Visits“)

 

Der Lernprozess ist in drei Phasen gegliedert:

  1. Risiko- und Vulnerabilitätsanalyse,
  2. integrierte Planung und Lösungsentwicklung sowie
  3. Umsetzungsreife und Finanzierung.

 

Thematische Schwerpunkte liegen u. a. auf urbanen Systemen und Infrastrukturresilienz, integrierter Risikogovernance sowie Daten-, Frühwarn- und Kontinuitätsmanagement. Der strukturierte Prozess fördert kollegiale Beratung und technische Zusammenarbeit zwischen Kommunen in Europa und den Partnerregionen.

Teilnahme und Kontakt

Die Teilnahmekosten (Unterbringung und Verpflegung) werden übernommen. Die Konferenzsprache ist Englisch.

Interessenbekundung bis: 13. April 2026
Zur Bewerbung: https://community.connective-cities.net/en/form/connective-cities-see-learning-p

Weitere Informationen: Teilnahmeaufruf [pdf, 3 Seiten ]

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Paulina Koschmieder – paulina.koschmieder@giz.de
Jimmy Yoedsel – jimmy.yoedsel@giz.de

Mobilität fundiert gestalten: Entscheidungen auf Basis valider Informationen

Was braucht es, um Mobilität in unseren Kommunen nachhaltiger zu gestalten? Neue Technologien? Mehr Mittel? Den Willen der Bürger*innen? Eine Antwort: Es braucht verlässliche Informationen für fundierte Entscheidungen, die gezielte Veränderungen bewirken können. Bei der Dialogveranstaltung “Nachhaltige Mobilität- Zusammenspiel Nachhaltiger Mobilitätsformen“ im letzten November identifizierten 38 Teilnehmende aus 11 verschiedenen Ländern Datenmanagement und -nutzung als einen zentralen Aspekt der Verkehrswende. Ca. 20 Teilnehmende des Connective Cities Lernprozesses kamen in einer online Follow-Up Aktivität am 23. März 2026 erneut zusammen, um sich zum Thema „Mobilitätsdatenmanagement“ vertieft auszutauschen.In dem zweieinhalbstündigen Austausch stellten insgesamt 5 Kommunen Aspekte ihres Mobilitätsdatenmanagement als Grundlage für verkehrsplanerische Entscheidungen vor.

 

“Data (or the absence) can be a reason to unnecessarily delay important decisions. Also make sure you apply the correct data for the correct application.”

Teilnehmer im Rahmen einer Umfrage während der Online-Veranstaltung

 

Wer die Kapazitäten und die finanziellen Mittel hat, kann sich dem Prozess eines Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) stellen. Die mehrjährige, teils partizipative Datenerhebung und -aufbereitung beinhaltet einen Katalog aus Sustainable Urban Mobility Indicators (SUMI) und konkrete Handlungsempfehlungen. Dr. Metin Mutlu Aydin, Assoc. Prof. Dr. an der Ondokuz Mayıs University, der die dreijährige Erstellung des SUMP in Trabzon, der östlichsten großen Hafenstadt am Schwarzen Meer der Türkei, akademisch begleitete, stellte den Teilnehmenden in seiner Keynote den Prozess und die erst kürzlich veröffentlichten Ergebnisse vor:

SUMP sind strategische Pläne, mit deren Hilfe Antworten auf die Mobilitätsbedürfnisse von Menschen und Unternehmen partizipativ und konkret formuliert werden. Dafür bedient sich das verantwortliche Expertenteam Primär- und Sekundärdaten und stützt Handlungsempfehlungen auf einen groß angelegten Beteiligungsprozess. Die Stadt Trabzon bediente sich bestehenden Statistiken, investierte aber auch in eine Vielzahl an digitalen Messmethoden, die eine automatisierte und tagesaktuelle Datensammlung ermöglichen und das Monitoring gesetzter Ziele gewährleisten. Die umfangreichsten Daten wurden partizipativ über institutionelle Treffen, Austausche mit Berufs- und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie über die Einbindung der Öffentlichkeit durch Online-Umfragen und soziale Medien erhoben. Im Fall Trabzons wurden insgesamt 95 Institutionen zur Rate gezogen. Integrierte Szenarienanalysen zeigen die Handlungsbedarfe auf: In der am Meer gelegenen Stadt mit hügeliger Topografie führen beispielsweise Tagestrips mit dem Auto schon heute zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Bis 2040 soll sich die Zahl fast verdoppeln. Daher muss die Stadt insbesondere auf den herausgestellten Hauptachsen für Alternativen sorgen.

In München werden Daten kontinuierlich erhoben und mit einem multimodalen Verkehrsmodell („M3“) ausgewertet; die Datenstrategie der Metropole München besitzt einen hohen Stellenwert. Dabei ist dem Verantwortlichen Attila Lüttmerding, Abteilungsleiter Grundlagen und Daten im Mobilitätsreferat der Stadt München, besonders wichtig zu betonen, dass Daten nicht der Daten willen erhoben werden sollen, sondern zielorientiert gearbeitet werden muss. Neben Klimaneutralität und Verkehrssicherheit soll sich in München die Nutzung der Mobilitätsformen ÖPNV, Fuß- und Radverkehr sowie Elektroautos deutlich verbessern. Die Daten machen Erfolge deutlich sichtbar: Die „Stauhauptstadt“ verzeichnet seit einigen Jahren einen deutlichen Trend zur „Fußgängermetropole“; die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel steigt trotz steigender Autobesitze. Insbesondere im Stadtkern sind diese für viele heute eine Alternative. Um dies festzustellen, bedient sich die Stadt einiger Technologien und – pragmatisch – auch weiterhin händischen Zählungsmethoden. Die gute Datenlage macht die Münchener*innen auskunftsfähig, auch in Hinblick auf die Mobilitätsindikatoren der EU, die in kommenden Jahren für mehr internationale Vergleichbarkeit sorgen sollen.

Viktor Goebel, Projektleiter im Mobilitätsreferat der Stadt München, stellte heraus, wie Sharing Angebote bürgerfreundlicher werden können, wenn sie sich am Nutzerverhalten orientieren und eng gemonitort werden. Betreiber müssen sich an Regeln halten, die die Stadt ihnen auferlegt: In bestimmten Bereichen dürfen E-Scooter nicht abgestellt werden und es gibt auch Limits für z.B. Scooter pro Zone, damit Fuß- und Radverkehr durch das zusätzliche Mobilitätsangebot nicht gestört werden. Durch Datennutzung werden hier die Bedarfe der einzelnen Gebiete ermittelt und welche nachhaltigen Mobilitätsformen sinnvoll eingesetzt werden können. Das darstellbare hohe Interesse der Bürger*innen Münchens legitimiert so Subventionen von kommunaler Seite.

Kleine Einblicke in die Handhabung von Daten in weiteren Kommunen erlaubten Bremen, Windhoek (Namibia) und La Paz (Bolivien). Während in Bolivien Daten als Open Data gehandhabt werden und öffentliche Portale die Nutzung erleichtern, ist das digitale Ticket-System in Windhoek eine neue Quelle an wichtigen Daten, die es unter anderem ermöglicht zu ermitteln, wo Schwarzfahren ein finanzielles Risiko für Betreiber bedeutet.

In anschließenden Teilgruppen tauschten sich die Teilnehmenden vertieft aus und nahmen weitere Erkenntnisse mit:

“Companies are always asking for money, so you need to do your own research to be able to evaluate their offers”

Stimme im Rahmen einer Umfrage während der Online-Veranstaltung

 

In den Gruppen wurde jedoch auch sichtbar, wie unterschiedlich die Verfügbarkeit und die Ressourcen zur Datenauswertung sind und dass es wichtig ist, viele Anregungen im jeweiligen individuellen Kontext zu reflektieren.

 

KI-basierte Visualisierung für nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum

Städte weltweit stehen vor wachsenden Herausforderungen bei der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum, der Sanierung informeller Siedlungen und der Schaffung inklusiver öffentlicher und sozialer Räume. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind partizipative Planung, klare Kommunikation und Instrumente erforderlich, die raumplanerische Optionen für Bürger und Entscheidungsträger greifbar machen.

Die Arbeitsgruppe „Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnraum” von Connective Cities bietet eine globale Peer-to-Peer-Lernplattform, die kommunale Innovationen durch den Austausch von Projektideen, Planungsansätzen und praktischen Lösungen unterstützt. Aufbauend auf früheren Austauschrunden (2024–2025) ist die Arbeitsgruppe in eine neue Phase (2026–2028) eingetreten, in der der Schwerpunkt auf Visualisierungsmethoden zur Unterstützung umgekehrter Planung (‚Reverse Planning‘) und der umsetzungsorientierten Projektvorbereitung liegt.

Bezahlbarer Wohnraum in verkehrsberuhigtem Viertel | Foto: Connective Cities

Am 22. Januar 2026 veranstaltete Connective Cities einen Online-Peer-Learning-Workshop zum Thema KI-basierte Visualisierung für nachhaltiges und bezahlbares Wohnen. Städte aus Subsahara-Afrika, Europa und der MENA-Region arbeiteten praxisorientiert mit der KI-basierten Visualisierungsplattform CoPlan AI, entwickelten und verfeinerten gemeinsam visuelle Konzepte und erläuterten dabei ihre lokalen Planungskontexte, Einschränkungen und Prioritäten. Die Sitzung folgte einem Peer-Learning-Format und konzentrierte sich auf das Lernen und den Austausch, anstatt auf endgültige Designlösungen.

Teilnehmende Städte

Zu den teilnehmenden Städten gehörten Kisumu, Nairobi, Turkana County, Kitengela, Windhoek, Mariental, Huye, Rwamagana, Lusaka, Mazabuka, Mangaung (Bloemfontein), Hebron, Mwanza und Berlin.
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Ausgewählte Städte-Beispiele

Huye (Ruanda)

Modell für Huye | Foto: Connective Cites

Huye untersuchte die Aufwertung einer dicht besiedelten informellen Siedlung entlang einer Hauptstraße. Die Visualisierungen konzentrierten sich auf die Kombination einer höheren Bebauungsdichte mit Prinzipien auf Nachbarschaftsebene, die Einführung eines zentralen öffentlichen Platzes, die Integration von Solardächern und begrünten Fassaden sowie die Schaffung kleiner sozialer Infrastrukturen wie Spielplätze, Gemeinschaftsräume und lokale Geschäfte.

Weiteres Modell für Huye | Foto: Connective Cites

Berlin (Deutschland)

Berlin testete einen erschwinglichen Wohnkomplex aus Holz in einem neuen Entwicklungsgebiet mit Straßenbahnanbindung. Das Konzept umfasste eine mehrschichtige Blockbebauung, gewerbliche Nutzungen im Erdgeschoss, erschwinglichen Wohnraum für etwa 1.000 Bewohner in den oberen Stockwerken sowie die Integration von Fahrradinfrastruktur, begrünten Fassaden und Solarbeleuchtung.
Der Beitrag der Stadt wurde gemeinsam von Lars Löbner und Larissa Häschel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bau und Wohnen Berlin entwickelt.

Modell für Berlin | Foto: Connective Cities

Nairobi (Kenia)

Visionen für Nairobi

Nairobi konzentrierte sich auf Flachbauten entlang einer belebten Stadtstraße. Das Szenario kombinierte erschwingliche Backsteinhäuser mit Platz für lokale öffentliche und halböffentliche Verkehrsmittel, darunter Boda-Boda-Stationen. Zur Verbesserung der Qualität des öffentlichen Raums und der lokalen Erreichbarkeit wurden versetzt angeordnete Gebäude, belebte Erdgeschosse, Geschäfte und begrünte Fassaden genutzt.

Fotos: Conective Cities

Hebron (Palästina)

Hebron untersuchte eine parkzentrierte Entwicklung am Stadtrand, in Kombination mit erschwinglichem Wohnraum. Der Park diente als Hauptstrukturierungselement, ergänzt durch Wohnformen, die sich an traditionellen Modellen orientierten, sowie schattige Sitzbereiche, klimagerechte Vegetation und natürliche Wege.

Modell für den Park am Stadtrand | Foto: Connective Cities

Methodisches Beispiel: Santa Cruz de la Sierra (Bolivien)

Santa Cruz de la Sierra wurde von Ruvi Suárez (GIZ Bolivien) als methodisches Beispiel vorgestellt. Basierend auf ihrer Arbeit mit einer Studentengruppe stellte sie Backcasting-Ansätze und ein Modell zur Bewertung der Auswirkungen verschiedener Stadtentwicklungsszenarien vor. Das Beispiel veranschaulichte, wie KI-gestützte Visualisierung mit wirkungsorientierter Planung kombiniert werden kann, um den Übergang von der Vision zur Umsetzung zu unterstützen, insbesondere im Kontext von bezahlbarem Wohnraum sowie öffentlichen und sozialen Räumen.
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Aufnahme des Online-Peer-Learning-Workshop auf der Connective Cities Plattform:

From Vision to Reality: Introducing Visualisation Methods for Affordable & Sustainable Housing

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Nächste Schritte

Der Workshop markierte den Beginn einer Phase intensiver Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe „Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnraum“. Auf dieser Erfahrung aufbauend wird Connective Cities die Formate für den Austausch zwischen Fachkollegen weiter stärken und Visualisierungsmethoden enger mit umgekehrten Planungs- und umsetzungsorientierten Prozessen verknüpfen.

Konzept und Moderation: Jelena Karamatijević, GIZ – Connective Cities (Bonn)
Regionale Koordination (SSA): Moses Munuve, GIZ – Connective Cities (Nairobi)

Modell für einen beschatteten Markt | Foto: Connective Cities