Gender Mainstreaming und integrative Politikgestaltung in Kommunen

Die Gleichstellung der Geschlechter hat sich als entscheidende treibende Kraft für den sozialen Fortschritt und eine integrative Politikgestaltung erwiesen, bei der die Kommunen eine entscheidende Rolle bei der Planung und Umsetzung spielen. Um die Rolle der Kommunen beim Gender Mainstreaming und der integrativen Politikgestaltung zu stärken, hat Connective Cities vom 8. bis 10. August 2023 in der jordanischen Haupstadt Amman einen Workshop für kommunale Akteur*innen und Fachleute mitorganisiert, um bewährte Praktiken in diesem Bereich vorzustellen. Die teilnehmenden Kommunen wurden bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Erreichung einer nachhaltigen, integrativen und geschlechtergerechten Entwicklung in ihrem jeweiligen Umfeld unterstützt. Die Zusammenarbeit umfasste weitere Programme: WoMENA, die kommunalen Partnerschaftsprogramme der  Initiative „Kommunales Know-how für Nahost“ (IKKN) (deutsch-jordanisch-libanesisch) und PAL (deutsch-palästinensisch).

Video auf YouTube ansehen: https://youtu.be/JHvDIx2e40k

Kollegiale Beratung und Netzwerkbildung – im Fokus der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit

Der OECD-Bericht „Reshaping Decentralised Development Co-operation in Germany“ wurde beim „6. OECD Roundtable on Cities and Regions for the SDGs“ am 20. April 2023 in Brüssel vorgestellt. Er bewertet die Politiken, Strategien, Programme und die Finanzierung der dezentralen Entwicklungszusammenarbeit (DEZA) in Deutschland sowie die damit verbundenen Herausforderungen und gibt konkrete Empfehlungen, wie die Effektivität und die Auswirkungen von DEZA-Politiken und -Programmen erhöht werden können.

Er ist das Ergebnis eines 18-monatigen Politikdialogs mit mehr als 100 Stakeholdern aus allen Regierungsebenen in Deutschland. Die OECD hat zwei Umfragen durchgeführt: eine bei den Bundesländern und eine bei den Kommunen. Die OECD-Umfrage bei den Ländern im Zeitraum November 2021 bis Januar 2022 richtete sich an die Anlaufstellen für Entwicklungszusammenarbeit in den 16 deutschen Bundesländern. Beantwortet wurde die Umfrage von den für die Entwicklungszusammenarbeit zuständigen Abteilungen der Landesministerien von 14 der 16 Länder sowie von Vertretern des Bundes (BMZ) und der Durchführungsorganisationen. Eine ähnliche Befragung wurde auf die deutschen Kommunen ausgedehnt und an die jeweiligen Verantwortlichen für die Entwicklungszusammenarbeit vor Ort gerichtet. Diese zweite Umfrage wurde zwischen April und Juni 2022 durchgeführt.

Seit den 1950er Jahren hat die DEZA innerhalb der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im Vergleich zu anderen Mitgliedern des Entwicklungshilfeausschusses der OECD leisten die deutschen Kommunen und Regionen in absoluten Zahlen mit Abstand die höchste öffentliche Entwicklungshilfe (ODA), insgesamt ca. 1.538 Millionen Euro in 2020 gefolgt von Spanien mit 369 Millionen Euro. Die meisten Länder und Kommunen konzentrieren sich in ihrer Entwicklungszusammenarbeit auf technische Zusammenarbeit, Beratungsdienste und kollegiale Beratung sowie Netzwerkarbeit, vor allem in den Politikbereichen Bildung, Umwelt und Gesundheit.

Ergebnisse auf kommunaler Ebene

Auf kommunaler Ebene sind der Aufbau und die Förderung von Netzwerken und kollegialer Beratung die beiden am häufigsten genutzten Arten der technischen Unterstützung bei kommunalen DEZA-Aktivitäten. Rund 75 % der Kommunen, die auf die OECD-Umfrage geantwortet haben, haben sich 2018, 2020 oder in beiden Jahren mit dem Aufbau und der Förderung von Netzwerken beschäftigt. Kollegiale Beratung ist die zweitwichtigste Art der technischen Unterstützung für DEZA-Projekte von Kommunen. Rund zwei Drittel der Kommunen nutzten kollegiale Beratung in ihren DEZA-Programmen. Runde Tische und Plattformen, die Akteure aus verschiedenen Sektoren zusammenbringen, sind Instrumente, die von den Kommunen genutzt werden und die Kommunikation und den Wissensaustausch verbessern können, insbesondere in Krisen und Notfällen.

In diesem Kontext wurde die Zusammenarbeit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) explizit erwähnt: „Es gibt verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen Engagement Global und der GIZ in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Dazu gehören SKEW-Projekte mit GIZ-Büros in bestimmten Partnerländern wie in der Maghreb-Region, der Ukraine, im Westjordanland und Gazastreifen sowie Projekte wie das Programm „Connective Cities“, das den weltweiten Austausch von kommunalem Fachwissen fördert und den auf die Bedürfnisse von Kommunen ausgerichteten Lern- und Fachaustausch zwischen deutschen und internationalen städtischen Praktikern unterstützt.“

Der Technologie- und Know-how-Transfer spielte eine ähnlich wichtige Rolle wie die kollegiale Beratung: Rund 60 % der Kommunen nutzten ihn als Teil ihrer DEZA-Aktivitäten im Jahr 2018 und/oder 2020. Andere relevante Arten der technischen Unterstützung, die für die DEZA-Aktivitäten der Kommunen wichtig sind, sind insbesondere die berufliche Bildung, Beratungsdienste, Organisationsentwicklung und Veränderungsmanagement.

Weitere wichtige Politikbereiche für deutsche Kommunen sind Governance und Demokratie. Nahezu 30 % waren in den letzten fünf Jahren in den Bereichen lokale Verwaltung, Demokratie und Dezentralisierung aktiv. Rund 27 % haben sich bei ihren Aktivitäten im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sowohl 2018 als auch 2020 auf die soziale Eingliederung konzentriert. Weitere relevante Bereiche der an der Umfrage teilnehmenden Kommunen sind Stadtentwicklung (20 %), Gesundheit seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie (22 % aktive Kommunen im Rahmen der DEZA), sowie wirtschaftliche Entwicklung, Wasser, Gender und Kultur. Generell sei es wichtig, ein gemeinsames Verständnis des Ziels eines DEZA-Projekts zu finden, um eine Diskrepanz bei den Prioritäten zu vermeiden.

Kritik und Empfehlungen

Der Bericht sieht aber auch Schwächen im deutschen DEZA-System: Die meisten Länder würden ihre Politik zwar mit der Bundesregierung über das Bund-Länder Programm abstimmen. Es gäbe aber kaum eine Politikkoordinierung zwischen den Ländern und den Kommunen. Dies könne zu verstreuten Kleinprojekten, ungenutztem Synergiepotenzial in den Partnerländern und Doppelarbeit führen. Zudem sei die DEZA insbesondere auf Länderebene noch ausbaufähig.

Weiterhin gäbe es keine einheitliche Definition der dezentralen Entwicklungszusammenarbeit und keine ausreichenden Datenlage für ein Wirkungsmonitoring. Entsprechende Wirkungsnachweise könnten die Attraktivität der DEZA insgesamt erhöhen. Mit bürokratischen Hürden einhergehende, oft auf ein Haushaltsjahr beschränkte, finanzielle Unterstützungsleistungen war ein weiterer Kritikpunkt.

Die daraus resultierenden Politikempfehlungen sind daher kurzgefasst:

  • Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Bundesländern und Kommunen bei der DEZA.
  • Stärkung der DEZA auf der Ebene der Länder durch Förderung einer direkteren Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Regierungen in den Partnerländern.
  • Klärung der Definition und der Grenzen von DEZA in Deutschland, um Maßnahmen zu fördern und bestehende DEZA-Leitlinien zu stärken.
  • Verstärkte Förderung des politischen Dialogs über die Ergebnisse und den gegenseitigen Nutzen von grenzüberschreitenden DEZA-Projekten für Länder, Kommunen und Durchführungsorganisationen.
  • Schaffung eines flexibleren Rahmens zur Ausweitung der Kofinanzierung von DEZA-Projekten und zur Bewältigung des Problems der einjährigen Finanzierungsvereinbarungen.
  • Vereinfachung des bürokratischen Aufwands und der Antragsverfahren für Förderprogramme sowie Stärkung der Kapazitäten des Personals zur Steuerung der Entwicklungshilfe auf kommunaler Ebene.
  • Entwicklung eines harmonisierten Konzepts für das Monitoring und die Evaluierung von DEZA-Ergebnissen in allen Ländern und Kommunen.

Trotz aller Kritik im Einzelnen wird die Wirksamkeit der DEZA jedoch nicht in Frage gestellt, sondern im Gegenteil ihr Potential für die Umsetzung der Agenda 2030 hervorgehoben und ein weiterer Ausbau empfohlen.

Zur Studie: OECD: Reshaping Decentralised Development Co-operation in Germany

Stimmen von Connective Cities – Stadtverwaltung Shahab

Sahab in Jordanien ist eine preisgekrönte Gemeinde. In diesem Video erzählen die Vertreter der Gemeinde (Haneen Hassouneh und Ali Assaf) von den Erfolgen der Gemeinde in den Bereichen nachhaltige Energieversorgung und Förderung der Energieeffizienz, Digitalisierung, gute Regierungsführung und Transparenz sowie der Berücksichtigung der Geschlechterperspektive in der Stadtentwicklung.  Die Vertreter der Kommunen betonten die wichtige Rolle, die Connective Cities bei der Erleichterung des Kapazitätstransfers, des Peer-Learnings und der Entwicklung von Fachkenntnissen der Netzwerkmitglieder spielt.

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https://youtu.be/eH5Sul77si0

Stimmen von Connective Cities – Stadtverwaltung Ras el-Matn

Der Bürgermeister der Gemeinde Ras el-Matn spricht darüber, wie die Gemeinde der libanesischen Hauptstadt Beirut als grüne Lunge dient, vor allem aufgrund ihrer weitreichenden Ökotourismusprojekte. Er beschreibt auch die Partnerschaft der Gemeinde mit dem privatwirtschaftlichen Partner „Green Mount Recycling – GMR“ für eine nachhaltige Abfallwirtschaft. Der Generaldirektor von GMR lobte die Gemeinde Ras el-Matn und erläuterte ihr Partnerschaftsprojekt zur Förderung der Abfalltrennung an der Quelle, wobei er insbesondere darauf einging, wie geschlechtsspezifische Aspekte in die Planung und Durchführung der Projektaktivitäten einbezogen wurden. Darüber hinaus beschreibt der Bürgermeister, wie die Gemeinde zusammen mit Connective Cities eine Geodatenbank entwickelt hat, um die Mülltrennung zu fördern. Beide Redner bestätigten die Vorteile einer Mitgliedschaft im Connective Cities Netzwerk und des Peer-Learnings, insbesondere zum Thema Abfallwirtschaft, da sie von neuen Verfahren erfuhren, die andere Unternehmen in verschiedenen Ländern wie den Philippinen und Brasilien unter Einsatz von Öffentlich-privaten Partnerschaften anwenden.

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https://youtu.be/3uixwUwO9W8

Eine Stadtentwicklung für alle in Wien

Im Bereich der Geschlechtersensiblen Planung wird Wien sowohl in der konzeptionellen Tiefe als auch in der thematischen Breite der Aktivitäten eine Spitzenposition auf europäischer Ebene eingeräumt. Dies zeigt sich auch am großen internationalen Interesse an den Erfahrungen „made in Vienna“.

Stimmen von Connective Cities – Die Gemeinde Jerash

Vertreter der jordanischen Gemeinde Jerash erzählen, wie sie vom Austausch mit anderen Experten bei den von Connective Cities organisierten Veranstaltungen und Workshops profitiert haben. Sie konnten viele Ideen für ihre eigenen Projekte in den Bereichen geschlechtersensible lokale Wirtschaftsentwicklung, Abfallmanagement und Plastikrecycling mitnehmen, mit dem Ziel eine Zero-Waste-Gemeinde zu werden.

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https://youtu.be/bxT5L_mJ4ZQ

Schaffung inklusiver öffentlicher Räume für Frauen

Öffentliche Räume können Gemeinschaften zusammenbringen und kulturelle Ausdrucksformen und Vielfalt fördern. Daher ist es wichtig zu untersuchen, wie öffentliche Räume den Aufbau von Beziehungen zwischen Frauen und der Stadt verbessern können. Femmedina, eine Kombination aus den Begriffen „femmes“ (Frauen) und „medina“ (historische Stadt), ist der Name eines Projekts, das im historischen Zentrum von Tunis durchgeführt wird. Das Projekt zielt darauf ab, den Aufbau dieser Beziehungen zu fördern.

Die urbanen Gärten von Amman

Die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns haben einen akuten Bedarf an Ernährungssicherheit in städtischen Gebieten aufgedeckt. Um diesen Bedarf zu decken, hat die jordanische Stadtverwaltung von Amman (Greater Amman Municipality, GAM) in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden, Finanzierungseinrichtungen und der lokalen Bevölkerung mehrere Projekte zur Förderung des städtischen Gartenbaus in der Hauptstadt Amman in Angriff genommen.

The 15-Minute City: A Feminist Utopia?

To realize the positive intersection of feminism and the 15-minute city, concrete and inclusive land-use and mobility policies are necessary.

In many cases, a lack of clear social policies and guardrails to ensure the accessibility and maintenance of social and rental housing, allow for meaningful mixed-use zoning, and provision of well-integrated and diverse transportation networks, such investments have often resulted in gentrification, often pushing out those who would benefit most from a walkable, cyclable community. This is particularly true for women living alone, single mothers, and those from marginalized communities. Therefore, in order for there to be a positive intersection between feminism and the 15-minute city concept, a truly inclusive and equitable approach, coupled with concrete policies, needs to be adopted.

Stimmen von Connective Cities – Die Gemeinde Hebron

Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung von Hebron berichten, wie sie vom Austausch mit anderen Expertinnen und Experten bei den von Connective Cities organisierten Veranstaltungen und Workshops profitiert haben. Sie konnten viele Ideen für ihre eigenen Projekte im Bereich der geschlechtergerechten Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und im Bereich der Energieeffizienz mitnehmen und deren Umsetzung verbessern.

Video auf YouTube ansehen:

https://youtu.be/viyh1acwVJs