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Kategorie: Partizipation und Stadtplanung
Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region
Am 7. April 2026 wurde der neue Connective Cities-Lernprozess zum Thema „Grüne Korridore in der City und auf dem Land“ per Online-Kickoff-Workshop offiziell gestartet. Die Veranstaltung wurde von Connective Cities in Zusammenarbeit mit dem GIZ-Projekt Capacity Building through Urban Infrastructure Development (CBUID II) organisiert und simultan auf Arabisch, Französisch und Englisch angeboten.
Am Workshop nahmen etwa 70 Vertreter*innen aus acht Ländern teil: Algerien, Ägypten, Deutschland, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina und Tunesien. Gemeinden und Partnerinstitutionen aus der MENA-Region sowie die deutsche Stadt Erlangen waren vertreten. Neben den offiziellen Teilnehmenden des Lernprozesses war ein erweiterter Kreis kommunaler Vertreter*innen zusätzlich in den virtuellen Austausch eingebunden.
Der Auftakt diente als technische und methodische Einführung in den Lernprozess. Ziel war es, erste thematische Prioritäten festzulegen, kommunale Herausforderungen sichtbar zu machen und eine gemeinsame Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Gleichzeitig diente die Veranstaltung dazu, die nächsten Schritte im Prozess vorzubereiten, wie etwa eine für Herbst 2026 geplante live-Konferenz in Ägypten.
KI-gestützte Visualisierung als innovatives Werkzeug nachhaltiger Stadtplanung
Ein zentrales Element des Workshops war eine KI-Visualisierungsübung zu grünen Korridoren, die über die CoPlan-KI-Plattform umgesetzt wurde. Basierend auf Bildern aus urbanen Kontexten der teilnehmenden Städte wurden Zukunftsszenarien für klimaresistente, grünere und nutzbarere urbane Räume entwickelt.
Wichtige Workshop-Ergebnisse
Die Auftaktveranstaltung zeigte, dass die teilnehmenden Städte sich grüne Korridore und grüne Viertel überwiegend in städtischen Bezirken und weniger in suburbanen Räumen vorstellen. Somit liegt der Fokus zunächst nicht auf der Planung in kaum erschlossenen Flächen, sondern auf der Weiterentwicklung bestehender urbaner Räume, in denen Wohnraum, Mobilität, öffentliche Nutzung und soziale Funktionen bereits eng miteinander verflochten sind.
So wurde im Laufe der Veranstaltung auch deutlich, dass grüne Korridore mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen. Sie tragen zur Klimaanpassung bei, zum Beispiel durch das Spenden von Schatten, Kühlung, Verbesserung der Luftzirkulation und Steigerung der Bodenwasseraufnahme. Aber sie tragen ebenso zur Aufwertung öffentlicher Räume bei, indem sie die Lebensqualität verbessern und Begegnungen in der Stadt fördern. Gerade in dicht besiedelten Vierteln müssen grüne Korridore daher stets als soziale Räume der Mobilität und Verbindung betrachtet werden.
Ein weiterer zentraler Aspekt war die Bedeutung von Beteiligung und lokaler Akzeptanz. Da identifizierte Räume in der Regel bereits intensiv genutzt werden, ist die Beteiligung der Bevölkerung eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Dies gilt sowohl für die Nutzbarkeit für unterschiedliche Gruppen wie Kinder, Familien und Bewohner*innen als auch für die Frage, wie grüne Maßnahmen in das städtische Alltag integriert werden können.
Beitrag aus dem Urban Development Fund (UDF)
Der ägyptische Urban Development Fund (UDF), angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Staat und Kommunen, unterstrich die Bedeutung institutioneller Ansätze für eine integrierte und klimaresiliente Stadtentwicklung. Die vorgestellten Beispiele zeigten, wie strategische Stadtentwicklung, Aufwertung bestehender Bezirke, Wärmereduzierung und öffentlicher Raum enger miteinander verknüpft werden können. Die UDF trug somit nicht nur konkrete Erfahrungen aus der ägyptischen Praxis bei, sondern auch eine wichtige Perspektive auf Skalierung, institutionelle Verankerung und langfristige Implementierungsfähigkeit.
Beitrag der Stadt Erlangen
Der Beitrag der Stadt Erlangen zeigte, dass die Umsetzung grüner Korridore nicht isoliert verstanden werden darf, sondern im Hinblick auf Verkehr, Zugänglichkeit und Konflikte bei der Nutzung städtischer Räume geplant werden muss. Im lokalen Projekt „Von zwei Vierteln zu einem Campus“ zeigten Vertreter*innen der Stadt, wie ein grüner Boulevard, die Verbindung von Straßenbahn, Fahrrad-, Fußgänger- und motorisiertem Verkehr sowie eine bestehende Fußgängerbrücke zu einer kohärenten Planungsaufgabe zusammengeführt werden können. Der Beitrag von Erlangen lieferte somit einen wichtigen Anstoß für einen integrierten Planungsansatz für grüne Korridore.
Beispielstädte und bewährte Praktiken
Während des Auftakts wurden mehrere kommunale und institutionelle Beispiele vorgestellt, die besonders relevant für den weiteren Lernprozess sind:
- Erlangen (Deutschland): Integrierter Planungsansatz für grüne Korridore im bestehenden urbanen Raum, mit Schwerpunkt auf Grüner Boulevard, multimodaler Mobilität, Flächennutzung und Nutzungskonflikten.
- Assuan (Ägypten): Entwicklung des Heat Action Plan für El-Sail Elgadid, einschließlich Kühlstationen, schattiger Erholungsbereiche und spezieller Bereiche für Kinder und Frauen.
- Port Said (Ägypten): Ansätze zur klimaangepassten Stadtentwicklung und zur Aufwertung urbaner Räume unter den spezifischen klimatischen Bedingungen einer Mittelmeerstadt.
- Telal Al-Fustat Park, Kairo (Ägypten): großflächiger Grünbauansatz im historischen Kairo mit positiven Auswirkungen auf Kühlung, Luftqualität und Biodiversität.
- Reviving Historical Cairo (Ägypten): Aufwertung historischer städtischer Gebiete als Kombination aus Stadterneuerung, öffentlichem Raum und historischer Identität.
- Al-Asmarat (Ägypten): Partizipative Aufwertung öffentlicher Räume im Wohnumfeld als Beispiel für die Verbindung von grünen und sozialen Funktionen in bestehenden Vierteln.
Ausblick

Der digitale Kickoff hat eine technische Grundlage für die nächsten Schritte des MENA-Lernprozesses geschaffen. Es wurde deutlich, dass der Mehrwert des Formats insbesondere in Synergieeffekten zwischen konkreten kommunalen Beispielen, institutionellen Perspektiven, interkommunalem Austausch und visuellen Methoden liegt. In den kommenden Phasen werden die identifizierten Themen vertieft, die Ansätze zwischen den Städten weiterentwickelt und gemeinsam sowohl im digitalen- als auch im persönlichen Austausch konkretisiert.
Grüne Korridore in der City und auf dem Land
Kickoff Event: 7.-9. April 2026 in Ägypten
Kommunen in Deutschland und in Nordafrika und im Nahen Osten stehen vor ähnlichen Herausforderungen angesichts des Klimawandels. Sie sind gefordert allgemeine Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und zum Klimaschutz in konkrete lokale Maßnahmen umsetzen. Eine Möglichkeit ist die Entwicklung von grünen Korridoren – z.B. als begrünten Gehwegen in Stadtzentren oder als grüne Korridore im Umland und neuen Quartieren. Diese ermöglichen verbesserte Frischluftzufuhr, Aufenthaltsqualität und ein effizienteres Wassermanagement. Die grünen Korridore können zudem für Naherholung und den Hitzeschutz in Kommunen genutzt werden.
Vor diesem Hintergrund bietet Connective Cities Fachleute aus Kommunalverwaltungen in Deutschland, Nordafrika und dem Nahen Osten die Möglichkeit im Rahmen eines einjährigen Lernprozesses konkrete Lösungsmaßnahmen für den eigenen Kontext zu entwickeln und sich gegenseitig auszutauschen.
Der strukturierte Lernprozess wird sich mit drei Schwerpunkten beschäftigen:
- Grüne Korridore als Frischluftschneisen zwischen Stadt und Umland
- Grüne Wege in Städten und alten Stadtzentren
- Grüne Neubau- und Bestands-Quartiere
Die Methodik
Der Lernprozess verfolgt einen modularen Ansatz mit folgenden Zielen:
- Unterstützung der teilnehmenden Kommunen bei der Ausarbeitung von Lösungsmaßnahmen durch Peer-Learning und maßgeschneiderte technische Beratung, um Lösungen zu grünen Korridoren voranzubringen.
- Kompetenzentwicklung der Teilnehmer, um organisatorische Veränderungen, Verbesserung von Verfahren und Methoden besser in der eigenen Kommune umsetzten zu können.
- Unterstützung der teilnehmenden Kommunen bei der methodischen Vorgehensweise und der Entwicklung von finanzierbaren Lösungsmaßnahmen.
Im Rahmen des Lernprozesses werden bewährte Verfahren für grüne Korridore und klimafreundliche Stadtplanung vorgestellt. Die teilnehmenden Kommunen werden sich im Peer-Learning-Prozess mit anderen austauschen, um konkrete Lösungen für ihre individuellen Kontexte zu entwickeln. Diese Lösungen können organisatorische Veränderungen zur Verbesserung von Verfahren, Methoden und Datenverfügbarkeit bewirken als auch konkrete Umsetzung von Pilotmaßnahmen.
Unter Anwendung eines ko-kreativen Ansatzes werden die Teilnehmer in einen strukturierten kreativen Problemlösungsprozess eingebunden. Dazu gehören
- die Beobachtung und das Verständnis der laufenden kommunalen Praktiken, um Herausforderungen und Lücken zu identifizieren;
- die Ideenfindung und Ausarbeitung von konkreten Lösungsansätzen und
- die Erprobung der Lösungen mit einer Gruppe von Interessierten, darunter Bürger und Experten, um Feedback zu erhalten.
Dauer
Der Lernprozess erstreckt sich über einen Zeitraum von einem Jahr und beginnt mit einem Auftakt-Workshop im April 2026 in Ägypten. Insgesamt werden zwei deutsche und ca. 10 Kommunen aus der MENA-Region an dem Lernprozess teilnehmen.
Teilnahme und Kontakt
Gesucht werden Fachleute aus Kommunalverwaltungen in Deutschland, Nordafrika und dem Nahen Osten (Landkreisämtern, Stadtverwaltungen, kommunalen Unternehmen etc.), die ein Projekt oder eine Idee für einen Lösungsansatz für grüne Korridore in den Lernprozess einbringen können. Idealweise bewerben sich zwei Fachleute aus einer Kommune und den Veränderungsprozess nachhaltig in der Verwaltung verankern zu können. Die Teilnahmekosten (Unterbringung und Verpflegung) werden übernommen. Die Konferenzsprache ist Englisch und Französisch.
Wenn Sie Interesse am Lernprozess haben, bewerben Sie sich bitte unter Angabe Ihrer Kommune, Position und dem Projekt/der Herausforderung im Bereich grüne Korridore über diesen Link: Lernprozess MENA Grüne Korridore 2026/2027 | Connective Cities Network bis zum 20. Februar 2026.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an jelena.karamatijevic@giz.de
Weitere Infos über Connective Cities Lernprozesse
Nachnutzen statt Abreißen: 2nd Hands on Public Buildings
Autorin: Dr. Susanne Reiff
Herausgeber: Connective Cities
Über ein Jahr arbeiteten ca. 30 Fachleute aus 6 Ländern im Rahmen des Lernprozesses „Nachnutzung von öffentlichen Gebäuden der Moderne der 60er und 70er-Jahre“ von Connective Cities an Lösungen, wie in die Jahre gekommene öffentliche Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren nachhaltig nach- oder umgenutzt werden können, anstatt sie abzureißen. Bei vier Veranstaltungen und zwei Arbeitstreffen von September 2024 bis September 2025 informierten sie sich über aktuelle Trends in diesem Bereich, vertieften ihr Wissen, erfuhren von externen Fachleuten Details über Lösungsansätze und inspirierten sich gegenseitig mit ihren jeweiligen Erfahrungen, Ansätzen und Ideen.
Doch die Teilnehmenden tauschten sich nicht nur aus, sie kamen auch ins Handeln. Sie arbeiteten ihre bei der Dialogveranstaltung im September 2024 in Berlin vorgestellten Projektideen weiter aus oder setzten sie zum Teil direkt um und griffen dabei Anregungen der anderen Teilnehmenden auf. Die innovativen und sehr unterschiedlichen Projekte zeigen auf beeindruckende Weise das Potenzial des Paradigmenwechsels – weg vom schnellen Abriss hin zu durchdachten Nach- und Umnutzungen – auf.
Die Dokumentation gibt Einblicke in die wesentlichen Ergebnisse.
7 Seiten
Erscheinungsjahr: 2025
Von der Vision zur Realität
Arbeitsgruppe: Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnraum – Connective Cities
Bezahlbarer und nachhaltiger Wohnraum bleibt eine der drängendsten Herausforderungen für Städte weltweit. In der nächsten Phase der Arbeitsgruppe „Nachhaltiger und bezahlbarer Wohnraum” von Connective Cities stellt dieser Online-Workshop Visualisierungsmethoden als praktisches Instrument zur Unterstützung der Planung, Kommunikation und des gegenseitigen Lernens zwischen Städten vor.
Aufbauend auf früheren Austauschrunden der Arbeitsgruppe integriert die Sitzung die Prinzipien des New European Bauhaus und untersucht, wie KI-basierte Visualisierung Städten dabei helfen kann, strategische Wohnungsbauziele in konkrete Raumkonzepte umzusetzen.


Der Workshop kombiniert praktische Visualisierung mit einem Kurzformat für den kollegialen Erfahrungsaustausch unter den teilnehmenden Städten, in dem diese über konkrete Fälle im Zusammenhang mit Gebäudesanierung, öffentlichen Räumen, Nachverdichtung und Nachbarschaftsaufwertung nachdenken.
Ziele:
- Einführung von KI-gestützten Visualisierungsansätzen für bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum
- Anwendung der NEB-Prinzipien (Nachhaltigkeit, Inklusion, Ästhetik) auf reale Fälle in Städten
- Stärkung der Peer-Beratung und des kollektiven Lernens unter den Alumni von Connective Cities
- Überbrückung der Kluft zwischen visuellen Konzepten und Umsetzungsplanung
Format:
- Kurze Expertenbeiträge
- Live-Visualisierungssitzung auf KI-Basis anhand ausgewählter städtischer Fälle
- Von Städten geleitete Peer-Beratung mit Feedback von Kollegen, Experten und dem Connective-Cities-Team

Praktische Informationen:
Datum: 22. Januar 2026
Uhrzeit: 10:00–13:00 Uhr MEZ
Ort: Online (Connective-Cities-Plattform)
Sprache: Englisch
Teilnahme: kostenlos, hier anmelden
Der Workshop ist öffentlich. Die aktive Teilnahme an der KI-basierten Visualisierung (einschließlich des Hochladens eigener Fotos) ist jedoch Mitgliedern der „Connective Cities Sustainable & Low-Cost Housing Alumni Group” vorbehalten.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Moses Munuve – moses.munuve@giz.de oder Jelena Karamatijevic – jelena.karamatijevic@giz.de
Zusammenspiel nachhaltiger Mobilitätsformen
Connective Cities hat vom 25. bis 27. November zu einer Dialogveranstaltung in Bonn eingeladen. 38 Expert*innen aus 20 Kommunen in 11 Ländern waren diesem Aufruf gefolgt, um ihre innovativen Projektansätze mit ihren Kolleg*innen zu diskutieren und gemeinsam an neuen Umsetzungsideen zu arbeiten.
Stefan Wagner, Leiter des Amtes für Internationales und globale Nachhaltigkeit der Stadt Bonn begrüßte die Gäste ganz herzlich, insbesondere die Kolleg*innen aus Bonns Partnerstadt La Paz. Beide Städte arbeiten bereits in vielen Nachhaltigkeitsprojekten zusammen. Bonn selbst hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden und im Bereich Mobilität bis dahin 75% CO2-freie Mobilitätsformen zu realisieren.

Jan Strehmann, Referatsleiter im Bereich Mobilität beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) zeigte in seinem Eingangsvortrag die Komplexität regionaler Mobilitätsplanung in Deutschland auf. Nicht selten spielen da die verschiedenen Ebenen von Bund, Land, Landkreis und einzelner Kommune hinein, teils als Geldgeber, teils als Planungseinheit. Für die Bereitstellung öffentlichen inter-urbanen Nahverkehrs schließen sich zudem nicht selten kommunale wie private Verkehrsanbieter zu Verkehrsverbünden zusammen. Dabei spiele nicht Wettbewerb, sondern eine passgenaue Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle, um einen reibungslosen Personentransport zu gewährleisten.
Melanie Schade, Projektleiterin im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) stellte in ihrer Präsentation Mobilikon vor. Das Online-Nachschlagewerk bündelt Mobilitätswissen im ländlichen Raum und erleichtert so Kommunen die Vorbereitung und Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen. Die Datenbank enthält 104 Maßnahmen, 110 Instrumente für deren Umsetzung, 79 Umsetzungshilfen, z.B. für die externe Kommunikation oder Datenerhebungen, sowie 206 konkrete Praxisbeispiele. Verschiedene Filter, z.B. zur Raumstruktur, Kosten und Umsetzungsdauer erleichtern dabei die Suche passender Maßnahmen.
Der neue Referent im Referat Länder und Kommunen des Bundesentwicklungsministerium, Jürgen Kretz, zeigte sich in seiner Begrüßungsrede erfreut, dass Connective Cities im Oktober 2025 nicht nur in eine neue Phase gestartet ist, sondern mit drei neuen weiteren Partnern: dem DStGB, dem deutschen Landkreistag (DLT) und dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) jetzt auch innerhalb Deutschlands breiter aufgestellt sei.
Das Connective Cities Team leitet in den fachlichen Teil der Veranstaltung bzw. die Projektpräsentation über.

Vertreten waren kleine Gemeinden wie Schlangen im Teutoburger Wald mit gut 9.000 Einwohner*innen bis hin zu Millionenmetropolen wie Rio de Janeiro oder München. Ebenso vielfältig waren die innovativen Ansätze: Das in Deutschland einmalige kostenlose Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen verbindet Kommunen im ländlichen Raum mit nächstgelegenen Bahnhöfen. Kisumu in Kenia entwickelte u.a. ein Batterietauschmodell für E-Motoradtaxis, Boliviens Hauptstadt La Paz plant, sein weltweit größtes Seilbahnnetz mit seinen 36 Stationen enger an das Busnetz anzubinden und Rio de Janeiro entwickelt ein multi-modales Netz aus Schnellbussen, Bussen, Radnetzausbau, Fahrradparkplätzen und E-Fahrradverleih. Das ukrainische Vinnytsa baut trotz oder wegen des Krieges sukzessive seine öffentliche Infrastruktur barrierefrei um. Die Stadt Monheim setzt auf autonom fahrende Shuttle Busse und Windhoek in Namibia stellt Studierenden leihweise E-Fahrräder zur Verfügung. Poti in Georgien wie auch Strumica in Nordmazedonien erweitern ihre Radwegenetze, und Dortmund baut systematisch seine Ladeinfrastruktur für Autos und E-Bikes aus. München verfolgt eine umfassende Strategie, um die verschiedenen CO2-freien Mobilitätsformen, u.a. mittels einer App und Mobility Hubs, möglichst eng miteinander zu verknüpfen. Und dies sind nur einige der Projektbeispiele.
Trotz allen strukturellen, geographischen und kulturellen Unterschieden wurde während der verschiedenen Runden des Erfahrungsaustausches doch schnell klar, dass es hauptsächlich ähnliche Herausforderungen gibt. Diese sind unter anderem:
- komplexe institutionelle Rahmenbedingungen;
- Konflikte über die Nutzungsart des begrenzten öffentlichen Raumes;
- fehlende Standards in der Datenerhebung und Datenverarbeitung;
- Infrastrukturschäden durch Vandalismus und Diebstahl;
- wechselnde Politikvorgaben und/oder unklare rechtliche Rahmenbedingungen;
- unterschiedliche und hohe Erwartungen der Stakeholder;
- die gewohnten Verhaltensmuster in Punkto Mobilität in der Bürgerschaft zu ändern;
- eine unzureichende finanzielle Ausstattung für die Projektumsetzung;
- und letztendlich: an Knowhow über ähnliche Projekte zu gelangen.
Beim letzten Punkt konnte während der Tagung Abhilfe geschaffen werden. Intensiv wurden in kollegialer Beratung Umsetzungsherausforderungen in Bergholzhauen, Kisumu, La Paz, München, Poti, Trapzon (Türkei), Strumica und Windhoek diskutiert.
Weitere Projektideen wurden im Action Planning aufgegriffen:
- „Pedestrian Angles“ – Öffentlichkeitsarbeit für das Zufußgehen in Kisumu
- Integrierte Mobilitätsplanung mit politischer Rückendeckung in Windhoek
- Verbessertes Datenmanagement in Vinnytsa
- Entwicklung einer sicheren Fahrradinfrastruktur in Poti
Den Abschluss der Dialogveranstaltung bildete eine Exkursion zu einem Busdepot der Stadtwerke Bonn (SWB) mit Auflade-Infrastruktur für elektrische Linienbusse, zur Radstation am Bonner Hauptbahnhof und zu Mobilitätsstationen mit Angeboten wie z.B. (Lasten-)Fahrradverleih, sicheren Fahrradparkboxen , Car-Sharing Parkplätzen und auch städtischen Ladevorrichtungen für E-Fahrzeugen in der Bonner Südstadt.
Projektkoordinatorin Marcella Sobisch wird den Lernprozess im folgenden Jahr weiter betreuen und ist Ansprechpartner*in für die Gruppe und weitere Interessierte: marcella.sobisch@engagement-global.de.
Impressionen
Alle Fotos: Aschoffotografie, Engagement Global
Cities Leading by Example
Städte spielen beim Klimawandel eine doppelte Rolle: Einerseits tragen sie maßgeblich zu ihm bei, andererseits sind sie besonders anfällig für seine Auswirkungen. Diese Dynamik führt zu einer Rückkopplungsschleife, die die Herausforderungen für Städte weiter verschärft: Der Beitrag der Städte zum Klimawandel verschlimmert nämlich genau die Risiken, denen städtische Zentren ausgesetzt sind. Da Städte weltweit bereits jetzt die Auswirkungen des Klimawandels, wie steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen, zu spüren bekommen, ist proaktive, risikobewusste Planung dringender denn je.
Der Leitfaden „Cities Leading by Example: A Guidebook on Risk-Informed Planning and Heat Mitigation” (Städte gehen mit gutem Beispiel voran: Ein Leitfaden für risikobewusste Planung und Hitzeminderung) richtet sich an kommunale Akteure, Stadtplaner, politische Entscheidungsträger und Gemeindevorsteher, die einen risikobewussten Ansatz verfolgen und die Anpassung an Hitze in ihre Planungsprozesse integrieren möchten. Anhand praxisorientierter Beispiele befasst sich dieser Leitfaden mit den Erfahrungen von Städten bei der Ausarbeitung von Strategien und Maßnahmen, der Optimierung der institutionellen Rahmenbedingungen und Steuerungsstrukturen, der Förderung einer effektiven Kommunikation und Bürgerbeteiligung sowie der Nutzung evidenzbasierter Planung unter Verwendung von Klimadaten.
Neue Brücken bauen: Integration syrischer Städte in das regionale Netzwerk „Connective Cities“
Der Workshop trug zur Stärkung des Austauschs kommunaler Erfahrungen bei und ebnete den Weg für die Integration der syrischen Städte in das Netzwerk und ihre aktive Mitgliedschaft. Vertreter der Provinzen Damaskus und Rif Damaskus berichteten über den aktuellen Stand der umfassenden Planung und hoben dabei die Herausforderungen hervor, die mit der Verfolgung einer langfristigen Vision für nachhaltige Entwicklung verbunden sind.


Zudem diskutierten sie ihre Bestrebungen hinsichtlich der digitalen Transformation in ihrer Stadtverwaltung. Ihre Kollegen aus der Gemeinde Greater Amman vertieften sich in praktische Erfahrungen zu diesen Themenbereichen und teilten einen reichen Schatz an Wissen und Erfahrungen, die auf dem lokalen Kontext der Umsetzung basieren.

Im Rahmen interaktiver Peer-Learning-Aktivitäten stellten die Teilnehmer Beispiele für bewährte Praktiken vor und erörterten Erfolgsfaktoren und Hindernisse, mit denen kommunale Mitarbeiter bei der Stadtplanung, der Erbringung kommunaler Dienstleistungen und der digitalen Transformation konfrontiert sind. Die Diskussionen führten zu einem offenen und ehrlichen Austausch, bei dem beide Seiten von den Erfolgen und Hindernissen der anderen Seite lernen konnten.

Im Rahmen des Workshops wurde auch die Besichtigung eines Beispiels für bewährte Praktiken organisiert: des Al-Zuhour Green Triangle, einem Modell für grüne Infrastruktur. Auf einer Fläche von 2.300 m² demonstriert dieses von der Gemeinde Greater Amman und UN-Habitat Jordanien umgesetzte Pilotprojekt zwei Konzepte des grünen Regenwassermanagements: Regenwasser-Bioretention und Regenwasserrückhaltung.
Der Workshop mündete in einen Fahrplan für die künftige Zusammenarbeit und die Institutionalisierung des Wissensaustauschs. In diesem Fahrplan wurden vorrangige Handlungsbereiche skizziert. Zu den wichtigsten Schwerpunkten zählen Gesetzgebung und Regierungsführung. Dabei liegt der Fokus auf der raschen Verabschiedung eines fairen Wiederaufbaugesetzes in Syrien, der Einführung standardisierter Ausschreibungs- und Vergabeverfahren sowie der Aktivierung von Rahmenwerken für öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP), wo dies angemessen ist. Hinsichtlich der Dezentralisierung waren sich die Teilnehmer einig, dass ausgewählte Befugnisse, insbesondere im Bereich Verkehr und Verkehrsmanagement, an die Kommunen delegiert werden müssen. Dies soll durch technische Ausschüsse unterstützt werden, um sicherzustellen, dass die Masterpläne mit den sektoralen Strategien in Einklang stehen. Als entscheidend wurde auch die Stärkung der Ressourcen und Kapazitäten angesehen, einschließlich der Bereitstellung ausreichender personeller und finanzieller Ressourcen sowie der Investition in internes Fachwissen und kontinuierliche Weiterbildung. Ein weiteres wichtiges Prinzip war die Einbeziehung der Gemeinschaft in die Stadtplanung.

Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, die Beteiligung der Öffentlichkeit durch Bürgerzentren und Feedback-Mechanismen aufrechtzuerhalten, die sowohl die sozialen als auch die wirtschaftlichen Dimensionen des städtischen Lebens widerspiegeln. Unter dem Motto „Build Back Better“ forderten die Teilnehmenden schließlich, Datenlücken zu schließen, die sektorübergreifende Koordination zu verbessern und den Wiederaufbau als Plattform für eine langfristige, nachhaltige Entwicklung zu nutzen.
Weitere Informationen zu den Präsentationen finden Sie auf der Connective Cities Plattform.
Teilnahmeaufruf: Urban Labs – Bewährt und erprobt
Urban Labs haben sich weltweit als wertvolles Instrument der öffentlichen Politik etabliert, welches eine regelmäßige Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Akteur*innen ermöglicht, um gemeinsam innovative Lösungen für komplexe städtische Herausforderungen zu entwickeln. Diese Plattformen setzen auf partizipative, sektorübergreifende und inklusive Ansätze. Die Umsetzung und die Erfahrungen mit Urban Labs unterscheiden sich jedoch von Stadt zu Stadt erheblich.
Diese Veranstaltung bringt Stadtpraktiker*innen und Stadtvertreter*innen aus Südosteuropa und Deutschland sowie Expert*innen aus verschiedenen Sektoren zusammen, um die transformative Rolle von Urban Labs bei der Gestaltung nachhaltiger und widerstandsfähiger Städte zu erkunden und zu diskutieren.
Die Veranstaltung fördert den Wissensaustausch, unterstützt neue Partnerschaften und inspiriert zu umsetzbaren Strategien für zentrale Akteur*innen in den Bereichen Stadtplanung, Nachhaltigkeit und Innovation.
Darüber hinaus hat das bilaterale GIZ-Projekt „Nachhaltige Stadtentwicklung (SUD)“ in Georgien eine Publikation mit dem Titel „Urban Labs: Bewährt und erprobt“ veröffentlicht. Diese bietet einen umfassenden Überblick über das Konzept der Urban Labs, zeigt deren praktische Wirkung in verschiedenen Städten auf, erklärt deren Funktionsweise und beleuchtet zentrale Phasen, interne Prozesse und externe Erfolgsfaktoren.
Zielgruppe
• Stadtvertreter*innen und Stadtpraktiker*innen
aus Südosteuropa, Deutschland und anderen europäischen Ländern, die an Stadttransformation und Politikentwicklung beteiligt sind.
• Nichtregierungsorganisationen
Organisationen, die sich mit Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und sozialer Innovation befassen.
• Akademische Institutionen
Forschende, Wissenschaftler*innen und Studierende mit Fokus auf Stadtforschung, Innovation, Nachhaltigkeit und öffentliche Politik.
• Stadtplanungs- und Entwicklungsexpert*innen
Stadtplanerinnen und kommunale Vertreter*innen aus Georgien und anderen Ländern Südosteuropas mit Interesse an urbaner Innovation und nachhaltiger Stadtentwicklung.
• Internationale Expert*innen
Vertreter*innen internationaler Organisationen und Fachleute mit praktischer Erfahrung in der Konzeption, Umsetzung oder Begleitung von Urban Labs weltweit.
Teilnahme und Kontakt
Wir laden Sie hiermit herzlich zur Teilnahme an der kommenden Insight Session ein, die am Donnerstag, den 17. Juli 2025, 13:30 – 15:30 Uhr MESZ stattfindet. Die Veranstaltung richtet sich an städtische Praktiker*innen aus Kommunalverwaltungen sowie aus der Wissenschaft, dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft. Die Konferenzsprache ist Englisch mit Simultanübersetzung ins Georgische.
Weitere Informationen und Anmeldung: https://community.connective-cities.net/en/insightsession-urbanlabs
Bei Fragen zum Programm oder zur Teilnahme kontaktieren Sie uns gerne:
Ketevan Papashvili – Regionalkoordinatorin Südosteuropa: ketevan.papashvili@giz.de
Jimmy Yoedsel – Junior-Berater Connective Cities: jimmy.yoedsel@giz.de
Datum: Donnerstag, 17. Juli 2025, 13:30 – 15:30 (MESZ, Zeitzone Berlin)
Ort: Virtual Event on Connective Cities Community
Anmeldung: https://community.connective-cities.net/en/insightsession-urbanlabs
Plattform für das Event: Big Blue Button (empfohlene Browser: Chrome oder Firefox)
Konferenzsprache: Englisch / Georgisch
Das Haus der Statistik
Autorin: Dr. Susanne Reiff
Herausgeber: Connective Cities
Auf dem großen Areal des früheren Hauses der Statistik im Zentrum Berlins entsteht ein neues Quartier für Verwaltung, Wohnen, Soziales und Kultur. Eine zivilgesellschaftliche Initiative hatte den Abriss des Bestandsgebäudes aus den 1960er-Jahren verhindert und erarbeitete gemeinsam mit der Verwaltung und anderen Akteuren das Konzept für die Umnutzung – ein Leuchtturm für alternative Wege der Stadtentwicklung.
4 Seiten
Erscheinungsjahr: 2025





































