Connective Cities beim World Urban Forum 13 in Baku

Beim 13. World Urban Forum in Baku veranstalteten der Deutsche Städtetag und Connective Cities eine interaktive Academy Session zum Thema „AI-supported Visualisation for Affordable Housing and Informal Settlement Upgrading“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie KI-gestützte Visualisierungen Kommunen dabei unterstützen können, Herausforderungen im Bereich bezahlbarer Wohnraum, Quartiersentwicklung und informelle Siedlungsentwicklung konkreter und anschaulicher zu diskutieren.

Die Session knüpfte an die Arbeit der Connective Cities Working Group on Sustainable and Affordable Housing an. Sie war bewusst nicht als reine Technologiedemonstration angelegt, sondern als praxisorientiertes Lernformat mit kommunalen Fallbeispielen. Ziel war es, gemeinsam zu erproben, wie Visualisierungen komplexe Planungsfragen verständlicher machen und neue Gesprächsräume zwischen Kommunen, Fachabteilungen, Entscheidungsträgern und lokalen Akteuren eröffnen können.

Ausgangspunkt waren reale Bilder aus kommunalen Kontexten. Mit Unterstützung von CoPlan AI wurden daraus mögliche Entwicklungsszenarien visualisiert. Die KI-generierten Bilder waren ausdrücklich keine finalen Planungen, sondern dienten als Diskussionsgrundlage. Die Teilnehmenden konnten dadurch sehr konkret über Wohnqualität, Dichte, öffentlichen Raum, Begrünung, Klimaanpassung, Mobilität, soziale Infrastruktur und mögliche Umsetzungsschritte sprechen.

Ein zentraler Mehrwert des Formats lag in der gemeinsamen Arbeit an den Bildern. Die Visualisierungen machten abstrakte Planungsfragen sichtbar und ermöglichten eine kreative, aber zugleich kritische Diskussion: Welche Zukunftsbilder entstehen? Welche Annahmen stehen dahinter? Welche Chancen und Risiken werden sichtbar? Welche sozialen, räumlichen, ökologischen, institutionellen und finanziellen Voraussetzungen müssten geprüft werden, damit aus einem Bild ein realistischer Planungsschritt werden kann?

Die Session wurde von Prof. Hilmar von Lojewski, Deutscher Städtetag, moderiert. Jelena Karamatijevic, Connective Cities / GIZ, führte in den fachlichen Rahmen ein und stellte den Bezug zur kommunalen Praxis sowie zum Peer-Learning-Ansatz von Connective Cities her. CoPlan AI, vertreten durch Damiano Cerrone und Sampo Ruoppila, begleitete den partizipativen KI-basierten Visualisierungsprozess.

Kommunale Fallbeiträge und Reflexionen kamen unter anderem aus Nairobi, Huye, Mariental, Hebron, Berlin sowie vom Urban Development Fund in Ägypten. Beteiligt waren Godfrey Ngugi, Richard Ndicunguye, Sunday Haimbodi, Husam Shweiki, Lars Loebner und Dr. Marwa Ahmed. Sie brachten ihre jeweiligen lokalen Perspektiven ein und diskutierten, welche planerischen, sozialen, institutionellen und finanziellen Rahmenbedingungen hinter den Visualisierungen geprüft werden müssten.

Aus Berlin brachte Lars Loebner von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen eine wichtige Perspektive ein: Bilder können öffentliche Debatten über Wohnungsbau und Quartiersentwicklung stark prägen. Verantwortungsvolle Visualisierung kann daher helfen, nicht nur abstrakte Pläne zu vermitteln, sondern positive und realistische Zukunftsbilder für lebendige, sozial gemischte und grüne Quartiere sichtbar zu machen.

Ein methodischer Impuls kam zudem von Ruvi Y. Suárez Subirana, GIZ / ProUrbano, Santa Cruz, Bolivien. Unter dem Titel „From AI Visualisation to Scenario Assessment“ zeigte sie, wie KI-gestützte Visualisierung mit Szenariodenken und Wirkungsreflexion verbunden werden kann. Ihre Botschaft ergänzte die Diskussion: KI-Bilder sind keine Pläne. Ihr Wert entsteht vor allem dann, wenn sie genutzt werden, um Auswirkungen, Zielkonflikte und mögliche Umsetzungspfade gemeinsam zu reflektieren.

Die Diskussion zeigte, dass KI-gestützte Visualisierung ein hilfreiches Instrument sein kann, um Planungsoptionen anschaulicher darzustellen und gemeinsames Lernen zu unterstützen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass solche Bilder verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen. Sie können Erwartungen wecken und dürfen daher Planung, Beteiligung, Machbarkeitsprüfungen, Kostenabschätzungen und politische Entscheidungen nicht ersetzen.

Aus Sicht von Connective Cities bietet die Academy Session einen wichtigen Ausgangspunkt für eine vertiefte Beschäftigung mit bezahlbarem Wohnen, informeller Siedlungsentwicklung und umsetzungsorientierten kommunalen Projektansätzen. Der Mehrwert liegt nicht in der Technologie selbst, sondern darin, kommunale Lernprozesse zu stärken und den Schritt von Visualisierung und Kartierung hin zu realistischen, inklusiven und finanzierbaren Umsetzungspfaden vorzubereiten.

Bilddokumentation: Ist-Zustand / nach der KI-gestützten Visualisierung

Die folgenden Visualisierungen wurden im Rahmen der WUF13 Academy Session als Diskussionsgrundlage entwickelt. Ausgangspunkt waren reale kommunale Bilder; die KI-generierten Szenarien dienten dazu, Fragen zu bezahlbarem Wohnen, informellem Siedlungs-Upgrading, öffentlichem Raum, Klimaresilienz und Umsetzungsschritten besser diskutierbar zu machen. Die Bilder sind keine finalen Planungen.
Quelle: Connective Cities, generiert mit CoPlan AI.

Ruanda, Huye — suburbanes Gebiet für bezahlbaren Wohnraum

Vom erschlossenen Grundstück zu einem lebenswerten Quartier für bezahlbaren Wohnraum mit öffentlichem Raum, Schatten und gemeinschaftlichen Einrichtungen.

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Kenia, Nairobi County — Mji wa Huruma

Von einer informellen Siedlung zu einem  sichereren öffentlichen Raum und klimasensible Wohnentwicklung

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Namibia, Mariental — inkrementeller Wohnungsbauansatz

Von inkrementellen Wohnbedingungen zu einem sichereren Straßenraum mit Basisinfrastruktur, Schatten und besserer fußläufiger Erreichbarkeit.

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Palästina, Hebron — bezahlbarer Wohnraum im städtischen Kontext

Von einem bestehenden Straßenabschnitt zu einem Szenario mit Mischnutzung, Begrünung und fußgängerorientiertem Wohnumfeld

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Deutschland, Berlin — neue Quartiersentwicklung

Von einer offenen Fläche entlang von einer Straße zu einem dichten, grünen und gemischt genutzten Wohnquartier-Szenario

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Ägypten, Sharqia — Nachverdichtung und bezahlbarer Wohnraum

Von untergenutzter innerstädtischer Fläche zu einem kompakten Wohnszenario mit verschatteten Höfen und öffentlichem Raum.

Ausgangsszenario (links) und KI-generiertes Diskussionsszenario (rechts)

Wasserresilienz – Kommunen wappnen sich gegen Trockenheit und Starkregen

Wasser wird für immer mehr Kommunen weltweit zu einer zentralen Herausforderung. Einerseits sind sie verstärkt Hitzewellen und Trockenheit ausgesetzt, andererseits führen Starkregen und Hochwasser häufiger zu Überschwemmungen. All dies gefährdet weltweit die Gesundheit der Bevölkerung und zerstört oder beschädigt nicht nur privates Eigentum, sondern auch kommunale Infrastrukturen. Der globale Wasserbedarf könnte bis 2030 die verfügbaren Mengen deutlich übersteigen. Wasser wird somit zu einer strategischen Ressource. Es ist also dringend Zeit, dass Kommunen ihre Wasserresilienz stärken.

Die eigenen Herausforderungen zur Wasserresilienz hinterfragen, von den Erfahrungen auf anderen Kontinenten lernen und Mut zur Umsetzung innovativer Ideen entwickeln – all das waren die Zutaten des ersten persönlichen Treffens im Rahmen des Deep Dive von Connective Cities, vom 5. bis 7. Mai 2026 in Wuppertal. Bereits im März 2026 hatte sich die Gruppe zu einem virtuellen Auftakt getroffen. Insgesamt 16 Fachleute aus den deutschen Kommunen Dresden, Wunstorf und Wuppertal sowie aus Akkaraipattu (Sri Lanka), Homa Bay (Kenia), Hyderabad (Indien), Natitingou (Benin) und Niš (Serbien) arbeiten seit Anfang 2026 über etwa zwei Jahre gemeinsam daran, innovative Ansätze wie Schwammstadtkonzepte, blaue Korridore und integrierte blau-grün-rote Infrastrukturen und deren Umsetzungsmöglichkeiten kennenzulernen und zu analysieren. Auf dieser Basis entwickeln und implementieren sie lokal angepasste Lösungen für ihre jeweiligen Herausforderungen.

Die Dokumentation beschreibt Praxisbeispiele aus Wuppertal und Leipzig, skizziert die anvisierten Pilotprojekte der sechs Kommunen und resümiert die zentralen „Key Take-aways“ des bisherigen Prozesses.

Das „Walkable Triangle“ in Kisumu, Kenia

Kisumu, eine Hafenstadt am Ufer des Viktoriasees und eine der größten Städte Kenias, gewinnt zunehmend an Bedeutung für den Waren- und Handelsverkehr zwischen Kenia und seinen Nachbarländern Tansania und Uganda. Mit einem jährlichen Bevölkerungswachstum von knapp 4 Prozent hat sich die Einwohner*innenzahl von etwa 205.000 in 2001 auf mindestens 422.000 in 2025 in 15 Jahren mehr als verdoppelt. Dies führte zu einer Reihe großer Infrastrukturprojekte, die allerdings primär auf den motorisierten Verkehr fokussiert waren, obwohl 53 Prozent der täglichen Wege der Einwohner*innen zu Fuß zurückgelegt werden.

Ein Projekt im Rahmen des „Kisumu Sustainable Mobility Plan“ ist das „Walkable Triangle“: die fußgängerfreundliche Umgestaltung der drei Hauptstraßen Oginga Odinga, Ang’awa Ave und Jomo Kenyatta Ave. in einem Geschäftsviertel im Zentrum der Stadt. Diese umschließen in Form eines Dreiecks eine Sport- und Parkanlage und werden täglich von über 2.200 Fußgänger*innen genutzt. Ziel ist es, den nicht-motorisierten Transport auf den insgesamt 1,5 Kilometern zu fördern, sicherer, angenehmer und barrierefrei zu gestalten sowie den bereits bestehenden Baumbestand zu erhalten und zu integrieren.

Zudem fördert die Stadt E-Mobilität beim öffentlichen Transport durch ein Batterietauschsystem für Motorradtaxis, sogenannten „Boda-Bodas“, und Dreiradtaxis, sogenannten „Tuk-Tuks“.

Die Dokumentation beschreibt die Herangehensweise wie auch die erzielten Wirkungen dieser Guten Praktik.

Autor: Burkhard Vielhaber

Copyright: Connective Cities

 

Von der Problembeschreibung zur konkreten Umsetzung: Naturbasierte Lösungen in kommunalen Kontexten

Der Lernprozess zum Thema „Natur im Zentrum urbaner Resilienz“ wurde mit einem dreitägigen Auftaktworkshop vom 21. bis 23. April 2026 in Naivasha, Kenia, offiziell eingeleitet. An dem Workshop nahmen 20 Kommunen und Städte aus ganz Subsahara-Afrika und Deutschland mit über 40 Stadtplanern, Fachleuten und institutionelle Partnern teil.

Der Workshop markierte den Startpunkt eines längerfristigen Engagements, das darauf abzielt, Kommunalverwaltungen durch strukturierten Austausch und technische Hilfe dabei zu unterstützen, konkrete, nachhaltige Lösungen zu ihren kommunalen Herausforderungen zu entwickeln.

die Teilnhmenden des Lernprozesses | © Connective Cities

Städte an vorderster Front: Klimawandelfolgen und die Notwendigkeit naturbasierter Lösungsansätze

In städtischen Gebieten sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur am deutlichsten sichtbar, sondern oft auch am folgereichsten. In ganz Subsahara-Afrika sehen sich Städte und Gemeinden mit einer Vielzahl von Belastungen konfrontiert: rapide Urbanisierung, Umweltzerstörung und zunehmende Gefährdung durch Klimarisiken wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzestress. Diese Belastungen treten nicht isoliert auf; sie wirken auf komplexe Weise zusammen, verstärken die Anfälligkeit und belasten die ohnehin begrenzten infrastrukturellen und institutionellen, kommunalen Kapazitäten.

Gleichzeitig sind Kommunalverwaltungen keine passiven Akteure. Wie zu Beginn des Workshops hervorgehoben wurde, sind diese maßgeblich, wenn es darum geht, in lokalen Kontexten klimatische Herausforderungen anzugehen. Andreas Wolter, Vorsitzender des Klima-Bündnis e.V. und Stadtrat in Köln, betonte, wie entscheidend es sei, sicherzustellen, dass Städte im globalen Klimadiskurs aktiver vertreten sind, und wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels in den Kommunen am unmittelbarsten zu spüren sind und dass Lösungen letztendlich dort umgesetzt werden müssen.

Vortrag von Andreas Wolter | © Connective Cities

Ergänzend  hob Dr. Nelson Maara, Repräsentant der Region Nakuru, die Bedeutung der Erhaltung von Ökosystemleistungen als Resilienzgrundlage hervor und veranschaulichte anhand lokaler Erfahrungen, wie sich die Degradation natürlicher Systeme direkt in einer erhöhten urbanen Anfälligkeit für Klimarisiken niederschlägt.

Zusammen untermauern diese Perspektiven die wachsende Erkenntnis, dass Kommunen eine stärkere Rolle bei der Gestaltung des Klimaschutzes spielen müssen, da sie dafür verantwortlich sind, politische Verpflichtungen in praktische, lokal verankerte Lösungen zu übersetzen. Hier bieten naturbasierte Lösungen (NbL) entscheidende Ansätze, indem sie Städten ermöglichen, ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen durch die Wiederherstellung und nachhaltige Bewirtschaftung von Ökosystemen umfassend anzugehen.

Obgleich die Relevanz von NbL zunehmend anerkannt wird, bleibt die Fähigkeit, vom Konzept zur Umsetzung zu gelangen, ein komplexes Thema. Hier kommt der Connective Cities Lernprozess ins Spiel, indem er kommunalen Praktikern durch strukturierte Austauschformate die erforderlichen technischen Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt.

Vom Austausch zur Umsetzung: Die Bedeutung des Lernprozesses

Der Lernprozess basiert auf dem Prinzip, dass Städte und Kommunen am effektivsten lernen, wenn sie sich direkt miteinander über reale, gemeinsame Herausforderungen austauschen. Anstatt sich auf den abstrakten Wissenstransfer zu konzentrieren, schafft er einen strukturierten Raum, in dem Praktiker*innen ihre Probleme gemeinsam analysieren, Erfahrungen austauschen und schrittweise Reformmaßnahmen entwickeln können – konkrete Aktionen oder Projektkonzeptionen, die in ihrem lokalen Kontext Anwendung finden.

Ein weiterer zentraler Baustein der Lernprozess-Methodik ist es, die Fähigkeiten kommunaler Praktiker*innen zu stärken, diese Maßnahmen innerhalb ihres institutionellen Umfelds zu entwerfen, zu planen und letztlich umzusetzen. Der Peer-to-Peer-Ansatz ist angesichts der Vielfalt der teilnehmenden Kommunen besonders wichtig, da er unterschiedliche Governance-Strukturen, Kapazitäten und Erfahrungen zusammenbringt und gleichzeitig deutlich macht, dass viele der zugrunde liegenden Herausforderungen im Grunde genommen gemeinsam sind.

Entsprechend geht es beim Lernprozess nicht darum, Lösungsansätze einfach von einem Kontext auf einen anderen zu übertragen, sondern eher, Städte in die Lage zu versetzen, Ideen im Dialog anzupassen und zu verfeinern, um sicherzustellen, dass diese sowohl kontextspezifisch als auch praktisch umsetzbar sind.

Von der Rahmung zur Praxis: Expertenbeiträge und Erkenntnisse aus der Podiumsdiskussion

Aufbauend auf den übergeordneten Zielen und der Struktur des Lernprozesses markierte der Auftakt-Workshop in Naivasha den ersten Schritt zur Umsetzung des Peer-Learning Ansatzes in die Praxis. Im Laufe von drei Tagen nahmen die teilnehmenden Städte und Gemeinden an einem strukturierten Austausch teil, der Expertenbeiträge, Podiumsdiskussionen und Peer-Learning-Sitzungen kombinierte und es ihnen ermöglichte, NbS in den kommunalen Realitäten zu verankern.
Die Fachbeiträge bildeten die theoretische Grundlage für die Teilnehmer um die Bedeutung von NbS für eine nachhaltige kommunale Entwicklung besser einordnen zu können:

Prof. Johanes Belle stellte NbL unter dem Gesichtspunkt der Ökosystemleistungen vor und betonte, wie natürliche Systeme wesentliche Funktionen wie Hochwasserregulierung, Wasserreinigung und Klimamoderation erfüllen. Zusätzlich zu ihren zentralen infrastrukturellen Funktionen schaffen naturbasierte Lösungen auch sekundäre Mehrwerte, darunter Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens der lokalen Bevölkerung, steigende Bodenqualität und Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Prof. Johanes Belle | © Connective Cities

Indem Dr. Belle NbL im Kontext dieser Leistungen darstellte, betonte Dr. Belle, dass Ökosysteme als funktionale Infrastrukturen –und nicht lediglich als ‚Umweltvorteile‘– verstanden werden sollten, die für die städtische Resilienz von zentraler Bedeutung sind.

So können etwa Feuchtgebiete und städtische Grünflächen überschüssiges Regenwasser aufnehmen, wodurch das Hochwasserrisiko verringert und gleichzeitig die Wasserqualität in schnell wachsenden städtischen Gebieten verbessert wird.

Diese Perspektive war für die teilnehmenden Städte besonders relevant, von denen viele die direkten Folgen der Ökosystemdegradation in Form von erhöhtem Hochwasserrisiko, sinkender Wasserqualität und gesteigerter Klimavulnerabilität selbst erleben.

Der Beitrag des stellvertretenden Bürgermeisters William Wolfgramm vom Klimareferat der Stadt Köln zeigte anhand des kommunalen „Masterplans für städtische Grünflächen“, wie NbL-Konzepte innerhalb eines strukturierten, umfassenden Planungsrahmens umgesetzt werden können. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte die Präsentation, wie NbL in langfristige Planungsinstrumente eingebettet und durch institutionelle Koordination, Datenanalysen sowie zugeschnittene Finanzierungsmechanismen gestützt werden.

Bürgermeister William Wolfgramm © Connective Cities

Maßnahmen wie die Entsiegelung städtischer Flächen, der Ausbau von grünen Korridoren sowie die Förderung von Gründächern und Regenwasserauffangsystemen veranschaulichten, wie NbL systematisch und in großem Maßstab umgesetzt werden können, wenn sie in Governance-Strukturen verankert, durch langfristige Planungsprozesse gesteuert und unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung gestaltet werden.

Die Podiumsdiskussion untermauerte diesen Wandel vom Konzept zur Anwendung weiter. Ausgehend von Städten, die bereits über entsprechendes Erfahrungswissen verfügen, zeigten die Podiumsteilnehmer*innen anhand früherer Connective Cities Lernprozesse, wie sich erste Ideen, die durch den Austausch unter Gleichgesinnten entstanden sind, zu greifbaren Ergebnissen entwickeln können – sei es durch Machbarkeitsstudien, Planungsinstrumente oder Pilotmaßnahmen.

Die Diskussion hob verschiedene konkrete Erkenntnisse hervor:

  • eThekwini (Südafrika): Betonte die Bedeutung eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes für das Katastrophenrisikomanagement, bei dem lokale Regierungsstellen, technische Experten und Gemeinden zusammengebracht werden. Besonderes Augenmerk wurde auf die Stärkung der Kommunikationskanäle mit der lokalen Bevölkerung gelegt und darauf, sicherzustellen, dass NbL in langfristige, stadtweite Programme und institutionelle Rahmenbedingungen eingebettet werden.
  • Abelkuma, Accra (Ghana): Es wurde herausgestellt, wie wichtig es sei, institutionelle ‚Silos‘ aufzubrechen und die abteilungsübergreifende Koordination bei der Entwicklung grundlegender Instrumente wie Richtlinien zur Stadtbegrünung und Umsetzungspläne sicherzustellen. In dem Beitrag wurde zudem die Notwendigkeit unterstrichen, die technische Ausarbeitung, die lokale Eigenverantwortung und die Finanzierungswege zu stärken, um den Übergang vom Konzept zur Umsetzung zu vollziehen.
  • Berlin (Deutschland): Ein Vertreter des Berliner Senats betonte, wie wichtig es sei, technische Herausforderungen klar abzugrenzen, sie in geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen zu verankern und klare Verantwortlichkeiten festzulegen. Weiterhin wurde hervorgehoben, wie inklusive, partizipative Prozesse –die verschiedene Interessengruppen, einschließlich lokaler Gemeinschaften, zusammenbringen– die Umsetzung stärken können, unterstützt durch robuste Kontrollmechanismen wie Datensysteme, kontinuierliche Überwachung und regulatorische Rahmenbedingungen.
  • Lusaka (Sambia): Unterstrichen wurde die entscheidende Rolle von Datenerhebung und Machbarkeitsstudien bei der Weiterentwicklung von Projekten vom Konzept zur Umsetzung. Es wurde die Bedeutung von internationaler Vernetzung bei der Mobilisierung von Finanzmitteln hervorgehoben und der Wert von Städtenetzwerken bei der Bereitstellung technischer Unterstützung und der Erleichterung des Zugangs zu Finanzierungsmöglichkeiten angemerkt.

 

Die Panelisten während der Diskussion | © Connective Cities

Trotz der unterschiedlichen Hintergründe und Rahmenbedingungen der teilnehmenden Städte kristallisierten sich in der Podiumsdiskussion gemeinsame Themen heraus: Während Ideen oft aus dem Austausch entstehen, hängt ihr Erfolg von einer starken Eigenverantwortung ab – sowohl im Hinblick auf die institutionelle Verankerung als auch auf die Einbindung aller relevanten Akteure –, gepaart mit technischer Ausgereiftheit und der Fähigkeit, Konzepte in strukturierte, finanzierbare Maßnahmen umzusetzen.

Städte im Dialog: Von individuellen Herausforderungen zu gemeinsamen Mustern

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ging der Workshop in die Phase des Peer-Learning über, in der die teilnehmenden Städte und Gemeinden begannen, ihre eigenen Herausforderungen detaillierter zu erörtern. Um einen gezielten Austausch zu ermöglichen, wurden die Teilnehmer in fünf moderierte Arbeitsgruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Babadjou (Kamerun), Méagui (Elfenbeinküste), Natitingou (Benin), Commune de Nanga-Eboko (Kamerun)
  • Gruppe 2: Douala (Kamerun), Maputo (Mosambik), Huye (Ruanda), Cape Coast (Ghana)
  • Gruppe 3: Tanga City (Tansania), Köln (Deutschland), Mazabuka (Sambia), Ilemela (Tansania)
  • Gruppe 4: Embu (Kenia), Nakuru (Kenia), Mwanza (Tansania), Tarkwa-Nsuaem (Ghana)
  • Gruppe 5: Bosaso (Somalia), Sinda Town Council (Sambia), Kimberley (Südafrika), Berlin (Deutschland)

 

Gruppenarbeit © Connective Cities
© Connective Cities

Innerhalb dieser Gruppen stellten die Städte ihre Herausforderungen vor, erhielten Feedback von den anderen Teilnehmenden und begannen, mögliche Handlungsansätze zu konkretisieren. Während die Diskussionen zunächst die unterschiedlichen lokalen Kontexte widerspiegelten, zeichnete sich schnell ein klares Muster gemeinsamer Herausforderungen ab.

In allen Gruppen hoben die Städte wiederholt Probleme im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Ökosysteme, der Wasserwirtschaft, den Abfallsystemen und der raschen Urbanisierung hervor. Diese Herausforderungen waren oft eng miteinander verknüpft. So wurde beispielsweise eine unzureichende Abfallwirtschaft als wesentlicher Faktor für Überschwemmungen identifiziert, da verstopfte Entwässerungssysteme die Wasseransammlung bei starken Regenfällen verschlimmern. Ebenso wurde festgestellt, dass eine ungeplante Stadterweiterung in Feuchtgebiete und Flussufer die Gefährdung durch Klimarisiken erhöht. Dies bestärkte die Erkenntnis, dass städtische Herausforderungen nicht isoliert, sondern systemischer Natur sind und integrierte Antworten erfordern, die ökologische, institutionelle und soziale Dimensionen gleichzeitig berücksichtigen.

Von Herausforderungen zu Maßnahmen: Empfehlungen und Fachaustausch

Über den strukturierten Austausch in den Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden daran, potenzielle Lösungen zu verfeinern und zu priorisieren. Anstatt gänzlich neue Ideen einzubringen, half dieser Prozess den Städten, ihre Überlegungen zu klären und weit gefasste Konzepte in konkretere Richtungen zu leiten.

Zu den wichtigsten Empfehlungen, die sich aus den Diskussionen ergaben, gehörte die Notwendigkeit, die Faktengrundlage für die Planung durch Basisstudien, Risikobewertungen und Machbarkeitsanalysen zu stärken. Die Städte wurden zudem dazu ermutigt, naturbasierte Lösungen (NbS) in die Stadtplanungs- und Verwaltungsrahmen zu integrieren, um sicherzustellen, dass Maßnahmen in langfristige Strategien eingebettet sind und nicht als isolierte Projekte umgesetzt werden.

© Connective Cities

Ein weiteres wichtiges Thema war die Bedeutung der Einbindung der Bevölkerung und die Veränderung individueller und kollektiver Verhaltensweisen, insbesondere in den Bereichen Abfallwirtschaft und Umweltschutz. Viele Städte erkannten, dass technische Lösungen allein ohne lokale Eigenverantwortung und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung nicht ausreichen würden.

Schließlich wurde deutlich, dass ein Übergang zu einer strukturierten Projektentwicklung erforderlich ist, einschließlich Kosten-Nutzen-Analysen, einer klareren Projektdefinition und der Vorbereitung der Finanzierung.

Von der Idee zur Umsetzung: Wie geht es weiter?

Während sich die ersten Phasen des Workshops auf das Verständnis der Herausforderungen und die Identifizierung potenzieller Lösungen konzentrierten, wurde auch Zeit darauf verwendet, in Voraussicht des einjährigen Lernprozesses einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der Schwerpunkt lag dabei darauf, wie Ideen zu umsetzbaren und finanzierbaren Maßnahmen weiterentwickelt werden können.

Dafür wurden Beiträge vom City Climate Finance Gap Fund und dem Covenant of Mayors in Subsahara-Afrika (CoM SSA) in den Workshop integriert. Beide Initiativen stellten ihre Ansätze zur Unterstützung von Städten bei der Entwicklung von Klimaprojekten vor, einschließlich ihrer Auswahlkriterien, Unterstützungsmechanismen und Antragsverfahren. Der Schwerpunkt lag auf der Bedeutung einer soliden technischen Vorbereitung, eines klaren Projektumfangs und der Ausrichtung auf Klima- und Entwicklungsprioritäten.

Diese Beiträge gingen direkt auf die von den Städten geäußerten Bedürfnisse ein, insbesondere im Hinblick darauf, über Ideen im Frühstadium hinauszukommen und Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten. Darauf aufbauend endete der Workshop mit einer zukunftsorientierten Übung, in der die Städte erste Konzepte für Reformmaßnahmen vorstellten und begannen, konkretere Projektideen und mögliche Wege zur Umsetzung zu formulieren.

© Connective Cities

Abschließende Reflexion

Der Workshop hat gezeigt, dass es den Kommunen nicht an Lösungen mangelt. Über verschiedene Kontexte hinweg gibt es bereits eine solide Grundlage aus Ideen, Erfahrungen und sich entwickelnden Praktiken. Die zentrale Herausforderung besteht darin, diese Ideen zu strukturieren, das förderliche Umfeld zu stärken und sie in Richtung Umsetzung voranzubringen.

Der Lernprozess von „Connective Cities“ bietet eine Plattform, um genau das zu tun –den Austausch in Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Technische Unterstützung für klimaresiliente Infrastruktur

Das zweite Africa Urban Forum (AUF), organisiert von der Afrikanischen Union mit der Unterstützung von UN-Habitat und UNECA, fand vom 8. bis zum 10. April 2026 im Kenyatta International Conference Centre in Nairobi, Kenia, statt. Das AUF brachte politische Entscheidungsträger*innen, den Privatsektor, Zivilgesellschaft und Entwicklungspartner aus ganz Afrika zusammen, um über das Thema „Angemessener Wohnraum für alle: Förderung des sozioökonomischen und ökologischen Wandels zur Umsetzung der Agenda 2063“ zu diskutieren.

Im Rahmen der Konferenz organisierte Connective Cities gemeinsam mit den GIZ-Partnerprojekten Covenant of Mayors Sub Sahara Africa (CoMSSA) und Resilience Initiatve Africa (RIA) am 9. April ein Side-Event, welches internationale Experten, Finanzierungsinstitutionen und Planungsdepartments zusammenbrachte. Die Teilnehmenden gewannen Einblicke aus den Diskussionen mit Vertreter*innen der lokalen Behörden aus Embu (Kenia) und eThekwini (Südafrika) darüber, wie kooperative Regierungsführung mit technischem Fachwissen für eine klimaresiliente Infrastruktur verbunden werden kann. In diesem Zusammenhang verdeutlichte die Vorstellung der technischen Pre-Feasibility Studie von Embu zur Infrastruktur für die Abfallwirtschaft die Notwendigkeit einer umfassenden Datenerhebung vor der Projektumsetzung.

Neben den Fallstudien diskutierten die Fachleute auf dem Podium institutionelle Regelungen und politische Ansätze im Zusammenhang mit der Finanzierung nachhaltiger städtischer Infrastruktur. So betonte etwa ein Vertreter der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, dass Städte die Digitalisierung der Einnahmenerhebung nutzen müssen, um den stetig steigenden finanziellen Anforderungen gerecht zu werden und potenziellen Geldgebern zu zeigen, dass sie über die notwendigen Kapazitäten verfügen, um finanzielle Mittel effektiv einzusetzen.

Darüber hinaus betonte eine Vertreterin der Europäischen Investitionsbank, dass für eine effiziente Umsetzung von Entwicklungsprojekten die nationale und subnationale Regierungsebene kooperative Governance-Modelle eingehen müssen, bei denen diese sich gegenseitig bei der Beschaffung von Mitteln von potenziellen Geldgebern unterstützen. Die Programmmanagerin sprach sich so gegen institutionell-fragmentierte Ansätze bei der Infrastrukturentwicklung aus, um Verschwendung sowie Doppelarbeit und Ressourcenverschwendung vorzubeugen.

Im Ergebnis lieferte die von der GIZ organisierte AUF-Nebenveranstaltung durch die Zusammenführung von Finanzinstituten und Führungskräften lokaler Verwaltungen wertvolle Einblicke in die Frage, wie nachhaltige Stadtentwicklung ganzheitlich als Grundlage für den erfolgreichen Aufbau klimaresilienter Infrastruktur in afrikanischen Städten und darüber hinaus gedacht werden kann.

Natur im Zentrum kommunaler Resilienz

Connective Cities – Internationale Städteplattform für nachhaltige Entwicklung lädt kommunale und regionale Gebietskörperschaften aus Subsahara-Afrika und Deutschland ein, an einem neuen internationalen Lernprozess zum Thema naturbasierte Lösungen (NbS) teilzunehmen.

Lokale und regionale Behörden stehen zunehmend an vorderster Front bei der Bewältigung von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Umweltdegradation. Zunehmende Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen sowie Flächenversiegelung setzen urbane Infrastrukturen und Governance-Systeme unter wachsenden Druck. Vor diesem Hintergrund bieten naturbasierte Lösungen einen kosteneffizienten Ansatz mit vielfältigem Mehrwert, um die Klimaanpassung zu stärken und zugleich Minderungsko-Benefits wie Kohlenstoffbindung, Regenwassermanagement sowie urbane Kühl- und Heizregulierung zu erzielen.

 Über den Lernprozess

Der einjährige Lernprozess bringt kommunale Praktikerinnen, technische Expertinnen und politische Entscheidungsträger*innen in drei Präsenzworkshops sowie über eine kontinuierliche virtuelle Zusammenarbeit zusammen. Die Teilnehmenden durchlaufen dabei alle Phasen von der Problemidentifikation über die gemeinsame Entwicklung von Lösungsansätzen bis hin zur Umsetzungs- und Finanzierungsreife. Der Prozess wird durch Peer-Learning, fachlichen Austausch und gezieltes Coaching begleitet.

Ziele des Lernprozesses sind:

  • Stärkung kommunaler und regionaler Kapazitäten zur Planung und Umsetzung naturbasierter Lösungen
  • Förderung strukturierter Peer-to-Peer-Lernprozesse zwischen Kommunen aus Subsahara-Afrika und Deutschland
  • Gemeinsame Entwicklung umsetzungsnaher NbS-Projektkonzepte, die für Pilotierung, Finanzierung oder Integration in Planungsprozesse geeignet sind
  • Erarbeitung und Verbreitung von Wissensprodukten zur Replikation und Skalierung

 

Thematische Schwerpunkte

Die Zusammenarbeit erfolgt in nachfrageorientierten thematischen Arbeitsgruppen, darunter:

  1. Natur & urbane Ökosysteme – Stadtbegrünung, Biodiversität, Entsiegelung, urbane Wälder, Hitzereduktion
  2. Wasser & Schwammstadt-Ansätze – Hochwassermanagement, Fluss- und Feuchtgebietsrenaturierung, Regenwassermanagement
  3. Begrünung kommunaler Infrastruktur – Integration grüner und grauer Infrastruktur, ökologische Korridore, klimaangepasste Mobilitäts- und Energiesysteme

 

 Zeitplan

  • März 2026: Virtueller Kick-off und Insight-Session zu naturbasierten Lösungen
  • vom 21. bis 23. April 2026: Erster Präsenzworkshop
  • Oktober 2026: Zweiter Präsenzworkshop
  • Januar 2027: Abschließender Präsenzworkshop

 

Teilnahmeberechtigung

Der Aufruf richtet sich an:

  • Kommunale und regionale Gebietskörperschaften aus Subsahara-Afrika
  • Deutsche Kommunen und Landkreise

Es wird empfohlen, mit zwei Fachpersonen pro Kommune teilzunehmen. Eine Einbindung von Partnern aus Ministerien, Zivilgesellschaft oder Privatwirtschaft ist möglich.

 Bewerbung

Interessierte Gebietskörperschaften werden gebeten, eine Interessenbekundung (Expression of Interest) über die Connective Cities Community-Plattform einzureichen:

Zum Bewerbungsformular:
https://community.connective-cities.net/en/form/connective-cities-ssa-learning-p

Bewerbungsfrist: 30. März 2026

Kontakt

Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region

Am 7. April 2026 wurde der neue Connective Cities-Lernprozess zum Thema „Grüne Korridore in der City und auf dem Land“ per Online-Kickoff-Workshop offiziell gestartet. Die Veranstaltung wurde von Connective Cities in Zusammenarbeit mit dem GIZ-Projekt Capacity Building through Urban Infrastructure Development (CBUID II) organisiert und simultan auf Arabisch, Französisch und Englisch angeboten.

Am Workshop nahmen etwa 70 Vertreter*innen aus acht Ländern teil: Algerien, Ägypten, Deutschland, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina und Tunesien. Gemeinden und Partnerinstitutionen aus der MENA-Region sowie die deutsche Stadt Erlangen waren vertreten. Neben den offiziellen Teilnehmenden des Lernprozesses war ein erweiterter Kreis kommunaler Vertreter*innen zusätzlich in den virtuellen Austausch eingebunden.

Der Auftakt diente als technische und methodische Einführung in den Lernprozess. Ziel war es, erste thematische Prioritäten festzulegen, kommunale Herausforderungen sichtbar zu machen und eine gemeinsame Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Gleichzeitig diente die Veranstaltung dazu, die nächsten Schritte im Prozess vorzubereiten, wie etwa eine für Herbst 2026 geplante live-Konferenz in Ägypten.

KI-gestützte Visualisierung als innovatives Werkzeug nachhaltiger Stadtplanung

Ein zentrales Element des Workshops war eine KI-Visualisierungsübung zu grünen Korridoren, die über die CoPlan-KI-Plattform umgesetzt wurde. Basierend auf Bildern aus urbanen Kontexten der teilnehmenden Städte wurden Zukunftsszenarien für klimaresistente, grünere und nutzbarere urbane Räume entwickelt.

Im Rahmen der Übung wurden etwa 550 Bilder erstellt. Die Visualisierung diente nicht nur dazu, räumliche Veränderungen zu veranschaulichen, sondern auch als methodisches Instrument, um Diskussionen über die Umsetzbarkeit grüner Korridore anzuregen. In diesem Sinne erwies sich die Übung als passende Einführung, um Perspektiven aus Verwaltung, Planung und kommunaler Praxis zusammenzubringen.

Wichtige Workshop-Ergebnisse

Die Auftaktveranstaltung zeigte, dass die teilnehmenden Städte sich grüne Korridore und grüne Viertel überwiegend in städtischen Bezirken und weniger in suburbanen Räumen vorstellen. Somit liegt der Fokus zunächst nicht auf der Planung in kaum erschlossenen Flächen, sondern auf der Weiterentwicklung bestehender urbaner Räume, in denen Wohnraum, Mobilität, öffentliche Nutzung und soziale Funktionen bereits eng miteinander verflochten sind.

So wurde im Laufe der Veranstaltung auch deutlich, dass grüne Korridore mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen. Sie tragen zur Klimaanpassung bei, zum Beispiel durch das Spenden von Schatten, Kühlung, Verbesserung der Luftzirkulation und Steigerung der Bodenwasseraufnahme. Aber sie tragen ebenso zur Aufwertung öffentlicher Räume bei, indem sie die Lebensqualität verbessern und Begegnungen in der Stadt fördern. Gerade in dicht besiedelten Vierteln müssen grüne Korridore daher stets als soziale Räume der Mobilität und Verbindung betrachtet werden.

Ein weiterer zentraler Aspekt war die Bedeutung von Beteiligung und lokaler Akzeptanz. Da identifizierte Räume in der Regel bereits intensiv genutzt werden, ist die Beteiligung der Bevölkerung eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Dies gilt sowohl für die Nutzbarkeit für unterschiedliche Gruppen wie Kinder, Familien und Bewohner*innen als auch für die Frage, wie grüne Maßnahmen in das städtische Alltag integriert werden können.

Beitrag aus dem Urban Development Fund (UDF)

Der ägyptische Urban Development Fund (UDF), angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Staat und Kommunen, unterstrich die Bedeutung institutioneller Ansätze für eine integrierte und klimaresiliente Stadtentwicklung. Die vorgestellten Beispiele zeigten, wie strategische Stadtentwicklung, Aufwertung bestehender Bezirke, Wärmereduzierung und öffentlicher Raum enger miteinander verknüpft werden können. Die UDF trug somit nicht nur konkrete Erfahrungen aus der ägyptischen Praxis bei, sondern auch eine wichtige Perspektive auf Skalierung, institutionelle Verankerung und langfristige Implementierungsfähigkeit.

Beitrag der Stadt Erlangen

Der Beitrag der Stadt Erlangen zeigte, dass die Umsetzung grüner Korridore nicht isoliert verstanden werden darf, sondern im Hinblick auf Verkehr, Zugänglichkeit und Konflikte bei der Nutzung städtischer Räume geplant werden muss. Im lokalen Projekt „Von zwei Vierteln zu einem Campus“ zeigten Vertreter*innen der Stadt, wie ein grüner Boulevard, die Verbindung von Straßenbahn, Fahrrad-, Fußgänger- und motorisiertem Verkehr sowie eine bestehende Fußgängerbrücke zu einer kohärenten Planungsaufgabe zusammengeführt werden können. Der Beitrag von Erlangen lieferte somit einen wichtigen Anstoß für einen integrierten Planungsansatz für grüne Korridore.

Beispielstädte und bewährte Praktiken

Während des Auftakts wurden mehrere kommunale und institutionelle Beispiele vorgestellt, die besonders relevant für den weiteren Lernprozess sind:

  • Erlangen (Deutschland): Integrierter Planungsansatz für grüne Korridore im bestehenden urbanen Raum, mit Schwerpunkt auf Grüner Boulevard, multimodaler Mobilität, Flächennutzung und Nutzungskonflikten.
  • Assuan (Ägypten): Entwicklung des Heat Action Plan für El-Sail Elgadid, einschließlich Kühlstationen, schattiger Erholungsbereiche und spezieller Bereiche für Kinder und Frauen.
  • Port Said (Ägypten): Ansätze zur klimaangepassten Stadtentwicklung und zur Aufwertung urbaner Räume unter den spezifischen klimatischen Bedingungen einer Mittelmeerstadt.
  • Telal Al-Fustat Park, Kairo (Ägypten): großflächiger Grünbauansatz im historischen Kairo mit positiven Auswirkungen auf Kühlung, Luftqualität und Biodiversität.
  • Reviving Historical Cairo (Ägypten): Aufwertung historischer städtischer Gebiete als Kombination aus Stadterneuerung, öffentlichem Raum und historischer Identität.
  • Al-Asmarat (Ägypten): Partizipative Aufwertung öffentlicher Räume im Wohnumfeld als Beispiel für die Verbindung von grünen und sozialen Funktionen in bestehenden Vierteln.

Ausblick

Einige der Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung

Der digitale Kickoff hat eine technische Grundlage für die nächsten Schritte des MENA-Lernprozesses geschaffen. Es wurde deutlich, dass der Mehrwert des Formats insbesondere in Synergieeffekten zwischen konkreten kommunalen Beispielen, institutionellen Perspektiven, interkommunalem Austausch und visuellen Methoden liegt. In den kommenden Phasen werden die identifizierten Themen vertieft, die Ansätze zwischen den Städten weiterentwickelt und gemeinsam sowohl im digitalen- als auch im persönlichen Austausch konkretisiert.

Online-Auftakt für kommunale Wasserresilienz

Am 24. März 2026 war es soweit! Der vertiefte Lernprozess „Wasserresilienz: Kommunen stärken sich gegen Trockenheit und Starkregenereignisse“ ist kurz nach dem Weltwassertag gestartet. Dürren, Hitzewellen, Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu und belasten Infrastruktur, Gesundheit und kommunale Budgets. Gleichzeitig verschärft die Urbanisierung den Wettbewerb um Wasser. Bereits heute stehen viele Großstädte unter hohem Wasserstress, und der weltweite Bedarf könnte bis 2030 die verfügbaren Ressourcen deutlich übersteigen.

Für Länder des Globalen Südens ist Wasserknappheit längst ein Entwicklungshemmnis – doch künftig müssen sich alle Regionen weltweit an schwankende Verfügbarkeiten und wachsende Nutzungskonflikte anpassen. Wasser wird zur strategischen Ressource des 21. Jahrhunderts.

Die entscheidenden Lösungen entstehen lokal. Auch wenn die Rahmenbedingungen sich stark unterscheiden, stehen Kommunen vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen, was Austausch und gemeinsames Lernen besonders wertvoll macht.

Deshalb bringen wir im sogenannten Deep Dive zum Thema „Wasserresiliente Kommunen“ Fachleute aus acht ausgewählten Kommunen aus Benin, Deutschland, Kenia, Indien, Serbien und Sri Lanka zusammen, um innovative Ansätze wie Schwammstadt‑Konzepte, blaue Korridore und integrierte blau‑grün‑rote Infrastrukturen gemeinsam zu diskutieren und über zwei Jahre lokalangepasste Lösungen zu jeweiligen Herausforderungen zu entwickeln und zu implementieren.

Im ersten virtuellen Treffen haben die Kommunen ihre lokalen Herausforderungen präsentiert, erste Ähnlichkeiten identifiziert und das erste Arbeitstreffen in Präsenz in Wuppertal Anfang Mai vorbereitet. Weitere Neuigkeiten aus unserem Deep Dive folgen ab Mai 2026.

Die teilnehmenden Städte: Natitingou (Benin), Dresden, Wunstorf, Wuppertal (Deutschland),Homa Bay (Kenia), Hyderabad (Indien), Niš (Serbien), Akkaraipattu (Sri Lanka)