Im September 2024 begann der Lernprozess „2nd Hands on Public Buildings“ von Connective Cities. Über ein Jahr tauschen sich Vertreter*innen aus Kommunen sowie Fachleute aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur und nachhaltige Stadtentwicklung jetzt darüber aus, wie Gebäude aus den 1960er- und 1970-Jahren sinnvoll nach- oder umgenutzt werden können. Sie kommen aus Deutschland, Kenia, Montenegro und Sambia sowie aus der Ukraine und aus den Palästinensischen Gebieten und sie vereint ein gemeinsames Ziel: öffentliche Gebäude, die heutigen Standards nicht mehr entsprechen, nicht direkt abzureißen und neu zubauen. Stattdessen durch klimafreundliche Sanierungen neue, nachhaltige Nutzungskonzepte zum Wohle der Bürger*innen zu schaffen. Dabei ließen sie sich von vielen guten Praxisbeispielen inspirieren – vom Haus der Statistik in Berlin oder vom Haus der Revolution in Niksic in Montenegro.
Kategorie: Stadtsanierung
Auf dem Weg von verschmutzen Bachläufen zu grün-blauen Korridoren
Als die ukrainische Stadt Vinnytsia von 2019 bis 2021 an dem Lernprozess von Connective Cities zu an den Klimawandel angepasster Stadtentwicklung teilnahm, war dort die Welt noch eine andere. Der seit Februar 2022 herrschende Krieg in der Ukraine hat die Prioritäten der Kommunalverwaltungen gewaltig verschoben. Die Renaturierung kleiner Flüsse, die Vinnytsia im Rahmen des Lernprozesses begann, bleibt dort aber ein wichtiges Vorhaben, denn es ist ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Zukunft der Stadt.
Ökologisches, städtebauliches und soziales Potenzial erkannt
64 kleine Flüsse oder Bäche fließen durch die 260 Kilometer südwestlich von Kyjiw gelegene Stadt mit etwa 370.000 Einwohner*innen. Ihr Potenzial wurde lange unterschätzt, die Menschen nannten sie nur „stinkende Bäche“, sie waren häufig vermüllt oder wurden unter die Erde verlegt, die Wasserqualität war miserabel. Heute weiß die Stadtverwaltung, wie viel ökologisches, städteplanerisches und soziales Potenzial diese Wasserläufe und ihre Ufer bergen – als grün-blaue Korridore, als Naherholungsräume und zum Schutz und zur Förderung von Biodiversität. „Anfangs hatten wir keine Vorstellung davon, was die Renaturierung eines Wasserlaufes alles umfasst. Wir dachten, es reiche aus, die Bäche vom Müll zu befreien“, erinnert sich Yanna Chaikovska, Direktorin des kommunalen Instituts für Stadtentwicklung in Vinnytsia.
Nachhaltiger als Abreißen
Öffentliche Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren prägen das Stadtbild vieler Städte weltweit. Heute entsprechen sie oft nicht mehr den technischen, energetischen und ästhetischen Ansprüchen des 21. Jahrhundert und werden meist abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Sie bergen jedoch ein großes Potenzial, Emissionen im Bausektor zu reduzieren und so zur Eindämmung des Klimawandels beizutragen. Durch ihre flexiblen Grundrisse können Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren – der als Moderne bezeichneten Zeit – an heutige Ansprüche angepasst werden – häufig mit zusätzlichen Vorteilen für Bürger*innen und Städte. Es ist daher an der Zeit, diese Gebäude zu erhalten und die in Beton und Stahl gebundene graue Energie auf sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Weise zu nutzen.
Diesem Paradigmenwechsel widmete sich die Dialogveranstaltung „2nd Hands on Public Buildings“ von Connective Cities in Kooperation mit der Senatsverwaltung Berlin vom 24. bis 27. September 2024. Etwa 30 kommunale Fachleute aus Deutschland, Kenia, Montenegro, den Palästinensischen Gebieten, Sambia und aus der Ukraine tauschten sich über Lösungsansätze und Herausforderungen für die nachhaltige Nachnutzung öffentlicher Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren aus und erarbeiten gemeinsam Projektideen.
Renewable Energy Options on the Municipal Level
Die Fortsetzung des Lernprozesses zum Thema „Erneuerbare Energieoptionen auf kommunaler Ebene“ brachte Teilnehmende aus sechs verschiedenen Ländern in Sarajevo in Bosnien und Herzegowina zusammen. Kommunale Fachleute arbeiteten in verschiedenen Lerneinheiten an Projektideen und konnten durch die kollegiale Beratung ihre Fähigkeiten erweitern und die Planung von Projekten für erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu verbessern.
Die folgenden Projektideen wurden von den Gemeindevertretern vorgestellt und im Laufe des Workshops weiterentwickelt:
- Mostar und Sokolac: Entwicklung von nachhaltigen Finanzierungskonzepten für den Aufbau und Betrieb von Energiegemeinschaftsprojekten
- Ceadir Lunga: Verbesserung der Energieeffizienz von öffentlichen Gebäuden
- Senaki: Implementierung von energieeffizienten Technologien in kommunalen Gebäuden
- Priboj: Entwicklung der Nutzung von Solarenergie in öffentlichen Gebäuden
Die Dokumentation fast die wesentlichen Ergebnisse zusammen.
Lörrach plant erstes Gewerbegebiet Deutschlands in Holzbauweise
Im Jahr 2020 kaufte die Stadt Lörrach das 8,5 Hektar große Lauffenmühle-Areal, eine ehemalige Textilfabrik. Möglich wurde dies vor allem durch die Städtebauförderung des Bundes und des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 9,1 Millionen Euro.
Nach Gesprächen mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entstand die Idee, auf dem Gelände ein klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise zu errichten.
Die historischen Fabrikgebäude auf dem Gelände mit ihren Natursteinfassaden stehen zwar nicht unter Denkmalschutz, sollen jedoch instandgesetzt werden und in ihrer Grundstruktur erhalten bleiben, um sie neuen gewerblichen Nutzungen zuzuführen. Damit soll auch die Identifikation mit dem Projekt, vor allem in den benachbarten Ortsteilen, gesichert werden.
Das Projekt kann anderen Kommunen in Deutschland und international als Modell dienen und unter Beweis stellen, dass auch ganze Gewerbegebiete aus Holz gebaut werden können.
Für weitere Impressionen schauen sie auf unsere Webseite zur Guten Praktik!
Lörrach plant erstes Gewerbegebiet Deutschlands in Holzbauweise
Holz ist in der Stadt Lörrach und ihrer Nähe zum Schwarzwald mehr als ausreichend verfügbar. Es entstand die Idee, auf dem Gelände der Lauffenmühle ein klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise zu errichten. Bisher gibt es in Deutschland nur einzelne aus Holz errichtete Gewerbegebäude, aber kein Gewerbegebiet mit einem vergleichbaren Konzept. Teile der historischen Fabrikgebäude auf dem Gelände mit ihren Natursteinfassaden sollen dabei in die neue Nutzungsstruktur integriert werden.
Klimapositives Bauen mit zirkulären Baustoffen
Insbesondere in Städten wächst weltweit die Nachfrage nach Wohnraum. Das macht die Bauindustrie zu einem wichtigen Sektor jeder Volkswirtschaft. Allerdings tragen die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen für das Baugewerbe erheblich zur Umweltzerstörung und zu CO2-Emissionen bei. Zudem benötigt der Bausektor viel Energie – auch „graue Energie“ genannt – sowohl bei der Produktion von Baustoffen, in der Bauphase von Gebäuden als auch während ihres Betriebs zum Heizen, Kühlen oder zur Stromnutzung. Bei der Dekarbonisierung des Bausektors können biobasierte Materialen wie Holz oder Bambus eine zentrale Rolle spielen.
Über 30 Teilnehmende aus Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kamen vom 13. bis 15.11.2023 am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf Einladung der Stadt Potsdam und der Städte-Plattform Connective Cities zusammen, um sich über die Transformation hin zu klimafreundlichem Bauen auszutauschen. Dabei stellten sie ihre Erfahrungen aus Bhutan, Deutschland, Indonesien, Nepal, Südafrika und Tansania vor und entwickelten konkrete lokale Projektideen. Sie besichtigten in Potsdam gute Praxisbeispiele wie eine in Holzkonstruktion gebaute Kita und die Baustellen eines Pavillons, der aus biobasierten und zirkulären Materialien gebaut wird.
Diese Dokumentation gibt Einblicke in die Tagungsinhalte und -ergebnisse.
Weitere Impressionen auch auf der Tagungswebseite „Klimagerechtes Bauen mit biobasierten und wiederverwertbaren Materialien“
Banepa bewahrt traditionelle Bauweisen mit biobasierten Materialien
Die historische Altstadt von Banepa in Nepal erstreckt sich entlang einer Straße über etwa 1,2 Kilometer. Die Häuser sind vielfach in keinem guten Zustand, was die Attraktivität der Stadt reduziert.
Dies gute Praktik beschreibt, wie die Stadt Banepa ihre historische Altstadt und ein Seniorenheim in traditioneller Bauweise restauriert. Biobasierte Baustoffe wie Holz, Bambus, Ziegel und Lehm sind deutlich nachhaltiger und erdbebensicherer als Zement oder Beton.
Um die Bedenken der Bevölkerung auszuräumen, saniert die Kommune zunächst ein Gebäude und zeigte damit exemplarisch auf, wie bei den anderen Häusern vorgegangen werden soll. Dabei arbeitet Sie mit der nepalischen RP-Stiftung zusammen, die über 25 Jahre Erfahrung mit der Sanierung historischer Bauten verfügt.
Diese gute Praktik wurde auf der Connective Cities Dialogveranstaltung zum Thema Klimagerechtes Bauen mit biobasierten und wiederverwertbaren Materialien in Potsdam vorgestellt.
Klimagerechtes Bauen mit biobasierten und wiederverwertbaren Materialien
Beton und Stahl sind weltweit die gängigsten Baustoffe, sie verursachen aber bei der Produktion und beim Verbauen sehr viele CO2-Emissionen. Wie können Städte in Zukunft daher klimafreundlicher gebaut werden? Biobasierte Baustoffe und die Wieder- und Weiterverwertung von Materialien sind hierfür vielversprechende Ansätze. Das ist das Ergebnis einer internationalen Dialogveranstaltung von Connective Cities vom 13. bis 15. November 2023 in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Potsdam, Bauhaus Erde und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.
„Bairro Maravilha“ – wundervolle Nachbarschaften in Rio de Janeiro
Das Programm „Bairro Maravilha“, auf Deutsch „Wundervolle Nachbarschaft“, das bereits an mehr als 90 Orten in Brasiliens zweitgrößter Stadt Rio de Janeiro umgesetzt wurde, setzt Urbanisierungs- und Infrastruktursysteme für die Bevölkerung in einigen der ärmsten Viertel der Stadt. Das Programm umfasst die Asphaltierung der Straßen, die Schaffung sicherer Gehwege, die Wiederherstellung der öffentlichen Beleuchtung mit LEDs und die Einrichtung eines professionellen Kanalisations- und Entwässerungsnetzes vor, um Überschwemmungen zu vermeiden. An Orten, an denen kein Platz für eine geordnete Urbanisierung vorhanden ist, werden im Rahmen des Programms neue Wohnungen gebaut, um den städtischen Raum neu zu ordnen. Im Rahmen des Programms wurden bereits über sechs Millionen Quadratmeter im gesamten Stadtgebiet urbanisiert und die Entwässerung und die Lebensbedingungen in allen betroffenen Gebieten verbessert.
