Von der Problembeschreibung zur konkreten Umsetzung: Naturbasierte Lösungen in kommunalen Kontexten

Der Lernprozess zum Thema „Natur im Zentrum urbaner Resilienz“ wurde mit einem dreitägigen Auftaktworkshop vom 21. bis 23. April 2026 in Naivasha, Kenia, offiziell eingeleitet. An dem Workshop nahmen 20 Kommunen und Städte aus ganz Subsahara-Afrika und Deutschland mit über 40 Stadtplanern, Fachleuten und institutionelle Partnern teil.

Der Workshop markierte den Startpunkt eines längerfristigen Engagements, das darauf abzielt, Kommunalverwaltungen durch strukturierten Austausch und technische Hilfe dabei zu unterstützen, konkrete, nachhaltige Lösungen zu ihren kommunalen Herausforderungen zu entwickeln.

die Teilnhmenden des Lernprozesses | © Connective Cities

Städte an vorderster Front: Klimawandelfolgen und die Notwendigkeit naturbasierter Lösungsansätze

In städtischen Gebieten sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur am deutlichsten sichtbar, sondern oft auch am folgereichsten. In ganz Subsahara-Afrika sehen sich Städte und Gemeinden mit einer Vielzahl von Belastungen konfrontiert: rapide Urbanisierung, Umweltzerstörung und zunehmende Gefährdung durch Klimarisiken wie Überschwemmungen, Dürren und Hitzestress. Diese Belastungen treten nicht isoliert auf; sie wirken auf komplexe Weise zusammen, verstärken die Anfälligkeit und belasten die ohnehin begrenzten infrastrukturellen und institutionellen, kommunalen Kapazitäten.

Gleichzeitig sind Kommunalverwaltungen keine passiven Akteure. Wie zu Beginn des Workshops hervorgehoben wurde, sind diese maßgeblich, wenn es darum geht, in lokalen Kontexten klimatische Herausforderungen anzugehen. Andreas Wolter, Vorsitzender des Klima-Bündnis e.V. und Stadtrat in Köln, betonte, wie entscheidend es sei, sicherzustellen, dass Städte im globalen Klimadiskurs aktiver vertreten sind, und wies darauf hin, dass die Auswirkungen des Klimawandels in den Kommunen am unmittelbarsten zu spüren sind und dass Lösungen letztendlich dort umgesetzt werden müssen.

Vortrag von Andreas Wolter | © Connective Cities

Ergänzend  hob Dr. Nelson Maara, Repräsentant der Region Nakuru, die Bedeutung der Erhaltung von Ökosystemleistungen als Resilienzgrundlage hervor und veranschaulichte anhand lokaler Erfahrungen, wie sich die Degradation natürlicher Systeme direkt in einer erhöhten urbanen Anfälligkeit für Klimarisiken niederschlägt.

Zusammen untermauern diese Perspektiven die wachsende Erkenntnis, dass Kommunen eine stärkere Rolle bei der Gestaltung des Klimaschutzes spielen müssen, da sie dafür verantwortlich sind, politische Verpflichtungen in praktische, lokal verankerte Lösungen zu übersetzen. Hier bieten naturbasierte Lösungen (NbL) entscheidende Ansätze, indem sie Städten ermöglichen, ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen durch die Wiederherstellung und nachhaltige Bewirtschaftung von Ökosystemen umfassend anzugehen.

Obgleich die Relevanz von NbL zunehmend anerkannt wird, bleibt die Fähigkeit, vom Konzept zur Umsetzung zu gelangen, ein komplexes Thema. Hier kommt der Connective Cities Lernprozess ins Spiel, indem er kommunalen Praktikern durch strukturierte Austauschformate die erforderlichen technischen Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt.

Vom Austausch zur Umsetzung: Die Bedeutung des Lernprozesses

Der Lernprozess basiert auf dem Prinzip, dass Städte und Kommunen am effektivsten lernen, wenn sie sich direkt miteinander über reale, gemeinsame Herausforderungen austauschen. Anstatt sich auf den abstrakten Wissenstransfer zu konzentrieren, schafft er einen strukturierten Raum, in dem Praktiker*innen ihre Probleme gemeinsam analysieren, Erfahrungen austauschen und schrittweise Reformmaßnahmen entwickeln können – konkrete Aktionen oder Projektkonzeptionen, die in ihrem lokalen Kontext Anwendung finden.

Ein weiterer zentraler Baustein der Lernprozess-Methodik ist es, die Fähigkeiten kommunaler Praktiker*innen zu stärken, diese Maßnahmen innerhalb ihres institutionellen Umfelds zu entwerfen, zu planen und letztlich umzusetzen. Der Peer-to-Peer-Ansatz ist angesichts der Vielfalt der teilnehmenden Kommunen besonders wichtig, da er unterschiedliche Governance-Strukturen, Kapazitäten und Erfahrungen zusammenbringt und gleichzeitig deutlich macht, dass viele der zugrunde liegenden Herausforderungen im Grunde genommen gemeinsam sind.

Entsprechend geht es beim Lernprozess nicht darum, Lösungsansätze einfach von einem Kontext auf einen anderen zu übertragen, sondern eher, Städte in die Lage zu versetzen, Ideen im Dialog anzupassen und zu verfeinern, um sicherzustellen, dass diese sowohl kontextspezifisch als auch praktisch umsetzbar sind.

Von der Rahmung zur Praxis: Expertenbeiträge und Erkenntnisse aus der Podiumsdiskussion

Aufbauend auf den übergeordneten Zielen und der Struktur des Lernprozesses markierte der Auftakt-Workshop in Naivasha den ersten Schritt zur Umsetzung des Peer-Learning Ansatzes in die Praxis. Im Laufe von drei Tagen nahmen die teilnehmenden Städte und Gemeinden an einem strukturierten Austausch teil, der Expertenbeiträge, Podiumsdiskussionen und Peer-Learning-Sitzungen kombinierte und es ihnen ermöglichte, NbS in den kommunalen Realitäten zu verankern.
Die Fachbeiträge bildeten die theoretische Grundlage für die Teilnehmer um die Bedeutung von NbS für eine nachhaltige kommunale Entwicklung besser einordnen zu können:

Prof. Johanes Belle stellte NbL unter dem Gesichtspunkt der Ökosystemleistungen vor und betonte, wie natürliche Systeme wesentliche Funktionen wie Hochwasserregulierung, Wasserreinigung und Klimamoderation erfüllen. Zusätzlich zu ihren zentralen infrastrukturellen Funktionen schaffen naturbasierte Lösungen auch sekundäre Mehrwerte, darunter Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens der lokalen Bevölkerung, steigende Bodenqualität und Möglichkeiten zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Prof. Johanes Belle | © Connective Cities

Indem Dr. Belle NbL im Kontext dieser Leistungen darstellte, betonte Dr. Belle, dass Ökosysteme als funktionale Infrastrukturen –und nicht lediglich als ‚Umweltvorteile‘– verstanden werden sollten, die für die städtische Resilienz von zentraler Bedeutung sind.

So können etwa Feuchtgebiete und städtische Grünflächen überschüssiges Regenwasser aufnehmen, wodurch das Hochwasserrisiko verringert und gleichzeitig die Wasserqualität in schnell wachsenden städtischen Gebieten verbessert wird.

Diese Perspektive war für die teilnehmenden Städte besonders relevant, von denen viele die direkten Folgen der Ökosystemdegradation in Form von erhöhtem Hochwasserrisiko, sinkender Wasserqualität und gesteigerter Klimavulnerabilität selbst erleben.

Der Beitrag des stellvertretenden Bürgermeisters William Wolfgramm vom Klimareferat der Stadt Köln zeigte anhand des kommunalen „Masterplans für städtische Grünflächen“, wie NbL-Konzepte innerhalb eines strukturierten, umfassenden Planungsrahmens umgesetzt werden können. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte die Präsentation, wie NbL in langfristige Planungsinstrumente eingebettet und durch institutionelle Koordination, Datenanalysen sowie zugeschnittene Finanzierungsmechanismen gestützt werden.

Bürgermeister William Wolfgramm © Connective Cities

Maßnahmen wie die Entsiegelung städtischer Flächen, der Ausbau von grünen Korridoren sowie die Förderung von Gründächern und Regenwasserauffangsystemen veranschaulichten, wie NbL systematisch und in großem Maßstab umgesetzt werden können, wenn sie in Governance-Strukturen verankert, durch langfristige Planungsprozesse gesteuert und unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung gestaltet werden.

Die Podiumsdiskussion untermauerte diesen Wandel vom Konzept zur Anwendung weiter. Ausgehend von Städten, die bereits über entsprechendes Erfahrungswissen verfügen, zeigten die Podiumsteilnehmer*innen anhand früherer Connective Cities Lernprozesse, wie sich erste Ideen, die durch den Austausch unter Gleichgesinnten entstanden sind, zu greifbaren Ergebnissen entwickeln können – sei es durch Machbarkeitsstudien, Planungsinstrumente oder Pilotmaßnahmen.

Die Diskussion hob verschiedene konkrete Erkenntnisse hervor:

  • eThekwini (Südafrika): Betonte die Bedeutung eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes für das Katastrophenrisikomanagement, bei dem lokale Regierungsstellen, technische Experten und Gemeinden zusammengebracht werden. Besonderes Augenmerk wurde auf die Stärkung der Kommunikationskanäle mit der lokalen Bevölkerung gelegt und darauf, sicherzustellen, dass NbL in langfristige, stadtweite Programme und institutionelle Rahmenbedingungen eingebettet werden.
  • Abelkuma, Accra (Ghana): Es wurde herausgestellt, wie wichtig es sei, institutionelle ‚Silos‘ aufzubrechen und die abteilungsübergreifende Koordination bei der Entwicklung grundlegender Instrumente wie Richtlinien zur Stadtbegrünung und Umsetzungspläne sicherzustellen. In dem Beitrag wurde zudem die Notwendigkeit unterstrichen, die technische Ausarbeitung, die lokale Eigenverantwortung und die Finanzierungswege zu stärken, um den Übergang vom Konzept zur Umsetzung zu vollziehen.
  • Berlin (Deutschland): Ein Vertreter des Berliner Senats betonte, wie wichtig es sei, technische Herausforderungen klar abzugrenzen, sie in geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen zu verankern und klare Verantwortlichkeiten festzulegen. Weiterhin wurde hervorgehoben, wie inklusive, partizipative Prozesse –die verschiedene Interessengruppen, einschließlich lokaler Gemeinschaften, zusammenbringen– die Umsetzung stärken können, unterstützt durch robuste Kontrollmechanismen wie Datensysteme, kontinuierliche Überwachung und regulatorische Rahmenbedingungen.
  • Lusaka (Sambia): Unterstrichen wurde die entscheidende Rolle von Datenerhebung und Machbarkeitsstudien bei der Weiterentwicklung von Projekten vom Konzept zur Umsetzung. Es wurde die Bedeutung von internationaler Vernetzung bei der Mobilisierung von Finanzmitteln hervorgehoben und der Wert von Städtenetzwerken bei der Bereitstellung technischer Unterstützung und der Erleichterung des Zugangs zu Finanzierungsmöglichkeiten angemerkt.

 

Die Panelisten während der Diskussion | © Connective Cities

Trotz der unterschiedlichen Hintergründe und Rahmenbedingungen der teilnehmenden Städte kristallisierten sich in der Podiumsdiskussion gemeinsame Themen heraus: Während Ideen oft aus dem Austausch entstehen, hängt ihr Erfolg von einer starken Eigenverantwortung ab – sowohl im Hinblick auf die institutionelle Verankerung als auch auf die Einbindung aller relevanten Akteure –, gepaart mit technischer Ausgereiftheit und der Fähigkeit, Konzepte in strukturierte, finanzierbare Maßnahmen umzusetzen.

Städte im Dialog: Von individuellen Herausforderungen zu gemeinsamen Mustern

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ging der Workshop in die Phase des Peer-Learning über, in der die teilnehmenden Städte und Gemeinden begannen, ihre eigenen Herausforderungen detaillierter zu erörtern. Um einen gezielten Austausch zu ermöglichen, wurden die Teilnehmer in fünf moderierte Arbeitsgruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1: Babadjou (Kamerun), Méagui (Elfenbeinküste), Natitingou (Benin), Commune de Nanga-Eboko (Kamerun)
  • Gruppe 2: Douala (Kamerun), Maputo (Mosambik), Huye (Ruanda), Cape Coast (Ghana)
  • Gruppe 3: Tanga City (Tansania), Köln (Deutschland), Mazabuka (Sambia), Ilemela (Tansania)
  • Gruppe 4: Embu (Kenia), Nakuru (Kenia), Mwanza (Tansania), Tarkwa-Nsuaem (Ghana)
  • Gruppe 5: Bosaso (Somalia), Sinda Town Council (Sambia), Kimberley (Südafrika), Berlin (Deutschland)

 

Gruppenarbeit © Connective Cities
© Connective Cities

Innerhalb dieser Gruppen stellten die Städte ihre Herausforderungen vor, erhielten Feedback von den anderen Teilnehmenden und begannen, mögliche Handlungsansätze zu konkretisieren. Während die Diskussionen zunächst die unterschiedlichen lokalen Kontexte widerspiegelten, zeichnete sich schnell ein klares Muster gemeinsamer Herausforderungen ab.

In allen Gruppen hoben die Städte wiederholt Probleme im Zusammenhang mit der Verschlechterung der Ökosysteme, der Wasserwirtschaft, den Abfallsystemen und der raschen Urbanisierung hervor. Diese Herausforderungen waren oft eng miteinander verknüpft. So wurde beispielsweise eine unzureichende Abfallwirtschaft als wesentlicher Faktor für Überschwemmungen identifiziert, da verstopfte Entwässerungssysteme die Wasseransammlung bei starken Regenfällen verschlimmern. Ebenso wurde festgestellt, dass eine ungeplante Stadterweiterung in Feuchtgebiete und Flussufer die Gefährdung durch Klimarisiken erhöht. Dies bestärkte die Erkenntnis, dass städtische Herausforderungen nicht isoliert, sondern systemischer Natur sind und integrierte Antworten erfordern, die ökologische, institutionelle und soziale Dimensionen gleichzeitig berücksichtigen.

Von Herausforderungen zu Maßnahmen: Empfehlungen und Fachaustausch

Über den strukturierten Austausch in den Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmenden daran, potenzielle Lösungen zu verfeinern und zu priorisieren. Anstatt gänzlich neue Ideen einzubringen, half dieser Prozess den Städten, ihre Überlegungen zu klären und weit gefasste Konzepte in konkretere Richtungen zu leiten.

Zu den wichtigsten Empfehlungen, die sich aus den Diskussionen ergaben, gehörte die Notwendigkeit, die Faktengrundlage für die Planung durch Basisstudien, Risikobewertungen und Machbarkeitsanalysen zu stärken. Die Städte wurden zudem dazu ermutigt, naturbasierte Lösungen (NbS) in die Stadtplanungs- und Verwaltungsrahmen zu integrieren, um sicherzustellen, dass Maßnahmen in langfristige Strategien eingebettet sind und nicht als isolierte Projekte umgesetzt werden.

© Connective Cities

Ein weiteres wichtiges Thema war die Bedeutung der Einbindung der Bevölkerung und die Veränderung individueller und kollektiver Verhaltensweisen, insbesondere in den Bereichen Abfallwirtschaft und Umweltschutz. Viele Städte erkannten, dass technische Lösungen allein ohne lokale Eigenverantwortung und Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung nicht ausreichen würden.

Schließlich wurde deutlich, dass ein Übergang zu einer strukturierten Projektentwicklung erforderlich ist, einschließlich Kosten-Nutzen-Analysen, einer klareren Projektdefinition und der Vorbereitung der Finanzierung.

Von der Idee zur Umsetzung: Wie geht es weiter?

Während sich die ersten Phasen des Workshops auf das Verständnis der Herausforderungen und die Identifizierung potenzieller Lösungen konzentrierten, wurde auch Zeit darauf verwendet, in Voraussicht des einjährigen Lernprozesses einen Blick in die Zukunft zu werfen. Der Schwerpunkt lag dabei darauf, wie Ideen zu umsetzbaren und finanzierbaren Maßnahmen weiterentwickelt werden können.

Dafür wurden Beiträge vom City Climate Finance Gap Fund und dem Covenant of Mayors in Subsahara-Afrika (CoM SSA) in den Workshop integriert. Beide Initiativen stellten ihre Ansätze zur Unterstützung von Städten bei der Entwicklung von Klimaprojekten vor, einschließlich ihrer Auswahlkriterien, Unterstützungsmechanismen und Antragsverfahren. Der Schwerpunkt lag auf der Bedeutung einer soliden technischen Vorbereitung, eines klaren Projektumfangs und der Ausrichtung auf Klima- und Entwicklungsprioritäten.

Diese Beiträge gingen direkt auf die von den Städten geäußerten Bedürfnisse ein, insbesondere im Hinblick darauf, über Ideen im Frühstadium hinauszukommen und Zugang zu Finanzmitteln zu erhalten. Darauf aufbauend endete der Workshop mit einer zukunftsorientierten Übung, in der die Städte erste Konzepte für Reformmaßnahmen vorstellten und begannen, konkretere Projektideen und mögliche Wege zur Umsetzung zu formulieren.

© Connective Cities

Abschließende Reflexion

Der Workshop hat gezeigt, dass es den Kommunen nicht an Lösungen mangelt. Über verschiedene Kontexte hinweg gibt es bereits eine solide Grundlage aus Ideen, Erfahrungen und sich entwickelnden Praktiken. Die zentrale Herausforderung besteht darin, diese Ideen zu strukturieren, das förderliche Umfeld zu stärken und sie in Richtung Umsetzung voranzubringen.

Der Lernprozess von „Connective Cities“ bietet eine Plattform, um genau das zu tun –den Austausch in Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Schutz kritischer Infrastruktur durch risikoinformierte Entwicklung

Kommunen und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland sind eingeladen, am regionalen Lernprozess „Planung für kommunale Resilienz“ teilzunehmen und gemeinsam Ansätze zum Schutz kritischer Infrastrukturen weiterzuentwickeln.

Kommunen stehen zunehmend vor komplexen Risiken: klimabedingte Extremereignisse, technische Störungen, wachsende Abhängigkeiten zwischen Infrastruktursystemen sowie neue sicherheitspolitische Herausforderungen gefährden die Funktionsfähigkeit urbaner Räume. Der Schutz kritischer Infrastrukturen – Energie, Wasser, Verkehr, Kommunikation und Gesundheit – ist damit zu einer zentralen Aufgabe moderner kommunaler Governance geworden.

Der Lernprozess bringt Kommunen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland zusammen, um praxisnahes Wissen auszutauschen, gemeinsame Lösungen zu entwickeln und lokale Kapazitäten für risikoinformierte Entwicklung zu stärken. Im Fokus stehen integrierte Planung, Multi-Risiko-Governance und die Entwicklung umsetzbarer Projektansätze zum Schutz und zur Stärkung kritischer Infrastrukturen.

An wen richtet sich der Teilnahmeaufruf?

  • Fach- und Führungskräfte aus Kommunalverwaltungen, kommunalen Unternehmen und regionalen Behörden
  • Mitarbeitende aus Planung, Infrastruktur, Katastrophenvorsorge und kommunalem Management
  • Städte, Gemeinden, Landkreise und Regionen aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Deutschland

 

Zeitplan und Format

  • Virtuelles Kick-off-Meeting: Ende April 2026
  • Erster Präsensworkshop (3 Tage): Anfang Juni
  • Dauer: ca. 1 Jahr
  • Formate: Präsenzworkshops, digitale Austauschmodule und kurze Expert*innenmissionen („Peer Visits“)

 

Der Lernprozess ist in drei Phasen gegliedert:

  1. Risiko- und Vulnerabilitätsanalyse,
  2. integrierte Planung und Lösungsentwicklung sowie
  3. Umsetzungsreife und Finanzierung.

 

Thematische Schwerpunkte liegen u. a. auf urbanen Systemen und Infrastrukturresilienz, integrierter Risikogovernance sowie Daten-, Frühwarn- und Kontinuitätsmanagement. Der strukturierte Prozess fördert kollegiale Beratung und technische Zusammenarbeit zwischen Kommunen in Europa und den Partnerregionen.

Teilnahme und Kontakt

Die Teilnahmekosten (Unterbringung und Verpflegung) werden übernommen. Die Konferenzsprache ist Englisch.

Interessenbekundung bis: 13. April 2026
Zur Bewerbung: https://community.connective-cities.net/en/form/connective-cities-see-learning-p

Weitere Informationen: Teilnahmeaufruf [pdf, 3 Seiten ]

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:
Paulina Koschmieder – paulina.koschmieder@giz.de
Jimmy Yoedsel – jimmy.yoedsel@giz.de

Toolkit for Gender Inclusive Mobility Planning

Autorin: Lea Gerber

Herausgeber: Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)

Sprache: Englisch

Frauen und geschlechtliche Minderheiten stellen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, doch Verkehrssysteme wurden in der Vergangenheit stets für einen männlichen Standardnutzer konzipiert. Untersuchungen zeigen, dass Frauen und geschlechtliche Minderheiten Mobilitätsnetze anders nutzen. Ihre Mobilitätsmuster und Bedürfnisse werden von herkömmlichen Planungsmodellen jedoch nach wie vor vernachlässigt. Wenn Planer*innen den Bedürfnissen von Frauen und geschlechtlichen Minderheiten Vorrang einräumen, können sie sicherere und barrierefreiere Verkehrssysteme entwerfen, von denen alle Nutzer*innen profitieren. Dieses Toolkit bietet Designer*innen, Verkehrsplaner*innen und politischen Entscheidungsträger*innen praktische Ressourcen und Anleitungen, um geschlechtergerechte Praktiken in die Mobilitäts- und Verkehrsplanung zu integrieren. In Anlehnung an die wichtigsten Phasen des Stadtplanungsprozesses enthält das Toolkit Kapitel zu Themen wie Datenerhebung und Bürgerbeteiligung, die jeweils anhand einer Fallstudie aus Projekten lokaler Behörden veranschaulicht werden. Zusätzlich umfasst das Toolkit einen Leitfaden für Praktiker:innen, der wichtige Punkte und Empfehlungen hervorhebt. Leser*innen können so die wesentlichen Leitlinien schnell erfassen und anwenden, ohne das gesamte Toolkit lesen zu müssen. Das Toolkit ist zwar nicht umfassend, bietet jedoch einen Ausgangspunkt für die Überprüfung und Verbesserung von Verkehrs- und Mobilitätssystemen auf lokaler Ebene.

Erscheinungsjahr: 2026

48 Seiten

Externer Link (Difu): https://difu.de/publikationen/2026/toolkit-for-gender-inclusive-mobility-planning

Online-Auftakt für kommunale Wasserresilienz

Am 24. März 2026 war es soweit! Der vertiefte Lernprozess „Wasserresilienz: Kommunen stärken sich gegen Trockenheit und Starkregenereignisse“ ist kurz nach dem Weltwassertag gestartet. Dürren, Hitzewellen, Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu und belasten Infrastruktur, Gesundheit und kommunale Budgets. Gleichzeitig verschärft die Urbanisierung den Wettbewerb um Wasser. Bereits heute stehen viele Großstädte unter hohem Wasserstress, und der weltweite Bedarf könnte bis 2030 die verfügbaren Ressourcen deutlich übersteigen.

Für Länder des Globalen Südens ist Wasserknappheit längst ein Entwicklungshemmnis – doch künftig müssen sich alle Regionen weltweit an schwankende Verfügbarkeiten und wachsende Nutzungskonflikte anpassen. Wasser wird zur strategischen Ressource des 21. Jahrhunderts.

Die entscheidenden Lösungen entstehen lokal. Auch wenn die Rahmenbedingungen sich stark unterscheiden, stehen Kommunen vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen, was Austausch und gemeinsames Lernen besonders wertvoll macht.

Deshalb bringen wir im sogenannten Deep Dive zum Thema „Wasserresiliente Kommunen“ Fachleute aus acht ausgewählten Kommunen aus Benin, Deutschland, Kenia, Indien, Serbien und Sri Lanka zusammen, um innovative Ansätze wie Schwammstadt‑Konzepte, blaue Korridore und integrierte blau‑grün‑rote Infrastrukturen gemeinsam zu diskutieren und über zwei Jahre lokalangepasste Lösungen zu jeweiligen Herausforderungen zu entwickeln und zu implementieren.

Im ersten virtuellen Treffen haben die Kommunen ihre lokalen Herausforderungen präsentiert, erste Ähnlichkeiten identifiziert und das erste Arbeitstreffen in Präsenz in Wuppertal Anfang Mai vorbereitet. Weitere Neuigkeiten aus unserem Deep Dive folgen ab Mai 2026.

Die teilnehmenden Städte: Natitingou (Benin), Dresden, Wunstorf, Wuppertal (Deutschland),Homa Bay (Kenia), Hyderabad (Indien), Niš (Serbien), Akkaraipattu (Sri Lanka)

Mobilität fundiert gestalten: Entscheidungen auf Basis valider Informationen

Was braucht es, um Mobilität in unseren Kommunen nachhaltiger zu gestalten? Neue Technologien? Mehr Mittel? Den Willen der Bürger*innen? Eine Antwort: Es braucht verlässliche Informationen für fundierte Entscheidungen, die gezielte Veränderungen bewirken können. Bei der Dialogveranstaltung “Nachhaltige Mobilität- Zusammenspiel Nachhaltiger Mobilitätsformen“ im letzten November identifizierten 38 Teilnehmende aus 11 verschiedenen Ländern Datenmanagement und -nutzung als einen zentralen Aspekt der Verkehrswende. Ca. 20 Teilnehmende des Connective Cities Lernprozesses kamen in einer online Follow-Up Aktivität am 23. März 2026 erneut zusammen, um sich zum Thema „Mobilitätsdatenmanagement“ vertieft auszutauschen.In dem zweieinhalbstündigen Austausch stellten insgesamt 5 Kommunen Aspekte ihres Mobilitätsdatenmanagement als Grundlage für verkehrsplanerische Entscheidungen vor.

 

“Data (or the absence) can be a reason to unnecessarily delay important decisions. Also make sure you apply the correct data for the correct application.”

Teilnehmer im Rahmen einer Umfrage während der Online-Veranstaltung

 

Wer die Kapazitäten und die finanziellen Mittel hat, kann sich dem Prozess eines Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP) stellen. Die mehrjährige, teils partizipative Datenerhebung und -aufbereitung beinhaltet einen Katalog aus Sustainable Urban Mobility Indicators (SUMI) und konkrete Handlungsempfehlungen. Dr. Metin Mutlu Aydin, Assoc. Prof. Dr. an der Ondokuz Mayıs University, der die dreijährige Erstellung des SUMP in Trabzon, der östlichsten großen Hafenstadt am Schwarzen Meer der Türkei, akademisch begleitete, stellte den Teilnehmenden in seiner Keynote den Prozess und die erst kürzlich veröffentlichten Ergebnisse vor:

SUMP sind strategische Pläne, mit deren Hilfe Antworten auf die Mobilitätsbedürfnisse von Menschen und Unternehmen partizipativ und konkret formuliert werden. Dafür bedient sich das verantwortliche Expertenteam Primär- und Sekundärdaten und stützt Handlungsempfehlungen auf einen groß angelegten Beteiligungsprozess. Die Stadt Trabzon bediente sich bestehenden Statistiken, investierte aber auch in eine Vielzahl an digitalen Messmethoden, die eine automatisierte und tagesaktuelle Datensammlung ermöglichen und das Monitoring gesetzter Ziele gewährleisten. Die umfangreichsten Daten wurden partizipativ über institutionelle Treffen, Austausche mit Berufs- und zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie über die Einbindung der Öffentlichkeit durch Online-Umfragen und soziale Medien erhoben. Im Fall Trabzons wurden insgesamt 95 Institutionen zur Rate gezogen. Integrierte Szenarienanalysen zeigen die Handlungsbedarfe auf: In der am Meer gelegenen Stadt mit hügeliger Topografie führen beispielsweise Tagestrips mit dem Auto schon heute zu einem hohen Verkehrsaufkommen. Bis 2040 soll sich die Zahl fast verdoppeln. Daher muss die Stadt insbesondere auf den herausgestellten Hauptachsen für Alternativen sorgen.

In München werden Daten kontinuierlich erhoben und mit einem multimodalen Verkehrsmodell („M3“) ausgewertet; die Datenstrategie der Metropole München besitzt einen hohen Stellenwert. Dabei ist dem Verantwortlichen Attila Lüttmerding, Abteilungsleiter Grundlagen und Daten im Mobilitätsreferat der Stadt München, besonders wichtig zu betonen, dass Daten nicht der Daten willen erhoben werden sollen, sondern zielorientiert gearbeitet werden muss. Neben Klimaneutralität und Verkehrssicherheit soll sich in München die Nutzung der Mobilitätsformen ÖPNV, Fuß- und Radverkehr sowie Elektroautos deutlich verbessern. Die Daten machen Erfolge deutlich sichtbar: Die „Stauhauptstadt“ verzeichnet seit einigen Jahren einen deutlichen Trend zur „Fußgängermetropole“; die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel steigt trotz steigender Autobesitze. Insbesondere im Stadtkern sind diese für viele heute eine Alternative. Um dies festzustellen, bedient sich die Stadt einiger Technologien und – pragmatisch – auch weiterhin händischen Zählungsmethoden. Die gute Datenlage macht die Münchener*innen auskunftsfähig, auch in Hinblick auf die Mobilitätsindikatoren der EU, die in kommenden Jahren für mehr internationale Vergleichbarkeit sorgen sollen.

Viktor Goebel, Projektleiter im Mobilitätsreferat der Stadt München, stellte heraus, wie Sharing Angebote bürgerfreundlicher werden können, wenn sie sich am Nutzerverhalten orientieren und eng gemonitort werden. Betreiber müssen sich an Regeln halten, die die Stadt ihnen auferlegt: In bestimmten Bereichen dürfen E-Scooter nicht abgestellt werden und es gibt auch Limits für z.B. Scooter pro Zone, damit Fuß- und Radverkehr durch das zusätzliche Mobilitätsangebot nicht gestört werden. Durch Datennutzung werden hier die Bedarfe der einzelnen Gebiete ermittelt und welche nachhaltigen Mobilitätsformen sinnvoll eingesetzt werden können. Das darstellbare hohe Interesse der Bürger*innen Münchens legitimiert so Subventionen von kommunaler Seite.

Kleine Einblicke in die Handhabung von Daten in weiteren Kommunen erlaubten Bremen, Windhoek (Namibia) und La Paz (Bolivien). Während in Bolivien Daten als Open Data gehandhabt werden und öffentliche Portale die Nutzung erleichtern, ist das digitale Ticket-System in Windhoek eine neue Quelle an wichtigen Daten, die es unter anderem ermöglicht zu ermitteln, wo Schwarzfahren ein finanzielles Risiko für Betreiber bedeutet.

In anschließenden Teilgruppen tauschten sich die Teilnehmenden vertieft aus und nahmen weitere Erkenntnisse mit:

“Companies are always asking for money, so you need to do your own research to be able to evaluate their offers”

Stimme im Rahmen einer Umfrage während der Online-Veranstaltung

 

In den Gruppen wurde jedoch auch sichtbar, wie unterschiedlich die Verfügbarkeit und die Ressourcen zur Datenauswertung sind und dass es wichtig ist, viele Anregungen im jeweiligen individuellen Kontext zu reflektieren.

 

Die Hamburger Wasserstoffstrategie

Am 18. März 2026 von 10:00 bis 11:30 Uhr (MEZ) stellt die Wasserstoffwirtschaftseinheit der Behörde für Wirtschaft und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg in einer Insight Session die Hamburger Wasserstoffstrategie vor. Im Fokus steht, wie sich die Metropolregion Hamburg als international führender Standort der Wasserstoffwirtschaft positioniert.

Als bedeutender Hafen- und Logistikstandort übernimmt Hamburg eine strategische Rolle bei der Verknüpfung globaler Wasserstoff-Lieferketten mit der nationalen Nachfrage. Die Strategie verfolgt einen integrierten Ansatz zur Skalierung von Produktion, Import, Infrastruktur und industriellen Anwendungen und leistet damit einen zentralen Beitrag zur Klimaneutralität.

Durch gezielte Investitionen, politische Koordination und internationale Partnerschaften stärkt Hamburg sein Wasserstoff-Ökosystem – von Importkorridoren über wasserstofffähige Infrastruktur bis hin zu Innovationsclustern. Ziel ist es, Hamburg als Tor für Wasserstoff nach Deutschland und Europa sowie als Zentrum für industriellen Wandel und nachhaltiges Wachstum zu etablieren.

Seien Sie dabei und diskutieren Sie mit, wie internationale Kooperation, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Transformation zusammenwirken können.

Weitere Informationen und Anmeldung: Hamburg Green Hydrogen Strategy: Catalysing Private Sector Involvement | Connective Cities Platform

Das Heilbronner Wasserstoffmodell

Am 26. Februar 2026 von 11:00 – 12:30 Uhr MEZ stellt die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH in einer Insight Session das Heilbronner Wasserstoffmodell vor. Im Fokus steht, wie sich die Region Heilbronn-Franken durch den Aufbau eines koordinierten regionalen Ökosystems strategisch im Bereich grüner Wasserstoff positioniert.

Im Einklang mit der EU-Wasserstoffstrategie und der Nationalen Wasserstoffstrategie Deutschlands trägt die Initiative zur Klimaneutralität bei – durch den Ausbau von Elektrolysekapazitäten, den Aufbau von Wasserstoffinfrastruktur und die Anbindung an das nationale Wasserstoff-Kernnetz.

Im Rahmen des regionalen Transformationsprogramms ANTRIEB HNF geben die Strategien RegioStrat und H2 Transform HNF die langfristige Ausrichtung bis 2040 vor. Mit H2-Impuls werden über 100 Akteurinnen und Akteure aus 60 Institutionen vernetzt, konkrete Teilprojekte initiiert und der Austausch strukturiert begleitet.

Nutzen Sie die Gelegenheit, praxisnahe Einblicke in den Aufbau regionaler Wasserstoffstrukturen zu erhalten und sich mit Expertinnen und Experten auszutauschen.

Weitere informationen und Registrierung: The Heilbronn Hydrogen Model Building a Regional Ecosystem | Connective Cities Network

Kostenloses E-Carsharing für den Weg zum Bahnhof

Autor: Burkhard Vielhaber

Herausgeber: Connective Cities

Die rund 9.300 Einwohner*innen von Borgholzhausen verteilen sich auf einer Fläche von 56 km². Ein Drittel der Bevölkerung wohnt in der Kernstadt, die anderen zwei Drittel leben in elf Siedlungen mit jeweils einigen hundert Einwohner*innen. Vom Bahnhof in Borgholzhausen gelangt man mit der NordWest-Bahn zu den benachbarten Städten Osnabrück im Nordwesten und Bielefeld im Südosten. Es gibt jedoch keinen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der die Siedlungen mit dem Bahnhof verbindet.

Vor diesem Hintergrund hat Borgholzhausen ein neuartiges Linien-E-Carsharing entwickelt, das es den Bewohner*innen der Gemeinde ermöglicht, die letzte Meile vom Bahnhof nach Hause bequem und ohne Mehrkosten zum Preis des Zugtickets zu buchen. Die Nachbargemeinde Halle-Künsebeck beteiligt sich an diesem innovativen Mobilitätskonzept.

Wer über ein gültiges ÖPNV-Ticket verfügt, kann ein Elektrofahrzeug kostenfrei auf festgelegten Linien zwischen bestimmten Haltepunkten für maximal eine halbe Stunde hinzubuchen. Zudem besteht jetzt die Möglichkeit, ein Fahrzeug zu moderaten Kosten im klassischen freien Carsharing zu mieten. Die Einnahmen hieraus senken die Betriebskosten.

Diese gute Praktik beschreibt, wie dieses in Deutschland bisher einzigartige Modell entwickelt wurde, wie es sich trägt, welche Vorteile es bietet und welche Lernerfahrungen bisher gemacht wurden.

5 Seiten

Erscheinungsjahr: 2026

Connective Cities Netzwerktreffen 2025

Sich updaten, aus der kommunalen Praxis berichten, Austausch pflegen – darum geht es beim jährlichen Netzwerktreffen von Connective Cities für die aktiven deutschen Akteur*innen. Auch in diesem Jahr fanden rund 30 Teilnehmer*innen den Weg nach Bonn und tauschten sich über Geschafftes, Geplantes und auch ein wenig über Visionäres aus.

Die Gruppe der Teilnehmer*innen war bunt gemischt. Mit dabei waren Connective-Cities-Erfahrene wie etwa Lidia Perico, Leiterin der Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die mit einer ganz konkreten Idee für einen thematischen Schwerpunkt anreiste. Oder auch Michael Leischner aus Dortmund, der als Mitglied des Steuerungskreises mit Blick auf das gesamte Programm teilnahm. „Ich bin schon gefühlte 100 Jahre bei Connective Cities und jetzt im Steuerungskreis. Für mich ist es wichtig zu sehen, was sich in den Kommunen tut und wie die Situation bezüglich internationaler Zusammenarbeit ist“ – so seine Motivation, kurz vor Jahresende zwei Tage zu investieren. Wiederum andere kamen zum Netzwerktreffen, um sich mit dem Angebot von Connective Cities grundsätzlich vertraut zu machen.

 

Links im Bild ist ein Banner von Connective Cities und mittig ein Infoscreen mit einem Schriftzug "Willkommen zum Connective Cities Netzwerktreffen 2025".
Foto: Connective Cities

Für diese vielfältigen Erwartungen gab es ein breites Programm:

Zunächst einmal standen das Sondieren und Einbringen von Themen im Mittelpunkt und damit die Gelegenheit für die Teilnehmer*innen, Themen aufzuzeigen, die in ihrer kommunalen Praxis relevant sind.

Hierzu stellte das Team der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und der GIZ zunächst die schon gereiften Pläne für das kommende Jahr vor: Seitens der GIZ werden in den Partnerregionen unter anderem die Renaturierung urbaner Räume sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaftsentwicklung als wichtige thematische Schwerpunkte verfolgt, neben weiteren inhaltlichen Feldern.  Für die Fokusregion Subsahara-Afrika stehen naturbasierte Lösungen und das wirtschaftliche Potenzial von grünem Wasserstoff im Mittelpunkt. Mit den Kommunen der Region Südosteuropa und Südkaukasus wird an urbaner Resilienz und der Sicherung kritischer Infrastruktur sowie an wirtschaftsfreundlicher Regionalentwicklung gearbeitet. In der Fokusregion Nahost und Nordafrika stehen Grüne Korridore zwischen Stadt und Umland, und das Thema Building Back Better – vor allem mit Blick auf Syrien und Gaza – auf dem Plan. Darüber hinaus werden die Themen aus vergangenen Lernprozessen in Alumni-Gruppen weitergeführt, um das generierte Wissen im Netzwerk zu verankern und den fachlichen Austausch nachhaltig aufrechtzuerhalten. Die Alumni-Gruppen arbeiten unter anderem zu den Themen Hitze in der Stadt, risiko-informierte Stadtentwicklung sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die SKEW ihrerseits wird für Lernprozesse in Deutschland die Schwerpunkte unter anderem auf Nachhaltige Mobilität und Wasserresilienz legen. Themenvorschläge für zwei weitere Lernprozesse in Deutschland können noch bis zum 8. Februar 2026 eingereicht werden.

Die entsprechenden Teilnahmeaufrufe wurden zum Teil bereits veröffentlicht oder werden Anfang 2026 im Newsletter, auf der Website und bei LinkedIn und Facebook erscheinen. Die Lernformate bleiben die bewährten: länger angelegte Lernprozesse über ein Jahr mit Auftakttreffen, Fachaustauschreisen und digitalem Austausch, Deep Dives in kleinen Gruppen über zwei Jahre hinweg sowie verschiedene agile Formate – offen für alle und auf akute Bedarfe zugeschnitten (Ad-hoc-Sessions, Insight-Sessions).

Themenschwerpunkte von Connective Cities

Im zweiten Schritt wurden Themen, zu denen sich die Kommunen und kommunalen Unternehmen weiteren Austausch wünschen, gesammelt und dabei auch die Themen aus dem aktuellen Themenspeicher von Connective Cities gewichtet. Die entstandene Pinnwand liest sich spannend und vielfältig: Katastrophenvorsorge, (Cyber-)Sicherheit und Resilienz, (legale) Migration und Integration, Stadtentwicklung und neue Stadtquartiere, Energieparks, Energie aus Biomasse, Entwässerung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Nachhaltigkeitskonzepte bei Großveranstaltungen, Start-ups und lokale Wirtschaftsförderung, Bildung und Bildungsmaterialien zu nachhaltiger Entwicklung, demografischer Wandel, inklusive Stadt, Umweltschutz in der Stadt, digitale Daseinsvorsorge, attraktive Innenstädte und noch weitere Themen sammelten sich dort. Auch Lidia Pericos Idee ist dort zu lesen. Ob dies ein Thema für Connective Cities werden wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht klar. Aber: „Wir wollten die Chance kurz vor Jahresende nutzen, um unsere Planung für 2026 in die Spur zu bringen, egal ob es jetzt im Format von Connective Cities klappt oder nicht. Wenn man von eigenen Ideen berichtet, entwickelt man diese ja im Kopf weiter und das ist immer ein Mehrwert“, so Pericos Bilanz.

Wie Lernprozesse im Rahmen von Connective Cities konkret aussehen können, zeigten zwei Beispiele aus vergangenen Lernzyklen.

Angelika Schweimnitz vom Institut für Schutz und Rettung der Kölner Feuerwehr stellte den Lernzyklus von Feuerwehren zu den Themen „Unterkünfte für Evakuierte und der Einsatz von Ehrenamtlichen“ vor. Für die Kölner Feuerwehr mündete dieser in einen intensiveren Austausch mit den Feuerwehren aus Makati und Quezon City auf den Philippinen, die laut Schweimnitz aufgrund der Vielzahl der dortigen Klimaereignisse eine weit höhere Einsatzdichte haben. Schweimnitzs Bilanz war dabei durchweg positiv: Beeindruckend sei die Nähe zwischen Rathaus und Bevölkerung gewesen sowie die Übersicht über die Stadt durch Kameraüberwachung. Die philippinischen Partner seien vor allem am Modell der freiwilligen Feuerwehr interessiert gewesen, die in Deutschland einen bedeutenden Anteil der Einsatzkräfte ausmacht. Der Austausch habe außerdem eine Vielzahl konkreter Ideen für die qualitätsvolle Unterbringung von Evakuierten hervorgebracht – vom Pop-up Zelt bis zum Intimitätsraum. „Es wurde einfach die Sprache der Instrumente gesprochen“, so ihre Beschreibung. Und: „Wir haben das Internationale und vernetztes Denken in der Katastrophenvorsorge in unsere Feuerwehr getragen.

Ein ähnlich positives Bild eines Connective Cities-Austauschs zeichnete Sven Robert Ganschow von der Stadtreinigung Hamburg. Trotz Hürden wie der Corona-Pandemie, Personalwechseln und grundsätzlich veränderten Rahmenbedingungen wie dem Kriegsbeginn in der Ukraine sei der internationale Austausch zu den Themen Integrierte Abfallwirtschaft und Kunststoffrecycling von hohem Nutzen und wertgeschätzt gewesen. Er habe dabei auch stets die politische Rückendeckung aus der eigenen Stadt gemerkt: „Ich spürte immer Verständnis dafür, dass die Probleme nicht im eigenen Land enden, sondern dass es wichtig ist, dass wir unser Wissen weitergeben“, so seine Erfahrung.

Teilnehmende des Netzwerktreffens | Foto: Connective Cities

Ein dritter Schwerpunkt des Netzwerktreffens war die kollegiale Beratung – zum einen, um diese als Kernmethode von Connective Cities vorzustellen, zum anderen, um den Luxus der versammelten Expertise zu nutzen. Einige Teilnehmer*innen brainstormten dabei zu der Frage, wie sich Kolleg*innen in der eigenen Kommune oder im eigenen kommunalen Unternehmen für die Teilnahme an einem Connective-Cities-Austausch gewinnen lassen. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich damit, wie die Umsetzung eines Projekts gelingen kann, auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit Bewilligung diametral verändert haben. Und auch das Team von Connective Cities selbst nutzte die Chance und fragte nach Strategien für eine erfolgreiche Ansprache kommunaler Expert*innen für die Aktivitäten des Vorhabens.  Alle Gruppen erwiesen sich als äußerst produktiv und machten die Idee von Connective Cities greifbar: Expertise zusammenbringen – die Vielfalt der Perspektiven nutzen – gemeinsam Lösungen generieren. Oder mit den Worten einer Teilnehmerin: „Es tut gut zu sehen, dass andere Kommunen ähnliche Herausforderungen haben und es oft schon Lösungen gibt. Man muss nicht alles neu anfangen.“

Und schließlich ging es beim Netzwerktreffen darum, was schon der Titel verrät: Kontakte knüpfen, sich zusammenschließen – Netzwerken eben. Die lebhaften Gespräche von der ersten Kaffeepause an ließen erahnen, dass dieses Ziel zufriedenstellend erreicht wurde. „Mein Impuls für den Heimweg ist auf jeden Fall, 2026 häufiger an solchen Netzwerktreffen teilzunehmen. Raus aus Berlin und in den Austausch gehen“, so noch einmal Lidia Perico aus Berlin.

 

„Ich bin wirklich begeistert vom Netzwerktreffen, weil ich das ganze System hinter Connective Cities noch einmal tiefer verstanden habe, obwohl wir schon zusammengearbeitet haben. Und dass man sich so stark mit eigenen Themen in das Programm einbringen kann, finde ich klasse.“

(Daniela Wiedenhaupt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin)