Teilnahmeaufruf – Global Green Sports: Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien für Sportgroßveranstaltungen

Große Sportereignisse begeistern Milliarden – und stehen zugleich im Zentrum der globalen Nachhaltigkeitsdebatte. Wie können Kommunen Sportgroßveranstaltungen so gestalten, dass sie ökologische, soziale und wirtschaftliche Mehrwerte schaffen? Welche Lösungen funktionieren bereits in der Praxis – und was lässt sich voneinander lernen?

In Berlin befasst man sich intensiv mit diesen Fragen und nun laden der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Senatsverwaltung für Inneres und Sport zusammen mit Connective Cities 5 weitere deutsche und 6 internationale Kommunen ein, sich in einer Dialogveranstaltung zu Nachhaltigkeitsstrategien für Sportgroßveranstaltungen – von der politischen Verankerung bis zur praktischen Umsetzung und begleitenden Bildungsarbeit – auszutauschen.

An wen richtet sich der Teilnahmeaufruf?

Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils 2 Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Veranstaltungsmanagement, Sport, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) oder Ordnungsämtern.

Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Reisekosten werden von Connective Cities übernommen.

Wie kann man teilnehmen?

Wenn Sie an der Dialogveranstaltung teilnehmen möchten, senden Sie uns bitte folgende Infos per E-Mail:

  • Angabe Ihrer Kommune oder Organisation (auch Hochschulen oder NROs) und Ihrer Funktion,
  • eine kurze Beschreibung eines Projekts Ihrer Kommune, das Sie den anderen Teilnehmenden als gute Praktik vorstellen möchten. Gerne können Sie auch eine lokale Herausforderung ergänzen, vor der Sie zurzeit stehen und zu der Sie sich mit den anderen kommunalen Fachleuten austauschen möchten.

Frist und Kontakt:

Bitte melden Sie sich für eine Teilnahme bei uns bis zum 05.07.2026.

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung:

Nikola Krause, Projektkoordinatorin Connective Cities (nikola.krause@engagement-global.de); +49 (0)228 20717 2922 und connective-cities@engagement-global.de.

Weitere Informationen finden Sie im Teilnahmeaufruf (Download rechts).

Insight Session – Kommunen entwickeln naturbasierte Lösungen

Wir freuen uns, Sie zu unserer bevorstehenden virtuellen Insight Session zum Thema ‚naturbasierte Lösungen für urbane Resilienz‘ einzuladen, die am 15. Juli 2026 von 13:00 bis 14:30 Uhr MEZ stattfinden wird.

Städte in Subsahara-Afrika, Deutschland und anderen Regionen setzen verstärkt auf naturbasierte Lösungen, um Überschwemmungen, Klimarisiken, den Verlust der Artenvielfalt und die damit verbundenen Herausforderungen der Stadtentwicklung zu bewältigen. Die Integration dieser Ansätze in die kommunale Planung, Verwaltung und Umsetzung bleibt jedoch eine komplexe Aufgabe.

Diese Insight Session vereint Forschungs-, Politik- und kommunale Netzwerkperspektiven, um praktische Ansätze für die Planung, Integration und Umsetzung naturbasierter Lösungen vorzustellen.

Dafür laden wir folgende Gesprächspartner*innen ein:

Andreas Wolter, Präsident von Climate Alliance
Präsentation: Von lokalen Maßnahmen zu kollektiver Wirkung: Wie kommunale Netzwerke Klimaresilienz stärken

Andreas Wolter wird das Netzwerk der Climate Alliance vorstellen und dessen Rolle bei der Unterstützung von Kommunen zur Stärkung lokaler Klimaschutzmaßnahmen beleuchten. Sein Vortrag wird wichtige Einblicke darin geben, wie Städtenetzwerke voneinander lernen, Wissensaustausch, Interessenvertretung und Zusammenarbeit fördern und gleichzeitig Kommunen dabei helfen können, Klimaverpflichtungen in praktische Maßnahmen umzusetzen – etwa naturbasierte Lösungen zur Stärkung kommunaler Resilienz.

McKenna Davis, Senior Fellow und Koordinator für naturbasierte Lösungen am Ecologic Institut, Berlin
Präsentation: Integration naturbasierter Lösungen in den Mainstream: Erkenntnisse und praktische Beispiele aus dem Urban Governance Atlas

McKenna Davis wird Einblicke und praktische Beispiele aus dem Urban Governance Atlas und dem Projekt Climate Adaptation Naturally geben und aufzeigen, wie naturbasierte Lösungen in die kommunale Politik und Planung integriert werden können.

Dr. Kirk B. Neu, Forscherin in den Bereichen Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung und städtische Resilienz
Präsentation:Evidenzbasierte Erkenntnisse zur Planung naturbasierter Lösungen für die Hochwasserresilienz in Städten Subsahara-Afrikas

Ausgehend von Forschungsergebnissen aus Ghana und der gesamten Subsahara-Region wird Kirk Enu darlegen, wie Kommunen Forschungsergebnisse nutzen können, um naturbasierte Lösungen für eine inklusive Hochwasserresilienz zu planen und umzusetzen.

 

Die Veranstaltung bietet den Teilnehmern folgende Inhalte:

  • praktische Beispiele für naturbasierte Lösungen zur Stärkung der Resilienz städtischer Hochwassergebiete;
  • Einblicke in die für die Umsetzung erforderlichen Rahmenbedingungen für Governance, Politik und Planung;
  • Erkenntnisse aus der Kompatibilität von Forschungsergebnissen mit kommunalen Entscheidungsprozessen;
  • Perspektiven zur Rolle kommunaler Netzwerke bei der Förderung von Klimaschutzmaßnahmen; und
  • eine Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit Praktikern und Experten aus verschiedenen Städten und Regionen.

 

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt, eine französische Übersetzung wird angeboten.

Datum: Mittwoch, 15. Juli 2026
Zeit:13:00 – 14:30 Uhr MEZ
Format: Online
Anmeldung: https://community.connective-cities.net/en/node/1607

Wir laden kommunale Praktiker*innen, Stadtplaner*innen, Expert*innen für Klima und Resilienz, Forscher*innen, Entwicklungspartner*innen und andere interessierte Mitglieder des Connective Cities Netzwerks herzlich zur Teilnahme ein.

Wir freuen uns darauf, Sie zu der Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

Bei Fragen oder Unterstützungsbedarf wenden Sie sich gerne an: moses.munuve@giz.de

Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektive für junge Menschen

Connective Cities lädt zwei Expert*innen aus Ihrer Kommune ein, sich am internationalen Fachaustausch in Bremen und dem anschließenden Lernprozess zu beteiligen.

 

Unterstützen Sie die Gründerszene in Ihrer Kommune? Welche Perspektiven bieten Sie jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit?  Die Stadt Bremen ist zu dem Thema bereits sehr gut vernetzt – auch international. Nun lädt die Stadt Sie in Kooperation mit Connective Cities dazu ein, gemeinsam mit fünf weiteren deutschen und sechs internationalen Kommunen in Bremen zusammenzukommen und sich zu Gründungsinitiativen und Gründungszentren sowie kommunalen Anreizen und Unterstützungsangeboten für Gründungen und Start-ups auszutauschen.

Das Eröffnen von Perspektiven und die Förderung von Qualifikation sind für junge Menschen in Deutschland und im Globalen Süden gleichbedeutend wichtig; möglichst allen jungen Menschen muss ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. In Bremen und Bremerhaven ist die Zahl der Start-Ups im nationalen Vergleich hoch. Die Gründungsszene ist lebendig, innovativ und gut vernetzt. Auch international hat die Senatskanzlei Bremen bereits wertvolle Kontakte: Ihre Partnerstädte Windhoek (Namibia) und Durban (Südafrika) bringen Erfahrungen mit eigenen Gründungszentren und Instrumenten zur Start-Up-Förderung ein.

Ziele der Dialogveranstaltung sind das gemeinsame Lernen durch das Kennenlernen von kommunalen Guten Praktiken, der Austausch zu Herausforderungen im Rahmen von kollegialen Beratungen und die Entwicklung von Lösungsansätzen zu herausgestellten Herausforderungen, sowie die Vernetzung der Teilnehmenden untereinander.

Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils zwei Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Arbeit und Soziales oder Jugendarbeit.

Weitere Informationen: Teilnahmeaufruf [pdf, 2 Seiten]

Bewerbungsfrist: 24. Mai 2026

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung:
Marcella Sobisch, Projektkoordinatorin Connective Cities,  marcella.sobisch@engagement-global.de, +49 (0)228 20717 2658
und connective-cities@engagement-global.de

Treiber Grüner Transformation: Connective Cities Expertenmission in Waterberg

Vom 8. bis 12. Juni 2026 veranstaltete Connective Cities in Partnerschaft mit dem südafrikanischen Kommunalverband (SALGA) und der Bezirksverwaltung Waterberg eine internationale Expertenmission. Im Mittelpunkt standen die Unterstützung des wirtschaftlichen Wandels und der grünen Industrieentwicklung auf kommunaler Ebene. Die Veranstaltung brachte Kommunalpolitiker*innen, Forscher*innen und Branchenexpert*innen aus Südafrika (SALGA, Bezirksverwaltung Waterberg sowie die Kommunen Lephalale und Mogalakwena), Deutschland (Regionalentwicklungsinitiativen Karlsruhe, Heilbronn und Baden-Württemberg), Namibia (Stadtverwaltung Lüderitz) und Kenia (Bezirksverwaltung Nakuru) zusammen, um Wissen auszutauschen und wirtschaftliche Potentiale von Grünem Wasserstoff zu ermitteln.

Besuch bei SALGA, Foto Grace Karanja

Die Mission war eingebettet in breitere Ziele einer gerechten Energiewende und ergänzte die Arbeit des südafrikanischen Just Energy Transition Municipal Council (JETMC), der die dortigen Kommunen auf den Übergang zu saubereren und nachhaltigeren Energiesystemen vorbereitet. Durch politische Diskussionen, Fachvorträge und Besuche strategischer Infrastrukturen wie dem Eskom-Kraftwerk Matimba und dem Exxaro-Solarkraftwerk gewannen die Teilnehmenden wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, denen Regionen bei der Abkehr von kohleabhängigen Industrien gegenüberstehen.

Zentrale Themen der Mission war die Rolle von grünem Wasserstoff für die lokale Wirtschaftsentwicklung, die Diversifizierung der Industrie und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Bezirksverwaltung von Waterberg betonte, wie wichtig es ist, einen ökologisch nachhaltigen und sozial inklusiven Übergang zu gewährleisten. Die Teilnehmenden erfuhren mehr über die Fortschritte, die die Waterbergs Verwaltung in Zusammenarbeit mit den Kommunen Lephalale und Mogalakwena erzielt hat. Dazu gehören kommunale Initiativen zur Kompetenzentwicklung, der Aufbau von Verwaltungsstrukturen, Bemühungen zur Mittelbeschaffung und Partnerschaften zum Aufbau von Kapazitäten für grünen Wasserstoff.

Die Waterberg Development Initiative (WDI) präsentierte ihre Vision für ein koordiniertes regionales Entwicklungsmodell, das Kommunen, Industrie und Bevölkerung auf gemeinsame wirtschaftliche und Nachhaltigkeitsziele ausrichtet. Auch Vertreter*innen der nationalen Regierung, Entwicklungspartner und Kommunen, die bereits Wasserstoffprojekte vorantreiben, trugen zu den Diskussionen bei und verdeutlichten die wachsende Dynamik der südafrikanischen Wasserstoffwirtschaft.

Finaler Workshop in Waterberg, Foto Elwin Gaoseb

Die Mission schloss mit einem Strategieworkshop ab, in dem die Teilnehmenden gemeinsam einen 36-monatigen Fahrplan für die regionale Entwicklung erarbeiteten. Dieser Fahrplan legte Prioritäten für Infrastrukturentwicklung, Qualifizierung von Fachkräften, Investitionsförderung und Partnerschaftsbildung fest, um die Schaffung eines zukünftigen „Wasserstoffkorridors Waterberg“ zu unterstützen. Die Ergebnisse ergänzten die Diskussionen der Arbeitsgruppe „Wasserstoffstädte“ zur Entwicklung kommunaler Kapazitäten, zur Mobilisierung von Finanzmitteln und zum Zugang zu Energie und befassten sich gleichzeitig mit Herausforderungen wie Finanzierungsengpässen und uneinheitlicher kommunaler Vorbereitung.

Die Expertenmission unterstrich die entscheidende Rolle der Kommunen im südafrikanischen Energiewandel. Durch internationale Zusammenarbeit, Wissensaustausch und praxisorientierte Planung demonstrierte die Initiative, wie grüne Industrialisierung nachhaltiges Wirtschaftswachstum fördern und gleichzeitig sicherstellen kann, dass die Gemeinden im Zentrum des Übergangs zu einer nachhaltigeren und resilienteren Zukunft stehen.

Besuch bei der Gemeinde Lephalale, Foto Elwin Gaoseb

Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum für lokale Wirtschaftsentwicklung

Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.

Neben einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland bildeten Praxisbeispiele aus dem Kreis Pinneberg, Mersin (Türkei) und Oberhausen, München und Gharb Irbid (Jordanien) die Grundlage für eine tiefergehende Diskussion in Arbeitsgruppen. Dadurch zeigte sich eindrucksvoll, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.

Die zentralen Ergebnisse sind hier dokumentiert.

Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum für kommunale Wirtschaftsentwicklung

Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.

In der Verwaltung die Schnittstelle von internationaler Zusammenarbeit und Wirtschaftsförderung erschließen. Abbildung: Slido-Abfrage während der Online-Veranstaltung

Die Situation im Groben: Regionen und Länder mit Fachkräftemangel, zumeist einkommensstarke Länder, stehen Regionen und Ländern mit einem Überschuss an (qualifizierten) Arbeitskräften, zumeist einkommensschwächere Länder, gegenüber. In Deutschland zeichnet sich bis 2028 eine Lücke von 768.000 Fachkräften ab.

Das Potenzial von Fachkräftemigration ist für alle Seiten groß – faire Bedingungen vorausgesetzt. Interessant sind dabei auch Unternehmensgründungen von Migrant*innen, aus denen sich wiederum Arbeitsplätze generieren. In zwei Dritteln der OECD-Länder zeigen Migrant*innen hierfür eine größere Bereitschaft als die nicht migrierte Bevölkerung.

Mehr: Thematic Framework [pdf]

Ermutigend ist eine Online-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland aus dem Jahr 2024, die während der Insight Session vorgestellt wurde. Danach haben rund dreiviertel (73,3 Prozent) der befragten Migrant*innen in den vergangenen 12 Monaten nicht über Abwanderung nachgedacht und auch keine derartigen Pläne für die nächsten 12 Monaten. Wenn Fachkräfte planen abzuwandern, begründen sie dies zuvorderst mit den komplexen bürokratischen Prozessen, der Steuerlast und der allgemeinen ökonomischen Situation in Deutschland. 47 Prozent würden dann in ihr Herkunftsland zurückziehen, 53 Prozent in ein anderes Land weiterwandern, darunter vor allem die Schweiz, andere europäische Länder und die USA.

„Deutschland als Zwischenstation?“ Dr. Lukas Olbrich vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtete aus einer Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten. Abbildung: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Mehr:  Germany as a Stopover? IAB [pdf]

Die Verantwortung für migrationspolitische Weichenstellungen – auch in Bezug auf Fachkräfteeinwanderung – liegt in erster Linie bei den einzelnen Staaten. Auf internationaler Ebene bildet auch der „Global Compact for Migration“ der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018 den politischen Rahmen für die Einwanderung von Fachkräften Die Mitgliedstaaten beteuern hier ihr Interesse, Bedingungen für Migrant*innen zu verbessern – wenn auch nicht rechtlich bindend. In Deutschland gilt zudem das 2019 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten regelt und erleichtern soll. Ganz frisch zum Thema gibt es seit März 2026 die Fachkräfteallianz „WE-Fair – Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In dieser arbeiten Wirtschafts- und entwicklungspolitische Akteure gemeinsam daran, faire Rekrutierung und qualifizierte Einwanderung voranzubringen.

Vier Kommunen präsentierten bei der Insight Session, wie sie Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum bei sich koordinieren.

Annika Abellán aus der Kreisverwaltung Pinneberg zeigte zunächst die Vielfalt der Akteure auf, die in den Prozess der Fachkräfteeinwanderung eingebunden sind und machte damit die Komplexität deutlich. Im Zentrum stehen immer die einwandernde Fachkraft und das arbeitgebende Unternehmen. Noch im Herkunftsland sind zudem die deutsche Botschaft, die Bundesagentur für Arbeit sowie die örtlichen Ausländerbehörden eingebunden. Für die weitere Vorbereitung (und später auch in Deutschland) kommen Anbieter von Sprachkursen und interkulturellen Trainings sowie Institutionen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen ins Spiel. Für den Aufbau eines Lebens in Deutschland schließlich sind Akteure wie Wohnungsanbieter, Meldebehörden, Krankenversicherungen, Steuerbehörden sowie – je nach Einzelfall – Bezugseinrichtungen für Familienangehörige wie Kindertagesstätten und Schulen relevant.

Mit jeder dieser Stellen geht eine Fülle an Informationsbedarf einher, weswegen der Kreis Pinneberg als zentrale Dienstleistung Orientierung anbietet. „Unser Ziel ist einfach, aber ehrgeizig: Informationen dort zu teilen, wo sie gebraucht werden und die richtigen Leute zusammenzubringen“, erläuterte Annika Abellán. Wichtiges Instrument ist die auch für andere Kommunen verfügbare App „Integreat“, in der das fünfköpfige Team – zusammengesetzt aus verschiedenen Abteilungen der Kreisverwaltung – alle Informationen für Fachkräfte gebündelt zugänglich macht. Zudem werden Informationen über einen speziellen Newsletter, gezielte Mailings, das Online-Portal des Kreises sowie Social Media und die lokale Presse geteilt. Darüber hinaus leistet der Kreis regionale und überregionale Netzwerkarbeit und bringt die Akteure auch zu verschiedenen Fokusthemen zusammen, so etwa zum Thema Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Um Fachkräfteeinwanderung zu stimulieren, werden außerdem gezielte Projekte umgesetzt: Die „Fachkräfteallianz Pflege“ bezieht sich auf Fachkräfte im Gesundheitsbereich. Als Teil des bundesweiten Projekts „THAMM Plus“ könnte der Kreis zudem künftig die Zuwanderung von Fachkräften aus Nordafrika für die Arbeit in lokalen Kindergärten fördern.

„Es geht nicht nur um Arbeit, sondern auch darum, sich in Deutschland zuhause zu fühlen.“
(Annika Abellán, Kreisverwaltung Pinneberg)

Mehr: Good practice presentation District of Pinneberg, Germany [pdf]

Ähnlich geht die Stadt München die Herausforderung an: Auch sie adressiert alle Phasen von Fachkräfteeinwanderung und bündelt dies in der Fachkräftestrategie des „Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ)“. „Was wir anbieten möchten, ist eine ganzheitliche Betreuung: Von der Vorbereitungsphase im Ausland über die Ankunft in München bis hin zu einer hoffentlich langfristigen Perspektive“, so Dr. Magdalena Ziolek-Skrzypczak aus dem Referat für Arbeit und Wirtschaft. Die Website „Make it in Munich“ macht Fachkräften bereits im Ausland Informationen und Beratung sowie – in Kooperation mit Partnern wie dem Goethe Institut – kostenlose Sprachkurse und IT-Fortbildungen zugänglich. Neu ist dabei die Stellenplattform „Münchner Jobbörse“, die die Sichtbarkeit von Münchner Unternehmen auf dem internationalen Arbeitsmarkt erhöht. In München angekommene Fachkräfte finden im „MBQ Munich Onboarding Hub“ einen zentralen One-Stop-Service zu allen arbeits- und lebensbezogenen Fragen. Angeboten wird unter anderem ein wöchentliches After-Work Open House, ein Unterstützungsprogramm für die Jobsuche und Bewerbungsphase und spezifische Unterstützung für migrantische Communities durch das Munich Global Village. Um Unternehmertum von Migrant*innen in München auch nachhaltig zu stärken, lobt die Stadt seit 2024 zudem den sogenannten „PhönixPreis“ aus. Dieser zeichnet erfolgreiche Unternehmensentwicklung, die Einrichtung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie Vielfalt in von Migrant*innen geführten Unternehmen aus.

Abbildung: Stadt München

Mehr: Präsentation – Welcome to the City of Munich [pdf]

Lokale Wirtschaftsentwicklung im Zusammenhang mit Migration ist auch ein Thema in kommunalen Partnerschaften. Beispielhaft stellten die Partnerstädte Mersin im Süden der Türkei und Oberhausen im Ruhrgebiet eine gemeinsam umgesetzte Studie aus dem Jahr 2024 vor. In beiden Kommunen bzw. ihren Ländern tragen Unternehmen von Menschen mit Migrationsgeschichte erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Besonders in der Türkei habe sich diese Entwicklung mit den Fluchtbewegungen der jüngeren Vergangenheit weiter verstärkt, so Elif Tanburoğlu aus Mersin. Ziel der Studie war es nun, die spezifischen Herausforderungen und Bedarfe migrantischer Unternehmer*innen genau zu skizzieren – gefolgt der Beobachtung, dass diese besonders in der Gründungsphase zu kämpfen haben und über schlechtere Zugänge zu Angeboten der Wirtschaftsförderung und Netzwerken verfügen.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie sind: Die Präsenz anderer migrantischer Communities und die Haltung der Aufnahmegesellschaft nehmen starken Einfluss auf die Entwicklung migrantischer Unternehmen. Migrantische Unternehmen in Oberhausen haben über die Jahrzehnte an Stabilität gewonnen. In Mersin beschleunigen vergleichsweise liberale Rahmenbedingungen die Gründung von Unternehmen.

Mehr: Migrant entreprenuership and municipal measures to support migrant start-ups and their impact on local economic structures [pdf]

Ein zweites Beispiel ist die Projektpartnerschaft zwischen Gharb Irbid in Jordanien und München. Gemeinsam arbeiten sie daran, kommunale Kapazitäten zur Stärkung von Frauen, jungen Menschen und Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt aufzubauen. Hierzu wurde in Gharb Irbid ein kommunales Unternehmen für die Produktion von Müllcontainern gegründet. Ein kommunales Existenzgründungszentrum für Frauen bietet Fortbildungen und Vermarktungsmöglichkeiten für handwerkliche Produkte an und bezieht dabei auch Migrantinnen ein. Besonders günstig erweist sich in München dabei die Tatsache, dass sowohl das Internationale Büro als auch der Bereich Kommunale Beschäftigungspolitik und Qualifizierung im Referat für Arbeit und Wirtschaft angesiedelt sind und damit grenzübergreifendes Denken und Wirtschaftsförderung leicht ineinanderfließen.

Abschließenden Arbeitsgruppen brachten die zentralen Erkenntnisse der Veranstaltung noch einmal auf den Punkt:

Kommunen, die sich neu des Themas Fachkräftemigration widmen, sollten klein anfangen: „Think big – start small!“, so die Empfehlung aus der Insight Session. Netzwerkarbeit ist ein Schlüssel. Ebenso durchdachte Informationsarbeit in Form von One-Stop-Lösungen. Angebote zur sozialen Integration sind essenziell: „Menschen bleiben nur, wenn sie mit ihrem gesamten Leben ankommen“, so eine Stimme aus der Veranstaltung. Zielführend ist eine enge Zusammenarbeit zwischen internationalen Büros und den Abteilungen für Wirtschaft. Und: internationaler Vergleich stimuliert. In Mersin etwa brauchen Migrant*innen nur rund drei Jahre, um ein Unternehmen aufzubauen, in Oberhausen sind es sieben.

Unternehmen sollten proaktiv auf die Anwerbung von ausländischen Fachkräften angesprochen und im Prozess begleitet werden, um Sorge vor bürokratischen Hürden zu nehmen.

Migrantisches Unternehmertum braucht Unterstützung. Die größten Herausforderungen liegen in Bürokratie, aufenthaltsrechtlichen Fragen und darin, langfristig zu bestehen. Migrantische Communities sind eine wichtige Ressource und sollten in die Angebote von Kommunalverwaltungen einbezogen werden. Dabei gilt: Integration in den Arbeitsmarkt ist ein wesentlicher Faktor für gesamtgesellschaftliche Integration – und auch umgekehrt.

Die Praxisbeispiele und die lebhafte Diskussion der Insight Session haben eindrucksvoll gezeigt, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.

 

Weiterführende Informationen

    • Fachkräfteallianz WE-Fair – Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung
      Die gemeinsame Initiative des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) und der deutschen Wirtschaft soll Fachkräftegewinnung transparent, fair und nachhaltig gestalten. Sie strebt einen „Triple Win“ an: für die Fachkräfte selbst, für die Herkunftsländer und für Deutschland als Wirtschaftsstandort.
      https://www.bmz.de/de/fachkraefteallianz-we-fair-288174
      https://www.bmz.de/resource/blob/288178/absichtserklaerung-fachkraefteallianz-we-fair.pdf
      https://www.linkedin.com/in/we-fair-fachkräfteallianz-4307803b4/
    • Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB):
      https://iab.de/publikationen/publikation/?id=14840245
      Das „International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa)“ ist eine neue längsschnittliche Online-Befragung, die ab 2024 belastbare Erkenntnisse zu Ursachen, Mustern und Auswirkungen der Mobilität von Migrant*innen erheben soll. In der ersten Befragung 2024 wurden ca. 50.000 Migrant*innen befragt.
    • App INTEGREAT
      INTEGREAT ist eine digitale Lösung für Kommunen und Bundesländer, um Migrant*innen und Geflüchteten Informationen niedrigschwellig und in mehreren Sprachen zugänglich zu machen. Für Nutzer*innen ist sie als mobile App verfügbar. Das Einpflegen von Informationen von Seiten der Kommunen ist ohne IT-Abteilung unkompliziert möglich.
      https://integreat.app/landing/de
    • Global Compact for Migration (GCM) / Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration
      Mit dem GCM hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2018 erstmals auf einen umfassenden Rahmen für eine verbesserte internationale Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Migration verständigt.
      https://www.iom.int/global-compact-migration
    • Deutsches Fachkräfteeinwanderungsgesetz
      Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz – in Kraft getreten am 1. März 2020 – schafft den Rahmen für eine gezielte und gesteigerte Zuwanderung qualifizierter oder auszubildender Fachkräfte oder Hochschulabsolvent*innen aus Drittstaaten (Nicht-EU-Länder). Es definiert den Fachkräftebegriff, soll formale und bürokratische Hürden reduzieren und Fachkräftemobilität insgesamt erleichtern.
      https://www.make-it-in-germany.com/de/visum-aufenthalt/fachkraefteeinwanderungsgesetz
    • David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern.
      Die Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auf, wie faire Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten auf nationaler, bilateraler und internationaler Ebene gestärkt werden kann.
      https://collections.fes.de/publikationen/download/pdf/1970256
    • Projekt THAMM Plus
      Das Projekt „Unterstützung regulärer Arbeitsmigration und -mobilität zwischen Nordafrika und Europa“ (THAMM Plus) fördert Fachkräftemigration aus den Ländern Ägypten, Marokko und Tunesien. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit in enger Kooperation mit den zuständigen staatlichen Institutionen in den Herkunftsländern umgesetzt.
      https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/projects-programs/crafts-technology-construction/thamm-plus/technik
    • Kreis Pinneberg: Handlungskonzept Integration 4.0
      Das Handlungskonzept setzt den Rahmen u.a. für eine umfassende und nachhaltige Fachkräftepolitik im Kreis Pinneberg.
      https://www.kreis-pinneberg.de/pinneberg_media/Dokumente/Fachdienst+22/22-35+Team+Integration/Handlungskonzept+Integration+4_0.pdf
    • Stadt München
      Die Stadt München verfügt über eine umfassende Fachkräftestrategie mit diversen Angeboten für alle Phasen von Fachkräfteeinwanderung.

Kommunale Wirtschaftsförderung durch Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum

Wie können Kommunalverwaltungen eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums in ihren Kommunen übernehmen?

Die interaktive Online-Veranstaltung von Connective Cities findet am 25. März 2026 von 10:00 -12:30 Uhr MEZ statt. Sie bringt deutsche und internationale kommunale Fachleute zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, aus praktischen Beispielen zu lernen und innovative Ansätze für kommunale Wirtschaftsförderung durch die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und migrantisches Unternehmertum zu diskutieren.

Die Teilnehmenden profitieren von Präsentationen und Diskussionen Guter Praktiken, anhand derer sie:

  • effektive kommunale Strategien zur Förderung einer erfolgreichen und fairen Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und migrantischen Unternehmertums kennenlernen,
  • das Bewusstsein für Problemstellungen und Chancen von Fachkräfteeinwanderung auf lokaler Ebene schärfen,
  • übertragbare Lösungen für unterschiedliche lokale Kontexte erleben und
  • darin gestärkt werden, kommunale Handlungsspielräume zu nutzen, um die lokale Wirtschaft durch Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum voranzubringen.

 

Die Veranstaltungssprache ist Englisch.

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich:

Zur Anmeldung 

Kontakt:

Nikola Krause
+49 228 20 717-2922
nikola.krause@engagement-global.de

Connective Cities Netzwerktreffen 2025

Sich updaten, aus der kommunalen Praxis berichten, Austausch pflegen – darum geht es beim jährlichen Netzwerktreffen von Connective Cities für die aktiven deutschen Akteur*innen. Auch in diesem Jahr fanden rund 30 Teilnehmer*innen den Weg nach Bonn und tauschten sich über Geschafftes, Geplantes und auch ein wenig über Visionäres aus.

Die Gruppe der Teilnehmer*innen war bunt gemischt. Mit dabei waren Connective-Cities-Erfahrene wie etwa Lidia Perico, Leiterin der Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die mit einer ganz konkreten Idee für einen thematischen Schwerpunkt anreiste. Oder auch Michael Leischner aus Dortmund, der als Mitglied des Steuerungskreises mit Blick auf das gesamte Programm teilnahm. „Ich bin schon gefühlte 100 Jahre bei Connective Cities und jetzt im Steuerungskreis. Für mich ist es wichtig zu sehen, was sich in den Kommunen tut und wie die Situation bezüglich internationaler Zusammenarbeit ist“ – so seine Motivation, kurz vor Jahresende zwei Tage zu investieren. Wiederum andere kamen zum Netzwerktreffen, um sich mit dem Angebot von Connective Cities grundsätzlich vertraut zu machen.

 

Links im Bild ist ein Banner von Connective Cities und mittig ein Infoscreen mit einem Schriftzug "Willkommen zum Connective Cities Netzwerktreffen 2025".
Foto: Connective Cities

Für diese vielfältigen Erwartungen gab es ein breites Programm:

Zunächst einmal standen das Sondieren und Einbringen von Themen im Mittelpunkt und damit die Gelegenheit für die Teilnehmer*innen, Themen aufzuzeigen, die in ihrer kommunalen Praxis relevant sind.

Hierzu stellte das Team der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und der GIZ zunächst die schon gereiften Pläne für das kommende Jahr vor: Seitens der GIZ werden in den Partnerregionen unter anderem die Renaturierung urbaner Räume sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaftsentwicklung als wichtige thematische Schwerpunkte verfolgt, neben weiteren inhaltlichen Feldern.  Für die Fokusregion Subsahara-Afrika stehen naturbasierte Lösungen und das wirtschaftliche Potenzial von grünem Wasserstoff im Mittelpunkt. Mit den Kommunen der Region Südosteuropa und Südkaukasus wird an urbaner Resilienz und der Sicherung kritischer Infrastruktur sowie an wirtschaftsfreundlicher Regionalentwicklung gearbeitet. In der Fokusregion Nahost und Nordafrika stehen Grüne Korridore zwischen Stadt und Umland, und das Thema Building Back Better – vor allem mit Blick auf Syrien und Gaza – auf dem Plan. Darüber hinaus werden die Themen aus vergangenen Lernprozessen in Alumni-Gruppen weitergeführt, um das generierte Wissen im Netzwerk zu verankern und den fachlichen Austausch nachhaltig aufrechtzuerhalten. Die Alumni-Gruppen arbeiten unter anderem zu den Themen Hitze in der Stadt, risiko-informierte Stadtentwicklung sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die SKEW ihrerseits wird für Lernprozesse in Deutschland die Schwerpunkte unter anderem auf Nachhaltige Mobilität und Wasserresilienz legen. Themenvorschläge für zwei weitere Lernprozesse in Deutschland können noch bis zum 8. Februar 2026 eingereicht werden.

Die entsprechenden Teilnahmeaufrufe wurden zum Teil bereits veröffentlicht oder werden Anfang 2026 im Newsletter, auf der Website und bei LinkedIn und Facebook erscheinen. Die Lernformate bleiben die bewährten: länger angelegte Lernprozesse über ein Jahr mit Auftakttreffen, Fachaustauschreisen und digitalem Austausch, Deep Dives in kleinen Gruppen über zwei Jahre hinweg sowie verschiedene agile Formate – offen für alle und auf akute Bedarfe zugeschnitten (Ad-hoc-Sessions, Insight-Sessions).

Themenschwerpunkte von Connective Cities

Im zweiten Schritt wurden Themen, zu denen sich die Kommunen und kommunalen Unternehmen weiteren Austausch wünschen, gesammelt und dabei auch die Themen aus dem aktuellen Themenspeicher von Connective Cities gewichtet. Die entstandene Pinnwand liest sich spannend und vielfältig: Katastrophenvorsorge, (Cyber-)Sicherheit und Resilienz, (legale) Migration und Integration, Stadtentwicklung und neue Stadtquartiere, Energieparks, Energie aus Biomasse, Entwässerung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Nachhaltigkeitskonzepte bei Großveranstaltungen, Start-ups und lokale Wirtschaftsförderung, Bildung und Bildungsmaterialien zu nachhaltiger Entwicklung, demografischer Wandel, inklusive Stadt, Umweltschutz in der Stadt, digitale Daseinsvorsorge, attraktive Innenstädte und noch weitere Themen sammelten sich dort. Auch Lidia Pericos Idee ist dort zu lesen. Ob dies ein Thema für Connective Cities werden wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht klar. Aber: „Wir wollten die Chance kurz vor Jahresende nutzen, um unsere Planung für 2026 in die Spur zu bringen, egal ob es jetzt im Format von Connective Cities klappt oder nicht. Wenn man von eigenen Ideen berichtet, entwickelt man diese ja im Kopf weiter und das ist immer ein Mehrwert“, so Pericos Bilanz.

Wie Lernprozesse im Rahmen von Connective Cities konkret aussehen können, zeigten zwei Beispiele aus vergangenen Lernzyklen.

Angelika Schweimnitz vom Institut für Schutz und Rettung der Kölner Feuerwehr stellte den Lernzyklus von Feuerwehren zu den Themen „Unterkünfte für Evakuierte und der Einsatz von Ehrenamtlichen“ vor. Für die Kölner Feuerwehr mündete dieser in einen intensiveren Austausch mit den Feuerwehren aus Makati und Quezon City auf den Philippinen, die laut Schweimnitz aufgrund der Vielzahl der dortigen Klimaereignisse eine weit höhere Einsatzdichte haben. Schweimnitzs Bilanz war dabei durchweg positiv: Beeindruckend sei die Nähe zwischen Rathaus und Bevölkerung gewesen sowie die Übersicht über die Stadt durch Kameraüberwachung. Die philippinischen Partner seien vor allem am Modell der freiwilligen Feuerwehr interessiert gewesen, die in Deutschland einen bedeutenden Anteil der Einsatzkräfte ausmacht. Der Austausch habe außerdem eine Vielzahl konkreter Ideen für die qualitätsvolle Unterbringung von Evakuierten hervorgebracht – vom Pop-up Zelt bis zum Intimitätsraum. „Es wurde einfach die Sprache der Instrumente gesprochen“, so ihre Beschreibung. Und: „Wir haben das Internationale und vernetztes Denken in der Katastrophenvorsorge in unsere Feuerwehr getragen.

Ein ähnlich positives Bild eines Connective Cities-Austauschs zeichnete Sven Robert Ganschow von der Stadtreinigung Hamburg. Trotz Hürden wie der Corona-Pandemie, Personalwechseln und grundsätzlich veränderten Rahmenbedingungen wie dem Kriegsbeginn in der Ukraine sei der internationale Austausch zu den Themen Integrierte Abfallwirtschaft und Kunststoffrecycling von hohem Nutzen und wertgeschätzt gewesen. Er habe dabei auch stets die politische Rückendeckung aus der eigenen Stadt gemerkt: „Ich spürte immer Verständnis dafür, dass die Probleme nicht im eigenen Land enden, sondern dass es wichtig ist, dass wir unser Wissen weitergeben“, so seine Erfahrung.

Teilnehmende des Netzwerktreffens | Foto: Connective Cities

Ein dritter Schwerpunkt des Netzwerktreffens war die kollegiale Beratung – zum einen, um diese als Kernmethode von Connective Cities vorzustellen, zum anderen, um den Luxus der versammelten Expertise zu nutzen. Einige Teilnehmer*innen brainstormten dabei zu der Frage, wie sich Kolleg*innen in der eigenen Kommune oder im eigenen kommunalen Unternehmen für die Teilnahme an einem Connective-Cities-Austausch gewinnen lassen. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich damit, wie die Umsetzung eines Projekts gelingen kann, auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit Bewilligung diametral verändert haben. Und auch das Team von Connective Cities selbst nutzte die Chance und fragte nach Strategien für eine erfolgreiche Ansprache kommunaler Expert*innen für die Aktivitäten des Vorhabens.  Alle Gruppen erwiesen sich als äußerst produktiv und machten die Idee von Connective Cities greifbar: Expertise zusammenbringen – die Vielfalt der Perspektiven nutzen – gemeinsam Lösungen generieren. Oder mit den Worten einer Teilnehmerin: „Es tut gut zu sehen, dass andere Kommunen ähnliche Herausforderungen haben und es oft schon Lösungen gibt. Man muss nicht alles neu anfangen.“

Und schließlich ging es beim Netzwerktreffen darum, was schon der Titel verrät: Kontakte knüpfen, sich zusammenschließen – Netzwerken eben. Die lebhaften Gespräche von der ersten Kaffeepause an ließen erahnen, dass dieses Ziel zufriedenstellend erreicht wurde. „Mein Impuls für den Heimweg ist auf jeden Fall, 2026 häufiger an solchen Netzwerktreffen teilzunehmen. Raus aus Berlin und in den Austausch gehen“, so noch einmal Lidia Perico aus Berlin.

 

„Ich bin wirklich begeistert vom Netzwerktreffen, weil ich das ganze System hinter Connective Cities noch einmal tiefer verstanden habe, obwohl wir schon zusammengearbeitet haben. Und dass man sich so stark mit eigenen Themen in das Programm einbringen kann, finde ich klasse.“

(Daniela Wiedenhaupt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin)