Teilnahmeaufruf – Global Green Sports: Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien für Sportgroßveranstaltungen

Große Sportereignisse begeistern Milliarden – und stehen zugleich im Zentrum der globalen Nachhaltigkeitsdebatte. Wie können Kommunen Sportgroßveranstaltungen so gestalten, dass sie ökologische, soziale und wirtschaftliche Mehrwerte schaffen? Welche Lösungen funktionieren bereits in der Praxis – und was lässt sich voneinander lernen?

In Berlin befasst man sich intensiv mit diesen Fragen und nun laden der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und die Senatsverwaltung für Inneres und Sport zusammen mit Connective Cities 5 weitere deutsche und 6 internationale Kommunen ein, sich in einer Dialogveranstaltung zu Nachhaltigkeitsstrategien für Sportgroßveranstaltungen – von der politischen Verankerung bis zur praktischen Umsetzung und begleitenden Bildungsarbeit – auszutauschen.

An wen richtet sich der Teilnahmeaufruf?

Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils 2 Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Veranstaltungsmanagement, Sport, Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) oder Ordnungsämtern.

Die Veranstaltungssprache ist Englisch. Reisekosten werden von Connective Cities übernommen.

Wie kann man teilnehmen?

Wenn Sie an der Dialogveranstaltung teilnehmen möchten, senden Sie uns bitte folgende Infos per E-Mail:

  • Angabe Ihrer Kommune oder Organisation (auch Hochschulen oder NROs) und Ihrer Funktion,
  • eine kurze Beschreibung eines Projekts Ihrer Kommune, das Sie den anderen Teilnehmenden als gute Praktik vorstellen möchten. Gerne können Sie auch eine lokale Herausforderung ergänzen, vor der Sie zurzeit stehen und zu der Sie sich mit den anderen kommunalen Fachleuten austauschen möchten.

Frist und Kontakt:

Eine Bewerbung ist weiterhin möglich. Bitte wenden Sie sich bei Interesse zeitnah an uns.

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung:

Nikola Krause, Projektkoordinatorin Connective Cities (nikola.krause@engagement-global.de); +49 (0)228 20717 2922 und connective-cities@engagement-global.de.

Weitere Informationen finden Sie im Teilnahmeaufruf (Download rechts).

Gründung, Innovation, Perspektiven für junge Menschen

Wie können Kommunen junge Menschen dabei unterstützen, erfolgreich Unternehmen zu gründen und damit zugleich lokale Entwicklung voranbringen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die internationale Connective Cities Dialogveranstaltung „Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für junge Menschen“, die vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Bremen stattfand. Rund 35 Fachleute aus 11 Kommunen und sieben Ländern kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Im Mittelpunkt standen die Chancen von Start-ups und Unternehmertum für Beschäftigung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Deutlich wurde dabei: Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen ähneln sich die Herausforderungen in vielen Kommunen weltweit. Junge Gründerinnen und Gründer benötigen Zugang zu Beratung, Netzwerken, Finanzierung, geeigneter Infrastruktur und praxisnaher Bildung. Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle als Vernetzerinnen, Förderinnen und Wegbereiterinnen funktionierender lokaler Gründungsökosysteme.

Die Teilnehmenden diskutieren in einem historischen Saal
Empfang der Teilnehmenden im Bremer Rathaus | Foto: Connective Cities

Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in erfolgreiche kommunale Ansätze aus Deutschland, Namibia, Nordmazedonien, Ruanda, Sambia, Serbien und Südafrika. Vorgestellt wurden unter anderem Gründerzentren, One-Stop-Shops für Beratungsleistungen, digitale Plattformen, Mentoring-Angebote sowie Programme zur Förderung von Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und jungen Menschen in ländlichen Regionen. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Lösungen, die jeweils auf die lokalen Herausforderungen zugeschnitten sind.

„Wir nutzen Storytelling und erzählen die Geschichten der Start-ups, so dass andere sehen: Das könnten auch meine Geschichte sein.“
(Oliver Götz, Gründungswerft e.V.)

Ein Beispiel aus dem Globalen Süden kam aus Windhoek in Namibia. Dort unterstützt das Bokamoso Entrepreneurial Centre junge Unternehmen mit günstiger Infrastruktur und Trainingsangeboten beim Eintritt in nationale und internationale Märkte. Inzwischen begleitet das Zentrum erfolgreich Unternehmen aus Bereichen wie Handwerk, Kreativwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Es fördert zudem gezielt Unternehmenskonzepte für Ressourceneffizienz und Recycling, die die Kreislaufwirtschaft in Windhoek stärken.

Aus Deutschland stellte Bremen sein eng vernetztes Start-up-Ökosystem vor, das Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenführt. Mit dem Starthaus Bremen & Bremerhaven verfügt die Stadt über eine zentrale Anlaufstelle, die Gründungsinteressierte bei Beratung, Vernetzung, Finanzierung und Förderung unterstützt. Zudem setzt Bremen auf eine frühe Sensibilisierung junger Menschen für Unternehmertum durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen.

Eine Frau aus Sambia steht vor einem Pinboard und erklärt mit viel Gestik ihr Projekt,
Projektvorstellung aus Choma, Sambia | Foto: Connective Cities

Die Verbindung von Bildung und Unternehmertum war ein zentrales Thema der Veranstaltung. Professor Dr. Jörg Freiling von der Universität Bremen betonte, dass junge Menschen heute Kompetenzen wie Kreativität, Eigeninitiative, Problemlösungskompetenz und unternehmerisches Denken benötigen, um in einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich zu sein. Universitäten, Schulen und Unternehmen müssten deshalb enger zusammenarbeiten und junge Menschen frühzeitig mit realen Herausforderungen und Innovationsprozessen in Kontakt bringen.

„Ich sage oft zu den Studierenden: Ihr seid die Innovator*innen in unserer Gesellschaft.“
Professor Dr. Jörg Freiling, Universität Bremen

In den Arbeitsgruppen und Peer-to-Peer-Beratungen wurden während der Dialogveranstaltung zahlreiche konkrete Lösungsansätze entwickelt. Diskutiert wurden unter anderem die stärkere Verzahnung von Bildung und Wirtschaft, neue Trainings- und Mentoringformate, mobile Beratungsangebote für abgelegene Regionen sowie Möglichkeiten, bürokratische Hürden für Gründerinnen und Gründer zu reduzieren.

Drei junge Leute stehen vor einer Tafel. Die Frau in der Mitte hält eine Karte hoch mit der Aufschrift: Bureaucratic barriers".
Vorstellung der Gruppenarbeit | Foto: Connective Cities

Die Vertreterinnen und Vertreter aus München brachten etwa Ideen ein, wie Gründer*innen mit Migrationsgeschichte besser unterstützt werden können. Dazu gehören mehrsprachige Informationen, Mentoring-Angebote zur Unterstützung im „Bürokratiedschungel“ sowie eine engere Zusammenarbeit mit Welcome Centern und anderen Beratungsstellen.

Aus eThekwini, Südafrika kam eine weitere viel beachtete Lösungsidee für abgelegene und ländliche Regionen. Die Teilnehmenden diskutierten sogenannte mobile Hubs – Fahrzeuge, die regelmäßig Beratung, Trainings, digitale Infrastruktur und Informationen zu Förderangeboten direkt in schwer erreichbare Gemeinden bringen. So können auch junge Menschen außerhalb größerer Städte Zugang zu wichtigen Unterstützungsangeboten erhalten.

Wir müssen junge Menschen dazu ermutigen, nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern, sondern auch Arbeitsplätze für ihre lokalen Gemeinschaften zu schaffen.“
Dumisani Nhlengethwa, eThekwini Municipality, Südafrika

Ergänzt wurde das Fachprogramm der Dialogveranstaltung durch Exkursionen in die Bremer und Bremerhavener Start-up-Landschaft. Besuche beim Starthaus Bremen & Bremerhaven, der hoi startup factory sowie weiteren lokalen Initiativen zeigten anschaulich, wie ein eng vernetztes Innovationsökosystem Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg unterstützen kann.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt eines neuen Connective Cities Lernprozesses. Weitere Online-Formate, Fachaustausche und eine Online-Abschlussveranstaltung werden die Zusammenarbeit der Kommunen in den kommenden Monaten fortsetzen. Das große Interesse und die intensive Diskussion machten deutlich, dass die Förderung von Unternehmertum junger Menschen weltweit als wichtiger Schlüssel für nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verstanden wird.

„Diese Veranstaltung hat mich in die Vogelperspektive gebracht. Es ist oft schwer, das Wichtige zu sehen, wenn man zu sehr in die Projekte involviert ist.“
Era Bektashi, Neumarkt i. d. Oberpfalz

 

Weitere Impressionen:

Fotos: Connective Cities

Text: Katrin Riß, text+welt

Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum für lokale Wirtschaftsentwicklung

Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.

Neben einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland bildeten Praxisbeispiele aus dem Kreis Pinneberg, Mersin (Türkei) und Oberhausen, München und Gharb Irbid (Jordanien) die Grundlage für eine tiefergehende Diskussion in Arbeitsgruppen. Dadurch zeigte sich eindrucksvoll, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.

Die zentralen Ergebnisse sind hier dokumentiert.

Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum für kommunale Wirtschaftsentwicklung

Migrationspolitik mag eine nationale Angelegenheit sein – ob jedoch gerade die wirtschaftliche Teilhabe gelingt, entscheidet sich maßgeblich auf der lokalen Ebene. Aus dieser Überzeugung heraus trafen sich circa 50 kommunale Expertinnen und Experten zu einer virtuellen Insight Session von Connective Cities. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und der Unterstützung migrantischen Unternehmertums einnehmen können.

In der Verwaltung die Schnittstelle von internationaler Zusammenarbeit und Wirtschaftsförderung erschließen. Abbildung: Slido-Abfrage während der Online-Veranstaltung

Die Situation im Groben: Regionen und Länder mit Fachkräftemangel, zumeist einkommensstarke Länder, stehen Regionen und Ländern mit einem Überschuss an (qualifizierten) Arbeitskräften, zumeist einkommensschwächere Länder, gegenüber. In Deutschland zeichnet sich bis 2028 eine Lücke von 768.000 Fachkräften ab.

Das Potenzial von Fachkräftemigration ist für alle Seiten groß – faire Bedingungen vorausgesetzt. Interessant sind dabei auch Unternehmensgründungen von Migrant*innen, aus denen sich wiederum Arbeitsplätze generieren. In zwei Dritteln der OECD-Länder zeigen Migrant*innen hierfür eine größere Bereitschaft als die nicht migrierte Bevölkerung.

Mehr: Thematic Framework [pdf]

Ermutigend ist eine Online-Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten in Deutschland aus dem Jahr 2024, die während der Insight Session vorgestellt wurde. Danach haben rund dreiviertel (73,3 Prozent) der befragten Migrant*innen in den vergangenen 12 Monaten nicht über Abwanderung nachgedacht und auch keine derartigen Pläne für die nächsten 12 Monaten. Wenn Fachkräfte planen abzuwandern, begründen sie dies zuvorderst mit den komplexen bürokratischen Prozessen, der Steuerlast und der allgemeinen ökonomischen Situation in Deutschland. 47 Prozent würden dann in ihr Herkunftsland zurückziehen, 53 Prozent in ein anderes Land weiterwandern, darunter vor allem die Schweiz, andere europäische Länder und die USA.

„Deutschland als Zwischenstation?“ Dr. Lukas Olbrich vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtete aus einer Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten. Abbildung: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Mehr:  Germany as a Stopover? IAB [pdf]

Die Verantwortung für migrationspolitische Weichenstellungen – auch in Bezug auf Fachkräfteeinwanderung – liegt in erster Linie bei den einzelnen Staaten. Auf internationaler Ebene bildet auch der „Global Compact for Migration“ der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018 den politischen Rahmen für die Einwanderung von Fachkräften Die Mitgliedstaaten beteuern hier ihr Interesse, Bedingungen für Migrant*innen zu verbessern – wenn auch nicht rechtlich bindend. In Deutschland gilt zudem das 2019 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das die Einwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten regelt und erleichtern soll. Ganz frisch zum Thema gibt es seit März 2026 die Fachkräfteallianz „WE-Fair – Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In dieser arbeiten Wirtschafts- und entwicklungspolitische Akteure gemeinsam daran, faire Rekrutierung und qualifizierte Einwanderung voranzubringen.

Vier Kommunen präsentierten bei der Insight Session, wie sie Fachkräfteeinwanderung und migrantisches Unternehmertum bei sich koordinieren.

Annika Abellán aus der Kreisverwaltung Pinneberg zeigte zunächst die Vielfalt der Akteure auf, die in den Prozess der Fachkräfteeinwanderung eingebunden sind und machte damit die Komplexität deutlich. Im Zentrum stehen immer die einwandernde Fachkraft und das arbeitgebende Unternehmen. Noch im Herkunftsland sind zudem die deutsche Botschaft, die Bundesagentur für Arbeit sowie die örtlichen Ausländerbehörden eingebunden. Für die weitere Vorbereitung (und später auch in Deutschland) kommen Anbieter von Sprachkursen und interkulturellen Trainings sowie Institutionen zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen ins Spiel. Für den Aufbau eines Lebens in Deutschland schließlich sind Akteure wie Wohnungsanbieter, Meldebehörden, Krankenversicherungen, Steuerbehörden sowie – je nach Einzelfall – Bezugseinrichtungen für Familienangehörige wie Kindertagesstätten und Schulen relevant.

Mit jeder dieser Stellen geht eine Fülle an Informationsbedarf einher, weswegen der Kreis Pinneberg als zentrale Dienstleistung Orientierung anbietet. „Unser Ziel ist einfach, aber ehrgeizig: Informationen dort zu teilen, wo sie gebraucht werden und die richtigen Leute zusammenzubringen“, erläuterte Annika Abellán. Wichtiges Instrument ist die auch für andere Kommunen verfügbare App „Integreat“, in der das fünfköpfige Team – zusammengesetzt aus verschiedenen Abteilungen der Kreisverwaltung – alle Informationen für Fachkräfte gebündelt zugänglich macht. Zudem werden Informationen über einen speziellen Newsletter, gezielte Mailings, das Online-Portal des Kreises sowie Social Media und die lokale Presse geteilt. Darüber hinaus leistet der Kreis regionale und überregionale Netzwerkarbeit und bringt die Akteure auch zu verschiedenen Fokusthemen zusammen, so etwa zum Thema Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Um Fachkräfteeinwanderung zu stimulieren, werden außerdem gezielte Projekte umgesetzt: Die „Fachkräfteallianz Pflege“ bezieht sich auf Fachkräfte im Gesundheitsbereich. Als Teil des bundesweiten Projekts „THAMM Plus“ könnte der Kreis zudem künftig die Zuwanderung von Fachkräften aus Nordafrika für die Arbeit in lokalen Kindergärten fördern.

„Es geht nicht nur um Arbeit, sondern auch darum, sich in Deutschland zuhause zu fühlen.“
(Annika Abellán, Kreisverwaltung Pinneberg)

Mehr: Good practice presentation District of Pinneberg, Germany [pdf]

Ähnlich geht die Stadt München die Herausforderung an: Auch sie adressiert alle Phasen von Fachkräfteeinwanderung und bündelt dies in der Fachkräftestrategie des „Münchner Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramms (MBQ)“. „Was wir anbieten möchten, ist eine ganzheitliche Betreuung: Von der Vorbereitungsphase im Ausland über die Ankunft in München bis hin zu einer hoffentlich langfristigen Perspektive“, so Dr. Magdalena Ziolek-Skrzypczak aus dem Referat für Arbeit und Wirtschaft. Die Website „Make it in Munich“ macht Fachkräften bereits im Ausland Informationen und Beratung sowie – in Kooperation mit Partnern wie dem Goethe Institut – kostenlose Sprachkurse und IT-Fortbildungen zugänglich. Neu ist dabei die Stellenplattform „Münchner Jobbörse“, die die Sichtbarkeit von Münchner Unternehmen auf dem internationalen Arbeitsmarkt erhöht. In München angekommene Fachkräfte finden im „MBQ Munich Onboarding Hub“ einen zentralen One-Stop-Service zu allen arbeits- und lebensbezogenen Fragen. Angeboten wird unter anderem ein wöchentliches After-Work Open House, ein Unterstützungsprogramm für die Jobsuche und Bewerbungsphase und spezifische Unterstützung für migrantische Communities durch das Munich Global Village. Um Unternehmertum von Migrant*innen in München auch nachhaltig zu stärken, lobt die Stadt seit 2024 zudem den sogenannten „PhönixPreis“ aus. Dieser zeichnet erfolgreiche Unternehmensentwicklung, die Einrichtung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie Vielfalt in von Migrant*innen geführten Unternehmen aus.

Abbildung: Stadt München

Mehr: Präsentation – Welcome to the City of Munich [pdf]

Lokale Wirtschaftsentwicklung im Zusammenhang mit Migration ist auch ein Thema in kommunalen Partnerschaften. Beispielhaft stellten die Partnerstädte Mersin im Süden der Türkei und Oberhausen im Ruhrgebiet eine gemeinsam umgesetzte Studie aus dem Jahr 2024 vor. In beiden Kommunen bzw. ihren Ländern tragen Unternehmen von Menschen mit Migrationsgeschichte erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei. Besonders in der Türkei habe sich diese Entwicklung mit den Fluchtbewegungen der jüngeren Vergangenheit weiter verstärkt, so Elif Tanburoğlu aus Mersin. Ziel der Studie war es nun, die spezifischen Herausforderungen und Bedarfe migrantischer Unternehmer*innen genau zu skizzieren – gefolgt der Beobachtung, dass diese besonders in der Gründungsphase zu kämpfen haben und über schlechtere Zugänge zu Angeboten der Wirtschaftsförderung und Netzwerken verfügen.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie sind: Die Präsenz anderer migrantischer Communities und die Haltung der Aufnahmegesellschaft nehmen starken Einfluss auf die Entwicklung migrantischer Unternehmen. Migrantische Unternehmen in Oberhausen haben über die Jahrzehnte an Stabilität gewonnen. In Mersin beschleunigen vergleichsweise liberale Rahmenbedingungen die Gründung von Unternehmen.

Mehr: Migrant entreprenuership and municipal measures to support migrant start-ups and their impact on local economic structures [pdf]

Ein zweites Beispiel ist die Projektpartnerschaft zwischen Gharb Irbid in Jordanien und München. Gemeinsam arbeiten sie daran, kommunale Kapazitäten zur Stärkung von Frauen, jungen Menschen und Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt aufzubauen. Hierzu wurde in Gharb Irbid ein kommunales Unternehmen für die Produktion von Müllcontainern gegründet. Ein kommunales Existenzgründungszentrum für Frauen bietet Fortbildungen und Vermarktungsmöglichkeiten für handwerkliche Produkte an und bezieht dabei auch Migrantinnen ein. Besonders günstig erweist sich in München dabei die Tatsache, dass sowohl das Internationale Büro als auch der Bereich Kommunale Beschäftigungspolitik und Qualifizierung im Referat für Arbeit und Wirtschaft angesiedelt sind und damit grenzübergreifendes Denken und Wirtschaftsförderung leicht ineinanderfließen.

Abschließenden Arbeitsgruppen brachten die zentralen Erkenntnisse der Veranstaltung noch einmal auf den Punkt:

Kommunen, die sich neu des Themas Fachkräftemigration widmen, sollten klein anfangen: „Think big – start small!“, so die Empfehlung aus der Insight Session. Netzwerkarbeit ist ein Schlüssel. Ebenso durchdachte Informationsarbeit in Form von One-Stop-Lösungen. Angebote zur sozialen Integration sind essenziell: „Menschen bleiben nur, wenn sie mit ihrem gesamten Leben ankommen“, so eine Stimme aus der Veranstaltung. Zielführend ist eine enge Zusammenarbeit zwischen internationalen Büros und den Abteilungen für Wirtschaft. Und: internationaler Vergleich stimuliert. In Mersin etwa brauchen Migrant*innen nur rund drei Jahre, um ein Unternehmen aufzubauen, in Oberhausen sind es sieben.

Unternehmen sollten proaktiv auf die Anwerbung von ausländischen Fachkräften angesprochen und im Prozess begleitet werden, um Sorge vor bürokratischen Hürden zu nehmen.

Migrantisches Unternehmertum braucht Unterstützung. Die größten Herausforderungen liegen in Bürokratie, aufenthaltsrechtlichen Fragen und darin, langfristig zu bestehen. Migrantische Communities sind eine wichtige Ressource und sollten in die Angebote von Kommunalverwaltungen einbezogen werden. Dabei gilt: Integration in den Arbeitsmarkt ist ein wesentlicher Faktor für gesamtgesellschaftliche Integration – und auch umgekehrt.

Die Praxisbeispiele und die lebhafte Diskussion der Insight Session haben eindrucksvoll gezeigt, dass Kommunen eine entscheidende Rolle einnehmen können, damit sich das wirtschaftliche Potenzial von Migration auf lokaler Ebene entfalten kann.

 

Weiterführende Informationen

    • Fachkräfteallianz WE-Fair – Wirtschaft und Entwicklungspolitik für faire Fachkräftegewinnung
      Die gemeinsame Initiative des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) und der deutschen Wirtschaft soll Fachkräftegewinnung transparent, fair und nachhaltig gestalten. Sie strebt einen „Triple Win“ an: für die Fachkräfte selbst, für die Herkunftsländer und für Deutschland als Wirtschaftsstandort.
      https://www.bmz.de/de/fachkraefteallianz-we-fair-288174
      https://www.bmz.de/resource/blob/288178/absichtserklaerung-fachkraefteallianz-we-fair.pdf
      https://www.linkedin.com/in/we-fair-fachkräfteallianz-4307803b4/
    • Studie über Rückkehr- und Weiterwanderungsabsichten von Eingewanderten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB):
      https://iab.de/publikationen/publikation/?id=14840245
      Das „International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa)“ ist eine neue längsschnittliche Online-Befragung, die ab 2024 belastbare Erkenntnisse zu Ursachen, Mustern und Auswirkungen der Mobilität von Migrant*innen erheben soll. In der ersten Befragung 2024 wurden ca. 50.000 Migrant*innen befragt.
    • App INTEGREAT
      INTEGREAT ist eine digitale Lösung für Kommunen und Bundesländer, um Migrant*innen und Geflüchteten Informationen niedrigschwellig und in mehreren Sprachen zugänglich zu machen. Für Nutzer*innen ist sie als mobile App verfügbar. Das Einpflegen von Informationen von Seiten der Kommunen ist ohne IT-Abteilung unkompliziert möglich.
      https://integreat.app/landing/de
    • Global Compact for Migration (GCM) / Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration
      Mit dem GCM hat sich die internationale Staatengemeinschaft 2018 erstmals auf einen umfassenden Rahmen für eine verbesserte internationale Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Migration verständigt.
      https://www.iom.int/global-compact-migration
    • Deutsches Fachkräfteeinwanderungsgesetz
      Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz – in Kraft getreten am 1. März 2020 – schafft den Rahmen für eine gezielte und gesteigerte Zuwanderung qualifizierter oder auszubildender Fachkräfte oder Hochschulabsolvent*innen aus Drittstaaten (Nicht-EU-Länder). Es definiert den Fachkräftebegriff, soll formale und bürokratische Hürden reduzieren und Fachkräftemobilität insgesamt erleichtern.
      https://www.make-it-in-germany.com/de/visum-aufenthalt/fachkraefteeinwanderungsgesetz
    • David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern.
      Die Publikation der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auf, wie faire Rekrutierung von Fachkräften aus Drittstaaten auf nationaler, bilateraler und internationaler Ebene gestärkt werden kann.
      https://collections.fes.de/publikationen/download/pdf/1970256
    • Projekt THAMM Plus
      Das Projekt „Unterstützung regulärer Arbeitsmigration und -mobilität zwischen Nordafrika und Europa“ (THAMM Plus) fördert Fachkräftemigration aus den Ländern Ägypten, Marokko und Tunesien. Es wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit in enger Kooperation mit den zuständigen staatlichen Institutionen in den Herkunftsländern umgesetzt.
      https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/projects-programs/crafts-technology-construction/thamm-plus/technik
    • Kreis Pinneberg: Handlungskonzept Integration 4.0
      Das Handlungskonzept setzt den Rahmen u.a. für eine umfassende und nachhaltige Fachkräftepolitik im Kreis Pinneberg.
      https://www.kreis-pinneberg.de/pinneberg_media/Dokumente/Fachdienst+22/22-35+Team+Integration/Handlungskonzept+Integration+4_0.pdf
    • Stadt München
      Die Stadt München verfügt über eine umfassende Fachkräftestrategie mit diversen Angeboten für alle Phasen von Fachkräfteeinwanderung.

Grüner Wasserstoff für die lokale Wirtschaftsentwicklung

Grüner Wasserstoff gewinnt weltweit rasch an Bedeutung als wichtiger Energieträger der Zukunft. Obwohl sich die aktuelle Diskussion vor allem auf die Wasserstoffproduktion und ihr Exportpotenzial konzentriert, bietet der inländische Verbrauch von grünem Wasserstoff ebenso bedeutende Chancen für die lokale Wirtschaftsentwicklung – durch die Stärkung der kommunalen Infrastruktur, die Schaffung qualifizierter Arbeitsplätze und die Förderung neuer wirtschaftlicher Aktivitäten entlang verschiedener Wertschöpfungsketten. Für viele afrikanische Länder bieten die reichlich vorhandenen Solar- und Windressourcen den Städten einen einzigartigen Vorteil, da sie sie nicht nur zu Innovationszentren, sondern auch zu Zentren für Technologietransfer, Arbeitskräfteausbildung und industrielle Diversifizierung machen. Durch die Integration der nachhaltigen Nutzung von grünem Wasserstoff in die Stadtplanung können Kommunen die Energiesicherheit verbessern, langfristige Investitionen anziehen und widerstandsfähigere, klimafreundlichere lokale Wirtschaftssysteme aufbauen – und so letztlich zu wichtigen Triebkräften für den globalen Übergang zu sauberer Energie werden.

Gruppenfoto der Teilnehmenden vor dem Konferenzgebäude
Die Teilnehmenden der Konferenz | Foto: Connective Cities

Um den Austausch bewährter Verfahren zu fördern und die Strategieentwicklung zwischen afrikanischen und deutschen Städten zu beschleunigen, veranstaltete Connective Cities vom 25. bis 27. November 2025 in Mombasa seinen zweiten Workshop zum Thema „Erforschung des Potenzials der grünen Wende für die lokale Wirtschaftsentwicklung”. Vertreterinnen und Vertreter aus Mauretanien, Kenia, Südafrika und Deutschland nahmen daran teil. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung standen unter anderem die Verbesserung der technologischen Voraussetzung für die Produktion von grünem Wasserstoff, die Bewältigung lokaler Herausforderungen bei der Umsetzung und die Stärkung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit. In den Diskussionen wurde außerdem betont, wie wichtig es ist, Universitäten, Forschungseinrichtungen und Start-ups als wichtige Triebkräfte für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Innovation einzubeziehen und zu integrieren.

Die Stadt Nakuru in Kenia stellte ihre Benchmark-Strategie vor, mit der sie sich als vorbildliche grüne Stadt und führender Standort für die Produktion von grünem Dünger im Blumenzuchtsektor positionieren will, um die Importabhängigkeit zu verringern und die Entstehung neuer grüner Industrien zu fördern. Dank ihrer Nähe zu den geothermischen Quellen des Rift Valley ist Nakuru gut positioniert für die kostengünstige Produktion von grünem Wasserstoff. Die Stadt möchte Pilotprojekte, angewandte Forschungsinitiativen sowie lokale und internationale Start-ups anziehen, die entlang der Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff tätig sind, und damit ihre langfristige Vision als regionales Zentrum für saubere Energie und Innovation stärken.

Neun Personen auf einer Terasse im Hafengelände von Mombasa
Feldbesuch im Hafen von Mobasa | Foto: Connective Cities

Kenia hat eine nationale Strategie für grünen Wasserstoff verabschiedet und beteiligt sich an regionalen afrikanischen Wasserstoffinitiativen. Mombasa hat als wichtige Hafenstadt strategische Bedeutung für die Exportlogistik und die Ansiedlung von Küstenprojekten. Während sich die frühen nationalen Aktivitäten auf Potenzialanalysen und Pilotstandorte konzentrierten, werden Küstenstandorte wie Mombasa zunehmend als Drehscheiben für Logistik, exportorientierte Wasserstoffproduktion und Küstenprojekte im Bereich erneuerbare Energien angesehen. Die Stadt möchte nun ihre strategische Lage nutzen, um sich als globaler Akteur in der wasserstoffbetriebenen Logistik zu etablieren und den Hafen zu einem Logistikcluster zu entwickeln, der innovative lokale und internationale Investitionen anzieht und von qualifizierten Arbeitskräften unterstützt wird.

In Südafrika ist die Region Waterberg in Limpopo Teil des nationalen „Hydrogen Valley“, das sich über Limpopo, Gauteng und KwaZulu-Natal erstreckt. Der Bergbau und die Industrie im Korridor Waterberg–Mokopane werden in die Wertschöpfungsketten für Wasserstoff und Platinmetalle integriert. Jüngste Machbarkeitsstudien und nationale Planungen für grünen Wasserstoff haben die Region für Investoren zunehmend attraktiv gemacht. Die lokale Entwicklungsvision sieht vor, die Erzeugung erneuerbarer Energien mit dem Bergbau und nachgelagerten Anwendungen für grünen Wasserstoff und grünes Ammoniak zu verbinden. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Dekarbonisierung der Industrie und neue Exportmöglichkeiten mit der Schaffung lokaler Arbeitsplätze und Investitionen zu verknüpfen. Waterberg strebt außerdem eine verstärkte Zusammenarbeit mit Universitäten an, indem lokale und internationale Forschungspartnerschaften gefördert werden, um Pilotprojekte anzustoßen und grüne Start-ups in aufstrebenden Wertschöpfungsketten zu fördern.

Aufgrund seiner außergewöhnlichen Wind- und Solarressourcen sowie seiner günstigen Exportlage gegenüber Europa hat sich Mauretanien zu einem Land mit hohem Potenzial für grünen Wasserstoff entwickelt. Es wurden bereits mehrere groß angelegte, exportorientierte Wasserstoff- und Ammoniakprojekte angekündigt oder befinden sich in der Entwicklung. Die nationale Strategie legt zwar den Schwerpunkt auf die exportorientierte Produktion von grünem Wasserstoff, betont aber auch die Nutzung erneuerbarer Energien zur Unterstützung der heimischen Stromnetze und Industrie. Während die nationalen Projekte voranschreiten, sehen sich die Gemeinden innerhalb von Nouakchott, insbesondere Sebkha und Ksar, jedoch weiterhin mit hohen Stromkosten, Umweltverschmutzung, begrenzter Infrastruktur und dem Fehlen klarer kommunaler Wasserstoffstrategien konfrontiert. Sie wollen nicht nur Wasserstoffprojekte beherbergen, sondern sich auch sinnvoll an der Gestaltung einer gerechten, gemeinschaftsorientierten Wertschöpfung innerhalb der aufstrebenden grünen Wasserstoffwirtschaft Mauretaniens beteiligen. Die Stadt Nouakchott möchte sich durch ihre Partnerschaften mit dem privaten Sektor und internationalen Partnern nun als aktiver Akteur in diesem Wandel positionieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Modernisierung der städtischen Dienstleistungen, der Stärkung der Regierungsführung und dem Aufbau lokaler Kapazitäten im privaten Sektor, um letztendlich zu einem regionalen Zentrum für grüne Stadtentwicklung, Logistik und Industrieunternehmen im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff zu werden.

Die teilnehmenden deutschen Städte tauschten sich auch über wichtige Erkenntnisse und Neuigkeiten zu ihren aktuellen Initiativen aus. Karlsruhe stellte seinen Wasserstoff-Hub rund um die Rheinhäfen (H2iPortKA) und sein starkes Forschungsökosystem in Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Institut für Technologie und den Fraunhofer-Instituten vor. Besonders hervorzuheben ist das dynamische Umfeld für Start-ups und Spin-offs, das zeigt, wie die grüne Wende neue Arbeitsplätze und Investitionen für eine ganze Region schaffen kann.

Heilbronn, bekannt als Zentrum für Technologie und Wasserstoffinnovation innerhalb der deutschen Automobil- und Maschinenbaucluster, will mit grünem Wasserstoff seine industrielle Basis diversifizieren, die Qualifikationen der Arbeitskräfte verbessern und forschungsorientierte Unternehmen in der Region ansiedeln. Die Universität Heilbronn und nahegelegene Fraunhofer-Initiativen bauen Zentren für angewandte Forschung und Innovation aus – darunter auch solche, die sich auf Wasserstofftechnologien konzentrieren – und nutzen dabei ihre starken Verbindungen zur Industrie für Pilotprojekte und die Entwicklung von Kompetenzen.

Zehn der Teilnehmenden stehen auf einer Terrasse im Hafen von Mombasa
Feldbesuch im Hafen von Mombasa | Foto: Connective Cities

Der Workshop unterstrich die enormen Chancen, die sich rund um die Produktion von grünem Wasserstoff in Regionen mit reichlich vorhandenen erneuerbaren Energiequellen ergeben. Allerdings werden Städte und Regionen, in denen diese neuen Industrien angesiedelt sind, in nationalen Strategien, die hochkarätige Investitionen und Exportambitionen in den Vordergrund stellen, oft übersehen. Viele Kommunen sind sich nach wie vor unsicher, wie sie und ihre Bevölkerung direkt an diesen Entwicklungen teilhaben können. Es bestehen weiterhin erhebliche technologische und institutionelle Lücken und es ergeben sich nicht automatisch Synergien zwischen internationalen Hightech-Initiativen und lokalen Gegebenheiten. Infolgedessen suchen Kommunen zunehmend nach Modellen, internationalen Erfahrungen, Fachwissen und Partnerschaften, um ihre Kapazitäten zu stärken und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Diese Bedingungen ermöglichen eine prosperierende, innovative und gerechte lokale Wirtschaft, von der Nationen, Investoren und Gemeinden gleichermaßen profitieren, während gleichzeitig der technologische Fortschritt vorangetrieben wird.

Das Potenzial der grünen Transformation für die lokale Wirtschaftsentwicklung erschließen

Afrikanische und deutsche Städte treiben eine gemeinsame Vision für eine gerechte, klimafreundliche Wasserstoffzukunft voran.

Städte in Afrika und Europa verstärken ihre Rolle als Vorreiter der globalen grünen Transformation und treiben Innovation, Investitionen und Klimaresilienz von Grund auf voran. Nach dem erfolgreichen Start der Arbeitsgruppe „Hydrogen Cities“ Anfang dieses Jahres in Naivasha, Kenia, wird Connective Cities vom 24. bis 27. November 2025 in Mombasa, Kenia, den zweiten Peer-Learning-Workshop veranstalten.

Diese Leitveranstaltung bringt Stadtverantwortliche, Praktiker*innen, Brancheninnovator*innen, Forscher*innen und Entwicklungspartner zusammen, um kommunale Wasserstoffstrategien auszuweiten und neue Wege für eine grüne Industrialisierung, integratives Wachstum und einen gerechten Übergang auf lokaler Ebene zu erschließen.

Von Naivasha nach Mombasa: Ideen in Wirkung umsetzen

Der erste Workshop in Naivasha brachte über 30 Vertreter*innen von Kommunen und technische Fachleute zusammen, um zu erörtern, wie Städte die aufkommende grüne Wasserstoffwirtschaft in der lokalen Wertschöpfung und der Schaffung von Arbeitsplätzen verankern können. Dabei wurde die Rolle von Wasserstoff nicht nur als Träger sauberer Energie, sondern auch als Katalysator für klimaneutrale industrielle Ökosysteme, die Entwicklung von Kompetenzen und eine innovationsgetriebene städtische Transformation hervorgehoben.

Fallstudien zeigten, wie sich Kommunen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette positionieren – von der Produktion und Speicherung bis hin zu Endanwendungen in den Bereichen Mobilität, Fertigung und Hafenlogistik. Die Beispiele reichten von den sich entwickelnden Wasserstoffzentren in Namibia bis hin zu den Regionen Heilbronn und Karlsruhe in Deutschland, wo lokale Behörden Innovationscluster, F&E-Partnerschaften und Marktverbindungen für den Einsatz von Wasserstoff aufbauen.

Ein Experte steht neben einer Leinwand, auf der eine Powerpoint-Präsentation gezeigt wird.
Fachvortrag im Rahmen des Treffens in Naivasha | Foto: Connective Cities

Die Teilnehmenden betonten auch die Bedeutung einer integrierten Stadtverwaltung – die Raumplanung, transparente Landbewirtschaftung und eine starke Einbindung der Interessengruppen kombiniert –, um sicherzustellen, dass Wasserstoffprojekte greifbare Vorteile für die Gemeinschaft bringen.

Zu den wichtigsten key takeaways aus Naivasha gehörten:

  • Kommunale Führung als treibende Kraft für Innovation, Investitionen und politische Abstimmung.
  • Lokale Wertschöpfung durch die Beteiligung von KMU, Qualifizierungsmaßnahmen und grünes Unternehmertum.
  • Institutionelle Kapazitäten und Humankapital als Voraussetzungen für die Wasserstoffbereitschaft.
  • Peer-to-Peer-Zusammenarbeit als Katalysator für die Skalierung von Lösungen und den Wissenstransfer.

 

Seit Naivasha haben die Städte ihre Projektkonzepte aktiv weiterentwickelt, regionenübergreifende Partnerschaften geschlossen und bankfähige Einstiegspunkte identifiziert, um ihre Agenda für die ökologische Transformation voranzutreiben.

Grüner Wasserstoff: Energie für eine nachhaltige, inklusive urbane Zukunft

Das enorme Solar- und Windpotenzial Afrikas macht seine Städte zu einem Zentrum der globalen Transformation hin zu sauberer Energie. Grüner Wasserstoff – und seine Derivate wie grünes Ammoniak und E-Methanol – bieten eine einmalige Chance für eine kohlenstoffarme Industrialisierung, Klimaresilienz und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft.

Für die Kommunen bedeutet dieser Wandel:

  • Entwicklung von Innovationsclustern und Wasserstoffkorridoren, die private Investitionen anziehen.
  • Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien und intelligenter städtischer Netze.
  • Verbesserung der Wasserversorgungssicherheit und ressourceneffizienter Technologien wie Entsalzung und Wiederverwendung von Abwasser.
  • Schaffung grüner Arbeitsplätze in den Bereichen Ingenieurwesen, Bauwesen, Logistik und Forschung.
  • Förderung von Start-ups, Inkubatoren und Technologiepartnerschaften.
  • Aufbau von Qualifikationspipelines, die auf die zukünftigen Wasserstoffmärkte abgestimmt sind.

Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen – von Infrastrukturdefiziten und komplexen Vorschriften bis hin zu Finanzierungsengpässen und lokaler Eigenverantwortung. Die Arbeitsgruppe „Wasserstoffstädte“ bietet eine Kooperationsplattform, auf der Städte gemeinsam Lösungen entwickeln, Investitionsrisiken mindern und sicherstellen können, dass der grüne Wandel inklusiv, gerecht und lokal verankert bleibt.

Was Sie in Mombasa erwartet: Skalierung und Vertiefung

Der bevorstehende Workshop in Mombasa markiert einen entscheidenden Wandel von der strategischen Vision zur Operationalisierung und Projektumsetzung. An drei Tagen werden die Teilnehmenden:

  • Projektfortschritte präsentieren und Konzepte durch strukturierte Peer-Reviews und Coaching verfeinern.
  • an interaktiven Sitzungen zu Landnutzung, Wasser-Energie-Nexus und der Gestaltung von Industrieclustern teilnehmen
  • innovative Finanzierungsinstrumente, darunter Blended Finance und PPP-Modelle, erkunden.
  • an praktischen Peer-Coaching-Seminaren teilnehmen, um die Projektreife voranzutreiben.
  • sich mit internationalen Experten über politische Rahmenbedingungen, Investitionspipelines und Marktintegration austauschen.
  • an einer Besichtigung des Hafens von Mombasa und der Sonderwirtschaftszone teilnehmen, um reale Möglichkeiten für grüne Wasserstoffanwendungen zu identifizieren.

Die Veranstaltung umfasst Keynotes von Führungskräften aus Regierung und Privatwirtschaft, Expertenrunden und Networking-Sessions zur Stärkung der Partnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Kommunen.

Zu den bereits bestätigten Teilnehmenden gehören Städte wie Mombasa, Naivasha, Lüderitz, Arandis, Nouakchott, Waterberg District, Hamburg, Karlsruhe, Heilbronn und Freudenstadt, die eine wachsende Allianz von Kommunen bilden, die sich für dezentrale, klimafreundliche Wasserstoff-Ökosysteme einsetzen.

Ausblick: Städte als Katalysatoren einer gerechten grünen Wirtschaft

Angesichts des globalen Wandels in der Energielandschaft werden Städte, die heute entschlossen handeln, zu den Motoren des grünen Wohlstands von morgen. Der Workshop in Mombasa ist ein weiterer Meilenstein, um Kommunen zu befähigen, die wasserstoffbasierte Transformation der Städte voranzutreiben – und damit Klimaschutz, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und soziale Inklusion gleichermaßen zu fördern.

Durch die Arbeitsgruppe „Hydrogen Cities“ baut Connective Cities weiterhin Brücken zwischen Kontinenten, verbindet Fachwissen und setzt Ambitionen in die Tat um – damit die Wasserstoffrevolution zu einer nachhaltigen, lokal verankerten und zukunftsfähigen städtischen Wirtschaft führt.

Von Naivasha bis Mombasa zeigen Städte, dass der grüne Wandel lokal beginnt – und sich global ausbreitet.

Das Haus der Statistik

Autorin: Dr. Susanne Reiff

Herausgeber: Connective Cities

Auf dem großen Areal des früheren Hauses der Statistik im Zentrum Berlins entsteht ein neues Quartier für Verwaltung, Wohnen, Soziales und Kultur. Eine zivilgesellschaftliche Initiative hatte den Abriss des Bestandsgebäudes aus den 1960er-Jahren verhindert und erarbeitete gemeinsam mit der Verwaltung und anderen Akteuren das Konzept für die Umnutzung – ein Leuchtturm für alternative Wege der Stadtentwicklung.

4 Seiten

Erscheinungsjahr: 2025

Würdigung der dezentralisierten Zusammenarbeit und des Kulturerbe-basierten Tourismus

Am 20. März, anlässlich des Internationalen Tages des Glücks, veranstaltete Connective Cities eine aufschlussreiche Sitzung, die die transformative Kraft dezentraler Zusammenarbeit bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung hervorhob. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen des globalen Themas Glück, indem sie die Zusammenarbeit, den kulturellen Austausch und das Engagement in der Gemeinschaft förderte – wichtige Säulen einer blühenden Gesellschaft mit starkem Zusammenhalt.

Die Sitzung untersuchte, wie dezentralisierte Zusammenarbeit Kommunen in die Lage versetzt, gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen, Innovationen voranzutreiben und integratives Wachstum zu fördern. Die Teilnehmenden erhielten wertvolle Einblicke in erfolgreiche Tourismusstrategien, die in verschiedenen Gemeinden umgesetzt wurden, und wurden inspiriert, Partnerschaften für eine sinnvolle lokale und globale Wirkung zu nutzen.

Die Sitzung wurde mit einer herzlichen Ansprache von Frau Barbara Baumbach (BMZ) eröffnet, die den Erfolg von Connective Cities bei der Erleichterung des globalen Austauschs von kommunalem Fachwissen und der Unterstützung der Entwicklung lokal angepasster Lösungen für städtische Herausforderungen hervorhob. Es folgten drei engagierte Podiumsdiskussionen mit Vertretern aus Battir und Brühl, Bethlehem und Madaba sowie Nablus. In diesen Diskussionen wurde aufgezeigt, wie Kommunen und die Zivilgesellschaft lokale und internationale Kooperationen effektiv nutzen, um Möglichkeiten für gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Fortschritt zu schaffen.

Panel-Diskussion zur Partnerschaft Brühl-Battir | Foto: Connective Cities

Die Podiumsdiskussionen behandelten Schlüsselthemen wie:
– Gemeinschaften verbinden durch Zusammenarbeit – Erfolgsfaktoren und Herausforderungen in der dezentralen Zusammenarbeit
– Wiederbelebung der dezentralen Zusammenarbeit
– Nutzung der Zusammenarbeit lokaler Stakeholder für eine nachhaltige Tourismusentwicklung
Anhand internationaler, regionaler und lokaler Beispiele wurde aufgezeigt, wie Gemeinden die dezentrale Zusammenarbeit nutzen können, um einen nachhaltigen Tourismus zu fördern und gleichzeitig ein Gleichgewicht zwischen kulturellem Erhalt und wirtschaftlichem Wachstum herzustellen. Die Diskussionen unterstrichen, wie wichtig es ist, lokale Gemeinschaften und Interessengruppen einzubinden, akademische Beiträge zu integrieren und internationale Partnerschaften zu stärken, um globale Herausforderungen effektiv anzugehen.
Hauptpräsentation der Veranstaltung auf der Connective Cities Plattform, inkl. der Aufnahme der Session für registrierte Nutzer*innen (Arabisch und Deutsch).

Autorin: Muna Shalan | Connective Cities

Impressionen

Beitrag der Handelskammer von Nablus
Beitrag des Tourismusministeriums von Plalästina
Beitrag von Medienvertreter*innen von Nablus
Beitrag aus der Wissenschaft vcon Nablus
Partnerschaftsabkommen zwischen Bethlehem und Madaba
Gemeinsamkeiten zwischen Bethlehem und Madaba

Leerstand durch Zwischennutzung vermeiden

Während der Neudefinition des Verwendungszwecks eines Gebäudes und der Festlegung des Verfahrens und der Finanzierung des Vorhabens können Gebäude leer stehen. Bei leerstehenden Gebäuden liegt Potential in vielerlei Hinsicht brach, sowohl für die Community als auch für die Stadtentwicklung. Darüber hinaus führt ein ungenutztes Gebäude aufgrund der Ansammlung von Abfall, des Eindringens von Wasser und des möglichen Wachstums von Schimmel oder giftigen Materialien häufig zu einer Zunahme der Umweltverschmutzung. Neben diesen ökologischen Folgen können auch Vandalismus und Sicherheitsrisiken in der Umgebung zunehmen. Daher kann die Revitalisierung leerstehender Gebäude für Kommunen und mögliche Investoren kostspielig werden.

Wie kann Leerstand vermieden werden? Die Öffnung öffentlicher Gebäude für eine Zwischennutzung war eines der Themen, auf die sich die Teilnehmer*innen des Lernprozesses „2nd Hands on Public Buildings“ während des einjährigen Lernprozesses zur Umnutzung öffentlicher Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren konzentrieren wollen. Daher kamen am 12.03.2025 Expert*innen aus Deutschland, Kenia, Palästina und Montenegro virtuell zusammen.