Green Urban Economy

Lebenswertes urbanes Leben und Arbeitsplätze durch integrierte Konzepte für eine ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung

„Green Urban Economy“ - eine Wirtschaftsentwicklung, die auf ökologische Nachhaltigkeit setzt, gibt nicht nur Antworten auf drängende Fragen des städtischen Klima- und Umweltschutzes, sondern bietet Städten einen großen Gestaltungsspielraum in einem sehr innovativen ökonomischen Wachstumsfeld. 

Städte haben vielfache Einflussmöglichkeiten, um die Rahmenbedingungen für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu gestalten und so den urbanen Lebensraum zukunftsfähiger zu machen. Dabei spielen sowohl städtische Ziele einer lokalen und regionalen Klimaschutzpolitik, der Einsatz nachhaltiger Transportsysteme, der verstärkte Einsatz von Solar-, Wind- und Biomasse-Energie oder auch Energieeffizienz-Programme im Bauwesen eine Rolle. Durch integrierte Konzepte für eine ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung schaffen sie Wirtschaftswachstum und gestalten gleichzeitig das städtische Leben, das durch die Reduzierung von Lärm, Luft- und Wasserverschmutzung lebenswerter wird. Durch die Förderung bestimmter Energien und regionaler Wirtschaftskreisläufe treiben sie diesen Prozess voran.

Die mehrfach ausgezeichnete „Bielefelder Initiative für Zukunftsenergien und Energieeffizienz“ wurde im Jahre 2006 gegründet und legt ihren Schwerpunkt auf Altbausanierung und Wärmedämmung, gepaart mit der Förderung von Energieeffizienz und Erneuerbare Energien in Industrie, Gewerbe und städtischen Einrichtungen. Aus der Initiative ist inzwischen ein regionales Netzwerk mit ca. 130 Mitgliedern entstanden, das den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen und Institutionen fördert und motivierte Fachkräfte in diesem Bereich qualifiziert. Der "KlimaTisch Bielefeld e.V." bringt Experten aus den Bereichen Energieberatung, Baubiologie, Architektur, Ingenieurwesen, Zimmerei, Dachdecker sowie Malerhandwerk, Solartechnik, Heizung / Sanitär und Finanzen zusammen. Diese beraten auch die Bielefelder Bürger zu Themen wie beispielsweise Energieeffizienz, Wohnwertsteigerung, Wohngesundheit und Finanzierungsmöglichkeiten.

Installation solarthermischer Anlagen
Installation solarthermischer Anlagen | © GIZ

Der „grüne Wirtschaftssektor" ist ein stark wachsender Wirtschaftszweig, der sowohl die Gründung neuer Firmen vorantreibt als auch die Modernisierung bestehender Handwerksunternehmen fördert. Völlig neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben sich beispielsweise durch die Installation und Wartung von Solarpanels, die energieeffiziente Steuerung von Heizungs- und Klimaanlagen oder das Recycling von Industrie- und Haushaltsabfällen. Gleichzeitig ist dieser Wirtschaftsbereich ein Feld, auf dem sehr gute Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Städten und den Unternehmen entstehen können, wo also die Interventionsmöglichkeiten durch städtisch gesteuerte „Green Growth-Initiativen“ für die Wirtschaftsförderung vergleichsweise hoch sind. Wie die Beispiele oben zeigen, ist eine strategische Vernetzung von Akteuren aus lokaler Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie eine Weiterbildung von Fachkräften für den Aufbau städtischer Märkte für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz essentiell.

Lokale Wirtschaftskreisläufe insbesondere zur Versorgung der städtischen Bevölkerung mit agrarischen Lebensmitteln gewinnen immer mehr an Bedeutung, so dass auch hier neue Einflussmöglichkeiten für Städte entstehen, um solche Green Growth-Prozesse zu initiieren und zu koordinieren. Dies wird gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern aufgrund einer schnell wachsenden Mittelschicht mit geänderten Ernährungsgewohnheiten immer relevanter und ermöglicht neue Stadt-Land-Wirtschaftskreisläufe im Agrarsektor zum beiderseitigen Nutzen. Beispielsweise arbeitet der Nahrungsmittelexporteur Lecofruit mit mehreren Tausend Kleinbauern in Madagaskar zusammen und beliefert jetzt auch Supermärkte in der Hauptstadt Antananarivo mit Gemüse. Dabei überträgt er Standards und Qualitätsmanagementsysteme, die ursprünglich für den Export entwickelt wurden, nun auch auf die diversifiziertere Produktionspalette für die lokalen Märkte. Die städtische Mittelschicht profitiert durch ein erweitertes Angebot an frischem und pestizid-armen Gemüse, die Bauern durch zusätzliche Einkommensquellen. Kurze Transportwege verbessern zudem die CO2-Bilanz.

Auch in anderen Wirtschaftsbereichen werden ähnliche Interventionen entlang grüner Wertschöpfungsketten und regionaler Wirtschaftskreisläufe erfolgreich umgesetzt. Somit gewinnt der "grüne Wirtschaftssektor" bzw. die „Green Urban Economy“ für die städtische Wirtschaftsförderung zunehmend an Bedeutung: durch Innovationsförderung, Wachstum, neue Arbeitsplätze und verringerter Umweltverschmutzung wird die Stadt lebenswerter und zukunftsfähiger gemacht. 

Praxisbeispiel

Bielefelder Initiative für Zukunftsenergien und Energieeffizienz

19.05.2014

Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung der Stadt Bielefeld, WEGE mbh, hat 2006 die Bielefelder Initiative für...

 


Delitzsch

14.08.2014

Die Stadt Delitzsch ist das nördlich von Leipzig gelegene Mittelzentrum und Modellstadt für „Energieeffizienz“. Mit...

 


Lecofruit in Madagascar

04.06.2014

Die Entwicklungs- und Schwellenländer insbesondere in Asien, aber auch in Sub-Sahara Afrika und Lateinamerika...

 

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