15.07.2026

Urbane Miniwälder in von Dürre betroffenen Regionen

Intensiver Fachaustausch während der Insight Session am 08. Juli 2026

Am 8. Juli 2026 veranstaltete Connective Cities eine Online-Veranstaltung, um Möglichkeiten zum Pflanzen urbaner Wälder unter schwierigen klimatischen Bedingungen zu erörtern. Solche Versuche sind in trockenen Regionen mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen bekanntermaßen schwierig, da die knappen Wasserressourcen zwischen Bevölkerung, lokalen Unternehmen, Landwirtschaft und Industrie aufgeteilt werden müssen. Das Pflanzen und Bewässern von Stadtbäumen wird unter diesen Umständen häufig als zweitrangig betrachtet, was aufgrund fehlender finanzieller Mittel und mangelnder Pflege oft zum Scheitern von Aufforstungsprojekten in Städten führt. An der Veranstaltung nahmen 34 Teilnehmende aus 13 Ländern teil, die ein breites Spektrum an Kommunen aus Afrika und dem Nahen Osten repräsentierten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Miyawaki-Methode zur Anpflanzung von Miniwäldern weltweit zu einer herausragenden Erfolgsgeschichte entwickelt. Bei dieser vom japanischen Botaniker Akira Miyawaki entwickelten Technik wird ein kleiner, dichter Wald aus einheimischen Bäumen und Pflanzen angelegt. Die besonders dichte Pflanzung einer Vielfalt an heimischen Pflanzen beschleunigt das Wachstum von Flora und Fauna, sodass die Miniwälder bereits nach etwa fünf Jahren vollständig autark sein können. Die Wälder verbessern die Luftqualität, reduzieren die Hitze und tragen zur Wiederherstellung der Artenvielfalt bei. Dadurch stabilisieren sie Ökosysteme und wirken der Umweltzerstörung infolge der Klimakrise entgegen. Eine Videoübersicht zur Miyawaki-Methode finden Sie hier.

Stefan Scharfe, Sprecher von Miya-Forest, einer in Eberswalde ansässigen NGO für Aufforstung, Umweltbildung und Forschung, erläuterte den Erfolg der Miyawaki-Methode unter anderem daran, dass das Pflanzen von Bäumen in der Regel breite Akzeptanz bei verschiedenen Akteuren wie Stadtbevölkerung, Wohnungsbaugesellschaften und Kommunalverwaltungen findet. Der partizipative Ansatz der Anpflanzung urbaner Miniwälder müsse jedoch durch eine kleine Gruppe engagierter Akteure unterstützt werden, die sich mit dem Projekt identifizieren. Insbesondere eine gründliche Bodenanalyse kann die Wahrscheinlichkeit, dass die Miniwälder nach einer anfänglichen, intensiven Phase der Bewässerung und Pflege selbstständig wachsen, deutlich erhöhen.

Aus dem Kontext des stark urbanisierten und biologisch degradierten Amman, der Hauptstadt Jordaniens, kommend, nahm Deema Assaf, vom ökologischen Forschungsstudio TAYYŪN, als zweite Referentin an der Insight Session teil und vermittelte den Teilnehmenden wertvolle praktische Einblicke aus der MENA-Region. Frau Assaf erläuterte die aufwendige Arbeit mit Paläobotanikern zur Sammlung von Belegen für einheimische Arten der Region, die sich als evolutionär widerstandsfähig gegenüber den lokalen Klimabedingungen erwiesen haben. Die Samen dieser mit dem Boden vertrauten Pflanzen bilden die Grundlage für ein vielschichtiges Ökosystem mit Baumkronen, Unterholz, Sträuchern und Bodendeckern. Im Laufe seines Wachstums lockt der Wald Insekten, Pilze und Vögel an. Auch essbare Pflanzen können integriert werden, wodurch Miniwälder zu (urbanen) Gärten werden.

Die Insight Session lieferte den Teilnehmenden neue Inspiration für ihre eigenen Projektentwicklungen im Rahmen der laufenden Lernprozesse von Connective Cities zu den Themen „Natur als zentraler Bestandteil kommunaler Resilienz“ und „Grüne Korridore in der Stadt und ihrer Umgebung“. Das Potenzial der Miyawaki-Methode, durch verschiedene Ökosystemleistungen schnell und nachhaltig positive Effekte zu erzielen und sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, macht urbane Miniwälder zu einer greifbaren und sinnvollen Maßnahme angesichts der sich verschärfenden Klimakrise. Forstwirtschaftliche Vorbereitungen – wie die Generierung von Bodendaten und Setzlingen – sowie institutionelle Unterstützung, gesicherte Finanzierung und die kontinuierliche Pflege des Pflanzprojekts sind jedoch entscheidend für das Gedeihen der Miniwälder.

Connective Cities bietet das Netzwerk für zukünftiges Engagement zu diesem Thema und freut sich darauf, Fachwissen unter Stadtplanern auszutauschen.