17.07.2026

Gründung, Innovation, Perspektiven für junge Menschen

Internationale Kommunen tauschen sich in Bremen aus

Wie können Kommunen junge Menschen dabei unterstützen, erfolgreich Unternehmen zu gründen und damit zugleich lokale Entwicklung voranbringen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die internationale Connective Cities Dialogveranstaltung „Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für junge Menschen“, die vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Bremen stattfand. Rund 35 Fachleute aus 11 Kommunen und sieben Ländern kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Im Mittelpunkt standen die Chancen von Start-ups und Unternehmertum für Beschäftigung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Deutlich wurde dabei: Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen ähneln sich die Herausforderungen in vielen Kommunen weltweit. Junge Gründerinnen und Gründer benötigen Zugang zu Beratung, Netzwerken, Finanzierung, geeigneter Infrastruktur und praxisnaher Bildung. Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle als Vernetzerinnen, Förderinnen und Wegbereiterinnen funktionierender lokaler Gründungsökosysteme.

Die Teilnehmenden diskutieren in einem historischen Saal
Empfang der Teilnehmenden im Bremer Rathaus | Foto: Connective Cities

Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in erfolgreiche kommunale Ansätze aus Deutschland, Namibia, Nordmazedonien, Ruanda, Sambia, Serbien und Südafrika. Vorgestellt wurden unter anderem Gründerzentren, One-Stop-Shops für Beratungsleistungen, digitale Plattformen, Mentoring-Angebote sowie Programme zur Förderung von Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und jungen Menschen in ländlichen Regionen. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Lösungen, die jeweils auf die lokalen Herausforderungen zugeschnitten sind.

„Wir nutzen Storytelling und erzählen die Geschichten der Start-ups, so dass andere sehen: Das könnten auch meine Geschichte sein.“
(Oliver Götz, Gründungswerft e.V.)

Ein Beispiel aus dem Globalen Süden kam aus Windhoek in Namibia. Dort unterstützt das Bokamoso Entrepreneurial Centre junge Unternehmen mit günstiger Infrastruktur und Trainingsangeboten beim Eintritt in nationale und internationale Märkte. Inzwischen begleitet das Zentrum erfolgreich Unternehmen aus Bereichen wie Handwerk, Kreativwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Es fördert zudem gezielt Unternehmenskonzepte für Ressourceneffizienz und Recycling, die die Kreislaufwirtschaft in Windhoek stärken.

Aus Deutschland stellte Bremen sein eng vernetztes Start-up-Ökosystem vor, das Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenführt. Mit dem Starthaus Bremen & Bremerhaven verfügt die Stadt über eine zentrale Anlaufstelle, die Gründungsinteressierte bei Beratung, Vernetzung, Finanzierung und Förderung unterstützt. Zudem setzt Bremen auf eine frühe Sensibilisierung junger Menschen für Unternehmertum durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen.

Eine Frau aus Sambia steht vor einem Pinboard und erklärt mit viel Gestik ihr Projekt,
Projektvorstellung aus Choma, Sambia | Foto: Connective Cities

Die Verbindung von Bildung und Unternehmertum war ein zentrales Thema der Veranstaltung. Professor Dr. Jörg Freiling von der Universität Bremen betonte, dass junge Menschen heute Kompetenzen wie Kreativität, Eigeninitiative, Problemlösungskompetenz und unternehmerisches Denken benötigen, um in einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich zu sein. Universitäten, Schulen und Unternehmen müssten deshalb enger zusammenarbeiten und junge Menschen frühzeitig mit realen Herausforderungen und Innovationsprozessen in Kontakt bringen.

„Ich sage oft zu den Studierenden: Ihr seid die Innovator*innen in unserer Gesellschaft.“
Professor Dr. Jörg Freiling, Universität Bremen

In den Arbeitsgruppen und Peer-to-Peer-Beratungen wurden während der Dialogveranstaltung zahlreiche konkrete Lösungsansätze entwickelt. Diskutiert wurden unter anderem die stärkere Verzahnung von Bildung und Wirtschaft, neue Trainings- und Mentoringformate, mobile Beratungsangebote für abgelegene Regionen sowie Möglichkeiten, bürokratische Hürden für Gründerinnen und Gründer zu reduzieren.

Drei junge Leute stehen vor einer Tafel. Die Frau in der Mitte hält eine Karte hoch mit der Aufschrift: Bureaucratic barriers".
Vorstellung der Gruppenarbeit | Foto: Connective Cities

Die Vertreterinnen und Vertreter aus München brachten etwa Ideen ein, wie Gründer*innen mit Migrationsgeschichte besser unterstützt werden können. Dazu gehören mehrsprachige Informationen, Mentoring-Angebote zur Unterstützung im „Bürokratiedschungel“ sowie eine engere Zusammenarbeit mit Welcome Centern und anderen Beratungsstellen.

Aus eThekwini, Südafrika kam eine weitere viel beachtete Lösungsidee für abgelegene und ländliche Regionen. Die Teilnehmenden diskutierten sogenannte mobile Hubs – Fahrzeuge, die regelmäßig Beratung, Trainings, digitale Infrastruktur und Informationen zu Förderangeboten direkt in schwer erreichbare Gemeinden bringen. So können auch junge Menschen außerhalb größerer Städte Zugang zu wichtigen Unterstützungsangeboten erhalten.

Wir müssen junge Menschen dazu ermutigen, nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern, sondern auch Arbeitsplätze für ihre lokalen Gemeinschaften zu schaffen.“
Dumisani Nhlengethwa, eThekwini Municipality, Südafrika

Ergänzt wurde das Fachprogramm der Dialogveranstaltung durch Exkursionen in die Bremer und Bremerhavener Start-up-Landschaft. Besuche beim Starthaus Bremen & Bremerhaven, der hoi startup factory sowie weiteren lokalen Initiativen zeigten anschaulich, wie ein eng vernetztes Innovationsökosystem Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg unterstützen kann.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt eines neuen Connective Cities Lernprozesses. Weitere Online-Formate, Fachaustausche und eine Online-Abschlussveranstaltung werden die Zusammenarbeit der Kommunen in den kommenden Monaten fortsetzen. Das große Interesse und die intensive Diskussion machten deutlich, dass die Förderung von Unternehmertum junger Menschen weltweit als wichtiger Schlüssel für nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verstanden wird.

„Diese Veranstaltung hat mich in die Vogelperspektive gebracht. Es ist oft schwer, das Wichtige zu sehen, wenn man zu sehr in die Projekte involviert ist.“
Era Bektashi, Neumarkt i. d. Oberpfalz

 

Weitere Impressionen:

Fotos: Connective Cities

Text: Katrin Riß, text+welt