19.12.2025

KI für Kommunen

Virtuelle Ad-Hoc-Session mit Beispielen aus Jakarta und Hamburg am 2. Dezember 2025 steckt Chancen und Herausforderungen ab

Bürgerservice verbessern, Routineaufgaben beschleunigen, Personalressourcen für andere Aufgaben gewinnen – dies erhoffen sich Kommunen von künstlicher Intelligenz in der Verwaltung. Das Thema ist wichtig und das Interesse groß: Über 100 Registrierungen verzeichnete die Veranstaltung und dann knapp 60 Personen online – zugeschaltet aus Städten wie Lusaka (Sambia), Stuttgart, Mombasa (Kenia), Berlin und Iserlohn.

Zunächst erklärte Prof. Dr.-Ing. Mahdi Bohlouli vom KI-Unternehmen Petanux in Bonn die Basics:

Im Kern liege die besondere Fähigkeit von KI darin, Informationen zu analysieren, Muster zu erkennen, auf dieser Grundlage Inhalte zu erstellen, Entscheidungsfindung zu unterstützen oder auch Aufgaben eigenständig auszuführen. In der öffentlichen Verwaltung könne KI damit administrative Prozesse entlasten (z.B. durch das Automatisieren von Routineaufgaben), Stadtplanung erleichtern (z.B. durch KI-unterstützte Datenanalyse), Bürgerdienstleistungen verbessern (z.B. in Form von Chatbots) und Cybersicherheit verbessern (z.B. durch das Erkennen von Anomalien). Unerlässlich sei dabei ein guter Datenschutz und Datensouveränität, gewährleistet durch lokale Datenspeicherung und lokale KI-Anwendungen. Open-Source-Produkte böten Kommunen dabei kostengünstige technische Lösungen.

Grafik, die Praxisbeispiele aus Kommunen visualisiert.
KI in der öffentlichen Verwaltung. Copyright: Petanux GmbH

Prof. Dr.-Ing. Mahdi Bohlouli erläuterte, dass die Kommunen – neben den technischen Voraussetzungen – auch ethische Aspekte wie Transparenz und Verantwortung für KI-Entscheidungen im Blick haben müssen, ebenso wie die Bedenken und Fortbildungsbedarfe von Mitarbeiter*innen. Zielführend für einen organischen und sicheren Einführungsprozess seien klare interne Guidelines, ein partizipatives und transparentes Vorgehen, interkommunale Kooperation sowie kleine Einstiegsprojekte mit sichtbaren Erfolgen. Für Letztere schlug Prof. Dr. Madhi Bohlouli die Bereiche Protokollführung in Sitzungen sowie KI-basiertes Wissensmanagement vor. Mit der Automatisierung solcher und vergleichbarer Aufgaben werden aus seiner Sicht erhebliche Personalressourcen frei, mit denen Personalmangel an anderer Stelle gelindert werden kann.

„Lassen Sie KI die einfachen Aufgaben übernehmen, so dass Sie sich auf komplexe Aufgaben konzentrieren können“, so seine Einladung.

Das Beispiel Jakarta – präsentiert von Andhika Ajie vom Regional Research and Innovation Center in Jakarta – zeigte, wie mithilfe von KI an den Herausforderungen einer Megacity im Wandel gearbeitet wird.

Der Langzeitplan „Jakarta Spatial Plan Development Program“ sieht als eine von drei Säulen explizit eine digital ausgerichtete Entwicklung vor. Das entsprechende Rahmenkonzept „Jakarta Smart City“ stellt dabei die Ziele Innovation und Glück der Bürger*innen an oberste Stelle. „Technologie ist ein Werkzeug. Sie sollte das Leben in der Stadt verbessern und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet sein“, so Andhika Ajie. Jakarta setze daher auf einen kooperativen Prozess, in dem alle Akteur*innen der Stadt (Bürger*innen, Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Behören) zusammenwirken.

Konkret habe die Stadt eine sogenannte Super-App entwickelt – Jakarta Kini, kurz JAKI, berichtete Andhika Ajie. Das digitale Ökosystem integriere verschiedenste Anwendungen und ermögliche Einwohner*innen im Sinne einer One-Stop-Plattform, Dienstleistungen anzufordern (Gesundheits- und Sozialdienste etc.), Informationen abzurufen (offizielle Meldungen, Lebensmittelpreise, öffentlicher Nahverkehr etc.) und Probleme zu melden (Mängel in Infrastruktur etc.).

Grafik visualisiert die Integration von einem guten Dutzend Apps in die Meta-App JAKI
Vom Impftermin bis zum öffentlichen Nahverkehr – die App JAKI bündelt vielfältigste Services. © Bappeda Provinsi DKI Jakarta | 2025

Ein wichtiger Einsatzbereich für KI sei – angesichts der enormen Bevölkerungsdichte in Jakarta – der Bereich Mobilität & Verkehr. Mithilfe eines CCTV-Überwachungsdienstes werden auf Basis von 1.500 Kameras im Stadtgebiet Personendichte und Fahrzeugaufkommen gemessen und der Straßenverkehr KI-gestützt reguliert. Zudem erprobe die Stadt im Pilotprojekt Passenger Load Intelligence System (PLIS) die KI-gesteuerte Regelung des öffentlichen Nahverkehrs in Echtzeit, so Andhika Ajie.

Eine weitere wichtige Anwendung bezieht sich auf das Hochwassermanagement – dringend erforderlich in Jakarta, das in rapidem Tempo unter den Meeresspiegel absinkt. Ein Machine-Learning-Modell-basiertes System (also eine aus Beispielen lernende KI, die auch Vorhersagen ermöglicht) wertet Mess- und Beobachtungsdaten zu Hochwasserständen und Überflutungsgebieten aus und koordiniert Schutzmaßnahmen und Hilfseinsätze entsprechend.

Mit dem Beispiel Hamburg – präsentiert von Lisa Eglhofer von der Stabsstelle Nachhaltigkeit in Hamburg – tauchte die Veranstaltung schließlich tief in die Details der KI-unterstützten Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie ein.

Für das neue Strategiepapier hat die Stadt den Anspruch, nahtlos an den aktuellen Stand der Implementierung der 17 Nachhaltigkeitsziele in der Kommune anzuschließen. Alle schon bestehenden Konzepte und Aktivitäten sollen berücksichtigt werden. Als Datenbasis stehen stattliche 170.000 Dokumente im Transparenzportal der Stadt zur Verfügung. Ein KI-Analysetool soll nun bei der aufwändigen Sichtung und Aufbereitung der Daten helfen. Technisch basiert dieses auf verschiedenen Large Language Modells (LLM) (z.B. Gemini 1,5 Pro und Flash, GPT-4, GPT-5), für deren Training die Stabstelle Nachhaltigkeit über 80 Dokumente hinsichtlich relevanter Bezüge zu den SDGs manuell gesichtet, geclustert und kodiert hat.

KI bringt Übersicht in große Datenmengen. Copyright: Freie Hansestadt Hamburg.

Das Ergebnis ist nun zweigestuft: Über ein Dashboard ist eine KI-gestützte Mikroanalyse einzelner Dokumente hinsichtlich ihrer SDG-Bezüge möglich. Zudem erstellt das Analysetool Fact-Sheets zum Stand der Umsetzung einzelner SDGs oder ihrer Unterziele. Der dahinter versteckte Prozess gestaltet sich wie folgt: Ein AI Agent Planner koordiniert die Rechercheanfrage. Ein AI Agent Researcher recherchiert in drei Schleifen die entsprechenden Daten. Und ein AI Agent Synthesizer kumuliert die Ergebnisse. Auf Basis dieser Fact-Sheets soll schließlich die Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet werden.

Stufen des Datenanalyseprozesses. Copyright: Freie Hansestadt Hamburg.

Für die technische Seite hat sich Hamburg mit Fördermitteln die Unterstützung einer KI-Agentur eingekauft. So erwies sich das Projekt als gar nicht so schwer. Perspektivisch will die Stadt den Code als Open-Source-Produkt auch anderen Kommunen zur Verfügung stellen. Zudem soll die Datenbasis ausgeweitet, das Tool mit den Daten zur Haushaltsplanung verknüpft und die Anwendung weiter vereinfacht werden.

„Meiner Erfahrung nach ist es oft schwierig, Gelder für das Thema Nachhaltigkeit zu bekommen. Jetzt, wo wir von KI sprechen und digitale Lösungen nutzen, ist es plötzlich viel einfacher, Politiker*innen für unsere Vorhaben zu gewinnen.“ (Lisa Eglhofer)