Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region
Auftakt des Lernprozesses "Grüne Korridore in der City und auf dem Land"
Am 7. April 2026 wurde der neue Connective Cities-Lernprozess zum Thema „Grüne Korridore in der City und auf dem Land“ per Online-Kickoff-Workshop offiziell gestartet. Die Veranstaltung wurde von Connective Cities in Zusammenarbeit mit dem GIZ-Projekt Capacity Building through Urban Infrastructure Development (CBUID II) organisiert und simultan auf Arabisch, Französisch und Englisch angeboten.
Am Workshop nahmen etwa 70 Vertreter*innen aus acht Ländern teil: Algerien, Ägypten, Deutschland, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina und Tunesien. Gemeinden und Partnerinstitutionen aus der MENA-Region sowie die deutsche Stadt Erlangen waren vertreten. Neben den offiziellen Teilnehmenden des Lernprozesses war ein erweiterter Kreis kommunaler Vertreter*innen zusätzlich in den virtuellen Austausch eingebunden.
Der Auftakt diente als technische und methodische Einführung in den Lernprozess. Ziel war es, erste thematische Prioritäten festzulegen, kommunale Herausforderungen sichtbar zu machen und eine gemeinsame Grundlage für weitere Zusammenarbeit zu schaffen. Gleichzeitig diente die Veranstaltung dazu, die nächsten Schritte im Prozess vorzubereiten, wie etwa eine für Herbst 2026 geplante live-Konferenz in Ägypten.
KI-gestützte Visualisierung als innovatives Werkzeug nachhaltiger Stadtplanung
Ein zentrales Element des Workshops war eine KI-Visualisierungsübung zu grünen Korridoren, die über die CoPlan-KI-Plattform umgesetzt wurde. Basierend auf Bildern aus urbanen Kontexten der teilnehmenden Städte wurden Zukunftsszenarien für klimaresistente, grünere und nutzbarere urbane Räume entwickelt.
Wichtige Workshop-Ergebnisse
Die Auftaktveranstaltung zeigte, dass die teilnehmenden Städte sich grüne Korridore und grüne Viertel überwiegend in städtischen Bezirken und weniger in suburbanen Räumen vorstellen. Somit liegt der Fokus zunächst nicht auf der Planung in kaum erschlossenen Flächen, sondern auf der Weiterentwicklung bestehender urbaner Räume, in denen Wohnraum, Mobilität, öffentliche Nutzung und soziale Funktionen bereits eng miteinander verflochten sind.
So wurde im Laufe der Veranstaltung auch deutlich, dass grüne Korridore mehrere Funktionen gleichzeitig erfüllen müssen. Sie tragen zur Klimaanpassung bei, zum Beispiel durch das Spenden von Schatten, Kühlung, Verbesserung der Luftzirkulation und Steigerung der Bodenwasseraufnahme. Aber sie tragen ebenso zur Aufwertung öffentlicher Räume bei, indem sie die Lebensqualität verbessern und Begegnungen in der Stadt fördern. Gerade in dicht besiedelten Vierteln müssen grüne Korridore daher stets als soziale Räume der Mobilität und Verbindung betrachtet werden.
Ein weiterer zentraler Aspekt war die Bedeutung von Beteiligung und lokaler Akzeptanz. Da identifizierte Räume in der Regel bereits intensiv genutzt werden, ist die Beteiligung der Bevölkerung eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung. Dies gilt sowohl für die Nutzbarkeit für unterschiedliche Gruppen wie Kinder, Familien und Bewohner*innen als auch für die Frage, wie grüne Maßnahmen in das städtische Alltag integriert werden können.
Beitrag aus dem Urban Development Fund (UDF)
Der ägyptische Urban Development Fund (UDF), angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Staat und Kommunen, unterstrich die Bedeutung institutioneller Ansätze für eine integrierte und klimaresiliente Stadtentwicklung. Die vorgestellten Beispiele zeigten, wie strategische Stadtentwicklung, Aufwertung bestehender Bezirke, Wärmereduzierung und öffentlicher Raum enger miteinander verknüpft werden können. Die UDF trug somit nicht nur konkrete Erfahrungen aus der ägyptischen Praxis bei, sondern auch eine wichtige Perspektive auf Skalierung, institutionelle Verankerung und langfristige Implementierungsfähigkeit.
Beitrag der Stadt Erlangen
Der Beitrag der Stadt Erlangen zeigte, dass die Umsetzung grüner Korridore nicht isoliert verstanden werden darf, sondern im Hinblick auf Verkehr, Zugänglichkeit und Konflikte bei der Nutzung städtischer Räume geplant werden muss. Im lokalen Projekt „Von zwei Vierteln zu einem Campus“ zeigten Vertreter*innen der Stadt, wie ein grüner Boulevard, die Verbindung von Straßenbahn, Fahrrad-, Fußgänger- und motorisiertem Verkehr sowie eine bestehende Fußgängerbrücke zu einer kohärenten Planungsaufgabe zusammengeführt werden können. Der Beitrag von Erlangen lieferte somit einen wichtigen Anstoß für einen integrierten Planungsansatz für grüne Korridore.
Beispielstädte und bewährte Praktiken
Während des Auftakts wurden mehrere kommunale und institutionelle Beispiele vorgestellt, die besonders relevant für den weiteren Lernprozess sind:
- Erlangen (Deutschland): Integrierter Planungsansatz für grüne Korridore im bestehenden urbanen Raum, mit Schwerpunkt auf Grüner Boulevard, multimodaler Mobilität, Flächennutzung und Nutzungskonflikten.
- Assuan (Ägypten): Entwicklung des Heat Action Plan für El-Sail Elgadid, einschließlich Kühlstationen, schattiger Erholungsbereiche und spezieller Bereiche für Kinder und Frauen.
- Port Said (Ägypten): Ansätze zur klimaangepassten Stadtentwicklung und zur Aufwertung urbaner Räume unter den spezifischen klimatischen Bedingungen einer Mittelmeerstadt.
- Telal Al-Fustat Park, Kairo (Ägypten): großflächiger Grünbauansatz im historischen Kairo mit positiven Auswirkungen auf Kühlung, Luftqualität und Biodiversität.
- Reviving Historical Cairo (Ägypten): Aufwertung historischer städtischer Gebiete als Kombination aus Stadterneuerung, öffentlichem Raum und historischer Identität.
- Al-Asmarat (Ägypten): Partizipative Aufwertung öffentlicher Räume im Wohnumfeld als Beispiel für die Verbindung von grünen und sozialen Funktionen in bestehenden Vierteln.
Ausblick

Der digitale Kickoff hat eine technische Grundlage für die nächsten Schritte des MENA-Lernprozesses geschaffen. Es wurde deutlich, dass der Mehrwert des Formats insbesondere in Synergieeffekten zwischen konkreten kommunalen Beispielen, institutionellen Perspektiven, interkommunalem Austausch und visuellen Methoden liegt. In den kommenden Phasen werden die identifizierten Themen vertieft, die Ansätze zwischen den Städten weiterentwickelt und gemeinsam sowohl im digitalen- als auch im persönlichen Austausch konkretisiert.

















