15.10.2025

19. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik

„Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiterdenken: Städte für alle gestalten"

Wie können Städte und Gemeinden schneller handlungsfähig werden und zugleich lebenswerte, gerechte und zukunftsfähige Orte bleiben? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt des 19. Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik, der vom 14. bis 16. September 2026 in Köln stattfand. Unter dem Motto „Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiterdenken: Städte für alle gestalten“ kamen rund drei Tage lang Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Planung und Zivilgesellschaft zusammen, um über die Zukunft der Stadtentwicklung zu diskutieren. Im Zentrum der Diskussionen standen zentrale Zukunftsthemen: die Beschleunigung von Planungs- und Umsetzungsprozessen, bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, moderne Infrastruktur sowie neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Ebenen. Der Kongress wird jährlich vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gemeinsam mit der Bauministerkonferenz der Länder, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ausgerichtet.

Connective Cities beim Stand von Engagement Global und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.

Neben Plenumsbeiträgen boten 17 Fachforen, sechs Zukunftsarenen und ein Marktplatz vielfältige Gelegenheiten für einen fokussierten fachlichen Austausch. Connective Cities war am Stand von Engagement Global und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) vertreten. Und es zeigte sich: Die Relevanz kollegialer Austausche über bewährte Praktiken, um durch gegenseitiges Lernen Lösungen für zukunftsfähige Städte zu entwickeln wurde vielfach betont – der Ansatz, den Connective Cities bereits seit über zehn Jahren systematisch verfolgt.

Ausgewählte Plenumsbeiträge, zwei Fachforen und zwei Zukunftsarenen möchten wir hier näher beleuchten:

Kongresseröffnung

Eröffnet wurde der Kongress von der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Verena Hubertz bezog sich in ihrer Rede auf den sogenannten Bau-Turbo. Mit diesem Baugesetzbuch-Upgrade und der damit einhergehenden weiteren Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Förderung von Umbau und Umnutzung bestehender Gebäude hat der Bund bereits wichtige Schritte hin zu mehr Geschwindigkeit und Flexibilität eingeleitet. Gleichzeitig muss Stadtentwicklung langfristig tragfähig bleiben und dabei Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit, Klimaanpassung sowie städtebauliche Qualität sichern.

Wie der Bau-Turbo in der Praxis wirkt, begleitet das BMWSB im eigens eingerichteten “Umsetzungslabor Bau-Turbo“, das Erfahrungen aus den Kommunen systematisch auswertet. Erste Ergebnisse zeigen positive Effekte auf die fachämterübergreifende Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Genehmigungsbehörde – zugleich bleibt die Frage zentral, wofür Kommunen ihre neuen Handlungsspielräume nutzen: Der Bau-Turbo eröffnet Flexibilität, gewährleistet aber nicht per se gute Stadtentwicklung.

 „Damit die Kölnerinnen und Kölner langfristig und gut in unserer Stadt leben können, müssen wir schneller handeln – beim Wohnungsbau, bei der Infrastruktur und bei der Klimaanpassung. Kommunen brauchen mehr Handlungsspielräume, verlässliche Rahmenbedingungen und starke Partner. Geschwindigkeit allein ist kein Selbstzweck. Wir wollen Städte entwickeln, die auch für kommende Generationen lebenswert, gerecht und zukunftsfähig sind.“, so Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln

Keynote „Städte aktiv gestalten – im Spannungsfeld von strategischer Idee, politischer Dynamik und Regulierungsdschungel“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, ehem. Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, Oberbürgermeister a. D. der Stadt Wuppertal

In seinem Fachbeitrag zum 19. Bundeskongress stellt Uwe Schneidewind die grundsätzliche Frage, ob Städte angesichts wachsender Transformationsanforderungen – demografischer Wandel, Digitalisierung, Klimaanpassung, Wärme- und Mobilitätswende sowie sich verändernde Innenstädte – überhaupt noch aktiv gestaltbar sind, oder ob Stadtpolitik zunehmend in einen urbanen Kollaps zu geraten droht. Diese Entwicklungen vollziehen sich seiner Analyse nach vor dem Hintergrund immer vielfältigerer Stadtgesellschaften, angespannter kommunaler Finanzen und eines stetig dichter werdenden Regulierungsgeflechts.

Schneidewind identifiziert drei zentrale Herausforderungen: Erstens die finanzielle Überforderung der Kommunen, die sich – anders als in früheren Krisen – nicht mehr durch Wirtschaftswachstum auffangen lasse, da die deutsche Volkswirtschaft strukturell stagniere und auch Bund und Länder finanziell zu stark belastet seien, um umfassend umzuverteilen Er plädiert deshalb für eine grundsätzliche Debatte darüber, wie Kommunen in den 2040er-Jahren trotz halbierter Personal- und Haushaltsressourcen arbeitsfähig bleiben können.

Zweitens beschreibt er eine Überregulierung, die den wirkungsorientierten Betrieb vieler Städte nur noch durch besonders engagierte Verwaltungsmitarbeitende ermögliche, die bereit seien, in rechtlichen Graubereichen zu agieren. Eine wirksame Staatsreform biete hier die Chance, kommunale Handlungsspielräume systematisch auszuweiten – etwa durch mehr Ermessens- und Experimentierräume, neue Formen der Personal- und Organisationsentwicklung, pauschalierte Förderregime, konsequente Wirkungsorientierung, engere interkommunale und zivilgesellschaftliche Kooperation sowie die gezielte Nutzung von Künstlicher Intelligenz auf kommunaler Ebene.

Drittens benennt er ein politisches Strategiedefizit: Lokalpolitik sei häufig nur begrenzt strategiefähig, da „Kümmern vor Konzept“, Machtpolitik und eine „Kraft des Neins“ dominierten und der Fokus auf emotionalen Einzelthemen strukturelle Debatten erschwere. Schneidewind fordert daher eigene strategiefähige Räume, in denen Stadtentwicklungsstrategien erarbeitet und stabilisiert werden können, sowie eine Diskussion über veränderte politische Governance-Strukturen. Er schlug eine neue politische Kultur vor: Um nicht den rechtspopulistischen Nein-Sagern in die Hände zu spielen, komme auf die demokratischen Parteien eine große Verantwortung zu im Sinne eines konstruktiven kommunalen Miteinanders.

„Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiter denken: Städte für alle gestalten“

Im Anschluss an die Keynote diskutierte ein Panel darüber, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse in die kommunale Praxis übersetzen lassen. Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, plädierte dafür, den Blick verstärkt auf gute Beispiele aus anderen Städten zu richten. Konzepte wie die Schwammstadt oder partizipativ entwickelte Quartiere zeigten, wie sich Stadtentwicklung bereits heute innovativ und zukunftsgerichtet gestalten lasse – Kommunen sollten stärker voneinander lernen, statt jede Lösung neu zu erfinden.

„Wir arbeiten diskriminierungsfrei, dennoch priorisieren wir große Bauvorhaben wie den Umbau des Karstadtgebäudes in Wohnraum, der vielen in zugutekommt. Das halte ich juristisch für unproblematisch und jede und jeder in der Stadtgesellschaft versteht das“, beschrieb Tristan Vitt, Oberbürgermeister von Siegen, seine Form des schnelleren Agierens bei dringenden städtebaulichen Anliegen.

Bundesministerin Verena Hubertz betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Leuchtturm-Projekten: Erfolgreiche Vorhaben sichtbar zu machen und anderen Städten als Vorbild zugänglich zu machen, sei ein wichtiger Hebel, um gute Ideen schneller in die Fläche zu tragen. Sie unterstrich zugleich den grundsätzlichen Anspruch an eine handlungsfähige Stadtentwicklung: „Stadtentwicklung darf nicht im nächsten Verfahren oder in der nächsten Abstimmungsrunde stecken bleiben. Städte brauchen Tempo und einen klaren Kompass. Genau deshalb gehört beides zusammen: schneller handeln und weiterdenken. Unser Ziel ist, dass aus guten Ideen schneller gute Projekte werden: mehr Wohnungen, bessere Infrastruktur sowie grüne und hitzetaugliche Stadträume. Dafür müssen wir Verfahren einfacher und verlässlicher machen und die Zusammenarbeit zwischen allen Ebenen stärken. Denn am Ende zählt, was vor Ort ankommt.“

Forum 08 – Transformationsaufgabe Klimaanpassung: Von der Risikoanalyse zur integrierten Umsetzung

Nachhaltige Klimaanpassungsmaßnahmen stellen Eigentümer und Kommunen bei Wirtschaftlichkeit und Investitionsfähigkeit vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger werden innovative Ansätze der Risikoanalyse und -bewertung sowie aufeinander abgestimmte Klimaanpassungsstrategien von privaten und öffentlichen Akteuren – von Wohnungsunternehmen über Kommunen bis hin zu Innovationstreibenden und Prozesssteuernden.

Eine Vertreterin der Nassauischen Heimstätte, einer Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mit mehrheitlicher Beteiligung des Landes Hessen, stellte gelungene Praxisbeispiele vor, darunter das Schwammstadt-Konzept in Bad Hersfeld, das gemeindeübergreifende Klimaanpassungskonzept mit Hitzeaktionsplan im Main-Kinzig-Kreis sowie das Frankfurter Schönhofviertel. Zugleich machte sie deutlich: „Das Problem besteht im Bestand.“ Bei den Immobilien der Gesellschaft wurde daher eine systematische Bewertung und Kartierung von Klimarisiken veranlasst. Die größte Herausforderung sei heute der Hitzeschutz. Ein Pilotprojekt zur Regenwasserrückhaltung musste wegen Vandalismus eingestellt werden – ein Beleg dafür, dass es ein Commitment aller Akteure im Quartier braucht. Als Fazit hielt sie fest: Private Akteure müssen stärker eingebunden werden; während Klimaschutzmaßnahmen in den Außenanlagen gut funktionieren, bleibt die Umsetzung im Gebäudebestand schwierig. Auch das Thema Brauchwasser solle künftig stärker in den Blick genommen werden, statt sich in den Quartieren allein auf die Trinkwassernutzung zu konzentrieren.

Henk Brockmeyer, Geschäftsführer von NRW.URBAN, forderte, Klimaanpassung vom Zusatzkriterium zu einer Standardaufgabe der Stadtentwicklung zu machen, die Gegenstand jeder städtebaulichen Entscheidung sein müsse. Daten und Wissen seien vorhanden, entscheidend sei nun der Übergang in konkrete Entscheidungen und Planung. Er nannte vier zentrale Hebel: Klimaanpassung frühzeitig mitdenken, Zielkonflikte transparent machen und aushandeln, Planungsinstrumente und Umsetzung enger verzahnen sowie personelle und finanzielle Umsetzungskapazitäten stärken.

Kathrin Senner, Geschäftsführerin des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, brachte die Diskussion auf den Punkt: „Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe mehr, wir stecken mittendrin.“ Klimaschutz und Wärmewende lassen sich nur erfolgreich umsetzen, wenn sie als Querschnittsaufgabe fest in der Verwaltung verankert und eng mit bestehenden Konzepten der integrierten Stadtentwicklung verzahnt werden – Reallabore und Modellprojekte gelten dabei als wichtige Instrumente, um neue Lösungswege zu erproben.

Forum 12 – Wie kommt die Resilienz in die Stadtentwicklung? Zwischen Komplexität und Handlungsfähigkeit

Wie kommen Kommunen vom Leitbild der nachhaltigen Stadt in die konkrete Umsetzung und werden dabei ökonomisch, ökologisch und sozial robuster? Das Forum zeigte auf, wie sich Zielkonflikte bei Klimaanpassung, Gesundheitsvorsorge und sozialer Gerechtigkeit überwinden lassen, wenn Städte entlang der „Agenda Stadt grün-blau“ resilient gegenüber Klimafolgen und zugleich – auch geschlechtergerecht – in Nutzung, Zugang und Teilhabe geplant werden.

Matthias Schäpers von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) machte deutlich, dass anschauliche Bilder bei der Überzeugungsarbeit zum Thema Klimaanpassung eine wichtige Rolle spielen und Kommunen dieses Potenzial gezielt nutzen können. Als Beispiel verwies er auf das Konzept der klimatischen Zwillingsstädte in Europa: Eine Analyse des Umweltbundesamts zeigt, dass sich die Klimate deutscher Regionen bereits heute so verschoben haben, dass viele Städte ein Klima aufweisen, das vor 50 Jahren 100 bis 600 Kilometer weiter südwestlich herrschte – ein Bild, das die Dringlichkeit der Klimaanpassung greifbar macht, ohne direkt übertragbare Lösungen zu suggerieren.

Dr. Mary Dellenbaugh-Losse (urban.policy) betonte, dass Resilienz immer auch eine soziale Perspektive brauche: Entscheidend sei, wer auf Klimarisiken reagieren kann und wer nicht – und warum. Diese soziale Perspektive könne Lösungen der Stadtentwicklung robuster machen. Eine sozialgerechte Hitzeplanung müsse etwa Alltagswege und Pflegeverantwortung mitdenken, wodurch Geschlechtergerechtigkeit zu einem zentralen Gerechtigkeitsthema werde. Als Beispiel für einen typischen Zielkonflikt nannte sie das Spannungsfeld zwischen Entsiegelung und Berollbarkeit von Wegen und Plätzen.

Arena I: Zukunft durch regionale Kooperation: Maßstäbe, Formate, Inhalte

Host der Arena war der Region Köln/Bonn e.V., der als Regionalmanagement für die 4.415 km² große, über 3,6 Millionen Menschen umfassende Region regionale Kooperation insbesondere in den Bereichen nachhaltige Raumentwicklung, Mobilität, Klimaresilienz, Wirtschaftsflächenentwicklung, Strukturwandel und Innovationsförderung fördert. Als strategisches Instrument dient dabei das Agglomerationsprogramm, das regionale Zukunftsprojekte anstößt, vernetzt und bei der Umsetzung begleitet – etwa die Konversion des Kraftwerks Frimmersdorf im Rheinischen Revier, die Kölner Parkstadt Süd oder das Seequartier Wiehl im Bergischen Land.

Übergreifend zeigte die Arena: Regionale Kooperation gilt als wichtiger Ansatz zur Bewältigung von Transformationsaufgaben, die einzelne Kommunen allein nicht mehr bewältigen können. In der Einführung wurde deutlich, dass Deutschland eine lange Erfahrung mit interkommunaler Zusammenarbeit besitzt, die in Politik und Praxis auf hohe Akzeptanz stößt – Regionen etablieren sich zunehmend als eigenständige Handlungsebene zwischen Kommune und Land bzw. Bund, etwa bei der Akquise von Fördergeldern. Als zentrale inhaltliche Handlungsfelder regionaler Kooperation kristallisierten sich in einem weiteren Input die regionale Wirtschafts- und Standortentwicklung, Gründungs- und Innovationsförderung, Verkehrs- und Mobilitätsthemen, Strukturwandel sowie Flächen- und Raumplanung heraus. Ein Marktplatz mit bestehenden Regionalverbänden und Netzwerken, darunter beispielsweise Aussteller*innen wie die Deutschen Gartenschau Gesellschaft, die Metrolpolregion Hamburg oder die Zukunftsregion Ahr e.V. bot zudem Gelegenheit zum direkten Austausch mit Praktiker*innen und zum Lernen von bestehenden Kooperationsbeispielen.

Arena V: KI in der Stadtentwicklung – Chancen und Herausforderungen

Im Rahmen der Smart City Dialog-Initiative des Bundesbauministeriums initiierte die Stadt Gelsenkirchen das Projekt URBAN.KI. Marlene Damerau (gkd-el) stellte die Initiative vor: Aus 130 Interessensbekundungen wurden neun Anwendungsfälle aus sechs Bereichen identifiziert, darunter Stadtplanung, Mobilität, Umwelt & Klimaschutz, IT-Sicherheit, Bevölkerungsschutz und Verwaltungsprozesse. Ein Institut für KI & Stadtentwicklung ist zudem in Planung, um Erfahrungsaustausch, Beratung und die interkommunale Arbeit an Lösungsansätzen zu verstetigen Fünf Beispiele wurden vorgestellt; alle Anwendungsfälle stehen als Open Code Kommunen frei zur Verfügung.

MapChatAI – Mit KI navigieren: Der Karten-Chatbot für mehr digitale Teilhabe

Gemeinsam mit der Stadt Leipzig entwickelt URBAN.KI einen KI-gestützten Karten-Chatbot, der Bürger*innen – auch mit Beeinträchtigungen oder geringen Sprachkenntnissen – per Text- oder Spracheingabe niedrigschwellig Zugang zu Geoinformationen verschafft, z.B. „Wo ist der nächste barrierefreie Zugang?“.

Sursentia & aviary – Luftbildauswertung & urbane Flächen smart analysieren

Gemeinsam mit dem Kreis Recklinghausen und dem Kreis Unna entwickelt URBAN.KI zwei Plattformen zur KI-gestützten Luftbildauswertung: „Sursentia“ erkennt versiegelte Flächen, Gründächer und Solaranlagen, „aviary“ analysiert darüber hinaus städtebauliche Strukturen und Veränderungen im Zeitverlauf – beide ohne Expertenwissen bedienbar und kostengünstiger als externe Anbieter.

ArchivAIr – Aufbereitung digitaler Bauakten mit KI

Gemeinsam mit der Stadt Heiligenhaus digitalisiert und klassifiziert URBAN.KI analoge Bauakten vollautomatisiert per KI – Akten stehen so in Sekunden statt Tagen zur Verfügung, der Ansatz ist skalierbar und auf andere Kommunen übertragbar.

AIMOS – KI-gestützte Verkehrsplanung im Landkreis Osnabrück

Gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück nutzt URBAN.KI anonymisierte Nutzungs- und Strukturdaten, um Bedarfe für On-Demand-Verkehre im ländlichen Raum zu ermitteln und so eine fundierte Grundlage für bedarfsgerechte Mobilitätsangebote zu schaffen.

Prof. Dr. Julia Frohne (Westfälische Hochschule) stellte die URBAN.KI-Studie vor: Etwa ein Drittel der Kommunen nutzt bereits eigene KI-Systeme, knapp die Hälfte plant oder erprobt sie, aber auch gut 40 Prozent nannten fehlende Ressourcen als größte Hürde.

In der abschließenden Paneldiskussion ging es um Datenqualität, Sicherheit, Finanzierung und Kompetenzaufbau. Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen wurde empfohlen: Bei der Entwicklung von KI-Lösungen lohnt sich interkommunale Zusammenarbeit, um Doppelentwicklungen zu vermeiden und Ressourcen zu bündeln. Als Resümee blieb: Die Kosten der Nicht-Nutzung von KI werden eines Tages höher sein als die Kosten für deren Entwicklung, Anwendung und Schulung der Mitarbeitenden.

Fazit

Der 19. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik hat gezeigt, vor welch komplexen Herausforderungen Kommunen heute stehen – von der Beschleunigung durch den Bau-Turbo über Klimaanpassung und soziale Resilienz bis hin zum Einsatz Künstlicher Intelligenz. Bei aller thematischen Vielfalt zog sich ein roter Faden durch die drei Kongresstage: Gute Lösungen entstehen im Austausch – ob zwischen Fachämtern, Regionen oder Kommunen bundesweit. Der Bundeskongress war erneut eine wertvolle Plattform, die kommunale Praktiker*innen aus ganz Deutschland zusammenbrachte, zum gegenseitigen Lernen einlud und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Städte und Gemeinden leistete.