14.01.2026

Connective Cities Netzwerktreffen 2025

Get-together am 9. und 10. Dezember 2025 setzt Kurs fürs neue Jahr

Sich updaten, aus der kommunalen Praxis berichten, Austausch pflegen – darum geht es beim jährlichen Netzwerktreffen von Connective Cities für die aktiven deutschen Akteur*innen. Auch in diesem Jahr fanden rund 30 Teilnehmer*innen den Weg nach Bonn und tauschten sich über Geschafftes, Geplantes und auch ein wenig über Visionäres aus.

Die Gruppe der Teilnehmer*innen war bunt gemischt. Mit dabei waren Connective-Cities-Erfahrene wie etwa Lidia Perico, Leiterin der Stabsstelle Bildung für nachhaltige Entwicklung im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die mit einer ganz konkreten Idee für einen thematischen Schwerpunkt anreiste. Oder auch Michael Leischner aus Dortmund, der als Mitglied des Steuerungskreises mit Blick auf das gesamte Programm teilnahm. „Ich bin schon gefühlte 100 Jahre bei Connective Cities und jetzt im Steuerungskreis. Für mich ist es wichtig zu sehen, was sich in den Kommunen tut und wie die Situation bezüglich internationaler Zusammenarbeit ist“ – so seine Motivation, kurz vor Jahresende zwei Tage zu investieren. Wiederum andere kamen zum Netzwerktreffen, um sich mit dem Angebot von Connective Cities grundsätzlich vertraut zu machen.

 

Links im Bild ist ein Banner von Connective Cities und mittig ein Infoscreen mit einem Schriftzug "Willkommen zum Connective Cities Netzwerktreffen 2025".
Foto: Connective Cities

Für diese vielfältigen Erwartungen gab es ein breites Programm:

Zunächst einmal standen das Sondieren und Einbringen von Themen im Mittelpunkt und damit die Gelegenheit für die Teilnehmer*innen, Themen aufzuzeigen, die in ihrer kommunalen Praxis relevant sind.

Hierzu stellte das Team der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und der GIZ zunächst die schon gereiften Pläne für das kommende Jahr vor: Seitens der GIZ werden in den Partnerregionen unter anderem die Renaturierung urbaner Räume sowie die Stärkung der lokalen Wirtschaftsentwicklung als wichtige thematische Schwerpunkte verfolgt, neben weiteren inhaltlichen Feldern.  Für die Fokusregion Subsahara-Afrika stehen naturbasierte Lösungen und das wirtschaftliche Potenzial von grünem Wasserstoff im Mittelpunkt. Mit den Kommunen der Region Südosteuropa und Südkaukasus wird an urbaner Resilienz und der Sicherung kritischer Infrastruktur sowie an wirtschaftsfreundlicher Regionalentwicklung gearbeitet. In der Fokusregion Nahost und Nordafrika stehen Grüne Korridore zwischen Stadt und Umland, und das Thema Building Back Better – vor allem mit Blick auf Syrien und Gaza – auf dem Plan. Darüber hinaus werden die Themen aus vergangenen Lernprozessen in Alumni-Gruppen weitergeführt, um das generierte Wissen im Netzwerk zu verankern und den fachlichen Austausch nachhaltig aufrechtzuerhalten. Die Alumni-Gruppen arbeiten unter anderem zu den Themen Hitze in der Stadt, risiko-informierte Stadtentwicklung sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Die SKEW ihrerseits wird für Lernprozesse in Deutschland die Schwerpunkte unter anderem auf Nachhaltige Mobilität und Wasserresilienz legen. Themenvorschläge für zwei weitere Lernprozesse in Deutschland können noch bis zum 8. Februar 2026 eingereicht werden.

Die entsprechenden Teilnahmeaufrufe wurden zum Teil bereits veröffentlicht oder werden Anfang 2026 im Newsletter, auf der Website und bei LinkedIn und Facebook erscheinen. Die Lernformate bleiben die bewährten: länger angelegte Lernprozesse über ein Jahr mit Auftakttreffen, Fachaustauschreisen und digitalem Austausch, Deep Dives in kleinen Gruppen über zwei Jahre hinweg sowie verschiedene agile Formate – offen für alle und auf akute Bedarfe zugeschnitten (Ad-hoc-Sessions, Insight-Sessions).

Themenschwerpunkte von Connective Cities

Im zweiten Schritt wurden Themen, zu denen sich die Kommunen und kommunalen Unternehmen weiteren Austausch wünschen, gesammelt und dabei auch die Themen aus dem aktuellen Themenspeicher von Connective Cities gewichtet. Die entstandene Pinnwand liest sich spannend und vielfältig: Katastrophenvorsorge, (Cyber-)Sicherheit und Resilienz, (legale) Migration und Integration, Stadtentwicklung und neue Stadtquartiere, Energieparks, Energie aus Biomasse, Entwässerung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Nachhaltigkeitskonzepte bei Großveranstaltungen, Start-ups und lokale Wirtschaftsförderung, Bildung und Bildungsmaterialien zu nachhaltiger Entwicklung, demografischer Wandel, inklusive Stadt, Umweltschutz in der Stadt, digitale Daseinsvorsorge, attraktive Innenstädte und noch weitere Themen sammelten sich dort. Auch Lidia Pericos Idee ist dort zu lesen. Ob dies ein Thema für Connective Cities werden wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt natürlich nicht klar. Aber: „Wir wollten die Chance kurz vor Jahresende nutzen, um unsere Planung für 2026 in die Spur zu bringen, egal ob es jetzt im Format von Connective Cities klappt oder nicht. Wenn man von eigenen Ideen berichtet, entwickelt man diese ja im Kopf weiter und das ist immer ein Mehrwert“, so Pericos Bilanz.

Wie Lernprozesse im Rahmen von Connective Cities konkret aussehen können, zeigten zwei Beispiele aus vergangenen Lernzyklen.

Angelika Schweimnitz vom Institut für Schutz und Rettung der Kölner Feuerwehr stellte den Lernzyklus von Feuerwehren zu den Themen „Unterkünfte für Evakuierte und der Einsatz von Ehrenamtlichen“ vor. Für die Kölner Feuerwehr mündete dieser in einen intensiveren Austausch mit den Feuerwehren aus Makati und Quezon City auf den Philippinen, die laut Schweimnitz aufgrund der Vielzahl der dortigen Klimaereignisse eine weit höhere Einsatzdichte haben. Schweimnitzs Bilanz war dabei durchweg positiv: Beeindruckend sei die Nähe zwischen Rathaus und Bevölkerung gewesen sowie die Übersicht über die Stadt durch Kameraüberwachung. Die philippinischen Partner seien vor allem am Modell der freiwilligen Feuerwehr interessiert gewesen, die in Deutschland einen bedeutenden Anteil der Einsatzkräfte ausmacht. Der Austausch habe außerdem eine Vielzahl konkreter Ideen für die qualitätsvolle Unterbringung von Evakuierten hervorgebracht – vom Pop-up Zelt bis zum Intimitätsraum. „Es wurde einfach die Sprache der Instrumente gesprochen“, so ihre Beschreibung. Und: „Wir haben das Internationale und vernetztes Denken in der Katastrophenvorsorge in unsere Feuerwehr getragen.

Ein ähnlich positives Bild eines Connective Cities-Austauschs zeichnete Sven Robert Ganschow von der Stadtreinigung Hamburg. Trotz Hürden wie der Corona-Pandemie, Personalwechseln und grundsätzlich veränderten Rahmenbedingungen wie dem Kriegsbeginn in der Ukraine sei der internationale Austausch zu den Themen Integrierte Abfallwirtschaft und Kunststoffrecycling von hohem Nutzen und wertgeschätzt gewesen. Er habe dabei auch stets die politische Rückendeckung aus der eigenen Stadt gemerkt: „Ich spürte immer Verständnis dafür, dass die Probleme nicht im eigenen Land enden, sondern dass es wichtig ist, dass wir unser Wissen weitergeben“, so seine Erfahrung.

Teilnehmende des Netzwerktreffens | Foto: Connective Cities

Ein dritter Schwerpunkt des Netzwerktreffens war die kollegiale Beratung – zum einen, um diese als Kernmethode von Connective Cities vorzustellen, zum anderen, um den Luxus der versammelten Expertise zu nutzen. Einige Teilnehmer*innen brainstormten dabei zu der Frage, wie sich Kolleg*innen in der eigenen Kommune oder im eigenen kommunalen Unternehmen für die Teilnahme an einem Connective-Cities-Austausch gewinnen lassen. Eine zweite Gruppe beschäftigte sich damit, wie die Umsetzung eines Projekts gelingen kann, auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit Bewilligung diametral verändert haben. Und auch das Team von Connective Cities selbst nutzte die Chance und fragte nach Strategien für eine erfolgreiche Ansprache kommunaler Expert*innen für die Aktivitäten des Vorhabens.  Alle Gruppen erwiesen sich als äußerst produktiv und machten die Idee von Connective Cities greifbar: Expertise zusammenbringen – die Vielfalt der Perspektiven nutzen – gemeinsam Lösungen generieren. Oder mit den Worten einer Teilnehmerin: „Es tut gut zu sehen, dass andere Kommunen ähnliche Herausforderungen haben und es oft schon Lösungen gibt. Man muss nicht alles neu anfangen.“

Und schließlich ging es beim Netzwerktreffen darum, was schon der Titel verrät: Kontakte knüpfen, sich zusammenschließen – Netzwerken eben. Die lebhaften Gespräche von der ersten Kaffeepause an ließen erahnen, dass dieses Ziel zufriedenstellend erreicht wurde. „Mein Impuls für den Heimweg ist auf jeden Fall, 2026 häufiger an solchen Netzwerktreffen teilzunehmen. Raus aus Berlin und in den Austausch gehen“, so noch einmal Lidia Perico aus Berlin.

 

„Ich bin wirklich begeistert vom Netzwerktreffen, weil ich das ganze System hinter Connective Cities noch einmal tiefer verstanden habe, obwohl wir schon zusammengearbeitet haben. Und dass man sich so stark mit eigenen Themen in das Programm einbringen kann, finde ich klasse.“

(Daniela Wiedenhaupt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin)