13.10.2026

Grüne Korridore in Ägypten: Von städtischen Herausforderungen zu konkreten Lösungen

Connective Cities bringt ägyptische Kommunen und internationale Fachleute zusammen, um innovative Ansätze für grünere und klimaresilientere Stadträume zu entwickeln.

Am 28. und 29. September 2026 veranstaltete Connective Cities in Zusammenarbeit mit dem Urban Development Fund (UDF) und der GIZ Ägypten einen zweitägigen hybriden Peer-Learning-Workshop. Vertreterinnen und Vertreter aus Aswan, Port Said und Alexandria erarbeiteten gemeinsam mit internationalen Fachleuten praxisorientierte Lösungen für Stadtbegrünung und klimaresiliente öffentliche Räume.

Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie können Städte bestehende Straßen und wenig genutzte Flächen in grüne Korridore verwandeln, die Lebensqualität verbessern und die Klimaresilienz stärken?

Drei Städte, drei städtische Herausforderungen

Aswan untersuchte Möglichkeiten, in einem Wohngebiet mit hohen Temperaturen und wenig Vegetation Schatten, Grünflächen und fußgängerfreundliche Räume zu schaffen.

Straßenkreuzung vor gelben, teils verfallenen Mehrfamilienhäusern mit Satellitenschüsseln. Ein Auto parkt vor einer Apotheke, wenige Menschen gehen den Gehweg entlang. Grüne und orangefarbene Pinselstriche markieren Stellen für eine Umgestaltung.
Wohnviertel im derzeitigen Zustand. Grüne und orangefarbene Pinselstriche markieren Bereiche für eine Umgestaltung.
Eine KI-Visualisierung für die Umgestaltung des Wohnquartiers. Vorteile: Anwohner und Kinder profitieren von schattigen, grüneren Gemeinschafts- und Spielplätzen. Nachteile: Autofahrer müssen mit einer Verengung der Straße rechnen und können sie nur langsam duchfahren.

Port Said konzentrierte sich auf die Begrünung öffentlicher Räume trotz salzhaltiger Böden, Wasserknappheit und begrenzter finanzieller Mittel.

Blick von oben auf eine große, sandige Brachfläche mit verstreutem Müll neben einer Straße. Dahinter liegen eine ummauerte Freifläche mit einem mehrstöckigen Gebäude sowie Wohnhäuser.
Ungenutzte Freifläche in Port Said
KI-Visualisierung der zuvor kahlen Brachfläche als Stadtpark: Zwischen Wohnhäusern verlaufen Wege durch Beete, Bäume und Sträucher, Menschen spazieren, Bänke laden zum Sitzen ein.
KI-Visualisierung der zuvor kahlen Brachfläche als Stadtpark. Vorteile: Anwohner und Fußgänger profitieren von Schatten, Erholungsmöglichkeiten und sichereren, stufenlosen Wegen. Nachteile: Autofahrer verlieren Durchfahrtskapazität und eine schnellere Zufahrt.

Alexandria befasste sich mit der Aufwertung von Straßenräumen und geeigneter Bepflanzung unter schwierigen Bodenbedingungen und angesichts von Fragen der Wasserverfügbarkeit und Pflege.

Breite, fast leere Straße zwischen mehrstöckigen Wohnblöcken unter blauem Himmel. Mitten auf der Fahrbahn steht ein Fußballtor. Rechts parkt ein gelbes Tuk-Tuk,
Versiegelte Flächen verschlechtern das Stadtklima in Alexandria.
KI-Visualisierung der zuvor leeren Straße als begrünter Gemeinschaftsraum: Unter einem Sonnensegel pflegen Menschen Hochbeete, Ältere sitzen auf Bänken, im Hintergrund liegt ein Spielplatz. Bäume spenden Schatten
KI-Visualisierung der zuvor leeren Straße als begrünter Gemeinschaftsraum. Vorteile: Die Anwohner erhalten schattige Sitzgelegenheiten, Spielflächen und Beete zum Anbau von Lebensmitteln. Nachteile: Anwohner*innen, verlieren Parkraum und haben weniger Möglichkeiten, ihre Fahrgäste schnell abzusetzen.

 

Im strukturierten Peer Advice entwickelten die Teilnehmenden gemeinsam umsetzbare, an den örtlichen Kontext angepasste Maßnahmen – von schattigen Fußwegen und kleinen grünen Inseln über Bodenverbesserung und standortgerechte Baumarten bis hin zu Partnerschaften mit Schulen, Initiativen und lokalen Organisationen.

Peer Learning mit KI-gestützter Visualisierung verbinden

Eine Besonderheit des Workshops war die Integration KI-gestützter Visualisierungen in den Peer-Learning-Prozess. Anhand von Fotos bestehender Stadträume wurden alternative Zukunftsszenarien erarbeitet, die mögliche Veränderungen der ausgewählten Orte anschaulich machten.

Die Visualisierungen halfen, fachliche Empfehlungen in räumlich greifbare Konzepte zu übertragen sowie unterschiedliche Optionen gemeinsam zu diskutieren, zu vergleichen und weiterzuentwickeln. Die KI-Bilder waren keine fertigen Entwürfe, sondern ein gemeinsames Arbeitsinstrument, um Möglichkeiten auszuloten und sie an den lokalen Gegebenheiten zu prüfen.

Von Ideen zum Handeln: Backcasting

Darüber hinaus führte der Workshop in die Methode des Backcasting ein: Ausgehend von einem gewünschten Zukunftsbild werden rückwärts die erforderlichen Schritte zu seiner Verwirklichung bestimmt. Aufbauend auf Peer Advice und KI-Szenarien diskutierten die Teilnehmenden, wie langfristige Visionen in konkrete Prioritäten, Partnerschaften und Umsetzungsschritte übersetzt werden können.

Die Verbindung von Peer Advice, KI-gestützter Visualisierung und Backcasting zeigte, wie digitale Werkzeuge und strukturierter internationaler Austausch einander ergänzen und Städten helfen können, von gemeinsamen Herausforderungen zu lokal passenden Lösungen zu gelangen.

Internationale Expertise und regionaler Austausch

Prof. Dr. Heba Khalil, Stefan Scharfe und Prof. Ruvi Y. Suárez Subirana brachten internationale Erfahrungen und fachliche Perspektiven zu nachhaltiger Stadtentwicklung, grüner Infrastruktur und Klimaresilienz ein.

Der Workshop wurde von Jelena Karamatijevic (Connective Cities) konzipiert und fachlich geleitet. Die Moderation übernahm Aida Tarhouni. Der Workshop entstand in enger Zusammenarbeit mit Dr. Marwa Ahmed vom Urban Development Fund (UDF) und der GIZ Ägypten. Besonderer Dank gilt Dr. Marwa Ahmed für die Zusammenarbeit mit den ägyptischen Partnern sowie den Kolleginnen des Connective-Cities-Projekts (CBUID) für ihre wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung. Die positiven Rückmeldungen unterstrichen den Mehrwert der Verbindung von kommunaler Praxis, internationaler Expertise und innovativen digitalen Ansätzen.

Wie geht es weiter?

Der Workshop in Ägypten ist Teil des regionalen Connective-Cities-Lernprozesses zu grünen Korridoren in der MENA-Region. Weitere Austauschformate mit Kommunen der Region werden an die Ergebnisse anknüpfen, grenzüberschreitendes Lernen fördern und praxisnahe Ansätze für klimaresiliente Stadtentwicklung unterstützen.

Die Erfahrungen aus Ägypten zeigen, wie sich Peer Learning weiterentwickeln kann: vom Austausch von Ideen über die gemeinsame Visualisierung von Lösungen bis zur Identifizierung konkreter Umsetzungspfade.

Weitere Informationen:

Jelena Karamatijevic | Advisor on Sustainable Urban Development
Connective Cities · GIZ | jelena.karamatijevic@giz.de