Die Seilbahn von Medellín

Mobilität als wichtiger Faktor von integrierter und inklusiver Stadtentwicklung

Übersicht

Medellín eröffnete 2004 die erste Seilbahnlinie als Teil des öffentlichen Nahverkehrssystems. Finanziell gefördert durch die Stadtwerke und eingebettet in integrierte Stadtenwicklungsprojekte hilft die Seilbahn, Marginalisierung zu reduzieren und der armen Bevölkerung bessere Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Hintergrund

Die Stadt Medellín dehnt sich räumlich über ein schmales Talgebiet und weite Gebiete in Hanglange aus. Letztere sind häufig auf informellen Wegen entstanden und von Armut geprägt. Mobilität war mit hohem Zeitaufwand und Kosten verbunden. Unzureichende Transportmöglichkeiten sowie die geringe Präsenz staatlicher Behörden und Einrichtungen verringerten nicht nur die Entwicklungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten der lokalen Bevölkerung sondern forcieren auch die physische und soziale Marginalisierung der Bezirke. Der schlechte Zugang zum Arbeitsmarkt, wachsende Perspektivlosigkeit und hohe Kriminalitäts- und Gewaltraten waren die Folge. Seit Anfang des neuen Jahrtausends setzt die lokale Regierung auf umfassende integrative Maßnahmen, um die Stadtteile mit der Bevölkerung gemeinsam aufzuwerten.

Ziele

Der gleichberechtigte Zugang zu Mobilität ist einer der wichtigsten Faktoren in Medellins Stadtentwicklung. Zwei weitere Seilbahnlinien sind geplant und noch 2014 soll die erste Straßenbahnlinie Ayacucho fertig gestellt werden. Ein weiteres zentrales Vorhaben ist die Verbesserung des städtischen Ökosystems und der Verbindung von Freizeiteinrichtungen und Sportstätten mit einem neu anzulegenden Grüngürtel rund um die Stadt.

Aktivitäten

Seit 2003 implementiert die lokale Regierung die integrierten urbanen Projekte (PUI). Dabei wird die betroffene Bevölkerung aktiv in die Planungsprozesse und in die Umsetzung der Projekte mit einbezogen. In 14 Monaten Bauzeit wurde 2004 die erste Seilbahnlinie K fertig im Stadtteil Santo Domingo Savio fertig gestellt, die auch direkt mit der zentralen Metrolinie Medellíns verbunden ist. Das Projekt sorgte zudem für Investitionen in eine öffentliche Bibliothek, Kindertagesstätten, öffentliche Plätze sowie Sportstätten. Interinstitutionelle Kooperation fördert die Planung und Entwicklung der umfangreichen Konzepte, die mittlerweile als "Social Urbanism" bekannt wurden.

Die zweite Seilbahnlinie J wurde 2008 eingeweiht. Es folgte 2011 die Ergänzung des Metrosystems durch Metroplus, einem Schnellbus-System (Bus Rapid Transit), wo große, aber CO2-sparende Gelenkbusse jeweils eigene Spuren nutzen, ähnlich wie bei einer U- oder Straßenbahn.

Wirkungen

Die erste Seilbahnlinie K erreicht ca. 230.000 Einwohner in 12 Lokalitäten und verbindet den Nordosten der Stadt mit dem Zentrum. Sie reduziert die durchschnittliche Transferzeit von 120 auf 65 Minuten. Linie J dient potenziell 315.000 Einwohnern in 37 Bezirken, wo auch zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird. Weitere Projekte wurden im Osten, Nordwesten und Westen initiiert.

Die Integration über die Seilbahn in das öffentliche Nahverkehrssystem bedeutet weniger Zeitaufwand, mehr Komfort und spart insbesondere den Nutzern aus ärmeren Schichten enorme Kosten, da sie nun einmalig und unabhängig von Ihrer Wegstrecke bezahlen. Die Einführung einer aufladbaren "Civic Card" ermöglicht es Pendlern, im Vorfeld eine Magnetkarte aufzuladen und verkürzt damit Wartezeiten.

Fazit

Die Einführung der Seilbahnlinien und die Anbindung einiger marginalisierter Gegenden der Stadt waren die Initialzündung für eine physische und soziale Transformation in Medellín. Über die verbesserte Anbindung der Bewohner der vorher abseits gelegenen Stadtviertel hinaus hat ein Prozess gegenseitiger Wertschätzung begonnen, der auch zu einem Zugehörigkeitsgefühl führt. Die dort lebenden Menschen werden in das soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Leben der Stadt integriert und konnten in Partizipationsverfahren über weitere stadtplanerische Projekte mitentscheiden. Mittlerweile sind die über die Seilbahn angebundenen Stadtteile stark aufgewertet: lokale Gewerbe haben sich angesiedelt und die Kriminalitätsraten sind gesunken.

weitere Information

Karte: Seilbahn von Medellín

Dávila, Julio D. (editor): Urban mobility and poverty. Lessons from Medellín and Soacha, Colombia.

Website der lokalen Stadtentwicklungs- und Planungsbehörde (Empresa de desarrollo urbano) www.edu.gov.co

Stand: 20.03.2016

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Regionen:LateinamerikaKolumbienMedellin

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