Engagiert und mutig gegen Ebola

Dr. Jerry Brown richtet die erste Isolierstation in Paynesville/Liberia ein

Übersicht

Trotz mangelhafter Ausstattung und fehlender Erfahrung mit Seuchenkrankheiten wie Ebola, hat es Dr. Jerry Brown vom ELWA II-Krankenhaus geschafft, die erste Isolierstation des Landes einzurichten – und so vielen Menschen das Leben gerettet. 

Hintergrund

In den Jahren 2014/2015 kam es in Westafrika zum bislang schwersten Ausbruch des Ebola-Fiebers. Neben den Ländern Guinea und Sierra Leone war Liberia am stärksten betroffen. Insgesamt erkrankten hier über 10.000 Menschen, rund 4.000 von ihnen starben.

Die ersten Fälle der Infektionskrankheit in Liberia wurden im März 2014 in Regionen nahe der Grenze zu Guinea, dem ursprünglichen Ausbruchsgebiet, registriert. Von dort verbreitete sich das Virus, das über direkten Körperkontakt, durch Körperflüssigkeiten oder Kontakt mit kontaminierten Gegenständen übertragen wird, schnell auch im gesamten Land. Bis August des Jahres waren insgesamt 12 von 15 Regionen betroffen – insbesondere die Hauptstadt Monrovia. Der Ausbruch und die Bekämpfung des Ebola-Fiebers stellte das Gesundheitssystem des Landes vor große Herausforderungen. Als Folge des fast 15 Jahre lang währenden Bürgerkriegs (1989-2003) war und ist die gesamte Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Verkehr, Energie) in weiten Teilen immer noch extrem unterentwickelt. Der rasante Anstieg von Verdachtsfällen stellte ärztliches und nichtärztliches Personal sowie die Regierung des Landes und seine Behörden vor eine Vielzahl von Problemen. Neben medizinischem Material, notwendiger Ausstattung und Laboren fehlten vor allem verlässliche Informationen und Erfahrungswerte im Umgang mit der Krankheit sowie einheitliche Richtlinien über adäquate Behandlungs- und Eindämmungsmaßnahmen sowie geschultes Personal.

Dank seines großen Engagements und seiner Fähigkeit, selbst unter schwierigen (medizinischen) Bedingungen seuchenhygienische Maßnahmen einzuleiten, gelang es dem Leiter des Missionshospitals ELWA II in Paynesville / Monrovia, Dr. Jerry Brown, die erste Isolierstation in Liberia aufzubauen und dort Patienten zu heilen. 

Ziele

  • Menschen mit Ebola behandeln und Menschenleben retten
  • Gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Ärzten und Pflegepersonal
  • Aufklärung  der Bevölkerung: Hygienemaßnahmen einfüren, Angst vor einer Ansteckung nehmen

Aktivitäten

Im April 2014 wurde der erste Ebola-Patient im ELWA II-Hospital aufgenommen. In den folgenden Wochen und Monaten stieg die Zahl der Menschen mit Ebola-Verdacht massiv an. Unter ihnen waren auch eine einheimische Krankenschwester sowie ein amerikanischer Missionsarzt der Samaritian‘s Purse, der zur Behandlung in seine Heimat ausgeflogen wurde. Die NGO zog sich daraufhin vorerst zurück aus Liberia. In Eigeninitiative und unter Einsatz einfachster Hilfsmittel richtete Dr. Brown die erste Isolierstation (ETU) der Hauptstadt auf dem Missionsgeländer ein – um die Ansteckungsgefahr einzudämmen und um Verdachtsfälle und infizierte Personen medizinisch versorgen zu können. Parallel dazu organisierte er das Hospital neu: So wurde zum Beispiel der Zugang zum Krankenhaus auf nur einen Eingang beschränkt. Schutzkleidung wurde aus OP-Kitteln sowie Plastiktüten und -schürzen improvisiert; Gummistiefel dienten zur Herstellung von Mundschutzmasken.

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, die umliegende Bevölkerung und insbesondere das Personal des Krankhauses davon zu überzeugen, dass Ebola-Patienten unter Beachtung entsprechender Schutzmaßahmen gefahrlos versorgt werden können. Aus Angst vor einer Ansteckung hatten sich viele Schwestern und Helfer geweigert, weiter zu arbeiten. Taxifahrer lehnten es ab, Krankenhauspersonal zu befördern. Ein Radiointerview von Dr. Brown half schließlich, die Situation zu verbessern. Die liberianische Regierung, kirchliche Vereinigungen und auch Geschäftsleute wurden auf die Arbeit im Missionshospital ELWA II aufmerksam und versicherten daraufhin die notwendige finanzielle Unterstützung. So konnten Ärzte, Schwestern und Helfer wie Köche und Putzdienste im Umgang mit den Patienten und besonders in Fragen der Hygiene und Dekontamination – im Rahmen der Möglichkeiten – geschult werden. Eine große Spende von action medeor e.V. aus Tönisvorst ermöglichte den Aufbau einer gesonderten Isolierstation. Zunächst hatte Brown diese in einer kleinen Kapelle und später in den Küchen- und Waschräumen eingerichtet.

Wirkungen

Zwischen Juli und Dezember 2014 wurden insgesamt 700 Patienten in der Isolierstation des Missionshospitals behandelt. Über 220 Menschen konnte Dr. Brown mit seinem Team erfolgreich versorgen und behandeln. In 200 Fällen bestätigte sich der Ebola-Verdacht nicht. Weder im Krankenhaus noch auf der Isolierstation kam es aufgrund der eingeführten Schutzmaßnahmen zu Neuinfektionen. In Anerkennung seines Einsatzes bei der Bekämpfung des Ebola-Fiebers erklärte das „Time“-Magazin Dr. Jerry Brown zu einer der Personen des Jahres 2014. 

Fazit

Das Beispiel Liberia zeigt: Persönliches Engagement sowie Improvisationstalent können organisatorische und infrastrukturelle Defizite im Kampf gegen biologische Gefahrenlagen wie dem Ebola-Fieber zumindest teilweise kompensieren. Um jedoch ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern sicherzustellen, ist eine umfassende Unterstützung nötig. Diese betrifft vor allem den Auf- bzw. Ausbau der Infrastrukturen in Gesundheitssektor sowie einen stärkeren Einsatz im Bereich Bildung. Hier muss Entwicklungshilfe ansetzen, um mittel- und langfristig schnelle Reaktionen auf den Ausbruch von Seuchenkrankheiten zu gewährleisten.

Dabei gilt es, die kommunale Ebene in den Fokus zu rücken und zu stärken. In Liberia etwa haben der Aufbau zentraler Gesundheitsdienste auch mit guter technischer Ausstattung wie Laboren Priorität. Zudem gilt es, die Ausstattung von Kliniken zu verbessern. Über gezielte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen von Ärzten und Pflegepersonal inklusive Aufklärung auch der Bevölkerung können Hemmnisse im Kampf gegen solche Krankheiten beseitigt werden. Selbst schwere Infektionskrankheiten wie Ebola lassen sich unter diesen Voraussetzungen so in den Griff bekommen. 

weitere Information

Stand: 19.04.2016

Kontakt

Website: Eternal Love Winning Africa (ELWA)
http://www.elwaministries.com 

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Kategorien:Good Urban GovernanceKommunale Dienstleistungen
Regionen:AfrikaLiberiaPaynesville City / Monrovia

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