Partizipative Stadtteilentwicklung in Kairo

Beteiligungsorientiertes Entwicklungsprogramm in städtischen Armutsgebieten

Übersicht

Ägyptens Städte wachsen rapide, meist ohne staatliche oder kommunale Planung. Rund 20 Millionen Einwohner leben im Großraum Kairo. Davon wohnen um die 60 Prozent in informellen, unterversorgten und sehr dicht bebauten Stadtgebieten, die vielfach ungeplant entstehen. Das Vorhaben berät zu Konzepten und Methoden partizipativer Stadtteilentwicklung und basisorientierter Abfallwirtschaft in informellen Stadtgebieten. Es hat eine Gesamtlaufzeit von 2004 bis 2018.

Hintergrund

Ägyptens Städte wachsen rapide, meist jenseits staatlicher oder kommunaler Planung. Rund 20 Millionen Einwohner leben im Großraum Kairo. Davon wohnen um die 60 Prozent in informellen, unterversorgten und sehr dicht bebauten Stadtgebieten, die vielfach ungeplant entstehen. Bebaut werden vorwiegend ökologisch wertvolle Agrarflächen oder Flächen in staatlichem Besitz ohne Genehmigung. Es mangelt an sozialen Dienstleistungen und sanitären Einrichtungen wie Wasser, Abwasser und Abfallentsorgung. Die extreme Bevölkerungsdichte hat eine hohe Umweltbelastung zur Folge. Die Lebensbedingungen werden durch Folgen des Klimawandels negativ beeinflusst. Die Bewohner sind häufig arm und haben einen niedrigen formalen Bildungsstand. Sie erschließen ihren Wohnraum oft selbst – ohne Baugenehmigungen und meist ohne Anbindung an die öffentliche Infrastruktur. 

Ziele

Öffentliche Verwaltung und Organisationen der Zivilgesellschaft verbessern kooperativ Dienstleistungen und Umweltbedingungen für die arme städtische Bevölkerung. 

Aktivitäten

Das Vorhaben berät Entscheidungsträger in Ministerien, Gouvernoraten und lokalen Verwaltungseinheiten (Mehrebenenansatz) im Umgang mit den informellen Gebieten. Schwerpunkt der Beratung sind Einführung, Verbreitung und Anwendung von Verfahren und Methoden partizipativer Stadtteilentwicklung. Dies erfordert verbesserte Fähigkeiten von Nichtregierungsorganisationen und lokaler Verwaltung, mit Beteiligung des Privatsektors, Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Die Europäische Union (EU) kofinanziert Kleinmaßnahmen in neun ausgewählten informellen Siedlungen, erreicht werden mehr als zwei Millionen Einwohner. Gefördert werden vor allem Jugendliche, Frauen und zivilgesellschaftliche Organisationen. In zwei Armutsgebieten im Qalyubeya-Gouvernorat wird ein integriertes, gemeindebasiertes Abfallwirtschaftssystem eingeführt, das eine weitere halbe Million Einwohner erreicht. Kofinanziert von der Bill und Melinda Gates Stiftung (BMGS) wird die abfallwirtschaftliche Infrastruktur verbessert. Einbezogen werden lokale Institutionen und der informelle Sektor, wie Müllsammler. Umfangreiche Maßnahmen, die das Bewusstsein zum Thema Abfall und Umwelt fördern, werden durchgeführt.

Wirkungen

In den ersten Jahren arbeitete das Programm mit der KfW Entwicklungsbank zusammen. Zu den wesentlichen Erfolgen gehören verbesserte räumliche Bedingungen, die Einführung sozialer Entwicklungsmaßnahmen, sowie verbesserte Umwelt-, Bildungs- und Medizinstandards.

Von Anfang an wurden im Programm partizipative Vorgehensweisen und Instrumente erarbeitet, angewandt und verbreitet. Partizipation bei der Stadtteilverbesserung findet heute in Ägypten zunehmend Beachtung und gilt auch bei anderen Institutionen und Gebern als Erfolg versprechend.

In den Gouvernoraten des Großraumes Kairo wurden mit Unterstützung des Vorhabens Verwaltungseinheiten zur Stadtteilverbesserung eingerichtet und das Personal ausgebildet. Sie sind in erster Linie direkter Ansprechpartner für Partnerorganisationen. Darüberhinaus sind die Verwaltungseinheiten, unabhängig vom Vorhaben, für alle Gebiete zuständig und durch Dekrete institutionell verankert.

Fazit

Evaluierungen der Partner zeigen, dass sich die Lebensbedingungen in den ersten Projektgebieten nachhaltig verbessert haben, durch die Kombination von Institutionsentwicklung und Umsetzung von Kleinmaßnahmen, finanziert von der KfW Entwicklungsbank. Das Programm trägt damit direkt zur Armutsminderung bei. Lokale Verwaltung und Bevölkerung sind durch vermehrte Aufklärungsmaßnahmen über Umweltthemen und mögliche Anpassungsstrategien zum Klimawandel sensibilisiert. Umweltbedingungen sind optimiert, unter anderem durch Umsetzung einer Abfallwirtschaftsstrategie, die lokale Nichtregierungsorganisationen und öffentliche Verwaltung vereinbart haben. Neu geschaffene Absatzmärkte für wiederverwertbare Abfallstoffe haben die Bedingungen zur Einkommenssteigerung im informellen Sektor der Abfallwirtschaft verbessert. Die Beratung zur Anpassung an den Klimawandel ist von der nationalen und lokalen Verwaltung erfragt; regelmäßige Austauschforen finden statt. Mit den Bewohnnern werden gemeinsam kleinräumige Entwicklungsmaßnahmen kreiert und getestet. Aktivitäten wie partizipative Kartierungen (Community Mapping) und Trainings schaffen Bewusstsein für den Klimawandel.

weitere Information

www.egypt-urban.net

Stand: 21.07.2014

Kontakt

Dr. Günther Wehenpohl
Beteiligungsorientiertes Entwicklungsprogramm in städtischen Armutsgebieten (PDP),
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Main Office c/o Ministry of Planning
Annex Building 7th Floor
Salah Salem Street
Nasr City, Cairo
Egypt

T (+202) 226 30 878/9
guenther.wehenpohl(at)giz.de

Bilder

Kategorien:Integrierte StadtentwicklungPartizipation und StadtplanungKommunale DienstleistungenAbfall- und Kreislaufwirtschaft
Regionen:AfrikaÄgyptenKairo

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