Raum für die Flüsse

Hochwasserschutz-Programm in den Niederlanden

Übersicht

Schwere Hochwasserereignisse rund um das Rheindelta in den Niederlanden sind keine Seltenheit, wie die Hochwasser von 1993 und 1995 gezeigt haben. Die Pegelstände erreichten alarmierend hohe Werte, sodass die Deiche zu brechen drohten. 200.000 Anwohner mussten evakuiert werden. Im Zuge des fortschreitenden Klimawandels werden Extremwetterereignisse, wie Fluten, in Zukunft häufiger auftreten. Dass dieses Risiko nicht unterschätzt, sondern bewältigt werden muss, erkannte die niederländische Regierung und stellte das Hochwasserschutz-Programm "Ruimte voor de Rivier", Raum für die Flüsse, auf.

Hintergrund

In den Niederlanden leben 50 % der Bevölkerung unter dem Meeresniveau und würden somit in Überschwemmungsgebieten leben, wenn es keine Deiche gäbe. Ein besonders hohes Hochwasserrisiko besteht in der Region rund um die großen Flüsse IJssel, Lek, Maas und Waal, dem Interventionsgebiet des Programms "Raum für die Flüsse". "Raum für die Waal" ("Ruimte voor de Waal") ist eines von über 30 Einzelprojekten des Programms "Raum für die Flüsse". Die Waal führt zwei Drittel des Rheinwassers zur Nordsee. Im Bereich der Stadt Nimwegen verläuft sie in einer scharfen Kurve und verengt sich zudem stark. Laut Berechnungen würde sich hier, bei einem Anstieg der zu führenden Wassermengen aus den Alpenregionen und aus Deutschland, das Wasser erheblich zurückstauen und weit über die Ufer treten. Die Ausmaße und Folgen wären nahezu unkontrollierbar. Die Rückschlüsse, die die Behörden daraus gezogen haben, sind einleuchtend: Den Flüssen muss mehr Raum gegeben werden, um eventuell anfallende Wassermassen fassen zu können. Daher sieht das Programm unter anderem vor, dass die Engstelle in der Waal bei Nimwegen erweitert wird.

Ziele

Das Hauptanliegen des Programms “Raum für die Flüsse” besteht in der Entlastung der großen Flüsse. Die vorhergesagten Anstiege der Wassermengen müssen bewältigt werden können, ohne dass es zu Überschwemmungen kommt. Dies dient nicht nur der Sicherheit der Anwohner, sondern auch einer verbesserten Umweltqualität. Denn besondere Aufmerksamkeit liegt auf der Bewahrung der natürlichen Funktionen und Eigenarten.

Das Projekt „Raum für die Waal“ zielt zudem darauf ab, im Zuge der Maßnahmen die Region attraktiver zu machen und die Lebensqualität zu verbessern. Die Maßnahmen werden nicht nur dem Hochwasserschutz zu Gute kommen, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung.

Aktivitäten

Um den Flüssen mehr Raum zum Führen des Wassers zu geben, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, unter anderem die Deichverschiebung und das Anlegen von Flutrinnen, die bei Bedarf einen großen Anteil der Wassermengen parallel zum Fluss transportieren können.

Auch im Projekt „Raum für die Waal“ kommen diese Maßnahmen zum Einsatz. Hier wird der nördliche Deich weiter nach Norden in Richtung Lent versetzt. Ein zusätzlicher Kanal, der als Flutrinne dient, wird nördlich zum Fluss in die Flussauen gelegt. Dadurch entsteht eine Insel in der Waal. Damit einhergehend werden umfassende Stadtentwicklungsmaßnahmen durchgeführt: Die Uferbereiche und Promenaden werden aufgewertet, die Insel in die Stadt integriert und neue Wohngebiete entwickelt.

Wirkungen

Das Stadtbild und die Erscheinung von Nimwegen werden sich in den folgenden Jahren grundlegend wandeln. Neben der Verlegung des Deiches wird das neue Stadtquartier „Waalsprong“ weiter entwickelt, es werden drei neue Brücken gebaut und die Ufer auf beiden Seiten des Flusses neu gestaltet.

An der Waal wird ein einzigartiger und attraktiver River Park entstehen mit unterschiedlichsten Nutzungen für Erholung, Kultur und Naturschutz. Die Insel wird neuer Anziehungspunkt werden, in bester Lage im Stadtzentrum, und wird zudem Platz für Wohnraum bieten. Bildete die Waal bisher die natürliche Grenze des Stadtgebiets, so wird sie jetzt durch die Stadt fließen und sich direkt ins Stadtbild integrieren. 

Fazit

Das Projekt “Raum für die Waal” hat es geschafft, aus der Notwendigkeit der Hochwasserschutzmaßnahmen eine große Chance für die Stadtentwicklung zu erzeugen, wodurch Nimwegen an Attraktivität zunehmen wird. Mit neuen urbanen Nutzungen wie Wohnen, Erholung und ansprechendem öffentlichen Raum hat die Stadt eine Bereicherung erfahren. Die gewählte Lösung ist langfristig, umweltfreundlich und nachhaltig angesetzt.

Die Umsetzung hat bereits begonnen, Baumaßnahmen laufen seit 2013. Fertiggestellt wird das Projekt inklusive der Deichverlegung, der Anlegung der Flutrinne und die Entwicklung der Insel voraussichtlich Ende 2015.

Kontakt

Wierdy de Haan
Stadt Nimwegen

w1.de.haan(at)nijmegen.nl

Bilder

Kategorien:Integrierte StadtentwicklungStadt und KlimawandelPartizipation und StadtplanungHochwasserrisikomanagement
Regionen:EuropaNiederlandeNimwegen

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