Für eine ökologische Stadtentwicklung in Palästina

Die grüne Stadt Ajja

Übersicht

Für die palästinensische Stadt Ajja war der Übergang zu einem nachhaltigen Wachstumspfad das Ergebnis einer umfassenden Vision ihres Gemeinderats, die von der lokalen Bevölkerung unterstützt wurde, um eine belastbare kommunale Infrastruktur aufzubauen, die erneuerbare Energiequellen nutzt und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen der Stadt fördert.

Hintergrund

Die Gemeinde Ajja ist Teil des Gouverneursamtes von Dschenin im Westjordanland. Mit ihren 6000 Einwohnern zeichnet sich diese Stadt durch Dynamik, Vitalität und reges händlerisches Treiben aus, da sie Drehscheibe für viele wichtige unternehmerische Aktivitäten ist. Im Jahr 2011 war der Gemeinderat lediglich ein Dorfrat, der traditionelle kommunale Dienstleistungen erbringt. Wie in den anderen palästinensischen Gemeinden sind die kommunalen Dienstleistungen und die Infrastruktur angesichts der israelischen Militärkampagnen, die sich über die Jahre des zweiten palästinensischen Aufstands (2000-2005) erstreckten, zusammengebrochen.
Neben der Verschlechterung der kommunalen Dienstleistungen und der Infrastruktur in der Stadt war diese Phase auch durch eine zunehmende Verschuldung der Bürger und den Missbrauch öffentlicher Gelder gekennzeichnet, was dazu führte, dass der Dorfrat seiner Verantwortung nicht gerecht wurde. Der Rat hat sich daher für die Privatisierung der Elektrizitätsversorgung entschieden, die jedoch von den Einwohnern der Stadt abgelehnt wurde. Die allgemeine Unzufriedenheit mit dem Dorfrat hat schließlich zu der Entscheidung geführt, den Dorfrat aufzulösen. Ein kommunaler Ausschuss übernahm und verwaltete die Ressourcen der Stadt, stoppte den Missbrauch öffentlicher Gelder und baute die kommunale Infrastruktur erheblich aus. Diese Errungenschaften innerhalb von nur drei Jahren führten zu der Entscheidung des Ministeriums für Kommunalverwaltung, den Ortsausschuss 2016 zu einem Gemeinderat aufzuwerten. Von diesem Zeitpunkt an hat der Gemeinderat eine Vision für eine nachhaltige und ökologische Entwicklung verabschiedet.

Ziele

Aufbau einer belastbaren kommunalen Infrastruktur, die erneuerbare Energiequellen nutzt und ein nachhaltiges Management der Ressourcen der Stadt und die Schaffung von Arbeitsplätzen fördert.

Aktivitäten

Um das Ziel zu erreichen, hat die Stadtverwaltung von Ajja ein breites Spektrum an kommunalen Projekten geplant und führt diese auch durch:

  1. Bau einer Solaranlage
  2. Aufbau eines Abwassermanagementsystems
  3. Öffentlich-private Partnerschaften für Abfall-Energie-Projekte
  4. Förderung des Ökotourismus durch die Rehabilitierung von Wanderwegen, Wiederaufforstung, Durchführung von Schulungsprogrammen für die Bürger über Ökotourismus und Bio-Landwirtschaft, Bau einer Öko-Lodge und Unterstützung der Herstellung von Bioprodukten durch Frauen in der örtlichen Gemeinde.
  5. Sanierung öffentlicher Gebäude zur Verbesserung ihrer energetischen und klimatischen Leistung.

Wirkungen

Der Bau des Solarparks und die damit verbundene Bereitstellung von Elektrizität einerseits und die Modernisierung der städtischen Infrastruktur andererseits haben die Einbeziehung großer Teile der Stadt in die Entwicklungszonen ermöglicht. In der Folge wurden in der Stadt eine Reihe von Wirtschaftsunternehmen (u.a. Fabriken zur Herstellung einheimischer Pflanzenprodukte und Tierfarmen) und KMU gegründet, und die Wohngebiete haben sich vergrößert. Diese Entwicklungen waren mit einer bemerkenswerten Schaffung von Arbeitsplätzen verbunden, die nicht nur der örtlichen Bevölkerung, sondern auch Arbeitssuchenden aus den Nachbarstädten zugute kamen. Die Förderung der Beschäftigung von Frauen war ebenfalls ein integraler Bestandteil des Prozesses, der auf dem boomenden Arbeitsmarkt berücksichtigt wurde.  
Der lokale Gemeinderat hat auch Strategien und Politiken zur Förderung und Erleichterung von Investitionen in erneuerbare Energieprojekte verabschiedet. Bislang werden mehr als 50% des Energieverbrauchs der lokalen Wirtschaftsunternehmen durch erneuerbare Energiequellen gedeckt - eine Tatsache, die zum komparativen Vorteil dieser Stadt beitrug.
In gleicher Weise hat die Verbesserung der Geschäftsabläufe in der Stadt das Vertrauen der Investoren in die Gründung oder Verlagerung ihrer Wirtschaftsunternehmen nach Ajja gestärkt. Das Investitionskapital in der Stadt hat seit 2014 USD 14.000.000 überschritten.
Die Annahme eines BoT-Ansatzes durch öffentlich-private Partnerschaften für den Bau des Solarparks hat das Risiko, das mit dem Mangel an technischem Know-how in der Gemeinde verbunden ist, sowie das Risiko der Beschlagnahme der öffentlichen Gelder minimiert. Dieses nachhaltige Projekt ist eine Einnahmequelle, da es 20% der üblichen monatlichen Stromrechnung einspart, die die Stadt für den israelischen Stromversorger bezahlt hat. Dieser Betrag beläuft sich auf 100.000 USD. Ajja hat auch seinen ökologischen Fußabdruck verringert, indem es seine jährlichen Kohlenstoffemissionen um 1400 Tonnen reduziert hat.

Fazit

Die Umwandlung Ajjas in eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Stadt wurde durch ein breites Spektrum von kommunalen Projekten operationalisiert, die unter dem Dach einer umfassenden Vision des Stadtrats und der lokalen Bevölkerung standen. Öffentlich-private Partnerschaften waren der Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung der kommunalen Infrastrukturprojekte einschließlich des Baus des Solarparks.

weitere Information

Stand: 08.06.2020

Kontakt

Asem Qasem
Financial & Administrative Officer
Ajja Municipality, Palestine
Tel.: +970595990861

Bilder

Kategorien:Kommunale DienstleistungenEnergieversorgungWasserversorgung / AbwasserentsorgungLokale WirtschaftsentwicklungGreen Urban Economy
Regionen:Naher OstenPalästinensische GebieteAjja

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