Hebron - Förderung einer gesunden Lernumgebung in öffentlichen Schulen

Ein neuer Standard für grüne Gebäude, passives Design und gemeinschaftliche Bewusstseinsbildung in Palästina

Übersicht

Die öffentliche „Dr. Hafiz Abd-Nabi" Schule wurde als grünes Gebäude errichtet, das natürlich belüftet, beheizt und gekühlt wird. Im Vergleich zu normalen Schulgebäuden in Hebron weist dieses Schulgebäude eine verbesserte Raumluftqualität in den Klassenräumen auf. Die thermische Behaglichkeit wird hauptsächlich durch die passive Bauweise erreicht, wodurch der Bedarf an zusätzlicher Heizung und Kühlung reduziert wird. Als Ergebnis genießen die Schülerinnen sowohl in der Heiz- als auch in der Kühlsaison eine gesunde Lernumgebung.

Das Projekt ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen der belgischen Entwicklungsagentur, dem palästinensischen Bildungsministerium und der Stadtverwaltung von Hebron.

Hintergrund

Die Einhaltung von Standards für grünes Bauen ist in öffentlichen Schulen in Palästina unüblich. Dementsprechend kann das Innenraumklimas in öffentlichen Schulen suboptimal sein. In der Heiz- und Kühlsaison leiden die Schülerinnen unter einem unzureichenden thermischen Komfort in den Klassenräumen.

Um diese Herausforderung zu meistern, wurde die öffentliche „Dr. Hafiz Abd-Nabi" Schule als grünes Gebäude gebaut, um hohe Umwelt- und Energieeffizienzstandards zu erreichen. Während des gesamten Planungs- und Entwurfsprozesses wurden Schülerinnen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter miteinbezogen und haben von den bewusstseinsschaffenden Maßnahmen zum Thema grünes Bauen profitiert.

Die Schule befindet sich in Wadi Al Mughair, im Norden von Hebron, Palästina. Sie ist eine öffentliche Schule für Mädchen in der Grundschulstufe und besteht aus drei Stockwerken mit jeweils drei Klassenräumen.

Ziele

Durch den Einsatz von Green Building Design will das Projekt die positiven Auswirkungen auf die Umweltqualität in den Innenräumen demonstrieren, die durch Wärmedämmung und passive Systeme wie Erdkanäle (geothermisches System), Solarwände und Solarkamine erreicht werden können. Die Umsetzung dieser passiven Designtechniken hat zu einer gesünderen Bildungsumgebung geführt.

Aktivitäten

  • Unterstützung der Rahmenstandards für Energieeffizienz und Entwicklung grüner Bauvorschriften
  • Schulung von Ingenieurinnen und Ingenieuren, Architektinnen und Architekten und Bauunternehmen in der Planung und Umsetzung von umweltfreundlichen Gebäudetechniken
  • Entwurf und Implementierung von passiven Designmaßnahmen für Heizung, Kühlung und natürliche Belüftung. Diese Maßnahmen beinhalten die Wahl der optimalen Ausrichtung des Gebäudes und der Fenster, um den Bedarf an zusätzlicher Heizung und Kühlung zu reduzieren und den Zugang zur Sonne zu verbessern. Darüber hinaus wurden Solarwände und Kamine sowie Lamellenbeschattung in das Gebäudedesign integriert.
  • Verbesserung der Luftqualität in den Klassenräumen durch induzierte natürliche Lüftung. In der Kühlsaison (Sommer) treiben Einlässe aus Bodenkanälen frische kühle Luft in die Klassenzimmer. In der Heizperiode (Winter) hingegen erwärmt sich die einströmende Luft in der Solarwand und tritt nach Umwälzung der Klassenräume über die Solarkamine wieder aus.

Wirkungen

  • Die umgesetzten Energieeffizienzmaßnahmen führten zu einer jährlichen Reduzierung des Energieverbrauchs von rund 25321 KWh und damit zu einer Reduzierung der jährlichen Kosten um rund 4700 Euro.
  • Das Projekt hat erfolgreich zum Aufbau von Kapazitäten im Bereich energieeffizientes und umweltfreundliches Bauen beigetragen, wovon sowohl Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieure aus dem öffentlichen Sektor als auch lokale Bauunternehmen profitierten. Die gesammelten Erfahrungen werden es ermöglichen, die Techniken des „grünen Bauens" in anderen Projekten zu wiederholen.
  • Das beauftragte Team hat sich an hohe Design- und Konstruktionsstandards gehalten und damit sichergestellt, dass die gebauten thermischen Systeme mit den Plänen übereinstimmen.
  • Obwohl die Leistung dieses Systems im Sommer effizienter ist als im Winter, ist es offensichtlich, dass die Schornsteintechnik zu einer natürlichen Belüftung in den Klassenräumen geführt hat, was die Luftqualität und den thermischen Komfort der Nutzerinnen und Nutzer verbessert.
  • Die Durchführung von Sensibilisierungsveranstaltungen für Schülerinnen und Personal der Schule zum Thema Energieeffizienz durch passive Konstruktionsmaßnahmen, hat dazu beigetragen, dass diese sich in den Prozess einbringen und ihn mittragen.

Fazit

Die implementierten Green-Building-Techniken und passiven Designmaßnahmen haben zu einer gesünderen Lernumgebung für die Nutzerinnen und Nutzer der Schule geführt. Darüber hinaus waren die Investitionen in Aktivitäten zur Kapazitätsentwicklung und Bewusstseinsbildung, die sich an das Personal und die Schülerinnen richteten, Schlüsselfaktoren für den Erfolg des Projekts. Es besteht jedoch immer noch ein Bedarf an umfassender Bewusstseinsbildung in der Gemeinde zum Thema grünes Gebäudedesign und dessen Rolle für die Energieeffizienz. Ebenso ist es notwendig, professionelle Schulungen für Ingenieur- und Architekturbüros zu den implementierten Techniken durchzuführen, damit diese in anderen Projekten in Palästina repliziert werden können.

weitere Information

Stand: 25.05.2021

Kontakt

Eng. Husam Shweiki

Head of Architectural Department at Hebron Municipality

husamadnan(at)yahoo.com

Bilder

Kategorien:Good Urban GovernanceErziehung / BildungswesenIntegrierte StadtentwicklungStadt und KlimawandelStadtsanierung
Regionen:Naher OstenPalästinensische GebieteHebron

Ort

Verwandte gute Praktiken

Verwandte Veranstaltungen

Top