Mit Pony und Corgis humorvoll durch die Krise

Die Kommunikationsstrategie der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

Übersicht

Mit Corona kriselte es auch im Berliner öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV): Fahrgastzahlen gingen um 70% zurück – die BVG stellte sich der kommunikativen Herausforderung mit Humor. Passagiere und Beschäftigte sollten überzeugt werden, dass sicheres Bus- und Bahnfahren unter Berücksichtigung der Corona-Regeln möglich ist.                                                                      

Hintergrund

Rückläufige Fahrgastzahlen, verunsicherte Beschäftigte: Corona traf die BVG ab Februar 2020 hart. Die Verkehrsbetriebe standen vor der Herausforderung, die Schutzmaßnahmen transparent zu kommunizieren, um Fahrgästen und den über 15.000 Beschäftigten das Gefühl zu geben: Die BVG ist sicher.

In der ersten Pandemiephase standen Aufklärung und Sensibilisierung für die Schutzmaßnahmen im Mittelpunkt. Kommunikationsziel: Gemeinsam gegen Corona. In der zweiten Welle wurden die Ziele erweitert: Fahrgäste und Beschäftigte wurden motiviert, die Maßnahmen weiterhin einzuhalten. Letztere änderten sich oft, so dass die BVG die Kommunikation der jeweiligen Situation und Zielgruppe (Beschäftigte, Berliner Bevölkerung, Tourist:innen) flexibel anpasste. Dem Ernst der Lage angemessen, aber stets humorvoll.

Ziele

Der BVG lag die Sicherheit ihrer Beschäftigten und Fahrgäste am Herzen. Gleichzeitig sollten Passagierzahlen durch entsprechende Kommunikation gesteigert werden. Eine Studie der Charité und der TU Berlin, der zufolge die Aerosolkonzentration im ÖPNV durch das Öffnen der Türen an Haltestellen bis zu 80% reduziert werden konnte, bildete das Fundament, um die Schutzmaßnahmen zu kommunizieren. Aber auch zum sicheren Nutzen der „Öffis“ zu ermuntern. Data driven information statt Bauchgefühl.

Aktivitäten

Die Kommunikation sollte klar, bewegend und informativ sein. Botschaft: Nur gemeinsam kommen wir durch die Pandemie. Die BVG etablierte eine Strategie, die über interne und externe Kanäle übergreifend funktioniert.

Fahrgäste informierte die BVG vor Ort, über Presse und Social Media. Aufkleber und Plakate mit unterschiedlichen Motiven – Corgis oder ein Pony – machten humorvoll auf den Abstand von 1,50m aufmerksam. Ansagen von Berliner:innen in den U-Bahnhöfen erinnerten authentisch ans Maskentragen und lustige Clips gingen viral. Die Kommunikation für Beschäftigte fand in diversen Kanälen statt, um alle zu erreichen: eine App, Info-Teams, Aushänge, Intranet und Kommunikation der Führungskräfte. Der Vorstand informierte das Team mit Videoansprachen über App, das Fahrpersonal über Funk.

Wirkungen

Bei den Beschäftigten lag die Infektionsrate durchschnittlich unterhalb der Berliner Bevölkerung, ebenso die Krankenstände. Über 90 Prozent der Fahrgäste halten sich an die Maskenpflicht. Auch die Fahrgastzahlen pendeln sich langsam wieder ein und der ironisch-humorvolle Kommunikationsstil hat zweifellos zum Imagegewinn der BVG beigetragen.

Die BVG hat während der Corona-Pandemie durch ihre externe und interne Kommunikation zahlreiche Menschen erreicht. In den sozialen Medien ist das Feedback positiv. Die Abstandshinweise mit Pony & Co wurden fleißig geteilt, ein Spot gegen Maskenmuffel über 700.000 Mal angesehen und als Kreation des Monats ausgezeichnet. Zentral in der Strategie: die Kommunikation kontinuierlich überprüfen und anpassen.

So war es tagesaktuell möglich, Fahrgäste und Beschäftigte positiv zu motivieren.                                                            

Fazit

Data driven information, wie die genannte Studie der TU und der Charité Berlin, ist unerlässlich, um eine fundierte und faktenbasierte Kommunikation zu gewährleisten. Zentral scheint auch der Austausch mit anderen Städten und Kommunen zu sein – auf nationaler und internationaler Ebene.

Als wichtiges Learning beschreibt Simon Hüther (Leiter der BVG-Kommunikation): „Netzwerken und das Diskutieren von Best Practices hilft uns, da wir alle voneinander lernen. Der Austausch von data driven information bietet ein enormes Entwicklungspotential: Ideal wäre ein Tool, in das alle Erfahrungswerte und Daten einfließen und durch das dann alle Seiten profitieren können.“ Es gilt also, das kollektive Wissen des Netzwerkes zu nutzen, Erfahrungen zu bündeln und diese leicht zugänglich zu machen.

weitere Informationen

Stand: 08.06.2022

Kontakt

Simon Hüther

Komm. Leiter Unternehmenskommunikation (V-UK)

Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)

E-Mail: simon.huether(at)bvg.de

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Kategorien: COVID-19 Digitalisierung & Kommunikation Öffentliche Gesundheit & kommunale Dienste Kommunale Dienstleistungen Öffentlicher Nahverkehr und Mobilität
Regionen: Deutschland Berlin

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