Würzburg und Mwanza teilen ein Geschenk des Himmels

Eine Klimapartnerschaft mit Würzburg verhilft dem tansanischen Mwanza zu Solarstrom

Übersicht

Der Klimawandel trifft alle Städte. Wer dagegen etwas tun will, muss den CO2-Ausstoß vermindern. Das geht, indem man fossile Energieträger zunehmend durch erneuerbare Energien ersetzt und z.B. Solarstrom erzeugt. Im tansanischen Mwanza lohnt sich das besonderes - und hat erwünschte Nebeneffekte.

© Bernd Schmitt

Hintergrund

Seit nun mehr als einem halben Jahrhundert sind Würzburg und Mwanza in Tansania durch eine Städtepartnerschaft verbunden. Beim Austausch zeigte sich: Beide Städte leiden zunehmend unter demselben Problem, dem Klimawandel. Extremwetterereignisse und Hitzeinseln setzen Würzburg zu, in Mwanza bedrohen Dürren und Überschwemmungen die Entwicklung. Beide Städte vereinbarten, gemeinsam gegen die Ursachen anzugehen und erarbeiteten 2011 ein Pilotprojekt im Rahmen des der  kommunalen Klimapartnerschaften der Servicestelle Kommunen in der einen Welt (SKEW) von Engagement Global. Während man in Würzburg besseren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten und vor allem Know-how im Bereich Solarwirtschaft hat, sind in Tansania die natürlichen Voraussetzungen viel besser: Wegen der Nähe zum Äquator treffen die Sonnenstrahlen immer mit günstigem Winkel auf Flachdächer.

Ziele

Um CO2 mit Solarenergie einzusparen, macht es eher Sinn, in Mwanza als in Würzburg Photovoltaik-Anlagen zu bauen. Solarpanels können in Mwanza zudem helfen, die alltägliche Energielücke zu schließen. Stromausfälle behindern das Wirtschaftswachstum; Dürreperioden können das Problem verschärfen, denn ein Teil des Stroms wird aus Wasserkraft gewonnen. Das gemeinsame Projekt soll daher auch helfen, Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft auf das Potenzial von Solarenergie für Tansania hinzuweisen.

© Bernd Schmitt

Aktivitäten

Den Projektverantwortlichen gelang es, das Vorhaben mit Seminaren, Tagungen und Webauftritten, aber auch übers Radio im Gespräch zu halten. Auf dem Flachdach der City Radio Station wurde eine Anlage mit einer Spitzenleistung von 7 kWp, auf der Mkolani Secondary School eine mit 15 und auf dem Dach des Rathauses eine Testanlage mit 45 kWp errichtet.

Auf dem Nyamagana Hospital kann bei idealen Bedingungen 40 kW Solarstrom erzeugt werden. Das Krankenhaus spart nun nicht nur klimaschädliche Emissionen, sondern auch bares Geld, weil es eigenen Strom nutzen kann. Manchmal produziert es sogar mehr Öko-Strom als es selbst verbraucht. Anlässlich einer Würzburger Delegationsreise wurde genehmigt, den überschüssigen Strom von dort ins öffentliche Netz einzuspeisen – zum ersten Mal in Tansania.

Wirkungen

Mit den Erlösen aus dem Stromverkauf sollen die Wartungskosten der Solarstromanlagen gedeckt werden. Allerdings hat die staatliche Energiegesellschaft noch Bedenken, Solaranlagen ans Netz zu lassen. Die Stadtverwaltung von Mwanza hofft, künftig mehr Strom von kommunalen Dächern verkaufen zu können, aber sie kann auch Kosten sparen, indem sie den selbst produzierten Strom kostenfrei nutzt. Die Ersparnisse können anderweitig investiert werden. Dank der Öffentlichkeitsarbeit machen Photovoltaikanlagen Schule bei Unternehmen und privaten Haushalten; für sie sind sowohl die Kostenersparnis als auch die Verlässlichkeit der Stromversorgung attraktiv. Die Anlagen, so kann jeder sehen, funktionieren und rechnen sich. Der Klimaschutzgedanke wird so beinahe zum Tüpfelchen auf dem I.

© Bernd Schmitt

Fazit

Die vier kommunalen Solardächer demonstrieren nicht nur das Potenzial von Sonnenenergie in Tansania, sie helfen auch, lokales Wissen und Expertise bei Planung, Bau und Wartung aufzubauen. Trotz seiner Wasserkraftwerke ist Tansania auf Stromimporte, häufig aus fossilen Quellen, angewiesen. Das schadet nicht nur dem Weltklima, es ist auch teuer und frisst wertvolle Ressourcen auf, die besser in Bildung und Armutsbekämpfung investiert wären. Dass die Sonne keine Rechnung schickt, ist zwar auch für Würzburg interessant, aber in Mwanza, nahe am Äquator, ist die Stromausbeute 80% höher. Da macht es aus Klimasicht Sinn, dass die Stadt Würzburg Solarstrom in Mwanza fördert.

Das Engagement findet Anerkennung: Zweimal schon wurde Würzburg für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

 

Autorin: Sabine Hammer

Weitere Informationen

Stadt Würzburg: Förderforum Mwanza

Mwanza: Klimapartnerschaft

Plants for Mwanza (Projektbeschreibung)

Power Mwanza Project (Bericht)

Mwanza-Würzburg Städtepartnerschaft

 

Portula, Marco: Ersatz von Schweröl durch regenerative Energieträger in Mwanza/Tansania unter besonderer Berücksichtigung von Biomasseheizkraftwerken, Hagen 2010. hier

Heyman, Fabian: Renewable Energies in Mwanza (Tanzania) - An Analysis of Potentials and Projects, Würzburger Geographischer Manuskripte, Heft 83, 2015. hier

Stand: 09.01.2019

Kontakt

Sabine Herrmann

Büro Würzburg International

 

Stadt Würzburg

Rückermainstraße 2

97070 Würzburg

 

Sabine.Herrmann (at) stadt.wuerzburg.de

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