Lörrach plant erstes Gewerbegebiet Deutschlands in Holzbauweise

Auf dem Gelände der Lauffenmühle, einer ehemaligen Textilfabrik, entsteht ein klimaneutraler und nachhaltiger Gewerbepark.

Übersicht

Holz ist in der Stadt Lörrach und ihrer Nähe zum Schwarzwald mehr als ausreichend verfügbar. Es entstand die Idee, auf dem Gelände der Lauffenmühle ein klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise zu errichten. Bisher gibt es in Deutschland nur einzelne aus Holz errichtete Gewerbegebäude, aber kein Gewerbegebiet mit einem vergleichbaren Konzept. Teile der historischen Fabrikgebäude auf dem Gelände mit ihren Natursteinfassaden sollen dabei in die neue Nutzungsstruktur integriert werden.

Hintergrund

Im Jahr 2020 kaufte die Stadt Lörrach das 8,5 Hektar große Lauffenmühle-Areal, eine ehemalige Textilfabrik. Möglich wurde dies vor allem durch die Städtebauförderung des Bundes und des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 9,1 Millionen Euro.

Nach Gesprächen mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entstand die Idee, auf dem Gelände ein klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbauweise zu errichten. Dabei sollte die Klimaneutralität nachweisbar sein – was durch den Holzbau aus Sicht der Stadt Lörrach am leichtesten möglich erscheint.

Holz ist in der Stadt Lörrach und ihrer Nähe zum Schwarzwald mehr als ausreichend verfügbar. Die Stadtverwaltung und -politik sind überzeugt, dass Holz als Baustoff preislich wettbewerbsfähig ist und bei der gewerblichen Gebäudenutzung keinen limitierenden Faktor darstellt, sondern gegenüber Beton oder Zement zahlreiche Vorteile bietet, etwa im Hinblick auf Brandschutz und Erdbebensicherheit.

Bisher gibt es in Deutschland nur einzelne aus Holz errichtete Gewerbegebäude, aber kein Gewerbegebiet mit einem vergleichbaren Konzept. Dagegen haben sich im Wohnungsbau Holzhäuser auch in größeren Einheiten durchgesetzt, wie zum Beispiel der Münchener Prinz Eugen Park mit 600 Wohnungen in Holz- beziehungsweise Holzhybrid-Bauweise, der derzeit als die größte zusammenhängende Holzbausiedlung in Europa gilt.

 

Ziele

Auf dem Gelände der Lauffenmühle soll ein klimaneutrales Gewerbegebiet für nachhaltige Unternehmen entstehen. Nicht nur beim Bauen steht Nachhaltigkeit im Fokus. Nach dem Motto „Nachhaltige Unternehmen benötigen ein nachhaltiges Gewerbegebiet“ sollen sich auf dem Gelände Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Forschung, Dienstleistung und innovatives Handwerk ansiedeln, die nachhaltige Geschäftsideen verfolgen und sich zu zirkulärer und regionaler Wirtschaft, zu nachhaltigen Liefer- und Wertschöpfungsketten und zu Energieeffizienz bekennen. Das Areal soll zugleich Arbeits- und Lebensort sein und sich durch einen attraktiven Mix aus Aufenthaltsqualität, Freizeitangeboten, Dienstleistungen und Soziokultur auszeichnen.

Die historischen Fabrikgebäude auf dem Gelände mit ihren Natursteinfassaden stehen zwar nicht unter Denkmalschutz, sollen jedoch instandgesetzt werden und in ihrer Grundstruktur erhalten bleiben, um sie neuen gewerblichen Nutzungen zuzuführen. Damit soll auch die Identifikation mit dem Projekt, vor allem in den benachbarten Ortsteilen, gesichert werden.

Projektleiter Alexander Nöltner, Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić und Projektleiter Burkhard Jorg (von vorn nach hinten)

Aktivitäten

Mit einem Plausibilitätscheck und einer Potenzialanalyse schärfte die Stadt Lörrach das Gewerbeflächenprofil und entwickelte die Rahmenbedingungen für ein spezielles Zertifizierungsverfahren, um den Holzbau rechtssicher umzusetzen. Das Verfahren ist mit den Energieeffizienzklassen A bis G bei Elektrogeräten vergleichbar. Im Rahmen der Holzbau-Offensive entwickelt die Stadt Lörrach Best-Practice-Verfahren, um den gewerblichen Holzbau in Baden-Württemberg zu fördern. Es ist geplant, mit holzverarbeitenden Betrieben zusammenzuarbeiten, die vorwiegend regionale Produkte verwenden und möglichst forstliches Schadholz verarbeiten.

Im März 2024 stellen bis zu 14 Architekturbüros ihre Ideen für das Lauffenmühle-Areal vor. Auf Basis dieser Entwürfe wird die Stadt Lörrach einen Bebauungsplan erarbeiten, der eine weitestgehend autarke Energieversorgung mit Sonne und Holz, innovative Mobilitätskonzepte und eine leistungsstarke digitale Infrastruktur für ein wettbewerbsfähiges und zukunftsorientiertes Gewerbegebiet vorsieht.

Etwa 4,5 Hektar des Geländes werden frei überplant, während auf vier Hektar teilweise bestehende, identitätsstiftende Gebäude erhalten bleiben sollen. Die Gewerbeflächen sollen zwischen 1.000 und 10.000 Quadratmeter groß sein.

 

Wirkungen

Nachdem auf dem Gelände der Lauffenmühle eine mehr als 150-jährige Geschichte der Textilindustrie zu Ende gegangen ist, beginnt mit dem Projekt „Lauffenmühle – next innovation“ eine neue zukunftsweisende Ära, die die Tradition des Arbeitens mit nachwachsenden Rohstoffen fortsetzt. Die ersten Unternehmen sollen sich bis 2026 auf dem Areal ansiedeln. Die Stadt verspricht sich von dem Gelände neue Impulse und neue Arbeitsplätze für die Region.

Fazit

Die Stadt Lörrach entwickelt mit dem Projekt „Lauffenmühle – next innovation“ im Sinne einer nachhaltigen Transformation ein Gewerbegebiet, wo Form und Inhalt ideal zusammenpassen. Sie weist damit einen machbaren Weg in Richtung Klimaneutralität, besonders durch die geplante Holzbauweise. Das Projekt kann anderen Kommunen in Deutschland und international als Modell dienen und unter Beweis stellen, dass auch ganze Gewerbegebiete aus Holz gebaut werden können.

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Kategorien: Integrierte Stadtentwicklung Stadt und Klimawandel Stadtsanierung Lokale Wirtschaftsentwicklung Green Urban Economy
Regionen: Europa Deutschland Lörrach

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