Klimagerechtes Bauen mit biobasierten und wiederverwertbaren Materialien

Den Bausektor nachhaltiger gestalten und neue Allianzen gründen

Übersicht

Beton und Stahl sind weltweit die gängigsten Baustoffe, sie verursachen aber bei der Produktion und beim Verbauen sehr viele CO2-Emissionen. Wie können Städte in Zukunft daher klimafreundlicher gebaut werden? Biobasierte Baustoffe und die Wieder- und Weiterverwertung von Materialien sind hierfür vielversprechende Ansätze. Das ist das Ergebnis einer internationalen Dialogveranstaltung von Connective Cities vom 13. bis 15. November 2023 in Potsdam in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Potsdam, Bauhaus Erde und dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung.

Programm

Etwa 40 Teilnehmende aus Bhutan, Deutschland, Indonesien, Nepal, Südafrika und Tansania stellten sich gegenseitig vor, wie sie die Transformation hin zu klimafreundlichem Bauen in konkreten Projekten gestalten. So berichtete der Bürgermeister von Banepa in Nepal, Shanti Ratna Shakya, dass beim Wiederaufbau der historischen Altstadt 70 Prozent des Materials wiederverwendet werde. Die Baubürgermeisterin von Lörrach, Monika Neuhöfer-Avdić, berichtete über die Pläne der Kommune für das erste klimafreundliche Gewerbegebiet Deutschlands in Holzbauweise.

Wie bei den Dialogveranstaltungen von Connective Cities üblich, berieten sich die Teilnehmenden aus Kommunen, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft gegenseitig und teilten ihre Expertise. Sie entwickelten konkrete lokale Projektideen, wie sie klimafreundliches Bauen weiter voranbringen können.

Schließlich besichtigten die Teilnehmenden in Potsdam gute Praxisbeispiele wie die in Holzkonstruktion gebaute Kita Inselmäuse sowie die Baustellen eines Pavillons, der aus biobasierten und zirkulären Materialien gebaut wird, und einer in hybrider Bauweise geplanten Multifunktions-Sporthalle.

Keynotes

Prof. Dr. Jürgen Kropp von Bauhaus Erde und vom PIK zeigte auf, wie sich der Klimawandel weltweit auf Städte auswirkt und etwa zu einer Vervielfachung von Hitzetagen führe. Klimafreundliche Bauweisen mit Holz und zirkulären Materialien könnten zur Reduzierung der Hitzebildung beitragen und zudem die CO2-Emissionen der Baubranche deutlich reduzieren.

Dr. Susanne Winter, Programmleitung Wald beim World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland sowie Pete Heuer, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung von Potsdam, wiesen darauf hin, dass nachwachsende Rohstoffe nicht überkonsumiert werden dürften und Holz für nachhaltige Bauweisen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen müsse. Hier gelte es, eine nachhaltige Balance zwischen dem Schutz und der Nutzung von Wäldern zu finden.

Wie sich die Präferenzen von Baumaterialien in der Hindukusch-Himalaya-Region verändert, berichtete Erica Udas vom International Centre for Integrated Mountain Development (IDIMOS) in Nepal. Sie sprach von einem „Terror von Beton und Stahl“ insbesondere beim Wiederaufbau nach dem großen Erdbeben in Nepal 2015. Dieser würde traditionelle nachhaltige Bauweisen verdrängen und einen großen CO2-Fußabdruck generieren.

Präsentationen

Weltweit gibt es innovative Ideen für klimafreundliches Bauen, wie die bei der Dialogveranstaltung vorgestellten Projekte zeigen:

Banepa in Nepal baut seine historische Altstadt in traditioneller Bauweise und mit zirkulären Materialien wieder auf. Hierfür werden gut ausgebildete Fachleute benötigt.
Siehe auch unsere gute Praktik hierzu.

Das Modellprojekt Haus der Statistik im Zentrum Berlins wird kooperativ und gemeinwohlorientiert zu einem Raum für Verwaltung, Kunst, Kultur, Soziales, Bildung und bezahlbares Wohnen entwickelt.

Das Königreich Bhutan will mit innovativen nachhaltigen Holzbauprojektenden den Bausektor für junge Menschen als Arbeitsplatz attraktiv machen.

Das Architekturbüro Popo Danes im indonesischen Denpasar zeigt mit seinen Projekten, wie die Kombination traditioneller und moderner Technologien zu nachhaltigen Innovationen führen kann.

Die Stadt Heidelberg entwickelt auf einem ehemaligen Militärgelände ein neues Stadtquartier. Dabei soll das meiste vorhandene Baumaterial wiederverwendet werden.

Die Stadt Kapstadt entwickelt mit dem Potsdam Sustainability Campus ein Gebiet, das bei Gebäuden, Mobilität, Umwelt, Wirtschaft und Dienstleistungen Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Damit dies gelingt, braucht es bei vielen Beteiligten einen Mentalitätswandel.

Die Stadt Lörrach plant auf einem ehemaligen Industriegelände das erste Gewerbegebiet Deutschlands in nachhaltiger Holzbauweise.

Beim Bau eines neuen Quartiers auf dem Gelände der früheren Bayernkaserne in München will die Stadtverwaltung, dass so viel vorhandenes Baumaterial wie möglich genutzt wird.

In Potsdam erarbeiteten Fachleute aus Planung, Bauherrnschaft, Produktion, Technik, Politik und Verwaltung ein Memorandum für den Holzbau – als Grundlage für eine einfachere Planung und Umsetzung von Holzbauprojekten.

Die Internationale Bauaustellung IBA`27 in Stuttgart dient als Labor unter anderem für die Nutzung zirkulärer Materialien im Bausektor.

Ergebnisse

Eine Nachhaltigkeits-Wende im großen Bausektor herbeizuführen, sei zwar nicht einfach, so der Tenor bei der Konferenz, aber es gäbe viele vielversprechende Ansatzpunkte. Zunächst müssten biobasierte Rohstoffe in ausreichender Menge verfügbar sein, also etwa Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Vielerorts müssten überholte Denkweisen aufgebrochen werden. Aus asiatischen Ländern wurde berichtet, dass die Menschen Beton und Stahl als moderne Baustoffe vorziehen würden und die Vorteile etwa von Holz ignorierten. In Deutschland sollten die Bauvorschriften die Wiederverwertung von Materialien erleichtern.

Um den Bausektor nachhaltiger zu gestalten, sei es notwendig, neue Allianzen zu gründen und über bisherige Grenzen hinaus – out of the box – zu denken. Die Industrie, aber auch Politik und Verwaltung würden ein neues nachhaltiges Geschäftsmodell für die Nutzung nachwachsender und zirkulärer Materialien beim Bau benötigen, das auf einer soliden Datengrundlage basiert. Ein solches Zukunftsszenario lasse sich etwa durch die Verbreitung guter Praxisbeispiele und innovativer Ideen entwickeln. Auch die Bevölkerung müsse von den Vorteilen eines nachhaltigeren Bauens überzeugt werden und rechtliche sowie politische Vorgaben entsprechend eingeführt oder angepasst werden.

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Kategorien: Dokumentation Integrierte Stadtentwicklung Stadt und Klimawandel Stadterneuerung Stadtsanierung
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