Connective Cities hat vom 25. bis 27. November zu einer Dialogveranstaltung in Bonn eingeladen. 38 Expert*innen aus 20 Kommunen in 11 Ländern waren diesem Aufruf gefolgt, um ihre innovativen Projektansätze mit ihren Kolleg*innen zu diskutieren und gemeinsam an neuen Umsetzungsideen zu arbeiten.
Stefan Wagner, Leiter des Amtes für Internationales und globale Nachhaltigkeit der Stadt Bonn begrüßte die Gäste ganz herzlich, insbesondere die Kolleg*innen aus Bonns Partnerstadt La Paz. Beide Städte arbeiten bereits in vielen Nachhaltigkeitsprojekten zusammen. Bonn selbst hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu werden und im Bereich Mobilität bis dahin 75% CO2-freie Mobilitätsformen zu realisieren.
Jan Strehmann über die Komplexität regionaler Mobilitätsplanung in Deutschland | Foto: Aschoffotografie, Engagement Global
Jan Strehmann, Referatsleiter im Bereich Mobilität beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) zeigte in seinem Eingangsvortrag die Komplexität regionaler Mobilitätsplanung in Deutschland auf. Nicht selten spielen da die verschiedenen Ebenen von Bund, Land, Landkreis und einzelner Kommune hinein, teils als Geldgeber, teils als Planungseinheit. Für die Bereitstellung öffentlichen inter-urbanen Nahverkehrs schließen sich zudem nicht selten kommunale wie private Verkehrsanbieter zu Verkehrsverbünden zusammen. Dabei spiele nicht Wettbewerb, sondern eine passgenaue Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle, um einen reibungslosen Personentransport zu gewährleisten.
Melanie Schade, Projektleiterin im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) stellte in ihrer Präsentation Mobilikon vor. Das Online-Nachschlagewerk bündelt Mobilitätswissen im ländlichen Raum und erleichtert so Kommunen die Vorbereitung und Umsetzung von Mobilitätsmaßnahmen. Die Datenbank enthält 104 Maßnahmen, 110 Instrumente für deren Umsetzung, 79 Umsetzungshilfen, z.B. für die externe Kommunikation oder Datenerhebungen, sowie 206 konkrete Praxisbeispiele. Verschiedene Filter, z.B. zur Raumstruktur, Kosten und Umsetzungsdauer erleichtern dabei die Suche passender Maßnahmen.
Der neue Referent im Referat Länder und Kommunen des Bundesentwicklungsministerium, Jürgen Kretz, zeigte sich in seiner Begrüßungsrede erfreut, dass Connective Cities im Oktober 2025 nicht nur in eine neue Phase gestartet ist, sondern mit drei neuen weiteren Partnern: dem DStGB, dem deutschen Landkreistag (DLT) und dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) jetzt auch innerhalb Deutschlands breiter aufgestellt sei.
Das Connective Cities Team leitet in den fachlichen Teil der Veranstaltung bzw. die Projektpräsentation über.
Die Teilnehmenden vor dem alten Bonner Rathaus | Foto: Aschoffotografie, Engagement Global
Vertreten waren kleine Gemeinden wie Schlangen im Teutoburger Wald mit gut 9.000 Einwohner*innen bis hin zu Millionenmetropolen wie Rio de Janeiro oder München. Ebenso vielfältig waren die innovativen Ansätze: Das in Deutschland einmalige kostenlose Linien-E-Carsharing in Borgholzhausen verbindet Kommunen im ländlichen Raum mit nächstgelegenen Bahnhöfen. Kisumu in Kenia entwickelte u.a. ein Batterietauschmodell für E-Motoradtaxis, Boliviens Hauptstadt La Paz plant, sein weltweit größtes Seilbahnnetz mit seinen 36 Stationen enger an das Busnetz anzubinden und Rio de Janeiro entwickelt ein multi-modales Netz aus Schnellbussen, Bussen, Radnetzausbau, Fahrradparkplätzen und E-Fahrradverleih. Das ukrainische Vinnytsa baut trotz oder wegen des Krieges sukzessive seine öffentliche Infrastruktur barrierefrei um. Die Stadt Monheim setzt auf autonom fahrende Shuttle Busse und Windhoek in Namibia stellt Studierenden leihweise E-Fahrräder zur Verfügung. Poti in Georgien wie auch Strumica in Nordmazedonien erweitern ihre Radwegenetze, und Dortmund baut systematisch seine Ladeinfrastruktur für Autos und E-Bikes aus. München verfolgt eine umfassende Strategie, um die verschiedenen CO2-freien Mobilitätsformen, u.a. mittels einer App und Mobility Hubs, möglichst eng miteinander zu verknüpfen. Und dies sind nur einige der Projektbeispiele.
Trotz allen strukturellen, geographischen und kulturellen Unterschieden wurde während der verschiedenen Runden des Erfahrungsaustausches doch schnell klar, dass es hauptsächlich ähnliche Herausforderungen gibt. Diese sind unter anderem:
komplexe institutionelle Rahmenbedingungen;
Konflikte über die Nutzungsart des begrenzten öffentlichen Raumes;
fehlende Standards in der Datenerhebung und Datenverarbeitung;
Infrastrukturschäden durch Vandalismus und Diebstahl;
unterschiedliche und hohe Erwartungen der Stakeholder;
die gewohnten Verhaltensmuster in Punkto Mobilität in der Bürgerschaft zu ändern;
eine unzureichende finanzielle Ausstattung für die Projektumsetzung;
und letztendlich: an Knowhow über ähnliche Projekte zu gelangen.
Beim letzten Punkt konnte während der Tagung Abhilfe geschaffen werden. Intensiv wurden in kollegialer Beratung Umsetzungsherausforderungen in Bergholzhauen, Kisumu, La Paz, München, Poti, Trapzon (Türkei), Strumica und Windhoek diskutiert.
Weitere Projektideen wurden im Action Planning aufgegriffen:
„Pedestrian Angles“ – Öffentlichkeitsarbeit für das Zufußgehen in Kisumu
Integrierte Mobilitätsplanung mit politischer Rückendeckung in Windhoek
Verbessertes Datenmanagement in Vinnytsa
Entwicklung einer sicheren Fahrradinfrastruktur in Poti
Den Abschluss der Dialogveranstaltung bildete eine Exkursion zu einem Busdepot der Stadtwerke Bonn (SWB) mit Auflade-Infrastruktur für elektrische Linienbusse, zur Radstation am Bonner Hauptbahnhof und zu Mobilitätsstationen mit Angeboten wie z.B. (Lasten-)Fahrradverleih, sicheren Fahrradparkboxen , Car-Sharing Parkplätzen und auch städtischen Ladevorrichtungen für E-Fahrzeugen in der Bonner Südstadt.
Projektkoordinatorin Marcella Sobisch wird den Lernprozess im folgenden Jahr weiter betreuen und ist Ansprechpartner*in für die Gruppe und weitere Interessierte: marcella.sobisch@engagement-global.de.
Kommunen stehen wegen des Klimawandels und Bodenversiegelung vor Herausforderungen durch häufigere Dürre, starke Regenfälle und Überschwemmungen. Die Wasserversorgung, der Erhalt von Grünflächen und der Schutz vor Schäden können durch naturbasierte und bauliche Maßnahmen sichergestellt werden. Beispiele dafür sind etwa das „Schwammstadt“-Prinzip und Retentionsbecken. In Deutschland und im Globalen Süden werden aktuell innovative Lösungen gefördert und schnell erprobt. Daher bietet Connective Cities zu diesem aktuellen und hochrelevanten Thema einen vertieften Lernprozess an.
Connective Cities startet einen Teilnahmeaufruf für seinen neuen Deep Dive. Er beginnt Anfang 2026 und läuft bis 2027, unter Vorbehalt der weiteren Finanzierung der Maßnahme. Der Deep Dive ist ein neues Format von Connective Cities, der internationalen Städteplattform für nachhaltige Stadtentwicklung. Bis zu fünf Kommunen aus dem Globalen Süden und drei deutsche Kommunen werden zusammengebracht, um gemeinsam lokal angepasste Lösungen für eine aktuelle Herausforderung zu entwickeln.
Um am Deep Dive teilzunehmen, senden Sie uns bitte Ihre ausgefüllte Interessenbekundung bis zum 5. Januar 2026 zu.
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend an Bedeutung für die kommunale Verwaltung. Von effizienteren Verwaltungsabläufen bis hin zu datengestützten Entscheidungen in Stadtentwicklung, Ressourcennutzung oder Bürgerbeteiligung eröffnet KI neue Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig stellen sich Fragen zu ethischen Standards, Transparenz und sozialer Inklusion.
Die geplante Fachveranstaltung bringt Kommunen aus Deutschland und dem Globalen Süden zusammen, um internationale Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen im Umgang mit KI in der kommunalen Praxis zu teilen.
Ziel ist es:
konkrete Best Practices aus verschiedenen Kontexten sichtbar zu machen,
einen interregionalen Wissensaustausch zu fördern und
Impulse für die Entwicklung eigener Handlungsansätze zu geben
Zunächst wird das in Bonn ansässige KI-Unternehmen Petanux seine KI-Tools vorstellen und erläutern, wie es mit deutschen Kommunen zusammenarbeitet. Anschließend präsentiert die Stadt Jakarta das KI-Tool, das zur Unterstützung ihrer Stadtentwicklungsstrategie eingesetzt wird. Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine Präsentation der Stadt Hamburg, die ihre Erfahrungen mit einem auf Large Language Models (LLMs) basierenden Analyse-Tool zur Überwachung der Umsetzung der SDGs in Hamburg vorstellt.
Konferenzsprache ist Englisch.
Ort: Online
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich:
Die globale Verkehrswende ist für eine nachhaltige Zukunft unerlässlich. Expert*innen sind sich einig: Es gibt keine Einheitslösung für nachhaltige Mobilität. Stattdessen müssen wir Angebote für den öffentlichen Personenverkehr schaffen, die eine Reihe an Mobilitätslösungen beinhalten und bestmöglich miteinander vereinen – in einer smarten, zugänglichen und zeit- und ressourceneffizienten Weise. Zusätzlich müssen Maßnahmen sehr individuell auf die Bedürfnisse der Bürger*innen einzelner Regionen, Städte, Landkreise oder Gemeinden zugeschnitten sein. Zur strategischen Planung erarbeiten deutsche Kommunen oft gebietsübergreifend gemeinsam mit Verkehrs- und Zweckverbänden Konzepte. Insbesondere innovative Lösungen und Überlegungen zum Anschlussverkehr sind in Konzepten zu Mobilität, Tourismus oder Strategischer Regionalentwicklung abgebildet. Im Globalen Süden sind Kommunen durch Urbanisierung und steigendes Verkehrsaufkommen besonders gefor-dert, Lösungen zu formulieren, um ihre Kommunen zu entwickeln und setzen dabei zunehmend auch auf digitale Lösungen und private Anbieter.
Die Dialogveranstaltung bildet den Auftakt zu einem einjährigen Lernprozess, bei dem die teilnehmenden Kommunen auch eingeladen sind, sich an weiteren optionalen Aktivitäten zu beteiligen.
Ziele der Veranstaltung
Die Veranstaltung bringt Expert*innen aus Städten, Landkreisen und Gemeinden zusammen und unterstützt beim internationalen Fachaustausch zum Zusammenspiel zukunftsfähiger Mobilitätsformen.
Ziele für Teilnehmende
Kennenlernen innovativer Mobilitätslösungen und deren smarter Kombination,
Vergleich der strategischen Herangehensweise und Instrumente für eine nachhaltige Mobilität in Stadt und Umland,
Kompetenzerwerb zur Lösung von Herausforderungen in der Umsetzung von geplanten Maßnahmen unter Einbezug eines erweiterten Netzwerks und der Methode der kollegialen Beratung,
darüber hinaus: Kennenlernen als Grundlage für einen erweiterten Fachaustausch im Rahmen von z.B. Fachaustauschreisen.
Teilnahme und Kontakt
Wenn Sie am Lernprozess teilnehmen möchten, senden Sie uns bitte bis zum 20.10.2025 eine E-Mail mit Angaben zu Ihrer Kommune oder Organisation, Ihrer Funktion und einer kurzen Beschreibung des Projekts oder der Herausforderung, die Sie den anderen Teilnehmenden vorstellen möchten. Weiter Informationen entnehmen Sie bitte dem Teilnahmeaufruf [pdf, 2 Seiten].
Wenn Sie Fragen zum Lernprozess, der Veranstaltung und Ihrer Teilnahme haben, kontaktieren Sie uns gerne:
Afrikanische und deutsche Städte treiben eine gemeinsame Vision für eine gerechte, klimafreundliche Wasserstoffzukunft voran.
Städte in Afrika und Europa verstärken ihre Rolle als Vorreiter der globalen grünen Transformation und treiben Innovation, Investitionen und Klimaresilienz von Grund auf voran. Nach dem erfolgreichen Start der Arbeitsgruppe „Hydrogen Cities“ Anfang dieses Jahres in Naivasha, Kenia, wird Connective Cities vom 24. bis 27. November 2025 in Mombasa, Kenia, den zweiten Peer-Learning-Workshop veranstalten.
Diese Leitveranstaltung bringt Stadtverantwortliche, Praktiker*innen, Brancheninnovator*innen, Forscher*innen und Entwicklungspartner zusammen, um kommunale Wasserstoffstrategien auszuweiten und neue Wege für eine grüne Industrialisierung, integratives Wachstum und einen gerechten Übergang auf lokaler Ebene zu erschließen.
Von Naivasha nach Mombasa: Ideen in Wirkung umsetzen
Der erste Workshop in Naivasha brachte über 30 Vertreter*innen von Kommunen und technische Fachleute zusammen, um zu erörtern, wie Städte die aufkommende grüne Wasserstoffwirtschaft in der lokalen Wertschöpfung und der Schaffung von Arbeitsplätzen verankern können. Dabei wurde die Rolle von Wasserstoff nicht nur als Träger sauberer Energie, sondern auch als Katalysator für klimaneutrale industrielle Ökosysteme, die Entwicklung von Kompetenzen und eine innovationsgetriebene städtische Transformation hervorgehoben.
Fallstudien zeigten, wie sich Kommunen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette positionieren – von der Produktion und Speicherung bis hin zu Endanwendungen in den Bereichen Mobilität, Fertigung und Hafenlogistik. Die Beispiele reichten von den sich entwickelnden Wasserstoffzentren in Namibia bis hin zu den Regionen Heilbronn und Karlsruhe in Deutschland, wo lokale Behörden Innovationscluster, F&E-Partnerschaften und Marktverbindungen für den Einsatz von Wasserstoff aufbauen.
Fachvortrag im Rahmen des Treffens in Naivasha | Foto: Connective Cities
Die Teilnehmenden betonten auch die Bedeutung einer integrierten Stadtverwaltung – die Raumplanung, transparente Landbewirtschaftung und eine starke Einbindung der Interessengruppen kombiniert –, um sicherzustellen, dass Wasserstoffprojekte greifbare Vorteile für die Gemeinschaft bringen.
Zu den wichtigsten key takeaways aus Naivasha gehörten:
Kommunale Führung als treibende Kraft für Innovation, Investitionen und politische Abstimmung.
Lokale Wertschöpfung durch die Beteiligung von KMU, Qualifizierungsmaßnahmen und grünes Unternehmertum.
Institutionelle Kapazitäten und Humankapital als Voraussetzungen für die Wasserstoffbereitschaft.
Peer-to-Peer-Zusammenarbeit als Katalysator für die Skalierung von Lösungen und den Wissenstransfer.
Seit Naivasha haben die Städte ihre Projektkonzepte aktiv weiterentwickelt, regionenübergreifende Partnerschaften geschlossen und bankfähige Einstiegspunkte identifiziert, um ihre Agenda für die ökologische Transformation voranzutreiben.
Grüner Wasserstoff: Energie für eine nachhaltige, inklusive urbane Zukunft
Das enorme Solar- und Windpotenzial Afrikas macht seine Städte zu einem Zentrum der globalen Transformation hin zu sauberer Energie. Grüner Wasserstoff – und seine Derivate wie grünes Ammoniak und E-Methanol – bieten eine einmalige Chance für eine kohlenstoffarme Industrialisierung, Klimaresilienz und die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft.
Für die Kommunen bedeutet dieser Wandel:
Entwicklung von Innovationsclustern und Wasserstoffkorridoren, die private Investitionen anziehen.
Ausbau der Infrastruktur für erneuerbare Energien und intelligenter städtischer Netze.
Verbesserung der Wasserversorgungssicherheit und ressourceneffizienter Technologien wie Entsalzung und Wiederverwendung von Abwasser.
Schaffung grüner Arbeitsplätze in den Bereichen Ingenieurwesen, Bauwesen, Logistik und Forschung.
Förderung von Start-ups, Inkubatoren und Technologiepartnerschaften.
Aufbau von Qualifikationspipelines, die auf die zukünftigen Wasserstoffmärkte abgestimmt sind.
Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen – von Infrastrukturdefiziten und komplexen Vorschriften bis hin zu Finanzierungsengpässen und lokaler Eigenverantwortung. Die Arbeitsgruppe „Wasserstoffstädte“ bietet eine Kooperationsplattform, auf der Städte gemeinsam Lösungen entwickeln, Investitionsrisiken mindern und sicherstellen können, dass der grüne Wandel inklusiv, gerecht und lokal verankert bleibt.
Was Sie in Mombasa erwartet: Skalierung und Vertiefung
Der bevorstehende Workshop in Mombasa markiert einen entscheidenden Wandel von der strategischen Vision zur Operationalisierung und Projektumsetzung. An drei Tagen werden die Teilnehmenden:
Projektfortschritte präsentieren und Konzepte durch strukturierte Peer-Reviews und Coaching verfeinern.
an interaktiven Sitzungen zu Landnutzung, Wasser-Energie-Nexus und der Gestaltung von Industrieclustern teilnehmen
innovative Finanzierungsinstrumente, darunter Blended Finance und PPP-Modelle, erkunden.
an praktischen Peer-Coaching-Seminaren teilnehmen, um die Projektreife voranzutreiben.
sich mit internationalen Experten über politische Rahmenbedingungen, Investitionspipelines und Marktintegration austauschen.
an einer Besichtigung des Hafens von Mombasa und der Sonderwirtschaftszone teilnehmen, um reale Möglichkeiten für grüne Wasserstoffanwendungen zu identifizieren.
Die Veranstaltung umfasst Keynotes von Führungskräften aus Regierung und Privatwirtschaft, Expertenrunden und Networking-Sessions zur Stärkung der Partnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Kommunen.
Zu den bereits bestätigten Teilnehmenden gehören Städte wie Mombasa, Naivasha, Lüderitz, Arandis, Nouakchott, Waterberg District, Hamburg, Karlsruhe, Heilbronn und Freudenstadt, die eine wachsende Allianz von Kommunen bilden, die sich für dezentrale, klimafreundliche Wasserstoff-Ökosysteme einsetzen.
Ausblick: Städte als Katalysatoren einer gerechten grünen Wirtschaft
Angesichts des globalen Wandels in der Energielandschaft werden Städte, die heute entschlossen handeln, zu den Motoren des grünen Wohlstands von morgen. Der Workshop in Mombasa ist ein weiterer Meilenstein, um Kommunen zu befähigen, die wasserstoffbasierte Transformation der Städte voranzutreiben – und damit Klimaschutz, wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und soziale Inklusion gleichermaßen zu fördern.
Durch die Arbeitsgruppe „Hydrogen Cities“ baut Connective Cities weiterhin Brücken zwischen Kontinenten, verbindet Fachwissen und setzt Ambitionen in die Tat um – damit die Wasserstoffrevolution zu einer nachhaltigen, lokal verankerten und zukunftsfähigen städtischen Wirtschaft führt.
Von Naivasha bis Mombasa zeigen Städte, dass der grüne Wandel lokal beginnt – und sich global ausbreitet.
Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des „Connective Cities“-Lernprozesses in Südosteuropa kamen in Podgorica Kommunen, Geberorganisationen und Fachleute zusammen, um den regionalen Übergang zu nachhaltigen und erneuerbaren Energielösungen zu beschleunigen. Während drei intensiver Tage tauschten die Teilnehmenden praxisnahe Erfahrungen aus, präsentierten kommunale Projektkonzepte, traten in direkten Dialog mit Finanzierungsinstitutionen und besuchten ein erfolgreich abgeschlossenes Energieeffizienzprojekt in Cetinje. Der Workshop bildete den Abschluss von fast zwei Jahren Zusammenarbeit und versetzte die Kommunen in die Lage, ihre Ziele im Bereich erneuerbarer Energien in umsetzbare und finanzierbare Projekte zu überführen. Sie verfügen nun über klarere Finanzierungswege, stärkere Partnerschaften und konkrete nächste Schritte.
INTERNATIONALE STÄDTE-PLATTFORM FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
NEWSLETTER – AUSGABE NR. 89, November 2025
Liebe Leserinnen und Leser,
„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, stellte einst Albert Einstein fest. Getreu diesem Prinzip fördern wir den Austausch zu innovativen Lösungsansätzen.
In dieser Ausgabe berichten wir über den erfolgreichen Abschluss unseres Lernprozesses zur Nutzung erneuerbarer Energien in Kommunen der Region Südosteuropa und des Kaukasus. Zudem freuen wir uns über die erneute Zusammenkunft unserer Arbeitsgruppe Hydrogen Cities, die die Potenziale der grünen Transformation für die lokale Wirtschaftsentwicklung – sowohl in deutschen Kommunen als auch in Städten Subsahara-Afrikas – weiter erschließen wird.
Darüber hinaus laden wir Sie herzlich zu unserem virtuellen Fachaustausch am 2. Dezember zum Thema „Chancen und Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz in der kommunalen Verwaltung“ ein.
Wir wünschen Ihnen eine anregende und inspirierende Lektüre.
Herzlichst Ihr Connective Cities Team
EINBLICK
Städte für eine erneuerbare Zukunft stärken
Dokumentation des Connective Cities Lernprozesses in Südosteuropa
Beim Abschluss des Connective Cities Lernprozesses in Südosteuropa trafen sich Kommunen, Geber und Fachleute in Podgorica, um konkrete Projektvorschläge und Umsetzungskonzepte für erneuerbare Energien zu finalisieren. Nach fast zwei Jahren Zusammenarbeit ebnete der Workshop den Weg für stärkere Partnerschaften und finanzierbare, umsetzbare Energieprojekte in der Region.
Das Potenzial der grünen Transformation für die lokale Wirtschaftsentwicklung erschließen
Weiterer Workshop vom 24. bis 27. November 2025 in Mombasa, Kenia
Städte in Afrika und Europa verstärken ihre Rolle als Vorreiter der globalen grünen Transformation und treiben Innovation, Investitionen und Klimaresilienz von Grund auf voran. Nach dem erfolgreichen Start der Arbeitsgruppe „Hydrogen Cities“ Anfang dieses Jahres in Naivasha, Kenia, wird Connective Cities vom 24. bis 27. November 2025 in Mombasa, Kenia, den zweiten Peer-Learning-Workshop veranstalten.
Künstliche Intelligenz in der kommunalen Verwaltung: Chancen und Herausforderungen im internationalen Vergleich
Virtueller Fachaustausch am 02. Dezember 2025 von 10:00 bis 12:30 Uhr
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend an Bedeutung für die kommunale Verwaltung. Von effizienteren Verwaltungsabläufen bis hin zu datengestützten Entscheidungen in Stadtentwicklung, Ressourcennutzung oder Bürgerbeteiligung eröffnet KI neue Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig stellen sich Fragen zu ethischen Standards, Transparenz und sozialer Inklusion. Diskutieren Sie mit in unserem internationalen Erfahrungsaustausch anhand konkreter Praxisbeispiele!
Connective Cities ist ein gemeinsames Projekt von:
Deutscher Städtetag: Gereonstraße 18 – 32, 50670 Köln | Deutschland Kontakt: Sabine Drees Email: sabine.drees@staedtetag.de
Engagement Global gGmbH Servicestelle Kommunen in der Einen Welt Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Sibylle Loyeau Email: sibylle.loyeau@engagement-global.de
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Friedrich-Ebert-Allee 32 + 36, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Ricarda Meissner Email: ricarda.meissner@giz.de
Desinformation und polarisierende Narrative stellen Kommunen zunehmend vor Herausforderungen. Falschinformationen können das Vertrauen in kommunale Institutionen schwächen, gesellschaftliche Spannungen verstärken und sich insbesondere in Krisensituationen innerhalb kürzester Zeit verbreiten. Wie können sich Kommunen darauf vorbereiten und schnell, glaubwürdig und wirksam reagieren?
Diese Frage stand im Mittelpunkt des Connective Cities Fachforums „Wenn Fakten unter Druck geraten: Kommunen wirksam gegen Desinformation stärken“ am 8. Oktober 2026 in Berlin im Rahmen der 8. Deutsch-Ukrainischen Kommunalen Partnerschaftskonferenz vom 7. bis 9. Oktober 2026.
Die Konferenz brachte rund 600 deutsche und ukrainische Kommunalvertretende und weitere Engagierte aus dem Partnerschaftsnetzwerk zusammen, um Erfahrungen und erfolgreiche Ansätze auszutauschen, aktuelle Herausforderungen der Zusammenarbeit zu diskutieren und die kommunale Resilienz sowie die deutsch-ukrainischen Partnerschaften weiter zu stärken.
Von kommunaler Praxis lernen
Wie erkennt eine Verwaltung, dass sich Desinformation verbreitet? Wann und wie sollte sie reagieren? Welche Rolle spielen Bürgermeister*innen, Pressestellen, lokale Medien und Zivilgesellschaft?
Ukrainische Kommunen sind unter den Bedingungen des russischen Angriffskrieges einem besonders hohen Informationsdruck ausgesetzt. Ihre Erfahrungen mit Krisenkommunikation, dem Umgang mit Gerüchten und Falschinformationen sowie dem Aufbau verlässlicher Informationskanäle bieten wichtige Anknüpfungspunkte für den gemeinsamen Austausch.
Desinformation verstehen: Methoden und Ziele
Katharina Nocun, Publizistin und Bürgerrechtlerin, skizzierte die Grundzüge von Desinformationskampagnen. Foto: Connective Cities
Katharina Nocun, Publizistin und Bürgerrechtlerin, skizzierte die Grundzüge von Desinformation und Desinformationskampagnen. Diese arbeiten zum Beispiel mit imitierten Webseiten bekannter Printmedien oder auch mit gefälschten Nutzerkonten und einer Beitragsflut auf Social-Media-Plattformen. Mit den Mitteln künstlicher Intelligenz sei die Umsetzung einfach und billig geworden, so Katharina Nocun. Das Ziel: Feindbilder aufbauen, Unsicherheit und Misstrauen schüren, demokratische politische Systeme destabilisieren. Zu beobachten sei aber auch, dass Desinformationskampagnen zunehmend schlicht gewinnorientierte Ziele verfolgen und dazu zum Beispiel die Monetarisierungsmöglichkeiten von Social-Media-Plattformen nutzen. „Propaganda hat dann ihr Ziel erreicht, wenn Menschen verunsichert werden. Es reicht, wenn Unsicherheit gestreut wird“, so Nocun.
Praxis aus Deutschland: Wenn das eigene Gesicht zur Fälschung wird
Wie reagiert eine Kommune, wenn Desinformation vor Ort ankommt? Welchen Spielraum hat sie, und wann sollte sie handeln? Und wie lässt sich das Vertrauen in die Verwaltung erhalten und stärken, damit die Kommune widerstandsfähiger wird? Zwei Beispiele aus Deutschland gaben Antworten.
Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland beschreibt, wie er selbst zum Ziel einer Desinformationskampagne wurde. Foto: Connective Cities
Thomas Otto, Bürgermeister der Gemeinde Saterland in Niedersachsen, wurde selbst zum Ziel: Im Netz kursierten KI-generierte Bilder von ihm, die den Politiker in verschiedenen Posen zeigen – unter anderem mit einem Strick um den Hals. Diese Fälschungen beschädigten die Glaubwürdigkeit des Bürgermeisters und der gesamten Verwaltung. In einer kleinen Kommune sei es ein Vorteil, dass die handelnden Personen bekannt sind, so Otto. Dennoch sind die Folgen noch heute, zwei Jahre nach dem Vorfall, spürbar.
Angebliche Briefwahlzettel aus Leipzig auf denen die AfD fehlte, zwang die Stadt Leipzig zur schnellen Aufklärung und Richtigstellung. Foto: Connective Cities
Dr. Pia-Mareike Heyne, Leiterin des Referats für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt der Stadt Leipzig, machte deutlich, dass Vertrauen auch innerhalb der Stadtverwaltung wachsen muss. Eine zentrale Herausforderung für Verwaltungen sei es zudem, schnell zu reagieren. So kursierte im Februar 2025 kurz vor der Bundestagswahl ein über die sozialen Medien verbreitetes Video, das zwei angebliche Briefwahlzettel aus Leipzig zeigte, auf denen die AfD fehlte. Dies zwang die Stadt Leipzig zur schnellen Aufklärung und Richtigstellung.
Praxis aus der Ukraine: Informationen als kritische Infrastruktur
Unter dem Titel „Wie ukrainische Kommunen unter Kriegsbedingungen Vertrauen und Resilienz aufbauen“ ging es um Fragen, die sich jede Kommune in einer Krise stellen muss: Wie informiert sie, und welche Kanäle funktionieren tatsächlich? Wie geht sie mit Gerüchten in sozialen Medien um? Wie vermeidet sie widersprüchliche Informationen verschiedener Behörden, wie schützt sie sensible Informationen, und welche Rolle spielen lokale Medien?
Dinara Habibulaieva, Stadträtin in Kyjiw, berichtete, wie Informationen in der Ukraine ebenfalls Ziel russischer Angriffe sind. Foto: Connective Cities
Dinara Habibulaieva, Stadträtin in Kyjiw, berichtete, dass Informationen in der Ukraine inzwischen als kritische Infrastruktur gelten, die ebenfalls Ziel russischer Angriffe ist. Desinformation werde zum einen eingesetzt, um Unsicherheit über die Unterstützung des Westens für die Ukraine zu säen. Zum anderen richten sich Desinformationskampagnen gegen die Warnsysteme, die die Bevölkerung bei Angriffen alarmieren. Vor allem in den sozialen Medien verbreiteten sich falsche Informationen zu Gefährdungslagen und Angriffszielen, teils gezielt aus Russland gesteuert, teils von Bloggern, die unprofessionell Fehlinformationen streuen. Das zentrale Problem sei die Geschwindigkeit der Plattformen: Faktenchecks und Richtigstellungen kämen oft zu spät.
„Propaganda spielt nicht mit Fakten, sondern mit Zweifeln.“ – Dinara Habibulaieva
Welche Folgen falsche Informationen haben können, machte Vitaliy Zhylenko, Berater des Bürgermeisters von Sumy, deutlich. Er betonte, wie wichtig Medienerziehung für junge Menschen ist.
„Sumy liegt nur 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Wir haben oft 16 Stunden Luftalarm am Tag und wenig Vorwarnzeit. Wenn falsche Informationen zu Angriffszielen gestreut werden, verfallen Menschen in Panik oder verlieren ihr Leben.“ – Vitaliy Zhylenko
Podiumsdiskussion: Voneinander lernen
Podiumsdiskussion „Was können wir voneinander lernen?“ mit Dr. Simon Schlegel, Dr. Pia-Mareike Heyne, Thomas Otto, Dinara Habibulaieva und Vitaliy Zhylenko, moderiert von Sibylle Loyeau (Connective Cities).
In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach Dr. Simon Schlegel, Direktor des Ukraine-Programms des Think Tanks Zentrum Liberale Moderne, über das Voneinanderlernen. Er hob die Wirksamkeit von Prebunking hervor: Menschen werden vorbeugend über typische Manipulationstechniken aufgeklärt, damit sie Desinformation erkennen und abwehren können, bevor sie sich verbreitet. Debunking hingegen widerlegt falsche Behauptungen erst im Nachhinein.
Auf die Frage, was Kommunen besser machen könnten, antwortete Dr. Pia-Mareike Heyne: „Ich würde gar nichts anders machen, ich würde mehr machen. Wir wissen alles, was wir wissen müssen, und was wir nicht wissen, wissen unsere Partner. Daher müssen wir einfach mehr machen.“
Lösungsansätze: Vertrauen stärken und Medienkompetenz fördern
Zwei Strategien stachen bei den Lösungen heraus. Erstens gilt es, das Vertrauen der Bevölkerung in öffentliche Institutionen und öffentliche Informationen zu stärken. Zweitens muss Medienkompetenz früh gefördert werden. Zugleich sollte die Bevölkerung ebenso wie die Mitarbeitenden in den Kommunen für Desinformation sensibilisiert werden.
Dr. Andrea Jonas vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) stellte das Heft „Mit Desinformation umgehen“ vor. Foto: Connective Cities
Dr. Andrea Jonas vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung stellte dazu das Heft „Mit Desinformation umgehen“ vor. Es beschreibt Gegenstrategien zu Desinformationskampagnen und bietet Orientierungshilfen, um in der Stadt- und Regionalentwicklung den umkämpften Informationsraum demokratisch und zukunftsfähig zu gestalten.
Fazit
Das Fachforum hat gezeigt: Desinformation lässt sich nicht vollständig verhindern, aber Kommunen können sich darauf vorbereiten. Entscheidend ist das Vertrauen der Bevölkerung, das Verwaltungen im Alltag aufbauen müssen, bevor die Krise kommt, und zwar nach außen wie auch innerhalb der Verwaltung. Dazu gehören schnelle und verlässliche Kommunikation, Prebunking statt reiner Richtigstellung im Nachhinein und Medienkompetenz für alle. Die ukrainischen Erfahrungen zeigen, wie weit Desinformation gehen kann und wie wichtig geschützte Informationskanäle sind. Entscheidend ist auch, vorhandenes Wissen konsequent anzuwenden. Oder wie Pia-Mareike Heyne es formulierte: einfach mehr machen.
Wie können Städte und Gemeinden schneller handlungsfähig werden und zugleich lebenswerte, gerechte und zukunftsfähige Orte bleiben? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt des 19. Bundeskongresses Nationale Stadtentwicklungspolitik, der vom 14. bis 16. September 2026 in Köln stattfand. Unter dem Motto „Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiterdenken: Städte für alle gestalten“ kamen rund drei Tage lang Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Planung und Zivilgesellschaft zusammen, um über die Zukunft der Stadtentwicklung zu diskutieren. Im Zentrum der Diskussionen standen zentrale Zukunftsthemen: die Beschleunigung von Planungs- und Umsetzungsprozessen, bezahlbarer Wohnraum, Klimaanpassung, moderne Infrastruktur sowie neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Ebenen.Der Kongress wird jährlich vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gemeinsam mit der Bauministerkonferenz der Länder, dem Deutschen Städtetag und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ausgerichtet.
Connective Cities beim Stand von Engagement Global und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt.
Neben Plenumsbeiträgen boten 17 Fachforen, sechs Zukunftsarenen und ein Marktplatz vielfältige Gelegenheiten für einen fokussierten fachlichen Austausch. Connective Cities war am Stand von Engagement Global und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) vertreten. Und es zeigte sich: Die Relevanz kollegialer Austausche über bewährte Praktiken, um durch gegenseitiges Lernen Lösungen für zukunftsfähige Städte zu entwickeln wurde vielfach betont – der Ansatz, den Connective Cities bereits seit über zehn Jahren systematisch verfolgt.
Ausgewählte Plenumsbeiträge, zwei Fachforen und zwei Zukunftsarenen möchten wir hier näher beleuchten:
Kongresseröffnung
Eröffnet wurde der Kongress von der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester.
Verena Hubertz bezog sich in ihrer Rede auf den sogenannten Bau-Turbo. Mit diesem Baugesetzbuch-Upgrade und der damit einhergehenden weiteren Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie der Förderung von Umbau und Umnutzung bestehender Gebäude hat der Bund bereits wichtige Schritte hin zu mehr Geschwindigkeit und Flexibilität eingeleitet. Gleichzeitig muss Stadtentwicklung langfristig tragfähig bleiben und dabei Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit, Klimaanpassung sowie städtebauliche Qualität sichern.
Wie der Bau-Turbo in der Praxis wirkt, begleitet das BMWSB im eigens eingerichteten “Umsetzungslabor Bau-Turbo“, das Erfahrungen aus den Kommunen systematisch auswertet. Erste Ergebnisse zeigen positive Effekte auf die fachämterübergreifende Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung und Genehmigungsbehörde – zugleich bleibt die Frage zentral, wofür Kommunen ihre neuen Handlungsspielräume nutzen: Der Bau-Turbo eröffnet Flexibilität, gewährleistet aber nicht per se gute Stadtentwicklung.
„Damit die Kölnerinnen und Kölner langfristig und gut in unserer Stadt leben können, müssen wir schneller handeln – beim Wohnungsbau, bei der Infrastruktur und bei der Klimaanpassung. Kommunen brauchen mehr Handlungsspielräume, verlässliche Rahmenbedingungen und starke Partner. Geschwindigkeit allein ist kein Selbstzweck. Wir wollen Städte entwickeln, die auch für kommende Generationen lebenswert, gerecht und zukunftsfähig sind.“, so Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln
Keynote „Städte aktiv gestalten – im Spannungsfeld von strategischer Idee, politischer Dynamik und Regulierungsdschungel“
Prof. Dr. Uwe Schneidewind, ehem. Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, Oberbürgermeister a. D. der Stadt Wuppertal
In seinem Fachbeitrag zum 19. Bundeskongress stellt Uwe Schneidewind die grundsätzliche Frage, ob Städte angesichts wachsender Transformationsanforderungen – demografischer Wandel, Digitalisierung, Klimaanpassung, Wärme- und Mobilitätswende sowie sich verändernde Innenstädte – überhaupt noch aktiv gestaltbar sind, oder ob Stadtpolitik zunehmend in einen urbanen Kollaps zu geraten droht. Diese Entwicklungen vollziehen sich seiner Analyse nach vor dem Hintergrund immer vielfältigerer Stadtgesellschaften, angespannter kommunaler Finanzen und eines stetig dichter werdenden Regulierungsgeflechts.
Schneidewind identifiziert drei zentrale Herausforderungen: Erstens die finanzielle Überforderung der Kommunen, die sich – anders als in früheren Krisen – nicht mehr durch Wirtschaftswachstum auffangen lasse, da die deutsche Volkswirtschaft strukturell stagniere und auch Bund und Länder finanziell zu stark belastet seien, um umfassend umzuverteilen Er plädiert deshalb für eine grundsätzliche Debatte darüber, wie Kommunen in den 2040er-Jahren trotz halbierter Personal- und Haushaltsressourcen arbeitsfähig bleiben können.
Zweitens beschreibt er eine Überregulierung, die den wirkungsorientierten Betrieb vieler Städte nur noch durch besonders engagierte Verwaltungsmitarbeitende ermögliche, die bereit seien, in rechtlichen Graubereichen zu agieren. Eine wirksame Staatsreform biete hier die Chance, kommunale Handlungsspielräume systematisch auszuweiten – etwa durch mehr Ermessens- und Experimentierräume, neue Formen der Personal- und Organisationsentwicklung, pauschalierte Förderregime, konsequente Wirkungsorientierung, engere interkommunale und zivilgesellschaftliche Kooperation sowie die gezielte Nutzung von Künstlicher Intelligenz auf kommunaler Ebene.
Drittens benennt er ein politisches Strategiedefizit: Lokalpolitik sei häufig nur begrenzt strategiefähig, da „Kümmern vor Konzept“, Machtpolitik und eine „Kraft des Neins“ dominierten und der Fokus auf emotionalen Einzelthemen strukturelle Debatten erschwere. Schneidewind fordert daher eigene strategiefähige Räume, in denen Stadtentwicklungsstrategien erarbeitet und stabilisiert werden können, sowie eine Diskussion über veränderte politische Governance-Strukturen. Er schlug eine neue politische Kultur vor: Um nicht den rechtspopulistischen Nein-Sagern in die Hände zu spielen, komme auf die demokratischen Parteien eine große Verantwortung zu im Sinne eines konstruktiven kommunalen Miteinanders.
„Gemeinsam handeln, schneller agieren, weiter denken: Städte für alle gestalten“
Im Anschluss an die Keynote diskutierte ein Panel darüber, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse in die kommunale Praxis übersetzen lassen. Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, plädierte dafür, den Blick verstärkt auf gute Beispiele aus anderen Städten zu richten. Konzepte wie die Schwammstadt oder partizipativ entwickelte Quartiere zeigten, wie sich Stadtentwicklung bereits heute innovativ und zukunftsgerichtet gestalten lasse – Kommunen sollten stärker voneinander lernen, statt jede Lösung neu zu erfinden.
„Wir arbeiten diskriminierungsfrei, dennoch priorisieren wir große Bauvorhaben wie den Umbau des Karstadtgebäudes in Wohnraum, der vielen in zugutekommt. Das halte ich juristisch für unproblematisch und jede und jeder in der Stadtgesellschaft versteht das“, beschrieb Tristan Vitt, Oberbürgermeister von Siegen, seine Form des schnelleren Agierens bei dringenden städtebaulichen Anliegen.
Bundesministerin Verena Hubertz betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Leuchtturm-Projekten: Erfolgreiche Vorhaben sichtbar zu machen und anderen Städten als Vorbild zugänglich zu machen, sei ein wichtiger Hebel, um gute Ideen schneller in die Fläche zu tragen. Sie unterstrich zugleich den grundsätzlichen Anspruch an eine handlungsfähige Stadtentwicklung: „Stadtentwicklung darf nicht im nächsten Verfahren oder in der nächsten Abstimmungsrunde stecken bleiben. Städte brauchen Tempo und einen klaren Kompass. Genau deshalb gehört beides zusammen: schneller handeln und weiterdenken. Unser Ziel ist, dass aus guten Ideen schneller gute Projekte werden: mehr Wohnungen, bessere Infrastruktur sowie grüne und hitzetaugliche Stadträume. Dafür müssen wir Verfahren einfacher und verlässlicher machen und die Zusammenarbeit zwischen allen Ebenen stärken. Denn am Ende zählt, was vor Ort ankommt.“
Forum 08 – Transformationsaufgabe Klimaanpassung: Von der Risikoanalyse zur integrierten Umsetzung
Nachhaltige Klimaanpassungsmaßnahmen stellen Eigentümer und Kommunen bei Wirtschaftlichkeit und Investitionsfähigkeit vor erhebliche Herausforderungen. Umso wichtiger werden innovative Ansätze der Risikoanalyse und -bewertung sowie aufeinander abgestimmte Klimaanpassungsstrategien von privaten und öffentlichen Akteuren – von Wohnungsunternehmen über Kommunen bis hin zu Innovationstreibenden und Prozesssteuernden.
Eine Vertreterin der Nassauischen Heimstätte, einer Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mit mehrheitlicher Beteiligung des Landes Hessen, stellte gelungene Praxisbeispiele vor, darunter das Schwammstadt-Konzept in Bad Hersfeld, das gemeindeübergreifende Klimaanpassungskonzept mit Hitzeaktionsplan im Main-Kinzig-Kreis sowie das Frankfurter Schönhofviertel. Zugleich machte sie deutlich: „Das Problem besteht im Bestand.“ Bei den Immobilien der Gesellschaft wurde daher eine systematische Bewertung und Kartierung von Klimarisiken veranlasst. Die größte Herausforderung sei heute der Hitzeschutz. Ein Pilotprojekt zur Regenwasserrückhaltung musste wegen Vandalismus eingestellt werden – ein Beleg dafür, dass es ein Commitment aller Akteure im Quartier braucht. Als Fazit hielt sie fest: Private Akteure müssen stärker eingebunden werden; während Klimaschutzmaßnahmen in den Außenanlagen gut funktionieren, bleibt die Umsetzung im Gebäudebestand schwierig. Auch das Thema Brauchwasser solle künftig stärker in den Blick genommen werden, statt sich in den Quartieren allein auf die Trinkwassernutzung zu konzentrieren.
Henk Brockmeyer, Geschäftsführer von NRW.URBAN, forderte, Klimaanpassung vom Zusatzkriterium zu einer Standardaufgabe der Stadtentwicklung zu machen, die Gegenstand jeder städtebaulichen Entscheidung sein müsse. Daten und Wissen seien vorhanden, entscheidend sei nun der Übergang in konkrete Entscheidungen und Planung. Er nannte vier zentrale Hebel: Klimaanpassung frühzeitig mitdenken, Zielkonflikte transparent machen und aushandeln, Planungsinstrumente und Umsetzung enger verzahnen sowie personelle und finanzielle Umsetzungskapazitäten stärken.
Kathrin Senner, Geschäftsführerin des Deutschen Verbands für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung, brachte die Diskussion auf den Punkt: „Klimaanpassung ist keine Zukunftsaufgabe mehr, wir stecken mittendrin.“ Klimaschutz und Wärmewende lassen sich nur erfolgreich umsetzen, wenn sie als Querschnittsaufgabe fest in der Verwaltung verankert und eng mit bestehenden Konzepten der integrierten Stadtentwicklung verzahnt werden – Reallabore und Modellprojekte gelten dabei als wichtige Instrumente, um neue Lösungswege zu erproben.
Forum 12 – Wie kommt die Resilienz in die Stadtentwicklung? Zwischen Komplexität und Handlungsfähigkeit
Wie kommen Kommunen vom Leitbild der nachhaltigen Stadt in die konkrete Umsetzung und werden dabei ökonomisch, ökologisch und sozial robuster? Das Forum zeigte auf, wie sich Zielkonflikte bei Klimaanpassung, Gesundheitsvorsorge und sozialer Gerechtigkeit überwinden lassen, wenn Städte entlang der „Agenda Stadt grün-blau“ resilient gegenüber Klimafolgen und zugleich – auch geschlechtergerecht – in Nutzung, Zugang und Teilhabe geplant werden.
Matthias Schäpers von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) machte deutlich, dass anschauliche Bilder bei der Überzeugungsarbeit zum Thema Klimaanpassung eine wichtige Rolle spielen und Kommunen dieses Potenzial gezielt nutzen können. Als Beispiel verwies er auf das Konzept der klimatischen Zwillingsstädte in Europa: Eine Analyse des Umweltbundesamts zeigt, dass sich die Klimate deutscher Regionen bereits heute so verschoben haben, dass viele Städte ein Klima aufweisen, das vor 50 Jahren 100 bis 600 Kilometer weiter südwestlich herrschte – ein Bild, das die Dringlichkeit der Klimaanpassung greifbar macht, ohne direkt übertragbare Lösungen zu suggerieren.
Dr. Mary Dellenbaugh-Losse (urban.policy) betonte, dass Resilienz immer auch eine soziale Perspektive brauche: Entscheidend sei, wer auf Klimarisiken reagieren kann und wer nicht – und warum. Diese soziale Perspektive könne Lösungen der Stadtentwicklung robuster machen. Eine sozialgerechte Hitzeplanung müsse etwa Alltagswege und Pflegeverantwortung mitdenken, wodurch Geschlechtergerechtigkeit zu einem zentralen Gerechtigkeitsthema werde. Als Beispiel für einen typischen Zielkonflikt nannte sie das Spannungsfeld zwischen Entsiegelung und Berollbarkeit von Wegen und Plätzen.
Arena I: Zukunft durch regionale Kooperation: Maßstäbe, Formate, Inhalte
Host der Arena war der Region Köln/Bonn e.V., der als Regionalmanagement für die 4.415 km² große, über 3,6 Millionen Menschen umfassende Region regionale Kooperation insbesondere in den Bereichen nachhaltige Raumentwicklung, Mobilität, Klimaresilienz, Wirtschaftsflächenentwicklung, Strukturwandel und Innovationsförderung fördert. Als strategisches Instrument dient dabei das Agglomerationsprogramm, das regionale Zukunftsprojekte anstößt, vernetzt und bei der Umsetzung begleitet – etwa die Konversion des Kraftwerks Frimmersdorf im Rheinischen Revier, die Kölner Parkstadt Süd oder das Seequartier Wiehl im Bergischen Land.
Übergreifend zeigte die Arena: Regionale Kooperation gilt als wichtiger Ansatz zur Bewältigung von Transformationsaufgaben, die einzelne Kommunen allein nicht mehr bewältigen können. In der Einführung wurde deutlich, dass Deutschland eine lange Erfahrung mit interkommunaler Zusammenarbeit besitzt, die in Politik und Praxis auf hohe Akzeptanz stößt – Regionen etablieren sich zunehmend als eigenständige Handlungsebene zwischen Kommune und Land bzw. Bund, etwa bei der Akquise von Fördergeldern. Als zentrale inhaltliche Handlungsfelder regionaler Kooperation kristallisierten sich in einem weiteren Input die regionale Wirtschafts- und Standortentwicklung, Gründungs- und Innovationsförderung, Verkehrs- und Mobilitätsthemen, Strukturwandel sowie Flächen- und Raumplanung heraus. Ein Marktplatz mit bestehenden Regionalverbänden und Netzwerken, darunter beispielsweise Aussteller*innen wie die Deutschen Gartenschau Gesellschaft, die Metrolpolregion Hamburg oder die Zukunftsregion Ahr e.V. bot zudem Gelegenheit zum direkten Austausch mit Praktiker*innen und zum Lernen von bestehenden Kooperationsbeispielen.
Arena V: KI in der Stadtentwicklung – Chancen und Herausforderungen
Im Rahmen der Smart City Dialog-Initiative des Bundesbauministeriums initiierte die Stadt Gelsenkirchen das Projekt URBAN.KI. Marlene Damerau (gkd-el) stellte die Initiative vor: Aus 130 Interessensbekundungen wurden neun Anwendungsfälle aus sechs Bereichen identifiziert, darunter Stadtplanung, Mobilität, Umwelt & Klimaschutz, IT-Sicherheit, Bevölkerungsschutz und Verwaltungsprozesse. Ein Institut für KI & Stadtentwicklung ist zudem in Planung, um Erfahrungsaustausch, Beratung und die interkommunale Arbeit an Lösungsansätzen zu verstetigen Fünf Beispiele wurden vorgestellt; alle Anwendungsfälle stehen als Open Code Kommunen frei zur Verfügung.
MapChatAI – Mit KI navigieren: Der Karten-Chatbot für mehr digitale Teilhabe
Gemeinsam mit der Stadt Leipzig entwickelt URBAN.KI einen KI-gestützten Karten-Chatbot, der Bürger*innen – auch mit Beeinträchtigungen oder geringen Sprachkenntnissen – per Text- oder Spracheingabe niedrigschwellig Zugang zu Geoinformationen verschafft, z.B. „Wo ist der nächste barrierefreie Zugang?“.
Gemeinsam mit dem Kreis Recklinghausen und dem Kreis Unna entwickelt URBAN.KI zwei Plattformen zur KI-gestützten Luftbildauswertung: „Sursentia“ erkennt versiegelte Flächen, Gründächer und Solaranlagen, „aviary“ analysiert darüber hinaus städtebauliche Strukturen und Veränderungen im Zeitverlauf – beide ohne Expertenwissen bedienbar und kostengünstiger als externe Anbieter.
ArchivAIr – Aufbereitung digitaler Bauakten mit KI
Gemeinsam mit der Stadt Heiligenhaus digitalisiert und klassifiziert URBAN.KI analoge Bauakten vollautomatisiert per KI – Akten stehen so in Sekunden statt Tagen zur Verfügung, der Ansatz ist skalierbar und auf andere Kommunen übertragbar.
AIMOS – KI-gestützte Verkehrsplanung im Landkreis Osnabrück
Gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück nutzt URBAN.KI anonymisierte Nutzungs- und Strukturdaten, um Bedarfe für On-Demand-Verkehre im ländlichen Raum zu ermitteln und so eine fundierte Grundlage für bedarfsgerechte Mobilitätsangebote zu schaffen.
Prof. Dr. Julia Frohne (Westfälische Hochschule) stellte die URBAN.KI-Studie vor: Etwa ein Drittel der Kommunen nutzt bereits eigene KI-Systeme, knapp die Hälfte plant oder erprobt sie, aber auch gut 40 Prozent nannten fehlende Ressourcen als größte Hürde.
In der abschließenden Paneldiskussion ging es um Datenqualität, Sicherheit, Finanzierung und Kompetenzaufbau. Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen wurde empfohlen: Bei der Entwicklung von KI-Lösungen lohnt sich interkommunale Zusammenarbeit, um Doppelentwicklungen zu vermeiden und Ressourcen zu bündeln. Als Resümee blieb: Die Kosten der Nicht-Nutzung von KI werden eines Tages höher sein als die Kosten für deren Entwicklung, Anwendung und Schulung der Mitarbeitenden.
Fazit
Der 19. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik hat gezeigt, vor welch komplexen Herausforderungen Kommunen heute stehen – von der Beschleunigung durch den Bau-Turbo über Klimaanpassung und soziale Resilienz bis hin zum Einsatz Künstlicher Intelligenz. Bei aller thematischen Vielfalt zog sich ein roter Faden durch die drei Kongresstage: Gute Lösungen entstehen im Austausch – ob zwischen Fachämtern, Regionen oder Kommunen bundesweit. Der Bundeskongress war erneut eine wertvolle Plattform, die kommunale Praktiker*innen aus ganz Deutschland zusammenbrachte, zum gegenseitigen Lernen einlud und damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Städte und Gemeinden leistete.
INTERNATIONALE STÄDTE-PLATTFORM FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
NEWSLETTER – AUSGABE NR. 88, Oktober 2025
Liebe Leserinnen und Leser,
„Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.“ ist ein Statement von Walter Gropius, Gründer der deutschen Kunst-, Design- und Architekturschule „Bauhaus“.
Das muss jedoch nicht so bleiben. Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen der nachhaltigen Stadtentwicklung. Wir berichten, wie wir syrische Stadtplaner*innen im Rahmen unseres MENA-Netzwerkes nach Beendigung des Bürgerkrieges unterstützen. Gute Praktiken aus Assuan, Ägypten, und Constantine, Algerien, zeigen, wie Klimaschutzmaßnahmen Schritt für Schritt umgesetzt wurden.
Wir geben Einblicke, wie Kommunen und ihre Verbände weltweit mittels einer Nachhaltigkeitsberichterstattung, den sogenannten Voluntary Local Reviews, die Umsetzung der Agenda 2030 in ihren Kommunen beschleunigen und zugleich auf nationaler wie internationaler Ebene hierfür ihre Stimme erheben. Zudem haben wir unsere praktischen Erfahrungen aus weiteren Lernprozessen zum Ende dieser Projektphase in zwei Leitfäden strukturiert: (1.) Wie Verantwortliche in Zeiten des Klimawandels einen risikobewussten Ansatz verfolgen und die Anpassung an Hitze in ihre Planungsprozesse integrieren können. (2.) Wie eine Gender-Perspektive in Planungsprozesse und alle kommunalen Dienstleistungen integriert werden kann.
Im November werden wir zudem die Lernerfahrungen, innovativen Ansätze und erfolgreiche Projektarbeit des Lernprozesses der „Nachnutzung von öffentlichen Gebäuden der Moderne“ für Sie zusammenfassen.
Vom 25. Bis 27. November bildet die Dialogveranstaltung „Nachhaltige Mobilität – Zusammenspiel zukunftsfähiger Mobilitätsformen“ den Auftakt eines neuen Lernprozesses, der Fachleute aus diesem Bereich Gelegenheit zu einem intensiven Erfahrungsaustausch gibt.
Außerdem möchten wir sie zu unserem Connective Cities Netzwerktreffen von 9. Bis 10. Dezember 2025 in Bonn wie auch zur virtuellen Ad Hoc Veranstaltung am 2. Dezember 2025 „Künstliche Intelligenz in der kommunalen Verwaltung: Chancen und Herausforderungen im internationalen Vergleich“ herzlich einladen und Sie bitten, die entsprechenden Termine im Dezember bei Interesse schon mal freizuhalten. Weitere Informationen folgen in Kürze auf unserer Website sowie in der kommenden Newsletter-Ausgabe.
Wir wünschen inspiriende Lektüre Ihr Connective Cities Team
RÜCKBLICK
Städte als Vorreiter für eine nachhaltige, inklusive und resiliente Zukunft
U20 Mayor Summit in Johanneburg vom 12. Bis 14. September 2025
Die diesjährige Urban 20 wurde von den Städten Johannesburg und Tshwane ausgerichtet. Auf Einladung von SALGA nahmen Vertreter*innen der Stadt Bonn und von Connective Cities an einer Podiumsdiskussion teil. Sie betonten die Relevanz verfügbarer Daten sowie von Partnerschaften und fachlichem Austausch.
Verbesserung der lokalen Regierungsführung für Klimaschutzmaßnahmen in der MENA-Region
Rückblick auf die Insight- Session vom 13. Oktober 2025
Im Mittelpunkt der Insight Session: Rahmenplanung, mehrstufige Umsetzungsschritte standen die guten Praktiken „Entwicklung eines integrierten Maßnahmenrahmens gegen Hitze in Assuan, Ägypten” sowie „Verbesserung der Fußgängerfreundlichkeit und der Übergang zu einer transit-orientierten Entwicklung in Constantine, Algerien”. Die dezentrale Zusammenarbeit und der Wissensaustausch im Rahmen globaler Partnerschaften trugen dabei zum Projekterfolg bei.
Neue Brücken bauen: Integration syrischer Städte in das regionale Netzwerk von Connective Cities
Am 18. und 19. August 2025 organisierte Connective Cities einen Workshop in Amman
Unter dem übergreifenden Thema „Kommunaler Wissensaustausch zu integrierter Stadtplanung, nachhaltiger Infrastruktur und digitalen kommunalen Dienstleistungen“ berichteten Vertreter*innen der Provinzen Damaskus und Rif Damaskus über den aktuellen Stand ihrer Stadtplanung. Dabei hoben sie die Herausforderungen hervor, die mit der Verfolgung einer langfristigen Vision für nachhaltige Entwicklung verbunden sind.
Die Stimme der Städte stärken und die Umsetzung der SDGs beschleunigen
Dokumentation des Connective cities Lernprozesses zur lokalen und regionalen Nachhaltigkeitsberichterstattung vom 2. Dezember 2024 bis 25. September 2025
Ziel des Lernprozesses war es, durch einen internationalen Erfahrungsaustausch die Erstellung von VLRs und VSRs zu verbessern, die Umsetzung der SDGs zu beschleunigen und letztendlich den Dialog zwischen lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu fördern. Die regionale Vielfalt der Teilnehmenden, die Perspektiven und Praxisbeispiele aus Südamerika, Subsahara-Afrika, Deutschland, Südosteuropa und Asien einbrachten, belebte die Diskussion und trug zum Erfolg des Prozesses bei.
A Guidebook on Risk-Informed Planning and Heat Mitigation
Städte spielen beim Klimawandel eine doppelte Rolle: Einerseits tragen sie maßgeblich zu ihm bei, andererseits sind sie besonders anfällig für seine Auswirkungen. Der Leitfaden zeigt gute Beispiele auf und richtet sich an kommunale Akteure, Stadtplaner und politische Entscheidungsträger , die einen risikobewussten Ansatz verfolgen und die Anpassung an Hitze in ihre Planungsprozesse integrieren möchten.
Aufbauend auf dem von der Nationalen Föderation tunesischer Gemeinden und ihren Partnern entwickelten Modell bietet dieser Leitfaden einen einheitlichen, praktischen Rahmen, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, indem eine Gender-Perspektive in alle kommunalen Dienstleistungen integriert wird. Über politische Maßnahmen und Projekte hinaus zielt er darauf ab, einen kulturellen Wandel anzustoßen, in dessen Verlauf Gender Mainstreaming nicht länger als Zusatzleistung betrachtet wird, sondern als grundlegende Säule einer gerechten und effektiven lokalen Regierungsführung.
Teilnahmeaufruf: Connective Cities Dialogveranstaltung vom 25. bis 27. November 2025 in Bonn
Die globale Verkehrswende ist für eine nachhaltige Zukunft unerlässlich. Die Veranstaltung bringt Expert*innen aus Städten, Landkreisen und Gemeinden zusammen und unterstützt sie beim internationalen Fachaustausch zum Zusammenspiel zukunftsfähiger Mobilitätsformen. Sie bildet den Auftakt zu einem einjährigen Lernprozess, bei dem die teilnehmenden Kommunen auch eingeladen sind, sich an weiteren optionalen Aktivitäten zu beteiligen.
Paradigmenwechsel im Bausektor: Nachnutzen statt Abreißen
Was ist aus dem früheren, leerstehendem Hilton Hotel in Nairobi geworden?
Öffentliche Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu sanieren oder für einen neuen Zweck umzubauen anstatt sie abzureißen – dieser Paradigmenwechsel birgt viel Potenzial. Dies ist eines der Ergebnisse des einjährigen Lernprozesses von Connective Cities „Nachnutzung von öffentlichen Gebäuden der Moderne“. Erfahren Sie mehr über innovative Ansätze und erfolgreiche Projektarbeit in fünf Ländern für einen nachhaltigen, zirkulären Bausektors in unserer Zusammenfassung im November.
Künstliche Intelligenz in der kommunalen Verwaltung : Chancen und Herausforderungen im internationalen Vergleich
Virtueller Fachaustausch am 02. Dezember 2025
Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend an Bedeutung für die kommunale Verwaltung. Von effizienteren Verwaltungsabläufen bis hin zu datengestützten Entscheidungen in Stadtentwicklung, Ressourcennutzung oder Bürgerbeteiligung eröffnet KI neue Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig stellen sich Fragen zu ethischen Standards, Transparenz und sozialer Inklusion. Diskutieren Sie mit in unserem internationalen Erfahrungsaustausch!
Einladung zum Netzwerktreffen vom 09. bis 10. Dezember 2025
Sie haben schon an einer Veranstaltung von Connective Cities teilgenommen oder haben Interesse daran, unserem Netzwerk beizutreten? Dann melden Sie sich gerne für unser nächstes Netzwerktreffen an.
Sie haben die Möglichkeit, die neuen Themen und Formate von Connective Cities zu entdecken, sich für diese zu engagieren und neue thematische Impulse zu setzen. Wir freuen uns auf den regen Austausch mit Ihnen!
Connective Cities ist ein gemeinsames Projekt von:
Deutscher Städtetag: Gereonstraße 18 – 32, 50670 Köln | Deutschland Kontakt: Sabine Drees Email: sabine.drees@staedtetag.de
Engagement Global gGmbH Servicestelle Kommunen in der Einen Welt Friedrich-Ebert-Allee 40, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Sibylle Loyeau Email: sibylle.loyeau@engagement-global.de
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH Friedrich-Ebert-Allee 32 + 36, 53113 Bonn | Deutschland Kontakt: Ricarda Meissner Email: ricarda.meissner@giz.de