Projekte zum Ausbau erneuerbarer Energien

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Der Regionale Workshop zu Erneuerbaren Energien in Städten fand vom 23. bis 25. Oktober 2024 in Tunis, Tunesien, statt und wurde von Connective Cities, RoAid, dem Global Covenant of Mayors (GCoM) und dem City Climate Finance Gap Fund (Gap Fund) organisiert. Die Veranstaltung war Teil des Projekts Renforcement de la Gouvernance Locale et Modernisation des Services Locaux (REMO) der GIZ Tunesien, das eng mit tunesischen Kommunen und dem Innenministerium zusammenarbeitet.

Die regionale Konferenz zielte darauf ab, Initiativen für erneuerbare Energien in städtischen Gebieten zu stärken, technisches Fachwissen bereitzustellen und den Austausch zwischen Städten in Nord- und Westafrika zu fördern.

Tunesische Städte, die am Workshop teilnahmen, zeigen großes Engagement für die Verbesserung der Lebensqualität ihrer Bürger*innen, die Erhöhung der Sicherheit und die Senkung der Energiekosten durch Investitionen in grüne Energielösungen. Prioritäten sind dabei die öffentliche Beleuchtung mit Photovoltaik sowie nachhaltige Energieversorgung öffentlicher Gebäude wie Krankenhäuser, Schulen und Freizeiteinrichtungen.

Unabhängig von Größe oder Charakter verfolgen die Städte das Ziel, nachhaltige Entwicklung zu fördern und sich als attraktiver Lebensraum für Einwohnende, Investoren und Touristen zu positionieren.

Tunesische Städte stehen beim Übergang zu grünen Energiesystemen vor mehreren Hindernissen:

  • Eingeschränkter Zugang zu nicht rückzahlbaren Fördermitteln.
  • Mangel an technischer und finanzieller Vorbereitung.
  • Politisch-administrative Hürden.
  • Fehlende technische Expertise im Umweltbereich.

Trotz dieser Herausforderungen bieten Initiativen wie der Gap Fund Unterstützung, beispielsweise durch Machbarkeitsstudien, Kosten-Nutzen-Analysen und die Sicherung internationaler Finanzierungen. Entwicklungsbanken legen dabei besonderen Wert auf Projekte, die Umweltgesundheit, das Wohlbefinden der Gemeinschaft und grüne Technologien fördern, was den lokalen Gemeinschaften erheblichen Nutzen bringt.

Mit einem enormen Potenzial für Solarenergie und einem günstigen Modernisierungskontext sollten tunesische Städte auf Zusammenarbeit mit anderen Kommunen oder Regionen setzen, um größere Fördermittel zu sichern. Die Expertise von Institutionen wie der GIZ, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und anderen Entwicklungsbanken ist dabei von zentraler Bedeutung.

Der Fokus auf bewährte, kosteneffiziente Lösungen aus erfolgreichen globalen Projekten kann helfen, Maßnahmen an die spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Durch die Ausrichtung ihrer Initiativen an internationalen Standards können tunesische Städte ihren Übergang zu nachhaltigen grünen Energiesystemen beschleunigen und ein gesünderes sowie attraktiveres Umfeld für Bürger, Investoren und Touristen schaffen.

Tag 1: Fokus auf Projektvorbereitung, Finanzierung und Expertenvorträge

Der Workshop begann mit einer Begrüßungsrede von Frau Samira Abidi, Präsidentin der Instance Générale de Prospective et d’Appui à la Décentralisation, Innenministerium, Tunesien. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Städte bei ihren Bemühungen, um erneuerbare Energien zu unterstützen, und wies darauf hin, dass das Ministerium über Mittel zur Förderung von Projekten verfüge. Madame Abidi betonte die Notwendigkeit kombinierter Finanzierungsmöglichkeiten, um die Wirkung zu maximieren, und begrüßte alle Teilnehmenden, gemeinsam an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

Fachwissen und bewährte Praktiken rumänischer Städte

Die Fachvorträge begannen mit einer Präsentation von RoAid, die sich auf die Erfahrungen der rumänischen Städte konzentrierte und darauf, wie sie ähnliche Herausforderungen wie die Städte in Tunesien und anderen afrikanischen Ländern gemeistert haben. Die rumänischen Expert*innen erörterten konkrete Beispiele für die Integration von Solarenergie, intelligente Netztechnologien und energieeffiziente Infrastruktur. Diese Erkenntnisse waren besonders relevant, da die städtischen Energieprojekte Rumäniens eng mit denen der teilnehmenden Städte übereinstimmen. Die rumänischen Städte zeigten innovative städtische Lösungen für solare Straßenbeleuchtung, kommunale Energiemodelle und energieeffiziente öffentliche Infrastrukturen.

Urban Thinkers Campus in Amman, Jordanien

Connective Cities war Mitveranstalter des Urban Thinkers Campus (UTC), der zum ersten Mal in Amman/Jordanien stattfand. Ziel war es, Einblicke und Diskussionen zu ermöglichen, die in die Stadtpolitik und -strategien einfließen, um eine nachhaltige und integrative Stadtentwicklung zu fördern. Im Mittelpunkt standen Themen wie erschwinglicher/angemessener Wohnraum, grüne Infrastruktur und nachhaltige Mobilität. Mit Vertreter*innen jordanischer und deutscher Kommunen, des Verkehrsministeriums, von Nichtregierungsorganisationen und aus dem akademischen Bereich diente das UTC als integratives Forum für einen sinnvollen Dialog zwischen Stadtforschern, Praktikern und politischen Entscheidungsträgern mit dem Ziel, einen konstruktiven städtischen Wandel zu fördern.

Strategien zur Tourismusförderung in Kommunen

Die Einführung innovativer Tourismusstrategien kann Gemeinden helfen, ihre Wirtschaft anzukurbeln und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Diese Strategien konzentrieren sich häufig auf die Nutzung der lokalen Kultur, Geschichte, natürlichen Ressourcen und neuen Technologien. Gemeinden in der MENA-Region nutzen ihre einzigartigen kulturellen, historischen und natürlichen Vorzüge und integrieren gleichzeitig moderne Technologien und Nachhaltigkeitspraktiken, um ein breites Spektrum von Tourist*innen anzuziehen. Während einer Informationsveranstaltung am 9. September 2024 haben Vertreter*innen von Gemeinden aus Jordanien, Palästina, Tunesien und dem Libanon effektive Strategien zur Tourismusförderung kennengelernt und diskutiert. Die Sitzung konzentrierte sich auf zwei Schlüsselbereiche, nämlich innovative Strategien zur Tourismusförderung, die Verbesserung bestehender Tourismusaktivitäten und nachhaltige Tourismuspraktiken, um den Niedergang von Urlaubszielen zu verhindern. Die Teilnehmer*innen lernten digitale Marketingtechniken, Methoden zur Identifizierung und Präsentation von Alleinstellungsmerkmalen und Strategien zur Schaffung überzeugender touristischer Erzählungen, die bei potenziellen Besuchern Anklang finden. Die Sitzung befasste sich mit Strategien zur effektiven Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen und Reiseveranstaltern, um ein kohärentes touristisches Ökosystem zu schaffen.

Ein Beispiel für bewährte Verfahren wurde vom Generalsekretär der Gemeinde Sidi Jedidi in Tunesien vorgestellt, der Einblicke in die lokalen touristischen Attraktionen und die Werbestrategien gab, die sie unter Einbeziehung der Bevölkerung umgesetzt haben. Vertreter*innen der Stadtverwaltung von Nablus entführten die Teilnehmenden durch das Erzählen von Geschichten in einen fesselnden virtuellen Besuch ihrer Stadt in Palästina. Diese Präsentationen lösten eine lebhafte Diskussion zwischen den Teilnehmenden aus, die mehrere Elemente des Peer-Learnings beinhaltete, insbesondere zu den Lösungen, die im Rahmen der Arbeitsgruppe entwickelt wurden, darunter:

  1. Lokale Politik zum Schutz und zur Förderung des Handwerks – Gemeinde Al Aizariya, Palästina
  2. Gestaltung von Touristenpfaden und Planung eines ökotouristischen Dorfes – Gemeinde Kufranja, Jordanien
  3. Unterstützung und Anleitung der Gemeinde Kfarmatta (Libanon) bei der Festlegung der Verfahrensregeln für die Zone Al Hima und der Einrichtung eines Büros für lokale Entwicklung.
  4. Strategie zur Förderung des Tourismus in der Gemeinde Nablus, Palästina.

Aufzeichnung der Informationsveranstaltung auf der Connective-Cities-Plattform (auf Arabisch).

Nachhaltiger und erschwinglicher Wohnraum in Subsahara-Afrika

Die Arbeitsgruppe für nachhaltigen und erschwinglichen Wohnraum in Subsahara-Afrika veranstaltete vom 4. bis 6. Juni einen erfolgreichen Auftaktworkshop in Windhoek, Namibia. Diese wegweisende Veranstaltung brachte wichtige Akteur*innen aus der gesamten Region zusammen, um drängende Herausforderungen im Bereich nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraums anzugehen.

Der Workshop, der von Namibias Minister für Stadt- und Landentwicklung, Hon. Erastus Uutoni, und anderen bemerkenswerten Teilnehmenden eröffnet wurde, ermöglichte dynamische Peer-Learning-Sitzungen unter den teilnehmenden Städten aus Namibia, Kenia, Sambia, Südafrika, Ruanda und Tansania. Die Diskussionen konzentrierten sich auf die Aufwertung von Slums, Finanzierungsmöglichkeiten und nachhaltige Bautechnologien, wobei die Teilnehmenden innovative Lösungen und bewährte Verfahren austauschten.

Ein zentraler thematischer Fokus des Workshops wurde auf die Bedeutung von integrierter Planung und nachhaltiger Entwicklung, die Notwendigkeit verbesserter Finanzierungsmodelle, die Forschung zu erschwinglichen Baumaterialien und die Ausweitung sozialer Wohnungsbauinitiativen gelegt. Die Zusammenarbeit zwischen Städten, internationalen Organisationen und lokalen Institutionen war ein Grundpfeiler der Veranstaltung und gewährleistete einen ganzheitlichen Ansatz zur Bewältigung der Wohnraumkrise.

Solarpumpen, E-Mobilität und klimafreundliche Straßenbeleuchtung in Sub-Sahara Afrika

Der Workshop ist Teil einer Arbeitsgruppe für die Anwendung Erneuerbarer Energien in Städten, welche von Connective Cities in Zusammenarbeit mit der rumänischen Entwicklungsagentur RoAid ins Leben gerufen wurde.  

Neben den städtischen Experten und dem Team von Connective Cities wurde die Konferenz durch die Anwesenheit von Daniella Dobre (RoAid), Massimiliano Pedretti (Delegation der Europäischen Union in Tansania) und Dr. Tobias Godau (GIZ ProWaS – Wassersicherheit und Klimaresilienz für städtische Gebiete in Tansania) bereichert.

Die Konferenz war eine Folgeveranstaltung des Auftaktworkshops in Nairobi 2023, und legte den Fokus auf die Themen Straßenbeleuchtung und E-Mobilität im städtischen Kontext.

Teilnehmende

Die teilnehmenden Expert*innen vertraten die Städte Nairobi, Kisumu und den Landkreis Baringo (Kenia), die Stadt Kasungu (Malawi), die Stadt Gulu (Uganda), die Stadt Dar es Salaam, die Stadt Mwanza und die Stadt Tanga (Tansania). Die Arbeitsgruppe wird von internationalen Vertretern aus den Städten Gersthofen (Deutschland), Slatina und Alba Iulia (beide Rumänien) begleitet.

Teilnehmende Institutionen waren:

  • Malawi Local Government Association (MALGA)
  • Regional Administration and Local Government Tanzania (PO-RALG)
  • Der City Climate Gap Fund (durch das Projektunterstützungsbüro des Globalen Bündnisses der Bürgermeister)
  • Die Afrikanische Entwicklungsbank (durch die Abteilung für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz)

Projektideen

Alle zehn Städte stellten ihre Projekte vor und erhielten Ratschläge. Alle zehn Städte sind mit den Voraussetzungen für die Finanzierung vertraut und haben 70% dieser Anforderungen erfüllt.

Kisumu, Kenia:

Verbesserung der elektrischen Mobilität und Straßenbeleuchtung in der Stadt Kisumu. Pilotierung eines PPP-Modells für den Einsatz von Ladeinfrastruktur für 2- und 3-Rad-Motorräder.

Baringo, Kenia:

Solarisierung einer Wasserpumpe, die Wasser aus dem Baringosee zu einer Aufbereitungsanlage in der Stadt Kabernet pumpt.

Gulu, Uganda:

Solarisierung der Hauptstraße der Stadt Gulu.

Mwanza, Tansania:

Solarprojekt auf der Insel Ijinga, das durch Solarmodule betrieben wird, um Wasserpumpen zu betreiben, die Wasser in einen Behandlungstank pumpen. Fundraising-Phase, Machbarkeitsanalyse bereits abgeschlossen.

Nairobi:

Energieeffizienz und Solarisierung von Märkten. Zielpilotprojekte: Stadtmarkt, Stadtparkmarkt, Kangundo-Straßenmarkt und Gikomba-Markt. Energieaudits für diese Standorte wurden durchgeführt.

Dar es Salaam:

Solarbetriebene Straßenbeleuchtung entlang der Marktstraße mit integriertem Solarradio für den Markt und Ladestationen für Dreiräder.

Tanga:

Die Stadt steht vor einer ständig wachsenden Mülldeponie. Die Stadt beabsichtigt, ein Abfall-zu-Energie-Projekt durchzuführen. Zunächst soll daher eine Analyse der Abfallwertschöpfungskette durchgeführt werden, um die Abfalleigenschaften und die damit verbundenen Heizwerte zu ermitteln.

Kasungu:

Die Stadt Kasungu präsentierte eine doppelte Herausforderung der Abholzung aufgrund der intensiven Nutzung von Biokraftstoffen (Feuerholz und Holzkohle) und der hohen Stromkosten für die Straßenbeleuchtung, die durch das Fehlen solcher Straßenlaternen in vielen Bereichen noch verschärft werden. Die Stadt priorisiert daher das Projekt zur Vorbereitung einer Lösung für solarbetriebene Straßenbeleuchtung, die weiterhin in das Hauptnetz integriert ist, um eine Backup-Versorgung zu gewährleisten.

Malawi Local Government Association (MALGA):

Das vorgeschlagene Projekt konzentriert sich auf die Installation solarbetriebener Straßenlaternen zur Verbesserung der Beleuchtung in ausgewählten Gemeinden und Städten in Malawi. Diese Initiative zielt darauf ab, das lokale Geschäftsumfeld zu verbessern, die Sicherheit zu erhöhen und zur lokalen wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen.

Zielgemeinden: Kasungu, Karonga, Luchenza, Mangochi.

Zielstädte: Zomba City, eine weitere Stadt wird noch bestimmt.

Nächste Schritte der Arbeitsgruppe

Auf dem Weg, die Städte bei der Entwicklung von Lösungen für ihre Herausforderungen zu unterstützen, planen Connective Cities und RoAid ihre Unterstützung fortzusetzen durch:

  • Einsichtssitzungen und Webinare: Vorstellung aufkommenden Wissens in kurzen Lerneinheiten.
  • Best Practices: Veröffentlichung innovativer Lösungen der kooperierenden Städte.
  • Konferenzen / Workshops: Zusammenbringen der Stadtexperten zur Skalierung von Peer-to-Peer- und assoziiertem Lernen.
  • Expertenmissionen: Werden den Stadtexperten mit klaren Fällen und Inputs für erfahrungsbasiertes Lernen und Austausch zur Verfügung gestellt. Dies wird auch virtuelle Formate umfassen, bei denen Städte je nach Relevanz ihrer Bedürfnisse miteinander verbunden werden.

Stärkung einer risikoinformierten Stadtentwicklung in Subsahara-Afrika

SADC Peer-to-Peer-Lernplattform zur Integration von Katastrophenrisikomanagement in die Stadtplanung und -entwicklungg

Der Wettlauf gegen die Zeit, um resilienzorientierte Lösungen für die hochkomplexen und existenziellen Herausforderungen des städtischen Katastrophenrisikos zu finden, wird in Afrika immer dringlicher. Prognosen deuten darauf hin, dass bis 2050 90 Prozent der weltweiten Urbanisierung in Afrika und Asien stattfinden wird. Trotz des geringen Beitrags Afrikas zu den Treibhausgasemissionen ist der Kontinent nach wie vor am stärksten durch die Risiken des Klimawandels und der Klimaschwankungen gefährdet. Afrikas Städte sind mit exponentiellem Wachstum, ungeplanten Urbanisierungstendenzen und zunehmenden Anfälligkeiten konfrontiert, die die Errungenschaften der Stadtentwicklung zunichte zu machen drohen. Bis zum Jahr 2050 werden die meisten Länder der Region den Übergang zur Stadt vollzogen haben, d.h. mehr als 50 Prozent der Bevölkerung wird in städtischen Gebieten leben, die wiederum die Eckpfeiler der sozioökonomischen Entwicklung Afrikas sind (IFRI 2022). Als Knotenpunkte für Infrastruktur, Dienstleistungen, Handel und Menschen sind die Städte mit einer der größten städtischen Bedrohungen in Subsahara-Afrika (SSA) konfrontiert, nämlich Überschwemmungen, die die sozioökonomischen Entwicklungsziele des Kontinents in Frage stellen. Die Verstädterung ist wohl ein unvermeidlicher, unaufhaltsamer und dennoch positiver Trend, der jedoch das Potenzial hat, die Risiken erheblich zu erhöhen.

Um ein integriertes Katastrophenrisikomanagement (DRM) und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in multilaterale und bilaterale Programme der Entwicklungszusammenarbeit – innerhalb und über alle Sektoren hinweg – einzubinden, haben Connective Cities und die Resilience Initiative Africa (RIA) die gemeinsame Initiative zur risikoinformierten Stadtentwicklung (RIUD) ins Leben gerufen, um durch einen hybriden modularen Lernprozess einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen. Der Lernprozess konzentriert sich auf die Stärkung der risikoinformierten Stadtentwicklung durch die Entwicklung innovativer Lösungen für das Hochwasserrisikomanagement in städtischen Systemen in Subsahara-Afrika mit Schwerpunkt in der Region der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC).

Der Lernprozess ermöglicht den Einsatz einer agilen, barrierefreien Lern- und Austauschplattform für RIUD, die von regionalen, nationalen und lokalen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren genutzt wird. Der modulare und systemische Ansatz des Lernprozesses für RIUD umfasst Bereiche im Zusammenhang mit „nachhaltiger Stadtentwicklung“ und „guter Regierungsführung“, die die Bildung neuer Partnerschaften über vertikale und horizontale Skalen hinweg für die städtische/regionale Resilienz erleichtern. Durch die differenzierten, aber komplementären Partner Connective Cities und RIA ist die GIZ in der Lage, die Skalierbarkeit und den weitreichenden Transfer und die Kommunikation der Ergebnisse zu gewährleisten (z.B. RIUD SADC Publikation).

Um die Resilienz in den Städten des südlichen Afrikas zu verbessern, haben Connective Cities und RIA eine Reihe hybrider, modularer Lernprozesse (Live-Events und virtuelle Insight Sessions) entwickelt, die sich auf den kollegialen Austausch über integriertes Hochwasserrisikomanagement in der SADC als Teil von Sub-Sahara-Afrika konzentrieren.

Die Auftaktveranstaltung in Windhoek, Namibia, fand im April 2023 statt und markierte die erste Runde des Lernprozesses, indem sie Feedbackschleifen zur Entwicklung kontextspezifischer, geschlechtergerechter und klimawandelsensibler Lösungsoptionen für die Bewältigung städtischer Hochwasserrisiken in struktureller und nicht-struktureller Hinsicht schuf. Während der Auftaktveranstaltung wurde der kollegiale Austausch von ersten Themenbereichen geleitet: 1) Verständnis und Management von Hochwasserrisikotreibern, 2) Grüne Infrastruktur und naturbasierte Ansätze für risikoinformierte Lösungen und 3) Risikokommunikationsströme und Good Governance.

Förderung erneuerbarer Energien

Im Zuge der weltweiten Umstellung auf eine nachhaltigere Zukunft suchen Kommunen in Südosteuropa und im Kaukasus aktiv nach innovativen Lösungen, um ihren Energiebedarf zu decken. In diesem Zusammenhang hat Connective Cities zwei Peer-to-Peer-Austauschaktivitäten im Rahmen eines regionalen Lernprozesses zu erneuerbaren Energieoptionen auf kommunaler Ebene organisiert. Diese Austausche förderten nicht nur die Zusammenarbeit, sondern lieferten auch wertvolle Einblicke und Inspiration für zukünftige Projekte. Lassen Sie uns diese transformativen Erfahrungen genauer betrachten:

Unterkünfte für Evakuierte und der Einsatz von Ehrenamtlichen

Wenn deutsche Kommunen bei einem Extremereignis oder Katastrophenfall Teile der Bevölkerung evakuieren müssen, dann verfügen sie hierfür meist über standardisierte Pläne und die betroffenen Menschen können kurzfristig in Notunterkünften untergebracht werden. Was aber, wenn sie über Wochen oder Monate nicht in ihre Wohnungen oder Häuser zurückkehren können? Für solche Situationen fehlen vielerorts Konzepte. Die Stadt Köln fragte sich, wie andere Kommunen weltweit mit diesem Problem umgehen. Connective Cities griff diese Frage auf und organisierte einen einjährigen internationalen Lernprozess zum Katastrophenmanagement, bei dem die Unterbringung von Evakuierten, aber auch die Einbindung von ehrenamtlichen Helfenden im Mittelpunkt des Interesses standen.

Kufranja – „die Stadt des Sauerstoffs“

Im Rahmen der Aktivitäten der Arbeitsgruppe „Organisation des Destinationsmanagements und Produktdesign im Tourismus“ hat die Gemeinde Kufranja in Jordanien einen Workshop über Ökotourismus und die Gestaltung touristischer Pfade veranstaltet. An dem Workshop nahmen wichtige Akteur*innen in diesem Bereich teil, darunter Vertretende des Tourismusministeriums im Gouvernement Ajloun, der Royal Society for Nature Conservation und Bookagri.com, einem Unternehmen für Agrotourismus-Erfahrungen und die Entwicklung von Reisezielen. Die Tourismusexpertin Hanane Haber gab einen Überblick über die Grundsätze der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus in der Gemeinde Kufranja, die als „Stadt des Sauerstoffs“ bekannt ist.

Hochwassermanagement für eine risikoinformierte Stadtentwicklung in eThekwini

Vom 7. bis 9. November 2023 fand in eThekwini, Südafrika, die zweite Präsenzveranstaltung des Lernprozesses zum Thema Hochwassermanagement für eine risikobewusste Stadtentwicklung statt. Aufbauend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Sitzung in Windhoek, Namibia, ermöglichte die zweite Folge des einjährigen Lernprozesses eine große Vielfalt an Teilnehmenden, die von Akademikern, technischen Expert*innen bis hin zu regionalen, nationalen und kommunalen Regierungs- und/oder Nichtregierungsvertretern reichten. Die Teilnehmenden kamen erneut zusammen und setzten den kollegialen Austausch und die gemeinsame Nutzung von methodischen Ansätzen fort, um risikobasierte Lösungen in ihren jeweiligen Städten zu finden. Mehr als 40 Teilnehmer aus 14 verschiedenen Städten in 12 Ländern aus Subsahara-Afrika, der SADC-Region und Deutschland nahmen an persönlichen Konsultationen und Intervisionsrunden teil und profitierten von einem breiten Spektrum an Wissen und Erfahrungen. Connective Cities der GIZ richtete die Veranstaltung gemeinsam mit der Globale Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM) und der Resilienzinitiative (RIA), um die sektorübergreifende Zusammenarbeit und Koordination zu fördern, um die Kapazitäten regionaler, nationaler und lokaler staatlicher und nichtstaatlicher Akteure zu stärken und um eine risikobasierte Entwicklung im städtischen Katastrophenrisikomanagement umzusetzen.

Der wichtigste Eckpfeiler des Lernprozesses ist der Rahmen der risikoinformierten Stadtentwicklung (RIUD), ein neu gefundener Weg zur städtischen Resilienz, der im kontext der größerer Entwicklungen an Dynamik gewonnen hat. Dr. Mmaphaka Tau (GIZ-RIA) betonte, wie wichtig es ist, dass alle Akteure, die für die Verwaltung von Städten verantwortlich sind, wie Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftler, kommunale, provinzielle, nationale und regionale Akteure, lokale Gemeinschaften und technische Experten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Entwicklungspfade kohärent sind, bestehende Risiken reduziert und die Entstehung neuer Risiken verhindert werden. Innerhalb des für den Lernprozess festgelegten RIUD-Rahmens umfassten die thematischen Schwerpunkte die folgenden strukturierenden und/oder leitenden Ansatzpunkte für die Entwicklung von Lösungen für RIUD, einschließlich u.a. DRR- und Klimawandelanpassungsstrategien, bankfähige Konzepte und/oder Projekte:

  1. Verständnis und Management der verschiedenen und miteinander verknüpften Ursachen für Hochwasserrisiken, denen die Städte ausgesetzt sind.
  2. Identifizierung möglicher grüner Infrastrukturen und naturbasierter Ansätze als risikobasierte Lösungen für den Umgang mit Überschwemmungen in Städten.
  3. Verbesserung der Risikokommunikation und der Risikosteuerung

Der Workshop wurde mit Reden des stellvertretenden Bürgermeisters von eThekwini, Zandile Myeni, und des Bürgermeisters von Köln, Andreas Wolter, eröffnet, die beide auf die erhebliche Überschwemmungsgefahr für ihre jeweiligen Gemeinden eingingen. eThekwini und Köln liegen beide an bedeutenden Wasserstraßen, wobei eThekwini den ausgedehnten Küstenlinien des Indischen Ozeans ausgesetzt ist und Köln durch den historischen Fluss Rhein geteilt wird.

eThekwini ist kein Unbekannter, wenn es um Hochwasserschäden geht. Erst im vergangenen Frühjahr wurde die Stadt von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Die Vertreter der Stadt eThekwini haben bewiesen, dass sie aus den Erfahrungen lernen und ihre Stadt risikobewusster und widerstandsfähiger machen wollen. Dies ist vor allem im Entwicklungskontext von Bedeutung, da die Gemeinden ein immer breiteres Spektrum an voneinander abhängigen, jedoch grenzüberschreitenden und dynamischen Risiken berücksichtigen müssen.

Bürgermeister Andreas Wolter, Vorstandsmitglied des Climate Alliance, betonte, dass Resilienzaufbau und Klimagerechtigkeit eine Aufstockung der globalen Fonds und Zuschussmechanismen erfordern, um sicherzustellen, dass lokale und nationale Regierungen ausreichend in RIUD investieren können. Bürgermeister Wolter spielte auf das westeuropäische Hochwasser 2021 an, dass in Nordrhein-Westfalen beispiellose Schäden verursachte. Während die Wiederaufbau- und Wiederherstellungsprogramme noch in der Umsetzung sind, betonte der Kölner Oberbürgermeister, dass Deutschland nicht über die Kapazitäten verfügt, um den Wiederaufbau in dem erforderlichen Umfang durchzuführen, sollte sich dies wiederholen. Unter dem Gesichtspunkt der Klimagerechtigkeit appellierte er an die dringende Notwendigkeit, Klimafonds zu mobilisieren und in Vorsorge- und Präventionsmaßnahmen zu investieren, um die Bevölkerung und die Entwicklungsgewinne zu schützen, insbesondere in Städten und deren Einzugsgebieten.

„Katastrophenmanagement geht uns alle an, und sein Erfolg hängt von gemeinsamen Anstrengungen ab.“ Herr Thabo Khupari, Vertreter des Leiters des National Disaster Management Center of South Africa (Chief Directorate: Disaster Preparedness, Response and Recovery Coordination of the NDCM), wies auf die dringende Notwendigkeit hin, Gelder zu mobilisieren und in eine risikobewusste Stadtentwicklung zu investieren, und sprach über die Bedeutung der Vorsorge. Herr Khupari sprach über die zunehmenden wetter- und klimawandelbedingten Risiken und deren Verbindung zu sozialen und sektoralen Anfälligkeiten sowie über die Urbanisierungstrends in Südafrika. Während diese Urbanisierungstrends auf die gemeinsamen kontinentalen Herausforderungen der „Urbanisierung der Armut“ (Townships, informelle Siedlungen und Innenstädte) hinweisen, betonte Herr Khupari die Bedeutung von RIUD und die Rolle des NDMC. Dabei gab er Einblicke in die rechtlichen Rahmenbedingungen, ihre Architektur (institutionelle Kapazitäten, Risikobewertungen, Risikominderung, Reaktion und Wiederherstellung) und die Voraussetzungen (Information und Kommunikation, Ausbildung, Bildung und Forschung sowie Finanzierung) für RIUD in Südafrika. Eine Auswahl von Maßnahmen, wie z.B. das Verstehen von Überschwemmungslinien, das Entwerfen von Systemen zur Trennung von Regenwasser und Kanalisation, die Durchsetzung von Raumentwicklungspraktiken, Bauvorschriften usw., wurde von den Teilnehmenden ebenfalls sehr geschätzt.