Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für junge Menschen

Start-ups und Unternehmertum bieten jungen Menschen Chancen für Existenzsicherung und berufliche Entwicklung und sind zugleich entscheidende Faktoren für das Wohlergehen lokaler Gemeinschaften und in der lokalen Wirtschaftsförderung.

Kommunen sind zentrale Akteure: Sie vernetzen Stakeholder, beraten und begleiten Gründer*innen, stellen Infrastruktur und Ressourcen zur Verfügung, vermitteln Fördergelder oder auch Kontakte zu Investor*innen. Kurz: Sie können  ein gründerfreundliches Klima und Ökosystem vor Ort schaffen.

Rund 25 Fachleute aus 11 Kommunen und sieben Ländern kamen vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Bremen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen die Chancen von Start-ups und Unternehmertum für Beschäftigung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen ähneln sich die Herausforderungen in vielen Kommunen weltweit wie beispielsweise fehlende Vorbilder und Vernetzungsmöglichkeiten, bürokratische Hürden und eine unzureichende Infrastruktur. 13 Gute Praktiken zeigen jedoch auch, wie diese überwunden werden können. Die Veranstaltung bildete den Auftakt eines neuen Connective Cities-Lernprozesses. Diese sind hier genauer dokumentiert.

Kommunale Resilienz: Schutz kritischer Infrastruktur

Wenn der Strom ausfällt, stehen Wasserpumpen still. Wenn Kommunikationsnetze gestört sind, verlangsamt sich die Notfallreaktion. Kritische Infrastrukturen sind miteinander verknüpft – und ebenso die Risiken, denen Kommunen ausgesetzt sind.

Kommunen in Südosteuropa und im Südkaukasus sind zunehmend mit komplexen und miteinander verknüpften Risiken konfrontiert. Klimawandel, alternde Infrastruktur, Cyberbedrohungen und geopolitische Instabilität erhöhen den Druck auf die Systeme, die grundlegende öffentliche Dienstleistungen gewährleisten.

Um Kommunen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, hat Connective Cities den regionalen Lernprozess „Planung für kommunale Resilienz: Schutz kritischer Infrastruktur durch risikoinformierte Entwicklung“ ins Leben gerufen. Beim Kick-off des regionalen Connective Cities Lernprozesses in Tirana arbeiteten 30 Expert*innen aus 13 Kommunen und neun Ländern daran, lokale Verwundbarkeiten zu identifizieren und konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Entstanden sind elf kommunale Aktionspläne – von Notstromlösungen und digitalem Infrastruktur-Monitoring bis zu Hochwasservorsorge, Krisenkommunikation und neuen Ansätzen für die kommunale Koordination.

Welche Herausforderungen verbinden die Kommunen, welche Lösungen entwickeln sie – und was können andere Kommunen daraus lernen? Mehr dazu lesen Sie in dieser Dokumentation

Wie können Kommunen die Hitze meistern?

Hitze betrifft uns alle. Sie ist eines der weltweit am schnellsten zunehmenden und tödlichsten Klimarisiken.
Doch wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert. Kommunen auf der ganzen Welt entwickeln umfassende Strategien und und tauschen sich aus. Diese reichen von Hitzeschutzplänen über die Planung grüner und blauer Infrastruktur bis hin zu intelligentem Regenwassermanagement, dem Einsatz von KI und der Erstellung digitaler Zwillinge für ein risikobasiertes Krisenmanagement.

Natürlich haben sich die Kommunen auch im Rahmen von „Connective Cities“ mit diesem entscheidenden Thema auseinandergesetzt. Wir haben für Sie eine Auswahl an Beispielen aus dem „Connective Cities“-Kontext sowie zusätzliche Ressourcen zusammengestellt.

Heat in the City – Der „Connective Cities Deep Dive“-Lernprozess
Von 2023 bis 2025 haben sich sechs Kommunen zusammengeschlossen, um die Auswirkungen von Hitzewellen und Wärmeinseln zu analysieren und auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnittene Lösungen zu entwickeln.
Ausführlicher Zwischenbericht: https://www.connective-cities.net/media-center/heat-in-the-city/

Cities Leading by Example
Dieses Handbuch (in Englisch) zur risiko-informierten Planung und zur Hitzebekämpfung, der im Rahmen des „Deep Dive“-Projekts von Connective Cities entwickelt wurde, dient als praktischer Leitfaden für kommunale Akteure, Stadtplaner*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Führungskräfte in den Kommunen, die einen risiko-informierten Ansatz verfolgen und Maßnahmen zur Anpassung an die Hitze in ihre Planungsprozesse integrieren möchten. https://www.connective-cities.net/wp-content/uploads/2025/10/cities-leading_guidebook.pdf

Das „Walkable Triangle“ in Kisumu, Kenia
Das fußgängerfreundlich umgestaltete Geschäftsviertel ist heute ein herrlicher Ort zum Verweilen, an dem altgewachsene Bäume für angenehme Kühle und frische Luft sorgen. Eine gute Praktik zum Nachlesen:
https://www.connective-cities.net/media-center/das-walkable-triangle-in-kisumu-kenia/


Mehr Klimaschutz und Lebensqualität: Grüne Korridore in der MENA-Region,
um die Umgebungstemperaturen in Städten und deren Umgebung zu senken.
Eine KI-basierte Visualisierung mit Schwerpunkt auf grünen Korridoren und grünen Stadtvierteln, die darauf abzielt, verschiedene Perspektiven zur Stadtplanung aus den Bereichen Verwaltung, Politik und Wissenschaft zusammenzuführen. Hier gibt es Einblicke in den laufenden Lernprozess: https://www.connective-cities.net/en/media-center/greater-climate-protection-and-quality-of-life-green-corridors-in-the-mena-region/

Die Digital-Twin-Plattform von Bağcılar, Türkei
Wie eine Gemeinde in Istanbul Bürgerdienste mit datengestütztem städtischem Risikomanagement verbindet, auch im Hinblick auf Hitzebewertungen, können Sie hier nachlesen:
https://www.connective-cities.net/media-center/die-digitale-zwillingsplattform-von-bagcilar-tuerkei/

 

Literaturempfehlungen:

Ibero-American Urban Climate Atlas
Dieses Projekt umfasst 11 Städte in Spanien und Südamerika. Die Forschung zielt darauf ab, den lokalen Kontext jeder Stadt im Hinblick auf die Auswirkungen von Wärmeinseln zu analysieren. Ziel ist es, Veränderungen der Temperaturverläufe und deren räumliche Auswirkungen innerhalb der Städte zu bewerten. (in Englisch)
Union of Ibero-American Capital Cities (UCCI) and ICLEI South America
https://e-library.iclei.org/uploads/IBER_ATLAS_EN_2.pdf

Financing heat resilience
Wie Regierungen Hitzeresilienz durch risikobewusste Investitionen, innovative Finanzierungsmechanismen und resiliente Infrastruktur finanzieren können. (in Englisch)
United Nations Office for Disaster Risk Reduction (UNDRR), Centre for Disaster Protection, National Disaster Management Authority (India)
https://www.undrr.org/publication/documents-and-publications/financing-heat-resilience

Hitzeaktionspläne in der kommunalen Praxis
Anwendung der Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen in der kommunalen Praxis (Plan°C)
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
https://repository.difu.de/items/c805c6fb-c3c1-4288-b1c9-eff356fb04bd

Smarte Schwammstadt und modernes Starkregenmanagement
Ideen, wie Städte ihre Klima- und Risikoresilienz weiter stärken und sich sowohl vor Starkregenereignissen als auch vor Dürren schützen können.
Deutscher Städtetag
https://www.staedtetag.de/positionen/positionspapiere/2026/diskussionspapier-smarte-schwammstadt-modernes-starkregenmanagement

Die Digitale Zwillingsplattform von Bağcilar, Türkei

Bağcılar ist einer der am dichtesten besiedelten Stadtbezirke Istanbuls mit rund 710.000 Einwohnern, gelegen an der Küste des Marmara-Meeres auf einer Fläche von rund 22 Quadratkilometern. Als Gemeinde in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko steht Bağcılar vor der dringlichen Aufgabe, für den Krisenfall Vorkehrungen zu treffen, die seine Bevölkerung und urbane Systeme schützen. Dafür hat die Stadtverwaltung seit den 2000er Jahren die digitale Transformation vorangetrieben und eine umfassende Bestandaufnahme der bestehenden Gebäudestrukturen durchgeführt – Informationen die als Daten in ein digitales 3D Abbild der Gemeinde eingeflossen sind.

Mithilfe dieser ‚Digital Urban Twin Platform‘ zielt die Kommunalverwaltung auf die Befähigung, Lagen in Not- und Katastrophenfällen schneller einzuschätzen. So können über die digitale Simulation von Risikoszenarien – wie etwa Sturmfluten in Folge von Erdbeben – Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes verbessert-, sowie notwendige Anpassungen urbaner Systeme vorgenommen werden. Darüber hinaus ermöglicht das fortwährende digitale Monitoring des Zustands des Gebäudebestands zielgerichtete Vor-Ort-Kontrollen hinsichtlich der Bauvorschriften und steigert so die Verwaltungseffizienz. Bürger*innen können in einer App über die Buchung einer Reihe von Serviceleistungen von der Plattform Gebrauch machen.

Zentrales Kriterium für die Anwendbarkeit der Plattform ist laut Cüneyt Yilmaz, Leiter des IT Departments von Bağcılar, dabei die Schaffung einer nachhaltigen Datengrundlage.

Die Dokumentation beschreibt detailliert den Entstehungsprozess, Aktivitäten und zukünftige Anwendungsfelder der sich fortwährend entwickelnden digitalen Zwillingsplattform.

Autor: Lennart Kreuzfeld

Copyright: Connective Cities

Highlights des UCLG World Congress 2026

Vom 22. bis 25. Juni 2026 fand in Tanger (Marokko) der Weltkongress des Weltverbands der Kommunen „United Cities and Local Governments“ (UCLG) statt. Unter dem Motto „A New Generation of Universal Local Public Services“ trafen sich über 3.000 Delegierte aus der ganzen Welt.

Der Verband vereint nationale Kommunalverbände sowie über 1.000 Kommunen als direkte Mitglieder aus sieben Weltregionen: Afrika, der asiatisch-pazifische Raum, Europa, Eurasien, der Nahe Osten und Westasien sowie Lateinamerika und Nordamerika. Damit repräsentiert UCLG etwa fünf Milliarden Menschen oder 70 Prozent der Weltbevölkerung.

Der UCLG Weltkongress wird alle drei Jahre zusammengerufen. Neben den fachlichen Diskussionen in zahlreichen Barcamps und Nebenveranstaltungen sowie den vielen Vernetzungsmöglichkeiten markierte der Kongress auch den Beginn eines neuen Governance-Zyklus der internationalen kommunalen Bewegung. Das Präsidium, das aus einem Präsidenten und sechs Co-Präsidenten besteht, die jeweils eine Region vertreten, wurde neu gewählt. Die Delegierten wählten Uğur İbrahim Altay, den Oberbürgermeister von Konya in der Türkei, zum neuen Präsidenten von UCLG für die Amtszeit 2026–2029.

Andreas Wolter, Stadtrat aus Köln, vertritt die deutsche Seite zu Menschenrechtsfragen | Foto: Connective Cities

Zudem wurden die UCLG-Gremien, darunter der World Council und das Executive Bureau, erneuert. Als deutsche Delegierte für das World Council wurden Dr. Ursula Sautter, Bürgermeisterin aus Bonn, Jörk Cardeneo, Stadtrat aus Düsseldorf und Andreas Wolter, Stadtrat aus Köln benannt. Die Wahlen spiegeln den Anspruch von UCLG wieder, eine ausgewogene regionale Repräsentation und gemeinsame politische Führung der weltweiten kommunalen Bewegung sicherzustellen.

Ein weiterer Meilenstein war die erste UCLG Women’s Assembly, die Bürgermeisterinnen, Gouverneurinnen und weitere kommunale Entscheidungsträgerinnen aus aller Welt zusammenbrachte. Im Mittelpunkt standen der Austausch über kommunale Gleichstellungspolitik, die Stärkung von Frauen in politischen Führungspositionen sowie die Weiterentwicklung der Feminist Municipal Movement innerhalb von UCLG. Damit unterstrich der Kongress die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit als festen Bestandteil einer zukunftsfähigen kommunalen Governance und der Bereitstellung inklusiver öffentlicher Dienstleistungen. Bürgermeisterin Dr. Ursula Sautter brachte den Vorschlag einer gendergerechten Doppelspitze für die nächste Mandatsperiode ein, der innerhalb der UCLG Women’s Assembly begeistert aufgenommen wurde.

UCLG Women Assembly | Foto: Connective Cities

Mit dem „Tangier Outcome Document – A New Generation of Universal Local Public Services“ bekräftigten die Delegierten außerdem die zentrale Rolle lokaler und regionaler Regierungen bei der Bereitstellung inklusiver, zugänglicher und resilienter öffentlicher Dienstleistungen. Themen wie bezahlbares Wohnen, Klimaresilienz, digitale Transformation, soziale Inklusion und internationale kommunale Zusammenarbeit standen dabei im Fokus.

Das Connective Cities Lab „From Challenge to Practice: How Municipalities Turn Local Plans into Public Services“ zeigte in diesem Kontext, wie kollegiale Beratung (Peer Learning) ganz praktisch dazu beitragen kann, Kommunen von der Planung in die Umsetzung zu begleiten

From Challenge to Practice: Wie Kommunen lokale Pläne in öffentliche Dienstleistungen umsetzen

Connective Cities nahm an der Generalversammlung des Weltverbandes United Cities and Local Governments (UCLG) vom 22. bis 25. Juni in Tanger Marokko teil. Der UCLG World Congress 2026 stand unter dem Leitthema „A New Generation of Universal Local Public Services“ und brachte über 3000 lokale und regionale Entscheidungsträger*innen, kommunale Praktiker*innen, Städtenetzwerke und Entwicklungspartner aus aller Welt zusammen.

„From Challenge to Practice: How Municipalities Turn Local Plans into Public Services“ lautete der Titel der eineinhalbstündigen Session, die von Connective Cities gemeinsam mit dem Deutschen Städtetag im Rahmen des Local4Action Tracks organisierte.

Von der Planung zur Umsetzung

Im Mittelpunkt des Labs stand eine Herausforderung, die Kommunen weltweit teilen: Strategien und Entwicklungspläne liegen vor – doch ihre Umsetzung in wirksame, inklusive und nachhaltige öffentliche Dienstleistungen ist häufig komplex. Die Session setzte daher bewusst nicht nur auf Erfolgsgeschichten, sondern auf konkrete Umsetzungserfahrungen, Herausforderungen und gemeinsames Lernen.

Gabi Schock von der Stadt Krefeld eröffnete den fachlichen Austausch mit einem Einblick in die kommunale Abfallwirtschaft und zeigte, wie Bürgerbeteiligung zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor bei der Planung und Umsetzung kommunaler Dienstleistungen werden kann. Am Beispiel des Krefelder Abfallwirtschaftskonzepts erläuterte sie, wie Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft bereits frühzeitig in strategische Entscheidungsprozesse eingebunden wurden. Dabei wurde deutlich, dass Partizipation nicht nur die Akzeptanz neuer Maßnahmen erhöht, sondern auch dazu beiträgt, lokales Wissen systematisch in Planungsprozesse einzubringen, Zielkonflikte frühzeitig sichtbar zu machen und langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Erfahrungen aus Krefeld verdeutlichten, dass erfolgreiche kommunale Dienstleistungen auf transparenten Entscheidungsprozessen, kontinuierlicher Kommunikation und einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern aufbauen.

Anschließend stellte H.E. Governor Issa Timamy aus Lamu County (Kenia) die Kiunga Solar-Powered Desalination Initiative vor. Ausgangspunkt war die Herausforderung, die Bevölkerung einer abgelegenen Grenzregion dauerhaft mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Durch den Einsatz solarbetriebener Meerwasserentsalzung konnte nicht nur der Zugang zu einer verlässlichen Wasserversorgung geschaffen werden, sondern gleichzeitig auch die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert und die Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels gestärkt werden. Der Governor machte deutlich, dass der Erfolg des Projekts auf einer engen Zusammenarbeit zwischen County Government, lokalen Gemeinden und Entwicklungspartnern beruhte. Das Beispiel zeigte eindrucksvoll, wie integrierte kommunale Planung mehrere Entwicklungsziele gleichzeitig adressieren kann – von der Verbesserung grundlegender öffentlicher Dienstleistungen über Gesundheitsvorsorge bis hin zur Förderung des sozialen Friedens und wirtschaftlicher Entwicklung. Für dieses Projekt hat Lamu County außerdem den UCLG- Friedenspreis in Höhe von 20.000 € gewonnen.

Das Fazit lautete:  Erfolgreiche kommunale Dienstleistungserbringung entsteht dort, wo technische Lösungen mit guter Governance, aktiver Beteiligung und starken lokalen Partnerschaften verbunden werden.

Peer-to-Peer Consultation: Gemeinsam Lösungen entwickeln

Im zweiten Teil des Labs wechselte der Fokus von Inputs zu aktiver Beratung.

Ein Redner steht neben einem großen bildschirm und erklärt den an runden Tischen sitzenden Teilnehmenden die Methodik.
Einführung in die Methodik der Peer-to-Peer Consultation | Foto: Connective Cities

Ein Vertreter der Kommune Pékine in Senegal brachte eine konkrete Herausforderung aus der kommunalen Praxis ein: Komplexe Beschaffungsverfahren, lange administrative Prozesse und Personalwechsel erschweren die Umsetzung von Infrastrukturprojekten und verzögern die Bereitstellung kommunaler Dienstleistungen.

Die Teilnehmenden analysierten die Herausforderung gemeinsam im Rahmen einer moderierten Peer-to-Peer Consultation (kollegiale Beratung) und entwickelten praxisnahe Lösungsvorschläge. Diskutiert wurden unter anderem:

  • besseres Wissensmanagement zur Sicherung institutioneller Erfahrung,
  • klarere Beschaffungsfahrpläne und Prozessübersichten,
  • stärkere Koordination zwischen kommunalen Abteilungen,
  • eindeutige Zuständigkeiten und Verantwortungsmechanismen,
  • Erfahrungsaustausch mit Nachbarkommunen,
  • kontinuierliche Qualifizierung kommunaler Mitarbeitender,
  • Datenbanken mit qualifizierten Dienstleistern,
  • Mindeststandards für Auftragnehmer und Dienstleister,
  • sowie eine frühzeitige Analyse politischer und institutioneller Rahmenbedingungen.

 

Die Diskussion zeigte, dass Kommunen trotz unterschiedlicher regionaler Kontexte häufig vor ähnlichen Umsetzungsproblemen stehen. Genau hier setzt der Connective Cities Ansatz an: Durch strukturierten kommunalen Austausch entstehen praktische Ideen, die an lokale Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt werden können.

Das Lab machte deutlich, wie internationaler kommunaler Austausch über klassische Good-Practice-Präsentationen hinausgehen kann. Indem Kommunen offen über Herausforderungen sprechen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, wird Peer Learning zu einem konkreten Instrument für bessere lokale öffentliche Dienstleistungen.

Das Team von Connective Cities und Beteiligte des Lab | Foto: Connective Cities

Siehe auch: Highlights des UCLG World Congress

Gründung, Innovation, Perspektiven für junge Menschen

Wie können Kommunen junge Menschen dabei unterstützen, erfolgreich Unternehmen zu gründen und damit zugleich lokale Entwicklung voranbringen? Mit dieser Frage beschäftigte sich die internationale Connective Cities Dialogveranstaltung „Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektiven für junge Menschen“, die vom 30. Juni bis 2. Juli 2026 in Bremen stattfand. Rund 35 Fachleute aus 11 Kommunen und sieben Ländern kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Im Mittelpunkt standen die Chancen von Start-ups und Unternehmertum für Beschäftigung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. Deutlich wurde dabei: Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen ähneln sich die Herausforderungen in vielen Kommunen weltweit. Junge Gründerinnen und Gründer benötigen Zugang zu Beratung, Netzwerken, Finanzierung, geeigneter Infrastruktur und praxisnaher Bildung. Kommunen spielen dabei eine Schlüsselrolle als Vernetzerinnen, Förderinnen und Wegbereiterinnen funktionierender lokaler Gründungsökosysteme.

Die Teilnehmenden diskutieren in einem historischen Saal
Empfang der Teilnehmenden im Bremer Rathaus | Foto: Connective Cities

Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in erfolgreiche kommunale Ansätze aus Deutschland, Namibia, Nordmazedonien, Ruanda, Sambia, Serbien und Südafrika. Vorgestellt wurden unter anderem Gründerzentren, One-Stop-Shops für Beratungsleistungen, digitale Plattformen, Mentoring-Angebote sowie Programme zur Förderung von Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und jungen Menschen in ländlichen Regionen. Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Lösungen, die jeweils auf die lokalen Herausforderungen zugeschnitten sind.

„Wir nutzen Storytelling und erzählen die Geschichten der Start-ups, so dass andere sehen: Das könnten auch meine Geschichte sein.“
(Oliver Götz, Gründungswerft e.V.)

Ein Beispiel aus dem Globalen Süden kam aus Windhoek in Namibia. Dort unterstützt das Bokamoso Entrepreneurial Centre junge Unternehmen mit günstiger Infrastruktur und Trainingsangeboten beim Eintritt in nationale und internationale Märkte. Inzwischen begleitet das Zentrum erfolgreich Unternehmen aus Bereichen wie Handwerk, Kreativwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Es fördert zudem gezielt Unternehmenskonzepte für Ressourceneffizienz und Recycling, die die Kreislaufwirtschaft in Windhoek stärken.

Aus Deutschland stellte Bremen sein eng vernetztes Start-up-Ökosystem vor, das Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenführt. Mit dem Starthaus Bremen & Bremerhaven verfügt die Stadt über eine zentrale Anlaufstelle, die Gründungsinteressierte bei Beratung, Vernetzung, Finanzierung und Förderung unterstützt. Zudem setzt Bremen auf eine frühe Sensibilisierung junger Menschen für Unternehmertum durch Kooperationen mit Schulen und Hochschulen.

Eine Frau aus Sambia steht vor einem Pinboard und erklärt mit viel Gestik ihr Projekt,
Projektvorstellung aus Choma, Sambia | Foto: Connective Cities

Die Verbindung von Bildung und Unternehmertum war ein zentrales Thema der Veranstaltung. Professor Dr. Jörg Freiling von der Universität Bremen betonte, dass junge Menschen heute Kompetenzen wie Kreativität, Eigeninitiative, Problemlösungskompetenz und unternehmerisches Denken benötigen, um in einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich zu sein. Universitäten, Schulen und Unternehmen müssten deshalb enger zusammenarbeiten und junge Menschen frühzeitig mit realen Herausforderungen und Innovationsprozessen in Kontakt bringen.

„Ich sage oft zu den Studierenden: Ihr seid die Innovator*innen in unserer Gesellschaft.“
Professor Dr. Jörg Freiling, Universität Bremen

In den Arbeitsgruppen und Peer-to-Peer-Beratungen wurden während der Dialogveranstaltung zahlreiche konkrete Lösungsansätze entwickelt. Diskutiert wurden unter anderem die stärkere Verzahnung von Bildung und Wirtschaft, neue Trainings- und Mentoringformate, mobile Beratungsangebote für abgelegene Regionen sowie Möglichkeiten, bürokratische Hürden für Gründerinnen und Gründer zu reduzieren.

Drei junge Leute stehen vor einer Tafel. Die Frau in der Mitte hält eine Karte hoch mit der Aufschrift: Bureaucratic barriers".
Vorstellung der Gruppenarbeit | Foto: Connective Cities

Die Vertreterinnen und Vertreter aus München brachten etwa Ideen ein, wie Gründer*innen mit Migrationsgeschichte besser unterstützt werden können. Dazu gehören mehrsprachige Informationen, Mentoring-Angebote zur Unterstützung im „Bürokratiedschungel“ sowie eine engere Zusammenarbeit mit Welcome Centern und anderen Beratungsstellen.

Aus eThekwini, Südafrika kam eine weitere viel beachtete Lösungsidee für abgelegene und ländliche Regionen. Die Teilnehmenden diskutierten sogenannte mobile Hubs – Fahrzeuge, die regelmäßig Beratung, Trainings, digitale Infrastruktur und Informationen zu Förderangeboten direkt in schwer erreichbare Gemeinden bringen. So können auch junge Menschen außerhalb größerer Städte Zugang zu wichtigen Unterstützungsangeboten erhalten.

Wir müssen junge Menschen dazu ermutigen, nicht nur ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern, sondern auch Arbeitsplätze für ihre lokalen Gemeinschaften zu schaffen.“
Dumisani Nhlengethwa, eThekwini Municipality, Südafrika

Ergänzt wurde das Fachprogramm der Dialogveranstaltung durch Exkursionen in die Bremer und Bremerhavener Start-up-Landschaft. Besuche beim Starthaus Bremen & Bremerhaven, der hoi startup factory sowie weiteren lokalen Initiativen zeigten anschaulich, wie ein eng vernetztes Innovationsökosystem Gründerinnen und Gründer auf ihrem Weg unterstützen kann.

Die Veranstaltung bildete den Auftakt eines neuen Connective Cities Lernprozesses. Weitere Online-Formate, Fachaustausche und eine Online-Abschlussveranstaltung werden die Zusammenarbeit der Kommunen in den kommenden Monaten fortsetzen. Das große Interesse und die intensive Diskussion machten deutlich, dass die Förderung von Unternehmertum junger Menschen weltweit als wichtiger Schlüssel für nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verstanden wird.

„Diese Veranstaltung hat mich in die Vogelperspektive gebracht. Es ist oft schwer, das Wichtige zu sehen, wenn man zu sehr in die Projekte involviert ist.“
Era Bektashi, Neumarkt i. d. Oberpfalz

 

Weitere Impressionen:

Fotos: Connective Cities

Text: Katrin Riß, text+welt

Urbane Miniwälder in von Dürre betroffenen Regionen

Am 8. Juli 2026 veranstaltete Connective Cities eine Online-Veranstaltung, um Möglichkeiten zum Pflanzen urbaner Wälder unter schwierigen klimatischen Bedingungen zu erörtern. Solche Versuche sind in trockenen Regionen mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen bekanntermaßen schwierig, da die knappen Wasserressourcen zwischen Bevölkerung, lokalen Unternehmen, Landwirtschaft und Industrie aufgeteilt werden müssen. Das Pflanzen und Bewässern von Stadtbäumen wird unter diesen Umständen häufig als zweitrangig betrachtet, was aufgrund fehlender finanzieller Mittel und mangelnder Pflege oft zum Scheitern von Aufforstungsprojekten in Städten führt. An der Veranstaltung nahmen 34 Teilnehmende aus 13 Ländern teil, die ein breites Spektrum an Kommunen aus Afrika und dem Nahen Osten repräsentierten.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Miyawaki-Methode zur Anpflanzung von Miniwäldern weltweit zu einer herausragenden Erfolgsgeschichte entwickelt. Bei dieser vom japanischen Botaniker Akira Miyawaki entwickelten Technik wird ein kleiner, dichter Wald aus einheimischen Bäumen und Pflanzen angelegt. Die besonders dichte Pflanzung einer Vielfalt an heimischen Pflanzen beschleunigt das Wachstum von Flora und Fauna, sodass die Miniwälder bereits nach etwa fünf Jahren vollständig autark sein können. Die Wälder verbessern die Luftqualität, reduzieren die Hitze und tragen zur Wiederherstellung der Artenvielfalt bei. Dadurch stabilisieren sie Ökosysteme und wirken der Umweltzerstörung infolge der Klimakrise entgegen. Eine Videoübersicht zur Miyawaki-Methode finden Sie hier.

Stefan Scharfe, Sprecher von Miya-Forest, einer in Eberswalde ansässigen NGO für Aufforstung, Umweltbildung und Forschung, erläuterte den Erfolg der Miyawaki-Methode unter anderem daran, dass das Pflanzen von Bäumen in der Regel breite Akzeptanz bei verschiedenen Akteuren wie Stadtbevölkerung, Wohnungsbaugesellschaften und Kommunalverwaltungen findet. Der partizipative Ansatz der Anpflanzung urbaner Miniwälder müsse jedoch durch eine kleine Gruppe engagierter Akteure unterstützt werden, die sich mit dem Projekt identifizieren. Insbesondere eine gründliche Bodenanalyse kann die Wahrscheinlichkeit, dass die Miniwälder nach einer anfänglichen, intensiven Phase der Bewässerung und Pflege selbstständig wachsen, deutlich erhöhen.

Aus dem Kontext des stark urbanisierten und biologisch degradierten Amman, der Hauptstadt Jordaniens, kommend, nahm Deema Assaf, vom ökologischen Forschungsstudio TAYYŪN, als zweite Referentin an der Insight Session teil und vermittelte den Teilnehmenden wertvolle praktische Einblicke aus der MENA-Region. Frau Assaf erläuterte die aufwendige Arbeit mit Paläobotanikern zur Sammlung von Belegen für einheimische Arten der Region, die sich als evolutionär widerstandsfähig gegenüber den lokalen Klimabedingungen erwiesen haben. Die Samen dieser mit dem Boden vertrauten Pflanzen bilden die Grundlage für ein vielschichtiges Ökosystem mit Baumkronen, Unterholz, Sträuchern und Bodendeckern. Im Laufe seines Wachstums lockt der Wald Insekten, Pilze und Vögel an. Auch essbare Pflanzen können integriert werden, wodurch Miniwälder zu (urbanen) Gärten werden.

Die Insight Session lieferte den Teilnehmenden neue Inspiration für ihre eigenen Projektentwicklungen im Rahmen der laufenden Lernprozesse von Connective Cities zu den Themen „Natur als zentraler Bestandteil kommunaler Resilienz“ und „Grüne Korridore in der Stadt und ihrer Umgebung“. Das Potenzial der Miyawaki-Methode, durch verschiedene Ökosystemleistungen schnell und nachhaltig positive Effekte zu erzielen und sich an die lokalen Gegebenheiten anzupassen, macht urbane Miniwälder zu einer greifbaren und sinnvollen Maßnahme angesichts der sich verschärfenden Klimakrise. Forstwirtschaftliche Vorbereitungen – wie die Generierung von Bodendaten und Setzlingen – sowie institutionelle Unterstützung, gesicherte Finanzierung und die kontinuierliche Pflege des Pflanzprojekts sind jedoch entscheidend für das Gedeihen der Miniwälder.

Connective Cities bietet das Netzwerk für zukünftiges Engagement zu diesem Thema und freut sich darauf, Fachwissen unter Stadtplanern auszutauschen.

Gründung und Innovation: Arbeitsmarktchancen und Perspektive für junge Menschen

Connective Cities lädt zwei Expert*innen aus Ihrer Kommune ein, sich am internationalen Fachaustausch in Bremen und dem anschließenden Lernprozess zu beteiligen.

 

Unterstützen Sie die Gründerszene in Ihrer Kommune? Welche Perspektiven bieten Sie jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Welchen Herausforderungen begegnen Sie bei Ihrer Arbeit?  Die Stadt Bremen ist zu dem Thema bereits sehr gut vernetzt – auch international. Nun lädt die Stadt Sie in Kooperation mit Connective Cities dazu ein, gemeinsam mit fünf weiteren deutschen und sechs internationalen Kommunen in Bremen zusammenzukommen und sich zu Gründungsinitiativen und Gründungszentren sowie kommunalen Anreizen und Unterstützungsangeboten für Gründungen und Start-ups auszutauschen.

Das Eröffnen von Perspektiven und die Förderung von Qualifikation sind für junge Menschen in Deutschland und im Globalen Süden gleichbedeutend wichtig; möglichst allen jungen Menschen muss ein Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglicht werden. In Bremen und Bremerhaven ist die Zahl der Start-Ups im nationalen Vergleich hoch. Die Gründungsszene ist lebendig, innovativ und gut vernetzt. Auch international hat die Senatskanzlei Bremen bereits wertvolle Kontakte: Ihre Partnerstädte Windhoek (Namibia) und Durban (Südafrika) bringen Erfahrungen mit eigenen Gründungszentren und Instrumenten zur Start-Up-Förderung ein.

Ziele der Dialogveranstaltung sind das gemeinsame Lernen durch das Kennenlernen von kommunalen Guten Praktiken, der Austausch zu Herausforderungen im Rahmen von kollegialen Beratungen und die Entwicklung von Lösungsansätzen zu herausgestellten Herausforderungen, sowie die Vernetzung der Teilnehmenden untereinander.

Wir freuen uns auf die Teilnahme von jeweils zwei Fachleuten aus Ihrer Kommune, insbesondere aus den Bereichen Wirtschaftsförderung, Arbeit und Soziales oder Jugendarbeit.

Weitere Informationen: Teilnahmeaufruf [pdf, 2 Seiten]

Bewerbungsfrist: 24. Mai 2026

Bei Rückfragen stehen wir Ihnen sehr gerne zur Verfügung:
Marcella Sobisch, Projektkoordinatorin Connective Cities,  marcella.sobisch@engagement-global.de, +49 (0)228 20717 2658
und connective-cities@engagement-global.de