Rückenwind für mehr Radwege in Städten

Am 08. September fand die Veranstaltung „Pop-up bike lanes: long-term opportunities for green urban development after the COVID-19 pandemic?“ als Teil der virtuellen Veranstaltungsreihe Insight Sessions: (Post) COVID Urban Futures statt. Die Reihe ermöglicht einen wiederkehrenden Austausch zu verschiedenen Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung in der (Post) COVID-19 Ära zwischen städtischen Praktikerinnen und Praktikern und Interessierten weltweit. In kurzweiligen Austauschformaten wird Raum für Impulse und Reflektion geschaffen und es werden innovative Lösungen vorgestellt.

Im Mittelpunkt der aktuellen Veranstaltung standen Pop-up Radwege und Veränderungen in der urbanen Mobilität während der Pandemie. Über 30 Teilnehmende unter anderem aus Bangladesch, Georgien, Tunesien, Ägypten, Japan und Deutschland nahmen an der Veranstaltung teil. Vertreterinnen und Vertreter internationaler Städte diskutierten dabei welche Möglichkeiten und Chancen sich durch den langfristigen Erhalt der neu entstandenen Radwege ergeben.

Programm

Nach einem kurzen Einblick in das diesjährige COVID-19 Programm von Connective Cities, stellte Sebastián Posada Garcia der Abteilung für Fahrrad- und Fußgängerverkehr im Sekretariat für Mobilität der Stadt Bogotá in Kolumbien, das Konzept von Pop-up Radwegen und die Gute Praktik in Bogotá vor. Zu Höchstzeiten im April und Mai 2020 hat die Stadt mehr als 80km zusätzliche temporäre Fahrradwege installiert, von denen einige bereits in dauerhafte neue Radwege umgewandelt werden konnten. Herr Posada Garcia ging in seiner Präsentation auch auf einige oft genannte Kritikpunkte gegenüber Pop-up Radwegen, wie beispielsweise vermehrte Unfälle oder zunehmender Stau für Autofahrerinnen und Autofahrer, ein. Er betonte dabei, aufbauend auf statistischen Analysen, dass die Geschwindigkeit des Autoverkehrs während der Pandemie nicht abgenommen habe. Viel mehr Bürgerinnen und Bürger jedoch nutzen während COVID-19 das Fahrrad, um sich fortzubewegen.

Im Anschluss präsentierte Thomas Kiel d’Aragon, Verkehrsreferent beim Deutschen Städtetag in Berlin, Beispiele von Pop-up Radwegen in deutschen Städten. Dabei ging er auch auf die gesetzlichen Grundlagen zur Errichtung zusätzlicher Radwege, sowie auf die Finanzierung nachhaltiger städtischer Projekte ein. Herr Kiel d’Aragon hob außerdem den Wissensvorsprung in der Privatwirtschaft gegenüber den Städten hervor und plädierte für eine enge Zusammenarbeit zwischen der städtischen Verwaltung mit Radfahrinitiativen oder Nachhaltigkeitsbewegungen und privaten Institutionen.

Schließlich gab Seçil Öznur Yakan, Mitbegründerin der Women on Bicycle Initiative in Istanbul, Türkei, Einblicke in die Arbeit ihrer Initiative. Auf beeindruckende Weise zeigte sie, wie sich Frauen weltweit für mehr Gerechtigkeit in der Radmobilität einsetzen und untereinander sowie auch mit städtischen Akteuren vernetzen. Frau Öznur Yakan stellte auch den Film My Bicycle My City vor, welcher 2019 im Rahmen des Weltfahrradtages veröffentlicht wurde. Der Film ist auf YouTube verfügbar: Benim Bisikletim Benim Şehrim Film – 2019 – YouTube

Im Anschluss an die Präsentationen gab es eine lebhafte Diskussion, in der weitere Fragen zum Beispiel zu der politischen Förderung zunehmender Radmobilität in den verschiedenen Städten und Ländern beantwortet werden konnten. Schließlich wurden die Connective Cities Arbeitsgruppen „Gender responsive Urban mobility“ sowie „Smart Mobility“ im Kontext der COVID-19 Pandemie vorgestellt. Sie wollen Teil der Arbeitsgruppen werden? Mehr Informationen dazu finden Sie hier: Platform COVID-19 | Connective Cities Network

Aufzeichnung

Die Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier: Insight Session: Pop-up bike lanes - Long-term opportunities for green urban development?

Präsentationen

Good Practice Bogotá, Colombia

Pop-Up Bikelanes in German Cities

Insights Women on Bicycles

Pop-up bike lanes: long-term opportunities for green urban development after the Covid-19 pandemic?

Die Veranstaltungsreihe „Insight Sessions: Post-COVID Urban Futures“ ist Teil des diesjährigen Connective Cities Corona-Programms und ermöglicht einen regelmäßigen, offenen Austausch zu relevanten Themen der Post-COVID-19-Ära für kommunale Fachleute weltweit. In kurzen und prägnanten virtuellen Austauschformaten sollen verschiedene Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung während und nach der COVID-19 Pandemie diskutiert und diesbezüglich innovative Ansätze geteilt werden. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, Impulse zu geben, die die Teilnehmenden zur Reflektion und zum innovativen Denken und Handeln anregen. Die offenen Gesprächsrunden finden alle drei Wochen, immer mittwochs, statt.

Gerne laden wir Sie zur dritten Veranstaltung der Reihe zum Thema „Pop-up bike lanes: long-term opportunities for green urban development after the Covid-19 pandemic?“ am Mittwoch, den 08.09.2021 von 15:30 – 17:00 Uhr CEST ein.

Sie tauchten plötzlich auf: Fahrradwege, die durch gelbe Markierungen abgetrennt sind und Parkstreifen, Teile der Fahrbahn oder sogar die gesamte rechte Fahrspur auf stark befahrenen Straßen ersetzen. Nach dem Beispiel der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wurden nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie in Städten auf der ganzen Welt dutzende von Kilometern neuer Radwege angelegt. Die Radwege ermöglichen den Stadtbewohnenden mehr Bewegung und geben Hoffnung auf einen Wandel hin zu einer nachhaltigeren städtischen Mobilität und eine Verringerung der CO2-Emissionen in den Städten. Daher wünschen sich viele Nutzende, dass die Pop-up-Radwege auch nach der Pandemie bestehen bleiben, und Stadtforschende schätzen sie als große Chance für eine klimafreundlichere und gesündere Stadtentwicklung und einen Paradigmenwechsel in der städtischen Mobilität in der Post-COVID-Ära.

Allerdings gibt es auch Kritik an den neuen Radwegen. Autofahrende befürchten mehr Staus und längere Fahrzeiten bei erhöhtem Verkehrsaufkommen nach der COVID-19-Pandemie, da die Pop-up-Radwege dazu führen, dass weniger Fahrspuren für Autos zur Verfügung stehen. Dies würde auch dem Plan zur Verbesserung der Luftqualität widersprechen. Außerdem werden mehr Unfälle befürchtet, wenn sich Autos und Radfahrende auf engem Raum begegnen. Die Städte Berlin und München mussten sich deshalb zum Beispiel mit Klagen gegen den Erhalt von Pop-up-Radwegen auseinandersetzen.

In dieser Sitzung werden Einblicke in bewährte Praktiken der Städte und die Herausforderungen, mit denen sie konfrontiert sind, vorgestellt. Diskussionen über Pop-up-Radwege und ihren langfristigen Erhalt werden angeregt, und städtische Praktikerinnen und Praktiker weltweit werden sich austauschen und für die Möglichkeiten von mehr Radwegen für eine grüne Stadtentwicklung in der Post-COVID-Ära sensibilisiert werden.

Um sich für das Event zu registrieren und Updates zu den Sprecherinnen und Sprechern sowie der Agenda zu erhalten folgen Sie dem Link:

Insight Session: Pop-up bike lanes - Long-term opportunities for green urban development? | Connective Cities Network (connective-cities.net)

Datum: Mittwoch, den 08.09.2021

Zeit: 15:30-17:00 CEST

Veranstaltungssprache: Englisch (Übersetzung tba)

Falls Sie noch weitere Fragen haben, kontaktieren Sie uns gerne.

Kontakt: angela.beckmann-wuebbelt@giz.de

Beyond Climate

When planning and investing in infrastructure projects, innovative cities bundle together a larger set of overarching objectives in the social, economic, environmental, health and governance realms. Integrating multiple benefits in climate infrastructure projects tends to enhance their political and financial/ fiscal viability, scalability, and replicability. Identifying and planning for benefits during early project development stages increase the project’s success, both in delivering positive environment and human-centred impacts, as well as in mobilising political buy-in and connecting with finance.

This report aims to show that project preparation facilities (PPFs) can and should aid in integrating climate action with other, highly synergetic development and cooperation objectives.

Frühwarnsysteme und Katastrophenvorsorge zum Schutz vor Waldbränden und Erhalt von Artenvielfalt

Ziel der Auftaktveranstaltung ist es, den Teilnehmenden die thematische Arbeitsgruppe „Biodiversität und Umweltschutz“ vorzustellen sowie zwei Best-Practice-Beispiele aus Deutschland und dem Libanon zum Einsatz von Frühwarnsystemen für Waldbrände zu präsentieren. Es besteht ein zunehmender Bedarf, die dezentrale Zusammenarbeit zwischen der MENA-Region und Deutschland bei der Verbreitung bewährter Praktiken und Peer-Beratung in diesem Themenbereich zu stärken.

Auf regionaler Ebene leiden die Bodenressourcen der MENA-Region unter drei Hauptproblemen: Trockenheit, wiederkehrende Dürre und Wüstenbildung. Die Hauptursachen für die Bodendegradation sind Waldbrände, Entwaldung und ungeeignete landwirtschaftliche Techniken.  Die Bodenverschlechterung in den MENA-Ländern ist vor allem auf Waldbrände zurückzuführen, da die Waldbewirtschaftung unzureichend ist und sich die Bebauung in Berg- und Vegetationsgebieten ausbreitet. Waldbrände werden oft durch menschliche Nachlässigkeit, mangelnde Rücksichtnahme auf die Umwelt und den Klimawandel ausgelöst.

Diese Veranstaltung bietet die Gelegenheit, die von den lokalen Katastrophenschutzbehörden erzielten Fortschritte zu präsentieren und das Peer-Learning zur weiteren Verbesserung der lokalen und nationalen Kapazitäten zu fördern.  Die Ziele der Veranstaltung sind:

  • Initiierung eines praxisorientierten Wissensaustauschs zwischen städtischen Praktikern im Bereich der biologischen Vielfalt und des Umweltschutzes.
  • Erleichterung des Peer-Learnings über modernste Technologien zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit und zur Verbesserung der Katastrophenvorsorge in Bezug auf Waldbrände.
  • Förderung der Entwicklung konkreter Projektideen im Zusammenhang mit der Verhütung von Waldbränden.
  • Sensibilisierung für die Bedeutung der biologischen Vielfalt und den Wert des Schutzes von Ökosystemen, Risikofaktoren sowie Schutz- und Bereitschaftsinstrumente.

Datum: Montag, 09.08.2021

Zeit: 11:00-13:30 Uhr CEST

Konferenzsprache: Englisch, Arabisch, Deutsch (voraussichtlich)

Agenda und Registrierung

 Wenn Sie Fragen haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren!

Kontakt: muna.shalan@giz.de

Covid-19 und urbane Mobilität

Kurzbericht über die virtuelle Dialogveranstaltung, die Connective Cities zusammen mit United Cities and Local Governments (UCLG), UN-Habitat und der Stadt Wiesbaden vom 19. bis 22. Juli 2021 ausgerichtet hat.

1. Die Corona-Pandemie: Ein Wendepunkt in der städtischen Mobilität

Die Corona-Pandemie hat weltweit zu fundamentalen Veränderungen in der städtischen Mobilität geführt. Einige Auswirkungen der Pandemie sind kurzfristiger Natur, insbesondere solche, die während der Lockdowns festzustellen waren. Andere Auswirkungen dagegen werden die Art und Weise, in der wir uns künftig in der Stadt fortbewegen, langfristig verändern.

Eine der wichtigsten staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie bestand darin, die Mobilität der Menschen einzuschränken. Dabei mussten die Kommunen jedoch gewährleisten, dass Beschäftigte in systemrelevanten Berufen sowie dringend benötigte Waren an ihr Ziel gelangen. Gleichzeitig waren Verhaltensänderungen zu beobachten, denn die Bürgerinnen und Bürger stiegen auf Verkehrsmittel um, die sicherer und hygienischer sind. Dadurch gehen jetzt viele Menschen eher zu Fuß oder bewegen sich mit dem Fahrrad oder Auto fort, während der ööfentliche Personennahverkehr (ÖPNV) einen Rückgang der Fahrgastzahlen hinnehmen musste. Außerdem trugen die Kontaktbeschränkungen zum weiteren Aufschwung von Online-Handel und Lieferdiensten bei, wodurch besondere Herausforderungen auf der letzten Meile entstanden.

Das geringere Verkehrsaufkommen und der Rückgang der Abgasbelastung haben vielerorts die Bereitschaft der Menschen steigen lassen, auf nachhaltige Verkehrsmittel umzusteigen. Investitionen in die Infrastruktur für aktive Mobilität, einen sicheren und besser erreichbaren ÖPNV sowie Verkehrsmittel mit geringem Abgasausstoß sind das Gebot der Stunde, denn Investitionen setzen Wachstumsimpulse, fördern die Schaffung von Arbeitsplätzen und ziehen private Investitionen in vielen Zweigen der Volkswirtschaft nach sich.
 

2. Konzentration auf den ÖPNV, das Fahrrad und die städtische Logistik

Während der dreitägigen Veranstaltung diskutierten Akteure aus Kommunalverwaltungen, kommunalen Unternehmen, der Zivilgesellschaft sowie Wirtschaft und Wissenschaft aus über 15 Ländern darüber, wie sie die Zukunft der städtischen Mobilität gestalten können. Im Mittelpunkt standen dabei:

  1. Der ÖPNV: ÖPNV-Betreiber rund um den Globus sehen sich mit einem nie da gewesenen Rückgang der Fahrgastzahlen konfrontiert und müssen aufgrund der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. In vielen Kommunen gilt es, überkommene Finanzierungsmodelle zu überdenken und nach Möglichkeiten zu suchen, wie das Vertrauen der Fahrgäste und die Attraktivität des ÖPNVs wiederhergestellt werden können.
  2. Das Fahrrad: Die Pandemie hat überdeutlich gezeigt, dass die Städte und Kommunen fahrradfreundlicher werden müssen. Gleichzeitig bietet die Pandemie die Chance, über die Aufteilung von Räumen und Flächen und die Rolle des Fahrrads als städtisches Verkehrsmittel neu nachzudenken. Viele Kommunen fördern inzwischen das Fahrrad als Verkehrsträger.
  3. Eine nachhaltige städtische Logistik: Mit der Zunahme des Online-Handels und der innerstädtischen Zustellung von Lieferungen muss auch die urbane Logistik angepasst werden.

In ihrer Eröffnungsrede betonte Stefanie Holzwarth von UN-Habitat, dass „wir jetzt ein günstiges Zeitfenster haben, um aus der Pandemie zu lernen und unsere Mobilitätssysteme resilienter und krisenfester zu machen. Wir müssen aus dieser Krise gestärkt hervorgehen und bereit sein, etwas gegen den Klimawandel, die Luftverschmutzung und die hohe Zahl der Verkehrsopfer zu unternehmen, denn die Welt kann sich keinen weiteren Zeitverzug leisten!“ Sergio Arredondo vom lateinamerikanischen Verband der Städte, Kommunen und Kommunalverbände (FLACMA) sprach für UCLG und erinnerte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer daran, dass es nicht ausreicht, für einen funktionierenden Nahverkehr zu sorgen, vielmehr muss der ÖPNV sicherer und weniger riskant für die menschliche Gesundheit werden. Viele Städte der Welt erleben gerade einen regelrechten Fahrradboom, was sich in der künftigen Stadtplanung und Raumgestaltung niederschlagen muss. In ihrer Begrüßungsrede wies Bettina Gies von der Gastgeberstadt Wiesbaden darauf hin, dass der internationale Austausch über städtische Mobilität wichtig ist, denn zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen auf diesem Gebiet bedarf es flexibler Lösungen und nicht-motorisierter Verkehrsträger.

Nachdem dreizehn Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen in den Bereichen ÖPNV, Radverkehr und städtische Logistik vorgestellt worden waren, tauschten sich die Akteure aus Kommunen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft über die Herausforderungen auf diesen Gebieten aus, diskutierten in Peer-to-Peer-Formaten und entwickelten gemeinsame Lösungsansätze. Die diskutierten Herausforderungen reichten von der Verringerung des durch den Online-Handel verursachten Abfallaufkommens in der Stadt Taoyuan (Taiwan) über die Gewinnung der Bürgerinnen und Bürger für den Bau von Radwegen in Cuenca (Ecuador) und die Verkürzung der Fahrtzeiten im ÖPNV von Jerewan (Armenien) bis hin zur Verbesserung des Miteinanders der verschiedenen Straßennutzerinnen und -nutzer in Wiesbaden.

Erfolgreicher Auftakt der Veranstaltungsreihe „Insight Sessions: Post-COVID Urban Futures“

Am 28 Juli 2021 startete die virtuelle Veranstaltungsreihe „Insight Sessions: (Post-) COVID Urban Futures“ mit einer spannenden Eröffnungsveranstaltung zum Thema „COVID-19 Recovery & SDG 11“. Die Veranstaltungsreihe ist Teil des diesjährigen Connective Cities COVID-19 Programms und ermöglicht einen wiederkehrenden Austausch zu verschiedenen Themen der nachhaltigen Stadtentwicklung in der (Post-)COVID-19 Ära zwischen städtischen Praktikerinnen und Praktikernweltweit.  

Das Eröffnungsevent zu „COVID-19 Recovery & SDG 11“ fand virtuell in der Connective Cities Community mit über 80 Teilnehmenden, unter anderem aus Deutschland, Libanon, Georgien, Südafrika, Mozambik, Sambia, Jordanien und Palästina statt.

Programm

Zu Beginn der Veranstaltung wurde einen kurzen Überblick über das Connective Cities COVID-19 Programm 2021, einschließlich der Finanzierungsmöglichkeiten von Engagement Global/ SKEW, gegeben. Im Anschluss daran folgte eine Podiumsdiskussion über die Herausforderungen und Chancen der COVID-19 Krise für die Erreichung des Nachhaltigen Entwicklungsziels (SDG) 11, Städte nachhaltig, sicher, inklusiv und widerstandsfähig zu gestalten. Zu diesem Thema tauschten folgende städtische Praktiker*innen ihr Wissen und ihre Perspektiven aus:

  1. Faola Hodaj, Direktorin für Innovation, Stadtverwaltung von Tirana, Albanien
  2. Karim Elgendy, Sustainable City Strategist, London UK / MENA – Preisträger des Global Green Building Entrepreneurship Award 2013 des World Green Building Council
  3. Aditya Kumar, Geschäftsführender Direktor, Development Action Group, Kapstadt, Südafrika
  4. Hilmar von Lojewski, Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr, Deutscher Städtetag, Berlin, Deutschland

Im Fokus der Podiumsdiskussion lagen einerseits die kommunalen Innovations- und Digitalisierungsprozesse als Reaktion auf die COVID-19 Pandemie sowie deren Beitrag zur Erreichung des SDG 11. Des Weiteren wurden die wichtigsten Lehren der Pandemie für eine resiliente Stadtplanung und einen nachhaltigen Wohnungsbau in deutschen und internationalen Kommunen erörtert. Darauf aufbauend diskutierten die Podiumsgäste die Herausforderungen, welche die Pandemie für die Bereitstellung von angemessenem Wohnraum und Basisdienstleistungen in informellen Siedlungen geschaffen hat. Neben der COVID-19 Pandemie war auch die jüngste Flutkatastrophe in Deutschland Teil der Podiumsdiskussion. So wurde erläutert, welche Strategien und Maßnahmen von Kommunen eingesetzt werden können, um ihre Widerstandsfähig gegenüber künftigen klimabedingten Krisen zu erhöhen. Im Anschluss an diese Diskussion folge eine Q&A Session, in der die Podiumsgäste die Fragen und Beiträge des Publikums beantworteten und kommentierten. Die Veranstaltung endete mit einer kurzen Befragung der Teilnehmenden zu den wichtigsten COVID-19-bedingten kommunalen Herausforderungen sowie den gewünschten Themen der nächsten Insight Sessions.

Ergebnisse

In der Podiumsdiskussion wurde betont, dass kommunale Innovations- und Digitalisierungsprozesse inklusiv, partizipativ und transparent gestaltet werden sollten, um den Beitrag zur städtischen Nachhaltigkeit und Resilienz zu maximieren. Es wurde auch hervorgehoben, dass agile und anpassungsfähige Kommunalverwaltungen und integrierte Arbeitsweisen erforderlich seien, um wirksame Antworten auf die COVID-19-Pandemie zu finden und das SDG 11 langfristig zu erreichen. Auch im Hinblick auf die jüngste Hochwasserkatastrophe in Deutschland und in anderen Teilen der Welt wurde darauf hingewiesen, dass ein evidenzbasiertes, agiles und reaktionsschnelles kommunales Krisenmanagement einer der Schlüssel zu einer widerstandsfähigen Stadtentwicklung sei. 

Darüber hinaus wurde aufgezeigt, dass die COVID-19-Pandemie tendenziell zu einem Suburbanisierungsprozess der Städte durch vermehrte Home-Office-Arbeitsmöglichkeiten und soziale Distanzierungsmaßnahmen beigetragen habe. Andererseits habe die Pandemie auch zu einer erhöhten Bedeutung der Nachbarschaft für das städtische Leben geführt, was wiederum die Grundlage für eine gemischte Stadtentwicklung und „15-Minuten-Städte“ geschaffen habe.

Am Beispiel von Kapstadt, Südafrika wurde außerdem hervorgehoben, dass die COVID-19-Pandemie tendenziell verheerende Auswirkungen auf informelle Siedlungen gehabt habe. Es wurde argumentiert, dass der COVID-19-bedingte Lockdown die sozioökonomische Situation vieler, vor allem informeller Stadtbewohner*innen untergraben habe, was wiederum zu einer Verschlechterung der Lebensmittel- und Wohnsicherheit dieser Bewohner*innen geführt habe. Um das sozioökonomische Wohlergehen und die Widerstandsfähigkeit dieser informellen Siedlungen zu verbessern, seien reaktionsfähige Kommunalverwaltungen und die Beteiligung der Bürger*innen an Entwicklungsprojekten erforderlich. 

Präsentation

Insight Session: COVID 19 Recovery & SDG 11  [pdf, 24 Seiten, 2mb]

Ausblick

Diese Veranstaltung war der Auftakt zur neuen Reihe von Insight Sessions: (Post-)COVID Urban Futures”, die alle drei Wochen stattfinden und zu der wir Sie herzlich einladen. In der kommenden Insight Session am Mittwoch, den 18. August 2021, beschäftigen wir uns mit dem Thema “Digitale Kompetenzen und Gestaltung digitaler kommunaler Dienstleistungen in (Post-)COVID-Städten”. Außerdem wird eine Sondersitzung am 25. August zum Thema „Die Bedeutung von Katastrophenschutzmaßnahmen in Städten und Kommunen: Erfahrungen und Lehren“ stattfinden. Informationen zum Programm der bevorstehenden Veranstaltungen finden Sie in Kürze auf unserer Webseite und in der Connective Cities Community.

Wir würden uns sehr über Ihre Teilnahme an unseren Veranstaltungen freuen!

2021 State of Cities Climate Finance

The 2021 State of Cities Climate Finance Report examines the current state of urban climate investment, the barriers to reaching the needed investment levels, and the steps to overcoming these challenges. Produced by the Cities Climate Finance Leadership Alliance (the Alliance), the report contributes to the Alliance’s mission to mobilize city level climate finance at scale by 2030. The report also contributes to the Leadership for Urban Climate Investment framework initiative hosted by the Alliance, which aims to create a strong global architecture for subnational climate finance and tracking.

The COVID-19 pandemic brought unprecedented challenges for cities globally. Cities have borne the brunt of the COVID-19 pandemic, with high mortality and infection rates and staggering economic losses. Many residents have and continue to endure months of pain. Job losses, most especially among women and young people, have led to stunning increases in poverty and hunger, threatening decades of development gains.

The pandemic recovery, however, opens a once in a generation opportunity to build sustainable, clean, inclusive, green cities that are fit for an imminent, unprecedented wave of urban growth. How we design power generation, transport and buildings in cities will be decisive in getting on track to achieve the Paris Agreement and the Sustainable Development Goals.

The report delivers its findings in two parts:

  • The Landscape of Urban Climate Finance (Part 1). Authored by the Cities Climate Finance Leadership Alliance Secretariat (Climate Policy Initiative) in partnership with the Atlantic Council’s Adrienne Arsht-Rockefeller Foundation Resilience Center, Part 1 presents for the first time a comprehensive estimate of global urban climate finance. The Landscape was developed by tracking all sources of climate finance flows to urban areas and estimating urban climate investments in the buildings and transport sectors. Part 1 also presents some of the Alliance’s activities to address barriers to investment.
  • The Enabling Conditions for Urban Climate Finance (Part 2). Authored by the World Bank, Part 2 analyzes enabling frameworks and presents solutions for mobilizing climate finance for low-carbon, climate-resilient urban development pathways. It seeks to provide a common level of understanding of the terminologies, knowledge, and themes used by climate policy and climate finance practitioners, city-level urban planners, and municipal finance officials.

The Executive Summary summarizes the key findings from both Parts, including the current context for city-level climate action, estimated urban climate finance flows, the enabling conditions needed to mobilize more finance, and steps to address the urban climate investment gap.

Connective Cities COVID-19 Programm 2021

Nachdem die letztjährige Connective Cities Veranstaltungsserie „Municipal Response to COVID-19“, mit über 750 Teilnehmenden aus verschiedenen Städten und Kommunen weltweit, auf große Resonanz gestoßen ist, bietet Connective Cities dieses Jahr abermals ein umfangreiches Programm zu COVID-19 an. Zuletzt lag der  Schwerpunkt des  Programms beim Erfahrungsaustausch von unmittelbaren kommunalen Maßnahmen während der Pandemie – dieses Jahr wird die Perspektive erweitert und kommunale Strategien zur Bewältigung der Pandemiefolgen, auch im Zusammenhang mit der Agenda 2030, thematisiert. Anstatt reiner Austauschformate werden im zweiten Teil des Corona-Programms bewährte Methoden von Connective Cities abgeleitet sowie neue Ansätze genutzt, um einen vertieften kommunalen Erfahrungsaustausch zu fördern. In diesem Sinne ist geplant, dass kommunale Praktikerinnen und Praktiker aktuelle COVID-19-bezogene Themen in kompakten Lernprozessen gemeinsam behandeln. Ziel hierbei ist die (Weiter-)Entwicklung von (Projekt-)Initiativen und Leitlinien für kommunale Herausforderungen sowie die Ausarbeitung und Verbreitung bestehender Lösungsansätze. Aufbauend auf der bisherigen Dynamik können so Herausforderungen im Zusammenhang mit COVID-19 vertieft und praxisnah bearbeitet werden.

Bereits im Vorjahr thematisierte Aspekte werden so weiter ausgebaut. Folgende thematische Schwerpunkte setzt Connective Cities in seinem diesjährigen COVID-19 Programm:

  • Lokale Wirtschaft & Industrie   
  • Digitalisierung & Kommunikation  
  • Öffentliche Gesundheit & kommunale Dienste
  • Krisenmanagement 
  • Klimaneutrale Stadtentwicklung
  • Gender-Sensitivität in der Pandemie
  • Innovation

Mehr Informationen zu unseren diesjährigen COVID-19 Aktivitäten finden Sie in unserem Informationsvideo und auf unserer COVID-19 Seite.

Undifferenzierte Strategien sind kein Mittel gegen die Corona-Pandemie

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat kürzlich analysiert, wie die Städte der Welt auf die Corona-Pandemie reagiert haben. Soo-Jin Kim, Leiterin der Urban Policies and Reviews Unit der OECD, plädiert für lokal angepasste Lösungen – jetzt und für die Zeit nach dem Ende der Pandemie.

Seit März 2020 waren die lokalen Gesundheitsbehörden immer wieder in den Schlagzeilen. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Kommunalpolitik ist deutlich gestiegen. Welche Rolle haben die Kommunen bisher bei den Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie gespielt?

Soo-Jin Kim: Von Anfang an haben die Kommunen keineswegs nur darauf gewartet, dass die nationalen Regierungen ihnen sagen, was zu tun ist – vielmehr haben sie sofort selbst auf die Pandemie reagiert. Sie haben die Öffentlichkeit auf verschiedenen Wegen über die notwendigen Maßnahmen informiert, dafür gesorgt, dass die Bürgerinnen und Bürger die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Außerdem haben sie den Übergang zur Telearbeit unterstützt und sich um die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen gekümmert, wozu insbesondere ältere Menschen und arme Bevölkerungsteile zählen. Ferner haben die Kommunen die öffentliche Grundversorgung, insbesondere das Gesundheitssystem, am Laufen gehalten und dazu beigetragen, dass die lokale Wirtschaft die Gesundheitskrise übersteht. Daher würde ich den Beitrag der Kommunen als „unverzichtbar“ bezeichnen.

Ganz unabhängig von der Krise ist festzustellen, dass die Kommunen zu jeder Zeit wichtige öffentliche Akteure sind. So entfallen in den OECD-Ländern durchschnittlich 40 Prozent aller öffentlichen Ausgaben auf subnationale Akteure. In Bundesstaaten wie Deutschland oder der Schweiz sind es sogar 50 bis 60 Prozent!

Neue Arbeitsgruppen im Netzwerk MENA: Kommunale Erholung von der Pandemie

Im Anschluss an den intensiven Wissensaustausch zu kommunalen Antworten auf die Pandemie, das 2020 zur Unterstützung des Connective Cities Netzwerks in MENA durchgeführt wurde, werden derzeit mehrere Arbeitsgruppen eingerichtet, um die Ergebnisse des kollegialen Austauschs weiterzuführen. Die Arbeitsgruppen bestehen aus kommunalen Vertreterinnen und Vertretern und Partnerinnen und Partnern aus der Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Thematisch stehen die folgenden Themen im Fokus:

  • Abfallwirtschaft und Kreislaufwirtschaft
  • Digitalisierung für resiliente Städte
  • Biodiversität und Umweltschutz (Auftaktveranstaltung am 9. August 2021)
  • Krisenmanagement in palästinensischen Kommunen 
  • Soziales Unternehmertum und lokale Wirtschaftsentwicklung (Auftaktveranstaltung am 12. August 2021)

Es wurden mehrere Treffen und vorbereitende Aktivitäten durchgeführt, um den Fahrplan der einzelnen Arbeitsgruppen zu formulieren. Die Kernarbeitsgruppe „Biodiversität und Umweltschutz“ hat eine Concept Note für den EU Call for Proposals „Biodiversity and Ecosystems Protection” im Libanon entwickelt und eingereicht. Um sich für diesen Aufruf zu qualifizieren, wurde ein effektives Konsortium unter dem Dach des Connective Cities Netzwerks gegründet. Zu den Mitgliedern des Konsortiums gehörten die Saint Joseph Universität (vertreten durch Dr. Jocelyne Gerard und Dr. Zaarour), die Umwelt-NGO Green Line (vertreten durch Dr. Ali Darwish) und die Gemeinde Menjez (vertreten durch ihren Bürgermeister Dr. Georges Yousef). Andere potenzielle Nutznießer der lokalen Behörden sind Beit Meri, Jezzine und der Gemeindeverband Al Buhayra, die sich in einer späteren Phase des Projekts anschließen werden. 

Wir freuen uns darauf, neue Mitglieder in diese Arbeitsgruppen aufzunehmen. Wenn Sie ein aktives Mitglied dieser Arbeitsgruppen sein möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter: muna.shalan@giz.de