Für die kurzfristige Unterbringung von evakuierten Menschen sind Kommunen häufig gut vorbereitet. Können die Betroffenen jedoch über Wochen oder Monate nicht in ihre Wohnungen oder Häuser zurückkehren, fehlen vielerorts Konzepte. Darüber, wie sie die mittel- bis langfristige Unterbringung von evakuierten Menschen verbessern können, tauschten sich 27 Fachleute aus Deutschland, Jordanien, Somalia und den Philippinen bei einer Connective-Cities-Dialogveranstaltung vom 20. bis 22. März 2023 in Köln aus.
Autor: erik
Aktion für kühlere Städte: Wege zur Kohlenstoffreduzierung in Gebäuden und zur Verbesserung des thermischen Komforts im Freien
Als zweiten Meilenstein des Lernprozesses organisierte Connective Cities den Ideenfindungs- und Prototyping-Workshop, der vom 7. bis 9. März 2023 in Amman – Jordanien stattfand. Die teilnehmenden Kommunen beteiligten sich an der kollegialen und technischen Beratung, um Ideen und Prototypen für Lösungen zur Optimierung der kommunalen Praktiken und Projekte im Zusammenhang mit der Einbeziehung von Klimaaspekten in die kommunale Stadtplanung zu entwickeln. Die folgenden Themenbereiche standen im Mittelpunkt:
- Gestaltung klimagerechter öffentlicher Freiräume und Förderung des Engagements der Bürgerinnen und Bürger
- Lenkungsstruktur: Abteilungsübergreifender Kommunikationsrahmen/-plattform in den Gemeinden
- Optimierung bestehender Bau- und Stadtgestaltungsvorschriften durch die Einführung von Leistungsindikatoren und die Verbesserung der internen Kapazitäten zur Förderung von Veränderungen
- Die Rolle der Kommunen als Regulierer und Umsetzer: Budgetanalyse und Strategien zur Kostendeckung von Klimaschutzmaßnahmen
Wassersensitive Stadtplanung: Wie lässt sich Starkregen und Sturmwasser besser managen?
Starkregen- und Sturmwasserereignisse wie beispielsweise im deutschen Ahrtal im Jahr 2021 oder im Jahr 2022 in Pakistan, Australien oder Südafrika lassen Bäche zu reißenden Strömen anschwellen, fluten Straßen, zerstören Häuser und Brücken und wichtige Infrastrukturen und führen neben milliardenschweren Schäden zu Verlust von Menschenleben. Sie treten plötzlich auf und lassen sich nur kurzfristig vorhersagen. Aufgrund des Klimawandels werden diese Ereignisse an Häufigkeit und Schwere weltweit weiter zunehmen.
Connective Cities organisiert für kommunale Fachleute in Deutschland und weltweit Austauschmöglichkeiten zu relevanten und aktuellen Themen mit dem Ziel, Entwicklungszusammenarbeit zu vertiefen. 41 Fachleute aus 16 Städten und acht Ländern waren der gemeinsamen Einladung von Conective Cities mit den Stadtentwässerungsbetrieben Köln (StEB Köln) und United Cities and Local Governments (UCLG) zu dieser Dialogveranstaltung gefolgt.
Zwölf Praxisbeispiele aus fünf Ländern bildeten den Ausgangspunkt für eine intensive kollegiale Beratung darüber, mit welchen Ansätzen sich die Risiken von Starkregen- und Sturmwasserereignissen für Menschen und die kommunale Infrastruktur minimieren lassen. Bestehende Projekte wurden bereichert und neue Projektideen entstanden. Die Dokumentation gibt Einblicke in diesen Beratungsprozess.
Mangrovenwald als Schutzwall in der Stadt Quelimane, Mosambik
Die Stadt Quelimane ist anfällig für natürliche und vom Menschen verursachte Katastrophen. Um auf Ereignisse wie Wirbelstürme und starke Winde zu reagieren, hat die Stadt die Vergrößerung des Mangrovenwaldes als Schutzmechanismus eingeführt. Dazu wurden Sensibilisierungskampagnen durchgeführt, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Mangrovenökosysteme als einzigartiges, besonderes und empfindliches Ökosystem zu schärfen und Lösungen für ihre nachhaltige Bewirtschaftung, Erhaltung und Nutzung zu fördern. Außerdem wurden die Gemeinden mit Mangroven-Setzlingen versorgt und darin geschult, wie sie diese pflanzen und pflegen können. Die jahrelange natürliche Küstenerosion und die Veränderung der Landschaft durch landwirtschaftliche Nutzung sowie die Verstädterung haben die Ausdehnung des Mangrovenwaldes in bestimmten Gebieten verringert. Dadurch sind die Küstengemeinden den verheerenden negativen Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere dem Anstieg des Meeresspiegels, ausgesetzt.
Die Bevölkerung von Quelimane, deren wirtschaftliche Aktivitäten größtenteils an der Küste angesiedelt sind, ist heute mehr denn je einer großen Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel ausgesetzt. Der Anstieg des Meeresspiegels, Überschwemmungen, das Eindringen von Salzwasser, die Landerosion und der Rückgang der biologischen Vielfalt sind Phänomene, die durch die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt auftreten.
In Quelimane wachsen Mangroven an den Flussufern, in den Flussmündungen und im Landesinneren sowie entlang der gesamten schlammigen Küste. Die am häufigsten vorkommende Mangrovenart ist Avicenia marina. Da sich der Verlust der Mangroven negativ auf ihren Lebensstandard auswirkt, hat sich die Gemeinschaft aktiv an der Wiederaufforstung der Mangroven beteiligt und in einigen Vierteln in der Nähe der Mangroven lokale Mangrovenmanagementausschüsse gebildet, die die Nutzung der Mangroven überwachen. Einige Komitees schlugen vor, die Mangroven für die Bienenzucht zu nutzen, was einen zusätzlichen Nutzen für das ursprüngliche Projekt darstellte. Auch die Angst, von Bienen gestochen zu werden, hält die Menschen von den Mangroven fern.
Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des Wiederaufbaus von Städten und kommunaler kritischer Infrastruktur in Kriegszeiten
Am 31. Januar 2023 fand die digitale Auftaktveranstaltung der Arbeitsgruppe „Resilienz in Kriegszeiten“ statt. Unter dem Thema „Stärkung der Widerstandsfähigkeit und des Wiederaufbaus von Städten und kommunaler kritischer Infrastruktur in Kriegszeiten“ ermöglichte die Veranstaltung einen Austausch zwischen insgesamt 62 kommunalen Vertreter*innen aus der Ukraine und Deutschland über gute Praktiken, gemeinsame Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze.
Mit thematischem Bezug zu kommunaler Zusammenarbeit im Bereich Energieeffizienz und Wohnraum gab Herr Günter Burger, persönliches Referat des Oberbürgermeisters der Stadt Freiburg im Breisgau, einen fachlichen Input. Gemeinsam mit ihrer Partnerstadt Lwiw plant die Stadt Freiburg ein Modellbauten zur Unterbringung von Binnengeflüchteten und Menschen, die ihren Wohnraum in der Stadt verloren haben. Nach einer ersten Testphase in Lwiw sollen die Wohneinheiten auch modular in anderen Städten genutzt werden können. Perspektivisch sollen die Materialien, vorwiegend Holz, in der Ukraine hergestellt werden, um nicht nur Wohnraum, sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen. Der Baubeginn der bis zu dreigeschossigen Holzbauten ist für März dieses Jahres geplant – mit einer darauffolgenden Prüfung der Umsetzung in anderen Gebieten. Für die Stromversorgung könnten dabei sogenannte Powerblocks dienen, die bereits in den vergangenen Monaten von Freiburg an Lwiw geliefert wurden, um die Energiesicherheit allgemein zu verbessern.
Ideen zur Nachahmung: nachhaltige Stadtentwicklungsplanung in Deutschland
Seit 2019 hat sich das Team des Stadtplanungsamts des Großraums Amman in Jordanien an einem internationalen Dialogprozess zu nachhaltiger Stadtplanung von Connective Cities beteiligt. Dabei hat es sich mit anderen Stadtplanenden aus aller Welt ausgetauscht und externe Expertise aus dem Netzwerk für die Planung eines neuen Viertels eingeholt. Im August 2022 reiste eine 11-köpfige Delegation zum Abschluss dieses Prozesses nach Deutschland und sammelte viele Ideen, wie sich die Stadtplanung in Amman verbessern lässt. Dabei machte sie Station in Münster, Dortmund, Köln und Frankfurt am Main.
Das Team des Stadtplanungsamts war besonders interessiert an Tipps und Erfahrungen zur deutschen Baurechtsverordnung, denn es entwickelte gerade eine solche nationale Verordnung, die allen Beteiligten – von Landbesitzenden bis hin zu den Planungsämtern der Kommunen – bei der Stadt- und Raumplanung mehr Rechtssicherheit geben soll. Über den Entwurf soll das jordanische Parlament im Jahr 2023 abstimmen.
Bereits 2021 hatte das Team zusammen mit deutschen Experten die relevanten jordanischen und deutschen gesetzlichen Grundlagen analysiert und diverse Empfehlungen diskutiert, unter anderem, wie die Kommunalverwaltung den Umgang mit Landbesitzenden vereinfachen kann.
Dieser Bericht dokumentiert die Studienreise in vier Stationen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse aus Sicht der jordanischen Delegation.
Stimmen aus Connective Cities – Stadtverwaltung Glezan
Die Gemeinde Glezan in Algerien liegt strategisch günstig in der Mitte des Landes und dient als Bindeglied zwischen dem östlichen und westlichen sowie dem nördlichen und südlichen Teil. In diesem Interview beschreibt der Vertreter der Gemeinde (Herr Ismain ben Mohammad) die Erfolge der Gemeinde bei der Förderung von Energieeffizienz und Solarenergie. Herr Ismain beschreibt auch die Bemühungen der Gemeinde in Zusammenarbeit mit lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen, auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften in unterentwickelten Regionen, den so genannten „Schattenregionen“, einzugehen. Darüber hinaus schätzt er die Vorteile des Peer-Learnings von Mitgliedern des Connective-Cities-Netzwerks und beschreibt die Gemeinde als einen großen Raum, in dem alle Platz finden.
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Lernerfahrungen mit der Bauabfallentsorgung in Krisengebieten
In der virtuellen Veranstaltung „Lernerfahrungen mit der Bauabfallentsorgung in Krisengebieten“ am 10. November fand ein intensiver Austausch zwischen 30 Fachleuten aus 12 Kommunen (vor allem aus der Ukraine und Deutschland) statt. Der Anlass für die Veranstaltung war die hohe Nachfrage und Relevanz des Themas auf Grund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine. Damit die Kommunen die Grundversorgung vor Ort sicherstellen können, müssen sie die Trümmer, die durch den Beschuss an der Infrastruktur und Gebäuden entstehen, wegräumen. Jedoch sind diese Arbeiten sehr ressourcenintensiv, die in den Krisengebieten nicht immer vorhanden sind. Ziel der Veranstaltung war somit, von den Erfahrungen aus vorherigen Krisengebieten zu lernen, wie die Bauabfallentsorgung möglichst effektiv gemanagt werden kann und zudem mit Blick auf den zukünftigen Wiederaufbau wiederverwendet werden können.
Eine Dachorganisation für informelle Müllsammlerinnen und Müllsammler in Mitrovica
Die Stadtverwaltung von Mitrovica in Kosovo nutzte einen Lernprozess von Connective Cities, um einen Fahrplan für die Etablierung einer Dachorganisation für die etwa 300 informellen Müllsammler in der Stadt zu erstellen. Diese sollen so ihre sozio-ökonomische Situation und ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern.
Stimmen von Connective Cities – Stadtverwaltung Al-Maghazi
Al-Maghazi in Palästina ist eine kleine Gemeinde, die für viele ein Zuhause ist. Trotz der verschiedenen Herausforderungen, die durch die seit 14 Jahren andauernde Belagerung des Gazastreifens verstärkt werden, versuchen Verantwortlichen der Gemeinde, ihre Entwicklungsaufgaben zu erfüllen und die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung zu verbessern. Amani Ismail schätzt die Vorteile des Peer-Learnings von den Mitgliedern des Connective Cities Netzwerks und hat die von Connective Cities durchgeführten Aktivitäten genutzt, um einen Vorschlag für einen Gemeinschaftsgarten in Al-Maghazi zu entwickeln. Sie hofft, dass sich alle Gemeinden im Gazastreifen dem Connective Cities Netzwerk anschließen.
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