Auf dem Weg von verschmutzen Bachläufen zu grün-blauen Korridoren

Als die ukrainische Stadt Vinnytsia von 2019 bis 2021 an dem Lernprozess von Connective Cities zu an den Klimawandel angepasster Stadtentwicklung teilnahm, war dort die Welt noch eine andere. Der seit Februar 2022 herrschende Krieg in der Ukraine hat die Prioritäten der Kommunalverwaltungen gewaltig verschoben. Die Renaturierung kleiner Flüsse, die Vinnytsia im Rahmen des Lernprozesses begann, bleibt dort aber ein wichtiges Vorhaben, denn es ist ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Zukunft der Stadt.

Ökologisches, städtebauliches und soziales Potenzial erkannt

64 kleine Flüsse oder Bäche fließen durch die 260 Kilometer südwestlich von Kyjiw gelegene Stadt mit etwa 370.000 Einwohner*innen. Ihr Potenzial wurde lange unterschätzt, die Menschen nannten sie nur „stinkende Bäche“, sie waren häufig vermüllt oder wurden unter die Erde verlegt, die Wasserqualität war miserabel. Heute weiß die Stadtverwaltung, wie viel ökologisches, städteplanerisches und soziales Potenzial diese Wasserläufe und ihre Ufer bergen – als grün-blaue Korridore, als Naherholungsräume und zum Schutz und zur Förderung von Biodiversität. „Anfangs hatten wir keine Vorstellung davon, was die Renaturierung eines Wasserlaufes alles umfasst. Wir dachten, es reiche aus, die Bäche vom Müll zu befreien“, erinnert sich Yanna Chaikovska, Direktorin des kommunalen Instituts für Stadtentwicklung in Vinnytsia.

Jerash in Jordanien: Schritt für Schritt zum Erfolg

Das als „Pompeji des Nahen Ostens“ bekannte Jerash in Jordanien ist aufgrund seiner gut erhaltenen griechisch-römischen Ruinen ein beliebtes Touristenziel. Jerash ist eine sich schnell entwickelnde Stadt, die ein Bevölkerungswachstum erlebt, das mit Herausforderungen wie Wohnungsnot, Verkehrsstaus, Umweltzerstörung und der Integration von Flüchtlingen einhergeht. Während die Stadt mit diesen komplexen Problemen kämpft, hat die Stadtverwaltung innovative und nachhaltige Lösungen verfolgt, die das Wohlergehen ihrer Einwohner in den Vordergrund stellen und gleichzeitig den Umweltschutz und den wirtschaftlichen Wohlstand fördern. Vertreten durch das Referat für lokale Entwicklung hat die Stadtverwaltung aktiv an vielen regionalen und globalen Aktivitäten von Connective Cities teilgenommen und konnte so Ideen für lokale Projekte in den Bereichen geschlechtersensible lokale Wirtschaftsentwicklung, Abfallwirtschaft und Kunststoffrecycling mitnehmen und den Weg zu einer abfallfreien Stadt ebnen. Im Jahr 2021 richtete die Gemeinde mit finanzieller und technischer Unterstützung durch die GIZ eine Müllsortieranlage ein. Das Team der kommunalen Abfallwirtschaft hat die Mülltrennung in den letzten Jahren erfolgreich durchgeführt. Der Betrieb ist nachhaltig und die Einnahmen aus dem Verkauf der getrennten Produkte decken die Betriebskosten.

Kommunalpolitischer Preis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung 2025

Motivation und Ziel des Preises

Zur Erinnerung an Carl Goerdelers kommunalpolitisches Wirken und Widerstand gegen die NS-Herrschaft vergibt die Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung den Kommunalpolitischen Preis. Dieser zeichnet herausragende Leistungen in der kommunalen Verwaltung und Zusammenarbeit aus, fördert völkerverbindende Kooperationen und gegenseitiges Lernen zum Nutzen der Bürger*innen. Der Ausschreibung des Preises wird auch in diesem Jahr von Connective Cities unterstützt.

Zielgruppe

Ausgezeichnet werden Gute Praktiken der kommunalen Verwaltung oder regionaler Allianzen, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen. Voraussetzung ist die Beteiligung einer deutschen Kommune oder kommunalen Allianz.

Inhaltliche Beschreibung

Städte sind multikulturelle Lebensräume, in denen Konflikte entstehen können. Kommunen weltweit stehen vor der Herausforderung, Strategien für friedliches Zusammenleben zu entwickeln. Durch grenzüberschreitende Kooperationen können Kommunen voneinander lernen und zur Völkerverständigung beitragen.

Weitere Informationen:
Aufruf zum Kommunalpolitischer Preis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung 2025 [pdf]

Auszeichnung

Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und würdigt innovative Ansätze, die zum Nachhaltigkeitsziel 16 der Agenda 2030 beitragen. Bei mehreren gleichwertigen Bewerbungen kann das Preisgeld geteilt werden. Die Preisverleihung dieser politisch bedeutsamen Auszeichnung erfolgt öffentlichkeitswirksam am 2. Februar, dem Todestag von Carl Goerdeler, im Neuen Rathaus zu Leipzig.

Bewerbung

Bewerben auch Sie sich! Gerade in diesen kriegerischen Zeiten sind Zeichen und Auszeichnungen für ein friedliches Zusammenleben wichitger den je!

  • Bewerbungsfrist: 30. November 2024
  • Bewerbungsunterlagen (max. 10 Seiten):
    • Ansprechpartner*innen/Kontakt
    • Informationen zur einreichenden Kommune oder Region
    • Beschreibung des Lösungsansatzes
    • Beteiligte Akteure
    • Erreichter Nutzen für die Bürger*innen
    • Transferpotenziale

Kontakt

Ricarda Meissner: ricarda.meissner@giz.de

Tel.: 0049 (0) 228 4460 1138, Mobil: 0160 937 75 527

Paulina Koschmieder: paulina.koschmieder@giz.de

Tel.: 0049 (0) 228 4460 1515

Jury

Die Jury besteht aus Vertreter*innen der beteiligten Institutionen und trifft die Entscheidung parteipolitisch neutral. Die Preisverleihung findet jährlich Anfang Februar in Leipzig statt.

Kampala, Karlsruhe und Straßburg stärken gemeinsam soziales Unternehmertum

Weltweit gibt es immer mehr soziale Unternehmer*innen, die ihre Geschäftstätigkeit mit einem am Gemeinwohl orientierten Engagement verbinden – sei es zum Klima- oder Umweltschutz, zur gesellschaftlichen Teilhabe oder zur Reduzierung von Armut.

Für Kommunen hat diese recht neue Zielgruppe der lokalen Wirtschaftsförderung viel Potenzial, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Doch viele Städte, Gemeinden und Landkreise stehen bei der Förderung von sozialem Unternehmertum noch ganz am Anfang. Kampala in Uganda, Karlsruhe im Südwesten Deutschlands und das französische Straßburg haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam das soziale Unternehmertum in ihren Städten voranzubringen und die Unternehmer*innen miteinander zu vernetzen.

Kooperation im Dreieck Kampala – Karlsruhe – Straßburg

„Ich sehe viel Potenzial zur Zusammenarbeit“, sagt Khasalamwa Lucia von der Kampala Capital City Authority (KCCA). Die Vertreter*innen aus den drei Städten haben erkannt, dass die Herausforderungen für Sozialunternehmen in Kampala, Karlsruhe und Straßburg – trotz aller sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede – sehr ähnlich sind: Es fehlen für die (potenziellen) Unternehmer*innen bedarfsgerechte Schulungen, Mentoring-Programme, Möglichkeiten zum Austausch sowie Startfinanzierungen. Auch die politischen Rahmenbedingungen wie Steuererleichterungen und geeignete Rechtsformen für die Unternehmen sind noch nicht ausgereift.

La Union in Costa Rica: wertvolle Inspirationen zur Reduzierung von Plastikmüll

La Union ist bekannt dafür, sich für eine grünere Zukunft einzusetzen. Mit ihrem Engagement gegen die Nutzung von Einwegplastik bietet die Stadt ein inspirierendes Beispiel für andere Kommunen.

Plastikmüll verschmutzt die Umwelt fast überall auf der Welt – im süddeutschen Augsburg, in Irbid in Jordanien ähnlich wie im äthiopischen Hawassa oder in Kandy in Sri Lanka. Auch die Strategien zur Reduzierung der Plastikflut ähneln sich weltweit. Die Stadtverwaltung von La Union in Costa Rica fand, dass es sich daher lohnt, sich mit anderen Kommunen international zu diesem Thema auszutauschen. Nachdem sie 2018 ein Projekt zur Reduzierung von Plastikmüll gestartet hatte, kam 2019 die Einladung zur Dialogveranstaltung von Connective Cities „Plastikabfälle – der Beitrag kommunaler Abfallwirtschaft zur Lösung des Problems“ in Hamburg gerade recht: Die Stadt teilte ihren erfolgreichen Ansatz zur Sensibilisierung der Bevölkerung und des Einzelhandels mit anderen Kommunen und profitierte im Gegenzug von deren Wissen und Erkenntnissen – selbst in unerwarteten Bereichen wie dem Management organischer Abfälle.

Der Ansatz von La Union: Menschen sensibilisieren

Will man Plastikmüll reduzieren, kann man an vielen Stellen ansetzen, wie bei der Dialogveranstaltung deutlich wurde: die Müllsammlung und -trennung auf Haushaltsebene verbessern, Recycling-Zentren bauen, Sortieranlagen optimieren oder die Bevölkerung und Wirtschaft zur Reduzierung von Plastikmüll sensibilisieren. Auf Letzteres setzt die Kommune La Union schon seit 2018 mit ihrem „Plan zur Reduzierung von Einweg-Plastik“. Dieser sieht vor, das Plastik durch Mehrweg-Verpackungen oder kompostierbare Lösungen zu ersetzen. Der Fokus der Kommune liegt auf dem Einzelhandel, der Gastronomie und den Konsument*innen.

Strategien und Instrumente für einen erfolgreichen Kommunalwahlkampf

Die Planung eines erfolgreichen Kommunalwahlkampfs umfasst mehrere Schlüsselelemente, darunter das Verständnis der politischen Landschaft, die Entwicklung einer Wahlkampfstrategie, den Aufbau eines starken Wahlkampfteams, die Formulierung einer überzeugenden Botschaft, die Mittelbeschaffung, die Öffentlichkeitsarbeit und das Engagement sowie die Nutzung von Medien und Technologie. Um diese Themen zu vertiefen, wurde am 29. Juli 2024 im Rahmen der Arbeitsgruppen ein Workshop durchgeführt. Der Workshop stellte die notwendigen Strategien, Instrumente und praktischen Schritte vor, um erfolgreiche Wahlkampagnen durchzuführen, die Frauen in kommunale Führungspositionen bringen. Anhand von Erfahrungen aus Deutschland und dem Libanon diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Herausforderungen und Hindernisse, mit denen Kandidatinnen konfrontiert sein können, sowie Möglichkeiten, diese zu überwinden.

Datengesteuerte kommunale Planung

Die Arbeitsgruppe „Lokale Entwicklungsstrategien“ von Connective Cities unterstützt Kommunen in der MENA-Region dabei, ihren Prozess der lokalen Strategieplanung in Angriff zu nehmen. Mit dem Ziel, lokale Entwicklungsstrategien zu formulieren, umfasst dieser Prozess die Sammlung von Daten, die Einbindung von Interessenvertretern der Gemeinschaft, die Zusammenarbeit zwischen kommunalen Abteilungen und eine genaue Bedarfsanalyse. Vor allem die Datenerhebung hat sich als großes Hindernis bei der Ausarbeitung lokaler Entwicklungsstrategien erwiesen, die den aktuellen Bedürfnissen der lokalen Gemeinschaften entsprechen. Die ersten Schritte zum Aufbau einer aktuellen und soliden kommunalen Datenbank bieten die Möglichkeit, fundierte Planungsentscheidungen zu treffen, die auf Fakten beruhen.

Bonn profitiert langfristig vom Fachaustausch zum SDG-Monitoring

Die Stadt Bonn gilt als Vorreiterin in Sachen Berichterstattung zur lokalen Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Sie hat 2022 bereits ihren zweiten freiwilligen Umsetzungsbericht – einen Voluntary Local Review (VLR) – bei den Vereinten Nationen präsentiert. Ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war eine Dialogveranstaltung, die die Stadt im April 2021 gemeinsam mit Connective Cities veranstaltet hatte.

Wachsende Aufmerksamkeit für Voluntary Local Reviews

Die Stadt Bonn hatte sich schon früh auf den Weg gemacht, die 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) umzusetzen. Sie war unter den ersten rund 40 Städten weltweit, die einen VLR vorlegten. Nach der Publikation ihres ersten VLR im Jahr 2020 gab es allerdings den Wunsch, die eigene Arbeit durch einen internationalen Austausch weiter voranzubringen und andere an den eigenen Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Frauen in kommunalen Führungspositionen

Das unterschiedliche Vertrauen, das weiblichen Führungskräften in den Kommunen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen entgegengebracht wird, stellt ein erhebliches Hindernis für die Förderung der Führungsrolle von Frauen in den Kommunen dar. Diese Diskrepanz äußert sich auf verschiedene Weise, z. B. durch eine voreingenommene Wahrnehmung, eine begrenzte Unterstützung durch die Wähler*innen und eine ungleiche Behandlung im beruflichen Umfeld, wodurch Bemühungen um einen positiven Wandel behindert werden.

Die Arbeitsgruppe „Frauen in kommunalen Führungspositionen“ hat dieses Thema zu einem von drei thematischen Schwerpunkten erklärt, zu denen auch Wahlkampf- und Lobbystrategien sowie Reformen der Kommunalwahlgesetze gehören. Ziel des Workshops am 25. Juni war es, 1) praktische Ideen und Mechanismen vorzuschlagen, um das Selbstvertrauen von Frauen zu stärken, damit sie ihr Führungspotenzial voll ausschöpfen können, und 2) zu untersuchen, wie das Vertrauen zwischen Frauen und der Gesellschaft im Hinblick auf die Übernahme von Entscheidungsfunktionen und die Umsetzung von Reformprogrammen gestärkt werden kann.

Verwandte Publikation:

Municipal Observatory for Gender Mainstreaming
A guide for municipalities in the MENA region

10 Jahre Connective Cities

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ ließe sich die Atmosphäre mit Hermann Hesses Worten beschreiben, als sich knapp 70 Fachleute aus der Kommunalpolitik, Kommunalverwaltung und Wissenschaft zu einem ersten Austausch vor genau zehn Jahren im ehemaligen nun stilvoll sanierten Stadtbad von Leipzig zusammengefunden hatten. (Einige Impressionen: https://youtu.be/CA7naV3BFco )

Die Auftaktveranstaltung stand unter dem Motto „Nachhaltige Stadtentwicklung zwischen Ressourceneffizienz und Suffizienz“. Die Leitbegriffe „Effizienz“ und „Suffizienz“ wurden als zwei sich ergänzende Strategien einer nachhaltigen Stadtentwicklung vorgestellt. Der Spannungsbogen in der Diskussion reichte von technologischen Innovationen für ressourcenschonende Entwicklungspfade hin zu sozialen Innovationen, die sich auf die Transformation der gesellschaftlichen und individuellen Lebensstile richteten. Viele der diskutierten Ansätze und Themen haben bis heute nichts an ihrer Bedeutung für die nachhaltige Stadtentwicklung verloren, wie „Hochwassermanagement“, „Energetische Stadtsanierung und energieeffizientes Bauen“, „Revitalisierung kontaminierter innerstädtischer Flächen“, „Bürgerbeteiligung“, „Partizipative, integrierte Stadterneuerung“, „Quartiersentwicklung“ oder „Urban Gardening und urbane Landwirtschaft“. Schon die erste Auftaktveranstaltung erfolgte unter großer internationaler Beteiligung mit Fachleuten aus Südafrika, Kenia, Marokko, Indonesien, China, Kolumbien, Ungarn und Serbien.