Vorstellung des Amman Urban Observatory

Die Insight Session zur „Vorstellung des Amman Urban Observatory“ fand am 24. April 2024 statt und wurde von Herrn Akram Khreisat von der Stadtverwaltung der Stadt Amman durchgeführt. Die Sitzung wurde von Connective Cities organisiert und der globalen Gemeinschaft von Stadtpraktiker*innen im Rahmen des Connective Cities Netzwerks präsentiert. Zu den Teilnehmenden gehörten Stadtpraktiker*innen, Akteur*innen aus lokalen und nationalen Regierungen, akademische Forscher*innen, Nichtregierungsorganisationen und Mitglieder*innen der lokalen Gemeinschaft.

Herr Akram Khreisat, Direktor des Amman Urban Observatory, führte die Teilnehmenden in die Arbeitsmechanismen und die Aktionsfelder des Amman Urban Observatory ein und erläuterte seine Rolle bei der Bewältigung von Planungsherausforderungen in der jordanischen Hauptstadt.

Das Amman Urban Observatory generiert „Stadtindikatoren“, um verschiedene Aspekte der Stadt zu überwachen, die für die Stadtentwicklung wichtig sind. Durch die Echtzeitüberwachung dieser Stadtindikatoren werden Planungsprozesse in der Stadtentwicklung verbessert, da Planer*innen und Entwickler*innen in die Lage versetzt werden, fundierte Entscheidungen zu treffen. Dabei arbeitet das Observatorium mit Ministerien, Regierungsabteilungen, nationalen Organisationen, NGOs und Unternehmen aus dem privaten Sektor zusammen. Das Observatorium kooperiert mit über 40 Partner*innen und Interessengruppen.

Die Stadtindikatoren umfassen wesentliche Merkmale zur Messung einer nachhaltigen Stadtentwicklung, wie die Arbeitslosenquote, die Bodenbedeckung oder den Prozentsatz der Menschen, die in Armut leben. Das Amman Urban Observatory hat sich als effektives Instrument für strategische und städtische Planung erwiesen. Herr Akram Khreisat beschrieb das Observatorium nicht als Werkzeug, sondern als „Prozess zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung“. Im Fall des Amman Urban Observatory liegt der Schwerpunkt der geschaffenen Indikatoren in den thematischen Bereichen der folgenden SDGs: Gesundheit und Wohlergehen (3); Bezahlbare und saubere Energie (7); Industrie, Innovation und Infrastruktur (9); Nachhaltige Städte und Gemeinden (11); Maßnahmen zum Klimaschutz (13) und Partnerschaften zur Erreichung der Ziele (17).

Nach der Präsentation von Dr. Akram Khreisat stellten die Teilnehmenden Fragen zum Amman Urban Observatory. Auf die Frage nach den Herausforderungen und Schwierigkeiten, denen das Observatorium gegenübersteht, erläuterte er den großen Zustrom von Geflüchteten, den Amman erhält, und die damit verbundenen Herausforderungen für die Messung von Stadtindikatoren. Da die Stadt kürzlich viele Geflüchtete aufgenommen hat, müssen die Indikatoren eine gewisse Flexibilität aufweisen, um die unbeständige Veränderung der Einwohnerzahl zu berücksichtigen. Außerdem wurde Herr Khreisat gefragt, ob das Observatorium die gesammelten Daten für räumliche Analysen oder 3D-Katasterzwecke nutzt. In seiner Antwort erläuterte er, dass sie mit der GIS-Abteilung der Stadt zusammenarbeiten, um Szenarienpläne für das räumliche Wachstum zu erstellen.

Das Connective Cities Netzwerk beabsichtigt, eine Arbeitsgruppe zu schaffen, um verschiedene Best Practices für die Beobachtung städtischer Parameter zu identifizieren. Darüber hinaus sollen interessierte Städte durch die Entwicklung von Vorlagen unterstützt werden, die in einem ähnlichen Prozess wie in Amman implementiert werden können. Stadtvertreter, die an der Arbeitsgruppe teilnehmen möchten, sind herzlich eingeladen, Dr. Muna Shalan (muna.shalan@giz.de) und Herrn Jimmy Yoedsel (jimmy.yoedsel@giz.de) für weitere Informationen und die Möglichkeit zur Teilnahme zu kontaktieren.

Connective Cities dankt Dr. Akram Khreisat und allen Teilnehmern für die Präsentation des Amman Urban Observatory, den fruchtbaren Austausch und die thematische Diskussion.

Sechs Kommunen wappnen sich gemeinsam gegen zunehmende Hitze in Städten

Vom 3. bis 6. Juni 2024 kam die Gruppe in Heidelberg im Rahmen ihres „Connective Cities Deep Dive“ zusammen, um ihre Pilotprojekte zu konkretisieren und von den Erfahrungen anderer Städte zu lernen.

So unterschiedlich sich die sechs Städte auf zunehmende Hitze einstellen müssen, verbinden sie zwei Grundsätze, wie sich während ihres Austauschs in Heidelberg immer wieder zeigte: Wer strategisch und langfristig etwas gegen Hitze in Städten tun will, der braucht einen Plan. Das gilt für das ägyptische Assuan, wo im Sommer Temperaturen von bis zu 50 Grad herrschen, genauso wie für Lüdenscheid, das im kühleren, waldreichen Sauerland liegt. Zudem sind sie von dem Ansatz überzeugt, innovative Hitze-Lösungen zunächst in kleinen Pilotprojekten zu testen, bevor sie danach in einem größeren Rahmen implementiert werden.

Für Städte gibt es viele Wege, die negativen Effekte von Hitze für die Bevölkerung zu reduzieren: mehr Grünflächen schaffen, Schatten spendende Bäume pflanzen, Hausfassaden begrünen, Kühlungskorridore etwa durch Wasserläufe anlegen, die Bevölkerung sensibilisieren und vieles mehr. Dafür ist es zunächst wichtig zu wissen, wo sich in einer Stadt die Hitze besonders staut.

Auftakt der Arbeitsgruppe: Frauen in Führungspositionen in Kommunen

Mit dieser Aussage haben die Teilnehmerinnen der Arbeitsgruppe „Frauen in Führungspositionen in Kommunen“ ihre Aktivitäten begonnen. Der virtuelle Auftakt fand am 16. Mai 2024 statt und beinhaltete einen Beitrag der ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisterin von Bonn, Frau Melanie Grabowy, und die Vorstellung des GIZ-Handbuchs „Duos for Empowerment“ über ein Mentoring-Programm für Frauen im Nahen Osten und Nordafrika mit Schwerpunkt auf praktischen Erfahrungen aus Palästina, Jordanien und dem Libanon (vorgestellt von Hiba Tijani, WOMENA-GIZ).

Die Teilnehmenden, die 14 Kommunen und die Zivilgesellschaft aus Jordanien, Palästina, Libanon, Tunesien, Marokko und Deutschland repräsentieren, zeigten viel Enthusiasmus und ihren Teamgeist, um sich mit Gleichgesinnten zu diesem Thema zu engagieren und Erfahrungen auszutauschen und um lokal angepasste Lösungen zu entwickeln.

Verwandte Publikation:

Municipal Observatory for Gender Mainstreaming
A guide for municipalities in the MENA region

Strategische Planung in Kommunen – Hindernisse, Rahmenbedingungen und Nutzen

Die effiziente Verwaltung der Gemeinden und die Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung für die Bürger*innen sind Prioritäten für die lokalen Verwaltungen. Als Bindeglied zwischen der Zentralbehörde und der lokalen Bevölkerung müssen die Kommunen mittel- und langfristige Strategien entwickeln, um ihre Rolle bei der Erbringung grundlegender Dienstleistungen, der Verwaltung von Ressourcen, der Entwicklung der Infrastruktur sowie der Erzielung von Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit zu erfüllen. Strategische Planung ist der Schlüssel zur Gestaltung einer lebendigen Gemeinschaft und eines wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Umfelds. Sie konzentriert sich eher auf die Nutzung von Vorteilen und Stärken als auf die Bewältigung von Herausforderungen und zeichnet sich durch einen scharfen Fokus auf den Wettbewerbsvorsprung, wichtige Chancencluster, Charakteristika der Erwerbstätigen, Lebensqualitätsstandards und andere wirtschaftliche und demografische Unterscheidungsmerkmale aus.

Eine langfristige strategische Planung ist jedoch in den meisten Kommunen der MENA-Region nur schwach oder gar nicht vorhanden. Während einige Kommunen bei der Einführung strategischer Planung erhebliche Fortschritte gemacht haben, stehen viele vor größeren Herausforderungen im Zusammenhang mit Urbanisierung, Dienstleistungserbringung, wirtschaftlicher Entwicklung, natürlichen Ressourcen, Umweltfragen, sozialen Ungleichheiten, demografischem Wandel und der Reaktion auf Krisen. Um diese Herausforderungen wirksam bewältigen zu können, müssen die Kommunen über aktuelle lokale Strategien verfügen, die ihnen bei der Erstellung von Entwicklungsszenarien und Setzen von Prioritäten sowie beim Treffen fundierter Entscheidungen helfen, um den vielfältigen Bedürfnissen und Herausforderungen der lokalen Bevölkerung gerecht zu werden. Lokale Entwicklungsstrategien sind im Wesentlichen das Fundament, auf dem eine erfolgreiche lokale Verwaltung aufbaut.

Förderung nachhaltiger Bergbauindustrien

Die Online-Veranstaltung fand am 23. April statt und erforschte die Herausforderungen und Chancen bei der Förderung nachhaltiger Bergbauindustrien und die entscheidende Rolle von Städten bei der Förderung positiver Veränderungen in diesem Sektor. Zu den wichtigsten Diskussionspunkten gehörten:

  • Die Rolle von Städten bei der Förderung nachhaltiger Bergbauindustrien: Wie können Städte aktiv zur Förderung nachhaltiger Bergbaupraktiken beitragen und dabei Umwelt- und soziale Auswirkungen berücksichtigen?
  • Maximierung der Vorteile für lokale Gemeinschaften: Welche Strategien gibt es, damit Bergbauaktivitäten den lokalen Gemeinschaften sowohl wirtschaftlich als auch sozial bestmöglich zugutekommen?
  • Umnutzung geschlossener Bergbaustandorte: Welche innovativen Ansätze gibt es, um sie in neue Vermögenswerte für Gemeinschaften zu verwandeln und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern?

Die Veranstaltung umfasste fundierte Beiträge aus verschiedenen Quellen:

Aufruf zum Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ 2024

Seit 2014 wird der Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt. Es sollen Kommunen ausgezeichnet werden, die sich vorbildlich und breit aufgestellt in der kommunalen Entwicklungspolitik engagieren und dabei Wege gehen, die Wirkung zeigen und andere inspirieren.

Bis zum 31. Mai 2024 können sich alle Städte, Gemeinden und Landkreise in Deutschland mit ihrem entwicklungspolitischen Profil online über die Bewerbungsplattform bewerben. Die Teilnahme ist sowohl für kleine als auch große Kommunen gleichermaßen lohnenswert, da die Auszeichnungen (zwischen 10.000 und 30.000 Euro je Kommune) in verschiedenen Größenkategorien, sowie Sonderpreise, vergeben werden.

Die Gewinnerkommunen werden bei der 16. Bundeskonferenz der Kommunalen Entwicklungspolitik vom 8. bis 10. Oktober 2024 in Ingelheim am Rhein bekanntgegeben. Während dieser Veranstaltung werden die Preise im feierlichen Rahmen übergeben.

Alle wichtigen Informationen – auch zum Bewerbungsprozess in der Online-Bewerbungsplattform – finden Sie auf der Webseite der SKEW. Die Servicestelle freut sich über Ihre Bewerbung bis zum 31. Mai 2024!

Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Der Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ zeichnet 2024 Kommunen aus, die sich vorbildlich in der kommunalen Entwicklungspolitik engagieren.

  • Bewerbungsstart: 1. April 2024
  • Bewerbungsschluss: 31. Mai 2024
  • Preisverleihung: Oktober 2024

Kontakt

Maren Renner
Telefon: +49 228 20717-2421
maren.renner@engagement-global.de

Johannes Schott
Telefon: +49 228 20717-2692
johannes.schott@engagement-global.de

Bei Fragen zum Wettbewerb senden Sie diese bitte auch per E-Mail an:
kbw.skew@engagement-global.de

Klimapositive Städte: Kreislaufwirtschaft und CO2-Bilanzierung

Hintergrund

Der Bausektor ist einer der energieintensivsten Wirtschaftszweige und maßgeblich für den globalen Klimawandel mitverantwortlich – bis zu 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden von ihm verursacht. Doch gibt es Wege, das Bauen nachhaltiger und damit klimafreundlicher zu gestalten. Städte und Gemeinden sind wichtige Akteure, um diese Prozesse lokal zu initiieren und zu begleiten.

Bei einem virtuellen Fachaustausch von Connective Cities am 27. Februar 2024 diskutierten 18 (kommunale) Expert*innen aus sechs Ländern zwei Praxisbeispiele hierzu. Die Veranstaltung war Teil eines einjährigen Lernprozesses, der im November 2023 mit der Dialogveranstaltung Klimapositives Bauen mit zirkulären Baustoffen in Potsdam begann.

Frauen in kommunalen Führungspositionen

Als Fortsetzung des Webinars zum Thema „Frauen in kommunalen Führungspositionen“, das im Februar 2024 stattfand, organisierte Connective Cities kürzlich eine weitere Insight Session für das Netzwerk in der MENA-Region. Diese Veranstaltung rückte die Erfahrungen aus Tunesien und Marokko in den Fokus.

In der Vergangenheit war Tunesien ein Vorreiter und ein Beispiel für die gleichberechtigte Vertretung von Frauen in Gemeinderäten in der MENA-Region und weltweit. Im Jahr 2018, sieben Jahre nach der Revolution von 2011 und vier Jahre nach der Verabschiedung der Verfassung, stellten Frauen 47 Prozent der Gemeinderatsmandate in Tunesien. Der drastische Anstieg der weiblichen Mitglieder ist das Ergebnis eines Wahlgesetzes von 2016, das die Grundsätze der Parität und der abwechselnden Aufstellung von Männern und Frauen auf den Kandidatenlisten für alle Wahlen vorsieht. Dennoch wurden die demokratisch gewählten Gemeinderäte des Landes durch ein im März 2023 verkündetes Dekret des Präsidenten aufgelöst.

In Marokko wurde die politische Beteiligung von Frauen durch internationale Verpflichtungen und die Bekräftigung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie durch gesetzliche und institutionelle Maßnahmen gefördert.

Die Referenten, die den Nationalen Verband der tunesischen Gemeinden (FNCT), das Nationale Demokratische Institut in Tunesien (NDI) und die Stadtverwaltung von Fes in Marokko vertraten, haben sich mit dem Status quo der rechtlichen Hindernisse und deren Auswirkungen auf die Wahl von Frauen und Rollen befasst und die Vor- und Nachteile der Geschlechterquote bei Wahlen bewertet. Darüber hinaus erörterten sie die Chancen und Herausforderungen für eine umfassende Beteiligung von Frauen an der Politik und an öffentlichen Angelegenheiten.

Vor diesem Hintergrund ruft Connective Cities eine Arbeitsgruppe ins Leben, die sich für die Schaffung eines günstigen Umfelds einsetzt, in dem Frauen eine aktive, produktive und führende Rolle in der kommunalen und lokalen Verwaltung spielen können. Zur Stärkung der Rolle der Frauen gehört es, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu verbessern, damit sie mehr Möglichkeiten und Kapazitäten für die Kommunikation und den Aufbau fruchtbarer Partnerschaften erhalten und eine entscheidende Rolle bei der Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung spielen können.

Weitere Einzelheiten zu dieser Arbeitsgruppe entnehmen Sie bitte dem Konzeptpapier.

Aufzeichnung der Informationsveranstaltung

Bitte zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wenn Sie Fragen haben: muna.shalan@giz.de

Verwandte Publikation:

Municipal Observatory for Gender Mainstreaming
A guide for municipalities in the MENA region

Naturbasierte Lösungen, Biomimikry und Hochwassermanagement – Lehren aus den USA und Europa

Am 29. März fand die Veranstaltung “ Nature-Based Solutions, Biomimicry, and Flood Management Lessons Learned from the U.S. and Europe“ (Naturbasierte Lösungen, Biomimikry und Hochwassermanagement – Erfahrungen aus den USA und Europa ) statt, die von thematischen Expertinnen der Firma Jacobs gehalten wurde.

Die Veranstaltung wurde von Connective Cities und der südafrikanischen Komponente der Resilience Initiative Africa organisiert und der internationalen Connective Cities-Gemeinschaft vorgestellt, zu der Praktiker*innen aus dem Bereich der Stadtentwicklung, nationale Regierungsvertretende, Wissenschaftler*innen aus dem akademischen Bereich, Nichtregierungsorganisationen und Mitglieder lokaler Gemeinschaften gehören.

Die Veranstaltung wurde mit einem Vortrag von Andrew Potts über die blau-grüne Regenwasserinfrastruktur eingeleitet. Andrew Potts verfügt über 24 Jahre Erfahrung in den Bereichen grüne Regenwasserinfrastruktur (GSI), Regenwasserbewirtschaftung, Wasserressourcen und nachhaltige Standortplanung und sprach ausführlich über seine Erfahrungen bei der Umsetzung von blaugrüner Regenwasserinfrastruktur in Städten in Großbritannien und den USA.

Ziel der blau-grünen Regenwasserinfrastruktur ist es, das Regenwasser an der Quelle zu bewirtschaften, indem vom Menschen geschaffene „blaue“ Infrastrukturen wie Rohre und Durchlässe mit naturbasierten „grünen“ Infrastrukturen wie Gründächern und Rigole kombiniert werden. Die Kombination solcher Infrastrukturen bietet eine widerstandsfähigere und nachhaltigere Methode zur Bewältigung des städtischen Regenwasserabflusses und der Abflussspitzen, wodurch die Wasserqualität und die Artenvielfalt in städtischen Gebieten verbessert werden. Herr Potts verwies auf mehrere Beispiele aus seiner Arbeit bei der Umsetzung der blau-grünen Regenwasserinfrastruktur:

Sidmouth Amphitheater, UK

  • Sidmouth, eine Stadt an der Südwestküste Englands, leidet unter regelmäßigen Überschwemmungen durch Regenwasser, wobei die Überlandfließwege direkt im Stadtzentrum zu einem Tiefpunkt führen und 150 Wohn- und Geschäftshäuser gefährden.
  • Jacobs Team und die örtliche Regierung arbeiteten gemeinsam an der Entwicklung von Hochwasserschutzmaßnahmen, die nicht nur Sidmouths Probleme mit der Wasserableitung aus dem Stadtzentrum lösen, sondern auch einen neuen öffentlichen Raum für die umliegenden Gemeinden schaffen sollten.
  • Das Amphitheater wurde daher zu einem Hochwasserrückhaltebecken ausgebaut. Das Wasser von den Autobahnen und Straßen, die durch die Stadt führen, sollte in das Amphitheater abfließen. An Tagen ohne starke Regenfälle dient das Amphitheater als öffentlicher Raum, in dem viele Veranstaltungen und Feste der Stadt stattfinden. An Tagen mit starken Regenfällen dient das Amphitheater jedoch als wertvoller Wasserspeicher, da es 700 Kubikmeter Wasser fassen kann.

Beispiele aus den USA.

  • Die Entwicklung des Rodney Cook, Sr. Park in Atlanta, Georgia, wurde durch die Schaffung eines multifunktionalen öffentlichen Raums innerhalb des Viertels nicht nur ein wirksames Mittel zur Regenwasserableitung geschaffen, sondern auch ein Ort, an dem sich die Bewohner erfreuen können.
  • Im Rams-Head-Center der University of North Carolina – Chapel wurde auf dem Dach eines mehrstöckigen Parkhauses eine 1 Hektar große, blau-grüne Dachterrasse angelegt, zusammen mit einer 56.000 Gallonen fassenden Zisterne unter den Gehwegen, um das Regenwasser bei starken Regenfällen effizient abzuleiten.

Herr Potts sprach auch darüber, wie man Blue Green Stormwater Infrastructure effektiv plant und entwirft, und sprach über verschiedene Entwurfskriterien wie z.B.:

  • Externe Faktoren – sich ändernde Niederschlagsmuster, Einbeziehung von Hochwassermodellen in die Planung, Berücksichtigung saisonaler Schwankungen der Versickerungsraten und Grundwassermodelle.
  • Grundlegende Faktoren – Der Projektstandort der geplanten Infrastruktur, der Umfang des Projekts, das erforderliche Maß an Wartung, geotechnische Überlegungen und Kostenauswirkungen.

Ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Potts hielt Herr Chris Allen einen weiteren Vortrag über Biomimikry, in dem er untersuchte, wie man den Nutzen der Natur durch die Intelligenz des Ökosystems quantifizieren kann. Es wurden Beispiele wie Mikro-Biorückhaltung und bioaktive Wände genannt. Herr Allen verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Beratung und im strategischen Management und arbeitet mit technischen Teams auf der ganzen Welt zusammen, um regenerative und naturbasierte Lösungen in die Planung und Gestaltung für verschiedene Kund*innen einzubeziehen.

Im Laufe von 3,8 Milliarden Jahren hat die Natur hocheffiziente Antworten auf die meisten Probleme gefunden, mit denen wir konfrontiert sind. Biomimikry ist eine Design- und Innovationsstrategie, die sich vom Erfindungsreichtum der Natur inspirieren lässt und ihre Muster, Methoden und effektiven Ansätze nutzt, um Lösungen zu verbessern und zu erneuern, die idealen Bedingungen für das Gedeihen aller Lebensformen schaffen. Auf die gebaute Umwelt angewandt, führt die Biomimikry zu Designlösungen, die die lebenserhaltenden Vorteile, auch bekannt als Ökosystemleistungen, die von natürlichen Lebensräumen bereitgestellt werden, imitieren. Infolgedessen unterstützen diese Gebäude die umliegenden Ökosysteme, indem sie sozioökonomische und ökologische Vorteile wie eine bessere Luft- und Wasserqualität, eine bessere Kohlenstoffabsorption und eine größere Artenvielfalt bieten. Das übergeordnete Ziel besteht darin, dass die Gebäude ähnlich funktionieren, wie die benachbarten, ungestörten Ökosysteme und den natürlichen Landschaften, die sie umgeben, den gleichen Nutzen bringen.

Herr Allen gab ein Beispiel dafür, wie die Ford Motor Company in ihrer Michigan Central Station Biomimikry-Maßnahmen umgesetzt hat, die nicht nur die lokale Wasserqualität verbessern, sondern auch zu positiven Ergebnissen beim Kohlenstoffkreislauf und der Artenvielfalt führen. Die Ford Motor Company führte die folgenden Maßnahmen durch:

  • Die Durchführung von Restaurierungsarbeitstagen, an denen die Mitarbeitenden des Unternehmens die Feuchtgebiete in der Umgebung der Michigan Central Station wiederherstellen sollten. Die Mitarbeitenden trugen zur Entwicklung von Biorückhaltebecken bei, restaurierten die örtlichen Bachufer, pflanzten einheimische Pflanzenarten entlang der Feuchtgebiete und entwickelten Bioswales zur Ableitung von Regenwasser.
  • Außerdem wurden örtliche Wälder wiederhergestellt und entlang der örtlichen Wälder Erholungspfade angelegt, um den Lebensraum für Vögel zu verbessern. Außerdem wurden Bestäubergärten angelegt. Zur Begrünung des Hauptbahnhofs wurden die zuvor für Mitarbeitendenparkplätze vorgesehenen Flächen in Waldgebiete umgewandelt, in denen einheimische Waldbäume gepflanzt wurden.
  • Eine Mischung aus blauen und grünen Regenwasserinfrastrukturen wurde ebenfalls im Hauptbahnhof umgesetzt, und zwar durch die Entwicklung von grünen und blauen Dächern, die das Niederschlagswasser auffangen und sammeln. Außerdem wurden Ökomaschinen installiert, die das auf die blau-grünen Dächer fallende Regenwasser aufbereiten und entweder in Regenwasserzisternen einleiten oder in die örtlichen Feuchtgebiete ableiten. Die Fußwege rund um den Campus und die neu angelegten Parkplätze wurden auf durchlässigen Oberflächen angelegt, damit das Wasser in den Boden versickern kann.

Nachdem er das Beispiel der Ford Motor Company vorgestellt hatte, präsentierte Herr Allen zwei Instrumente, die von den Teilnehmern zur Nutzung und Umsetzung von Biomimikry-Lösungen in ihren eigenen Städten verwendet werden können:

Die Methodik der positiven Leistung

  • Eine Bewertungs- und Innovationstechnik, die Geschäftskunden bei der Entwicklung und Umsetzung von regenerativen Best Practices unterstützt und so das allgemeine Wohlbefinden von Ökosystemen und den von ihnen abhängigen Gemeinschaften verbessert.
  • Unter Verwendung lokaler, intakter Ökosysteme als Inspiration und als Maßstab, an dem die zukünftige Leistung gemessen wird, leitet sie Organisationen und Designteams bei der Entwicklung ortsbezogener, regenerativer Designansätze an, die eine Reihe von Vorteilen für Ökosysteme, Gemeinschaften und Unternehmen bieten.

Das Ecosystem Intelligence Identification and Inventory Tool

  • Das Ecosystem Intelligence Identification and Inventory Tool wurde entwickelt, um die von einem Standort bereitgestellten Ökosystemleistungen zu identifizieren und zu quantifizieren. Die mit dem Tool erzeugten Daten können zur Visualisierung des Kosten-Nutzen-Potenzials für die Optimierung der Leistung von Naturlandschaften und bebauter Umwelt oder für verschiedene Ingenieur- und Finanzmodelle als wichtige Quelle für eine evidenzbasierte Planung verwendet werden.

Die Einsichtssitzung diente als wertvoller Input für den Lernprozess zum Hochwasserrisikomanagement für eine risikoinformierte Stadtentwicklung und bot den teilnehmenden Städten innovative und einzigartige Perspektiven für Lösungen, die in ihren städtischen Einzugsgebieten umgesetzt werden könnten. Die Veranstaltung vermittelte den Teilnehmenden nicht nur verschiedene Perspektiven zur Bekämpfung von Überschwemmungen in Städten, sondern führte auch zu einem Paradigmenwechsel im städtischen Risikomanagement, weg von der Fokussierung auf eine einzelne Gefahr, hin zu einer Fokussierung auf mehrere Gefahren und einem systemischen Ansatz im Risikomanagement.

Die Aufzeichnung und die Kopien der vom Jacobs-Team gehaltenen Präsentationen können über den folgenden Link abgerufen werden: https: //community.connective-cities.net/en/node/1464.

Connective Cities und die Resilience Initiative Africa bedanken sich bei den Referenten von Jacobs für ihre hervorragenden und interessanten Beiträge. Sollten Sie an ähnlichen Veranstaltungen interessiert sein, würden wir Sie gerne zu unseren kommenden Insight Sessions einladen:

  • Vorstellung des Amman Urban Observatory – 24/04/2024
  • Anwendung des Sponge-City-Konzepts im Kontext der afrikanischen Länder südlich der Sahara – 16/05/2024
  • Nutzung künstlicher Intelligenz für risikobasierte Stadtentwicklung und Klimamaßnahmen in der SADC-Region – 20/06/2024

Frauen in kommunalen Führungspositionen

Im Rahmen der Aktivitäten des Netzwerks in der MENA-Region wurden am 5. Februar 2024 in einer virtuelle Insight Session die Chancen und Herausforderungen diskutiert, die sich auf Frauen in Führungspositionen in den Kommunen auswirken.

Die Gleichstellung der Geschlechter und die Einbeziehung von Frauen in Entscheidungsprozesse sind in den letzten Jahrzehnten in der MENA-Region in den Vordergrund der politischen Debatte gerückt. Die Bemühungen um die Förderung von Frauen in Führungspositionen in den Kommunen sind vielversprechend, und einige Staaten haben Maßnahmen ergriffen, um die Vertretung von Frauen zu erhöhen. Trotz dieses Fortschritts gibt es nach wie vor Probleme wie den begrenzten Zugang zu Bildung und institutionelle Hindernisse, die den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen behindern.

Dr. Manal Al-Abdallat, die Leiterin des regionalen Frauennetzwerks in der Stadtverwaltung von Groß-Amman, gab einen Überblick über die Instrumente, die zu einer stärkeren Vertretung von Frauen in der Stadtverwaltung geführt haben, einschließlich der Einrichtung von Frauen-Empowerment-Einheiten. Sie wies jedoch darauf hin, dass der begrenzte Zugang von Frauen zu finanziellen Mitteln für die Lobbyarbeit ihre Erfolgschancen im Wahlkampf einschränkt. Eine weitere Herausforderung ist das Phänomen der Nominierung eines einzigen Kandidaten für Stammesvertretungen, wodurch Frauen gegenüber männlichen Kandidaten benachteiligt werden.

Verwandte Publikation:

Municipal Observatory for Gender Mainstreaming
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